Nikolaus Haenel (auch Nicolaus Haenel; * 1938 in Wien) ist ein österreichischer Schauspieler, Hörspielsprecher und Regisseur. Bekannt wurde er als Informant für die Entstehung des Monologs Der Herr Karl (1961) von Helmut Qualtinger und Carl Merz: Haenel lernte 1960 als Aushilfe in einem Wiener Delikatessengeschäft einen Mann namens Max kennen, dessen Erzählungen er Qualtinger vorspielte und die als Vorlage für die Figur dienten.
Nikolaus Haenel ist der Sohn des Regisseurs und Theaterdirektors Günther Haenel (1898–1996) und wurde wie sein Vater Schauspieler.
1960 trat er gemeinsam mit Helmut Qualtinger im Kabarettprogramm Dachl überm Kopf auf, das im selben Jahr auch als Fernsehaufzeichnung gesendet wurde. Nach dem Ende der Spielzeit arbeitete Haenel zur Überbrückung bis zu einem neuen Engagement drei Monate lang als Aushilfe im Delikatessengeschäft „Top – Spezialitäten aus aller Welt“ an der Ecke Führichgasse/Tegetthoffstraße im 1. Wiener Gemeindebezirk.
In den 1960er- und 1970er-Jahren wirkte Haenel in mehreren Fernsehfilmen mit, darunter als Prinz Eduard in König Richard III. (1964), als Kubiš in Das Attentat – Heydrich in Prag (1967) sowie in den Shakespeare-Verfilmungen Heinrich VI. (1969) und Eduard IV. (1971). Am Theater Bonn spielte er in der Spielzeit 1999/2000 den Oberst Pickering in My Fair Lady (Regie: Frank Hoffmann). 2013 verkörperte er selbst den „Herrn Karl“ am Kasemattentheater in Luxemburg.
Haenel ist in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Jutta Hoffmann verheiratet; das Paar hat einen gemeinsamen Sohn und lebt in Potsdam.
In seiner letzten Woche im Delikatessengeschäft hatte Haenel seinen Nachfolger einzuschulen, einen etwa 50-jährigen Mann namens Max. Dieser zeigte wenig Interesse an der Arbeit, erzählte jedoch ausführlich und ungefragt aus seinem Leben, unter anderem von seiner Vergangenheit als Mitglied der NSDAP. Haenel informierte Qualtinger und traf sich mit ihm an drei oder vier aufeinanderfolgenden Tagen im Lokal Halali am Neuen Markt, wo er ihm die Erzählungen von Max nachspielte:
„Max erzählte mir ständig und ungefragt aus seinem Leben. Da Max Parteigenosse gewesen ist und seine Geschichte in einer sehr anschaulichen und theatralischen Weise wiedergab, verständigte ich Qualtinger. Wir trafen uns im Restaurant Halali am Neuen Markt, wo ich ihm an drei oder vier aufeinanderfolgenden Tagen Wort für Wort vorspielte, was Herr Max mir erzählte.“
Qualtinger gab die Geschichten an Carl Merz weiter, der im selben Haus wie das Geschäft wohnte. Die beiden verarbeiteten Haenels Schilderungen zum Text von Der Herr Karl. Nach Qualtingers Aussage mussten einige Anekdoten für die Bühnenfassung abgemildert werden, „da uns den echten Herrn Karl kein Mensch geglaubt hätte“. Max wurde kurz nach seiner Einstellung entlassen, nachdem in seinem Koffer mehrere unterschlagene Flaschen Wermut gefunden worden waren.
2005 kontaktierte der Journalist Georg Markus Haenel in Berlin, um die Entstehungsgeschichte der Figur zu recherchieren. Da der Familienname von Max nicht bekannt war und keine Fotografien existierten, fertigte Haenel aus der Erinnerung eine Tuschzeichnung von ihm an. Sie gilt als einzige bildliche Darstellung des realen Vorbilds und wurde 2015 in Markus’ Buch Apropos Gestern erstveröffentlicht.
Quellen:
Quellen:ARD-Hörspieldatenbank und HörDat, die Hörspieldatenbank
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Haenel, Nikolaus |
| ALTERNATIVNAMEN | Haenel, Nicolaus |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Schauspieler und Regisseur |
| GEBURTSDATUM | 1938 |
| GEBURTSORT | Wien |