Olga Zimmelova (auch Olga Gehr; geboren 1. Februar 1945 in Majdalena, Protektorat Böhmen und Mähren) ist eine tschechisch-schweizerische Künstlerin. Sie arbeitet in den Bereichen Malerei, Zeichnung, Installation, Performance sowie Film und Video.
Zimmelova ist die Tochter von František Zimmel und Marie Dvořáková-Zimmelová. Ihre Kindheit verbrachte sie zunächst in Majdalena und später in Strunkovice nad Volyňkou in Bahnwärterhäusern am Waldrand. Der Vater arbeitete an den Geleisen und hielt Bienen, die Mutter bediente die Bahnschranke. Wald und Flüsse gehörten ebenso zu dieser Umgebung wie die Bienen; Zimmelova zeichnete im Freien und verwendete Lehm aus dem Fluss zum Modellieren.
Zimmelova besuchte das Gymnasium in Tábor und studierte an der Pädagogischen Hochschule in Budweis Russisch und Zeichnen. 1967 schloss sie das Studium ab. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings verliess sie 1968 die Tschechoslowakei und liess sich in der Schweiz nieder.
In Luzern studierte sie bis 1972 an der Schule für Gestaltung. 1971 verbrachte sie ein Semester an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand bei Alik Cavaliere. Von 1974 bis 1979 war sie mit dem Bildhauer Andreas Gehr verheiratet. 1974 und 1976 wurden ihre beiden Töchter geboren; mit ihnen arbeitete sie später auch künstlerisch zusammen.
Von 1982 bis 1984 war Zimmelova Mitglied des Istituto Svizzero in Rom; 1985 folgte ein Studienaufenthalt an der Banasthali Women’s University in Indien. Von 1984 bis 1987 lebte und arbeitete sie auf Ventotene, anschliessend bis 1996 in Bosa auf Sardinien. 1997 kehrte sie in die Schweiz zurück und bezog ein Atelier im Werkverein Bildzwang in Luzern. Seit 2008 lebt und arbeitet sie in Basel und nutzt ein Atelier im Atelierhaus Klingental.
Zimmelovas Werk umfasst Malerei und Zeichnung ebenso wie räumliche Installationen, Arbeiten im Freien, Performances und bewegte Bilder. Ein zentrales gestalterisches Element ihrer Malerei ist der Pinselstrich als sichtbare Grundform. Der einzelne Strich hält die Bewegung und Richtung der Hand fest; durch Wiederholung, Berührung und Überlagerung entstehen rhythmische Bildfelder. Körperliche Vorgänge wie Herzschlag und Atmung können dabei den Rhythmus bestimmen.
In Mein Herzrhythmus (1979) übertrug Zimmelova den während des Malens mit einem Stethoskop wahrgenommenen eigenen Herzrhythmus in eine Folge roter, gelber und blauer Pinselstriche. Im folgenden Jahr entwickelte sie unter demselben Titel eine raumbezogene Fassung, in der die Malerei durch farbig bearbeitete plastische Elemente in den Raum ausgriff.
Die Pinselstrichmalerei entwickelte Zimmelova in grossformatigen und raumbezogenen Arbeiten weiter, darunter der Pinselstrichraum (1991), Die Farben des Erwachens (1998) und Téchne-Psyché (2000). Die gestischen Pinselstrichsetzungen entstehen in einem kontinuierlichen Ablauf. In einzelnen Arbeiten nehmen sie Bezug auf den vorhandenen Raum und können ihn in einen Bildraum verwandeln. Bei Wachsendes Bild (2001) wurde der Malprozess selbst Teil der Ausstellung: Zimmelova arbeitete während deren Laufzeit in der Kornschütte an einem Raumbild weiter. Die Pinselstriche der ebenfalls gezeigten Kelchbilder gingen aus der Bewegung des ganzen Körpers hervor; die Kelchform verband sich mit der Geste des Sich-Aufrichtens und Öffnens. In Die Farben des Erwachens wird das Erwachen zur Metapher für eine Malerei, die sich einer unmittelbaren, noch nicht begrifflich geordneten Wahrnehmung von Farbe und Licht annähert. Auch die für die Kunsthalle Luzern 2019 geschaffenen grossformatigen Malereien bezogen den vorhandenen Ausstellungsraum ein. Die Pinselstriche verdichten und überlagern sich zu einer konzentrierten, organisch gewachsenen Bildeinheit.
In der Performance Entfernung (2000), die im Rahmen der Ausstellung Cross Generation / Malerische Positionen im Kunstpanorama Luzern stattfand, verband Zimmelova Malerei und Musik. Der Saxophonist Urs Leimgruber bewegte sich mit seinem Instrument in dem von der Malerei geprägten Raum und verwendete die Abfolge der Pinselstriche als Partitur für seine Improvisation.
Zimmelovas gestalterische Arbeit wurde kontinuierlich von Textarbeit begleitet. Sie behandelt das Wort ähnlich wie den Pinselstrich als selbständige Einheit; seine Wirkung ergibt sich aus seiner Lage im Textfeld und der Beziehung zu anderen Wörtern. Statt fortlaufender Erzählungen entstehen auf diese Weise sprachliche Bildräume. Zu diesen Textarbeiten gehören das Strichwörterbuch (1981), Pandataria (1986) und Spiel der Spiegelungen (2012), in dem ihre Textbilder mit Fotografien ihrer Tochter Damaris Gehr verbunden sind.
Seit den frühen 1980er Jahren entstanden Arbeiten im Freien, zunächst am Tiber und in Ostia, später besonders auf Ventotene. Zimmelova bemalte dort unter anderem Mauern und einen Wellenbrecher, arbeitete mit vorgefundenem Tuffstein, Lehm und Treibholz und setzte Werke der Veränderung durch Wasser, Wind, Sonne, Regen und Salz aus. Ort und Naturprozesse wurden dadurch Teil der Werkentstehung. Der Jurybericht des Kunstkredits Basel-Stadt von 2025 ordnet diese Arbeiten in den Kontext der Land Art ein und hebt Flüsse, Wasseroberflächen und das Fliessen als wiederkehrende Motive ihres Werks hervor.
Seit den 1980er Jahren bezieht Zimmelova Bienen in ihre Arbeit ein. Sie malte Bilder für die Biene, filmte Bienen und liess bemalte oder mit Texten versehene Leinwände in Bienenstöcken teilweise mit Waben überbauen. Für eine Einzelausstellung in der Kunsthalle Luzern 2019 verband sie solche Bienenwabenobjekte mit grossformatigen, auf den Ausstellungsraum bezogenen Malereien.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Zimmelova, Olga |
| ALTERNATIVNAMEN | Gehr, Olga; Zimmelová, Olga |
| KURZBESCHREIBUNG | tschechisch-schweizerische Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1. Februar 1945 |
| GEBURTSORT | Majdalena |