Waplington wurde als Sohn eines Atomwissenschaftlers geboren. Er verbrachte die Jugend mit seiner Familie an unterschiedlichen Orten, bis er 1985 zu seinem Großvater nach Nottingham, einer alten Industriestadt in den East Midlands in England zog. Bereits als Schüler fotografierte er seine unmittelbare Umgebung, seine Freunde und Nachbarn und die Stadtlandschaft von Nottingham.
Seinen ersten Fotobildband „Living Room“ veröffentlichte er 1991 bei Aperture. Hierfür verbrachte er seit 1986 viele Wochenenden in zwei Familien aus der Arbeiterklasse in Nottingham. Er nahm an deren Leben teil und dokumentierte ungeschönt das alltägliche Leben zwischen Chaos und Glück, in einer perspektivlosen Gesellschaft. „Living Room“ erfuhr in den Bildbänden Weddings, Parties, Anything eine Fortsetzung.
Von 1993 bis 2000 entstand eine Fotoreportage über die Kleinstadt „Truth or Consequences“ in New Mexico, die sich 1950 nach einer Radio- und TV-Show von Ralph Edwards nannte. Die Fotografien Waplingtons von den Alltäglichkeiten des Ortes mit dem ungewöhnlichen Namen und seiner umgebenden Landschaft, sind gleichzeitig Zitat und Hommage an die berühmten Fotografen des amerikanischen Alltagslebens Walker Evans, Edward Weston, Robert Frank oder William Eggleston „... Entstanden ist so ein Werk, das zwischen Provinz und Privatheit wechselt, zwischen fremdem Blick und eigener Wahrnehmung - ein Werk des Übergangs und ein großer Fotoessay über die Tiefenschichten unseres Bilderreservoirs.“ Die Reportage ist in dem Bildband „Nick Waplington, Truth or Consequences“ dokumentiert.
Von 2008 bis 2010 sowie in den Jahren 2012 und 2013 hielt sich Nick Waplington in Israel auf. Er fotografierte über 350 jüdische Siedlungen in der West Bank und porträtierte Siedlerfamilien, insbesondere aus Großbritannien, Kanada, Südafrika, Australien, den USA und der ehemaligen Sowjetunion eingewanderte. Mit der daraus entstandenen Arbeit Settlement ist er Teil des von Frédéric Brenner initiierten Ausstellungsprojekts This Place von zwölf international bedeutenden Fotografinnen und Fotografen über die Komplexität Israels und der West Bank. Beteiligt waren neben Waplington und Brenner selbst Wendy Ewald (USA), Martin Kollar (Slowakei), Josef Koudelka (Tschechien), Jungjin Lee (Südkorea), Gilles Peress (Frankreich), Fazal Sheikh (USA), Stephen Shore (USA), Rosalind Solomon (USA), Thomas Struth (Deutschland) und Jeff Wall (Kanada). This Place war zwischen 2014 und 2016 im Zentrum für zeitgenössische Kunst DOX in Prag zu sehen, im Tel Aviv Museum of Art, dem Norton Museum of Art in West Palm Beach/Florida und im Brooklyn Museum.
↑Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. November 1991
↑Nick Waplington, John Slyce (Einführungstext), Truth or Consequences, A Personal History of American Photography from the Last Century, Phaidon-Verlag, Berlin, 2001
↑Isabel Kershner:Photography Project Seeks New Angles on Israel. In: The New York Times. 14.Dezember 2011, ISSN0362-4331 (nytimes.com[abgerufen am 17.August 2017]).