Otto Herbert Hajek wuchs als Sohn von Anna Hajek, geborene Matejka, und Wendelin Hajek, einem Landwirt, auf. Die Familie gehörte zur deutschsprachigen Minderheit in der Tschechoslowakei. Von 1933 bis 1939 besuchte Hajek die Volksschule in Kaltenbach, das nach dem Münchner Abkommen von 1938 zum Reichsgau Sudetenland gehörte. Anschließend besuchte er von 1939 bis 1944 das Gymnasium in Prachatitz, das ab 1939 zum Protektorat Böhmen und Mähren gehörte. Er wurde 1938 Mitglied der Hitlerjugend und avancierte bis 1944 zum Oberjungzugführer. Im Sommer 1944 leistete er drei Monate Reichsarbeitsdienst. Ab dem 25. Dezember 1944 leistete er Dienst bei der Waffen-SS, wo er am 20. April 1945 noch zum Sturmmann befördert wurde. Im Mai 1946 wurde Hajek aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und kam nach Mittelfranken. Am 23. Juni 1947 wurde er zunächst durch die zuständige Spruchkammer in die Gruppe der Belasteten eingeordnet. Dies wurde allerdings in der Folge zurückgenommen, da Hajek unter das Jugendamnestiegesetz fiel.
Hajek stellte u.a. auf der documenta II (1959) und der documenta III (1964) in Kassel aus und erlangte so einen hohen Bekanntheitsgrad. Von 1972 bis 1979 war er erster Vorsitzender des Deutschen Künstlerbunds. In dieser Eigenschaft setzte er sich vor allem für die soziale Absicherung von Künstlern ein. Bis zu seinem Tod lebte er in Stuttgart an der Hasenbergsteige. Sein Grab liegt auf dem Waldfriedhof im Stuttgarter Stadtbezirk Degerloch.
Hajek war katholisch und mit der Schriftstellerin Katja Hajek, geborene Goertz, verheiratet, die 2011 starb und ebenfalls auf dem Degerlocher Waldfriedhof begraben ist, und hatte fünf Kinder (Katja, Eva, Aurelia, Urban und Anna). Seine Tochter war die Künstlerin Katja Ka, bürgerlich Hajek (1950–2008).
Würdigung
Seine Kunstwerke werden weltweit ausgestellt, beispielsweise in Moskau, Adelaide oder in den Museen des Vatikans. Bei den Werken handelt es sich überwiegend um farbige Skulpturen bzw. Objekte aus Stahl und Beton sowie um Innenraum- und Fassadengestaltungen an Gebäuden.
Auszeichnungen
1978 Ehrentitel Professor des Landes Baden-Württemberg
1978 Ehrendoktorwürde (Dr. h. c.) der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen
Im Stuttgarter Bürgerservicezentrum West ist ein Saal nach ihm benannt.
Werke
Raumbewegung 76/86II, StuttgartMineralbad Leuze in StuttgartKönigstein im Taunus, Kurbad, 1977, erweitert 1989Raumzeichen an der ZDF-Straße in Mainz
Hajeks Frühwerk ist in der Tradition der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts noch figurativ. Seit Mitte der 1950er Jahre modellierte er ungegenständliche Skulpturen, die sogenannten Raumknoten, sowie Reliefs, die er für den kirchlichen Bereich entwarf. Diese zeigen oft nach der Aushöhlung und Auflösung monolithischer Großformen entstandene eher filigrane Strukturen und sind der damals aktuellen informellen Strömung zuzuordnen. 1958 erlangte er erstmals durch die Teilnahme an Ausstellungen in der Kunsthalle Düsseldorf und an der 29. Biennale von Venedig breitere Aufmerksamkeit. Ab Mitte der 1960er Jahre verwendet Hajek farblich gefasste geometrische Formen, mit denen er sich der Bildsprache der Konkreten Kunst annähert, allerdings ohne wie diese seine künstlerische Freiheit einem unpersönlichen und ›objektiven‹ Gestaltungsprinzip unterzuordnen. Das gilt ebenso für Hajeks Kleinplastiken und grafische Arbeiten wie für die monumentalen Stadtzeichen, Farbwege, Architektur- und Platzgestaltungen, die sein Hauptwerk bilden. Mit diesen sprengt Hajek wie kaum ein Künstler seiner Epoche die herkömmlichen Dimensionen der Bildhauerei.
Otto Herbert Hajek Skulpturenpark in Stuttgart-West, angrenzend an Hajeks früheres Wohn- und Atelierhaus, 1957–1992
Altar, Kanzel, Taufbecken und Reliefwand aus Betonguss in der Pfingstbergkirche, Mannheim 1961–62
Frankfurter Frühling, Begehbare Plastik mit Farbwegen, sechs Modellierbetonplastiken und reliefiertem Boden (1962–1964) im Auftrag der Stadt Frankfurt/Main für die Heinrich-Kleyer-Schule konzipiert, präsentiert auf der documenta III in Kassel, im Zuge von Sanierungsarbeiten 2007–2009 vollständig entfernt.
Großes Raumrelief (Beton) auf dem Waldfriedhof Stuttgart, 1962
Zeichen flügelt im Raum an einer Straßenkreuzung in Saarlouis
Künstlerische Ausgestaltung der Katholischen St.-Mauritius-Kirche in Wiesbaden mit Hans-Georg Schleifer, Architekten: Planungsring Wiesbaden (Jürgen Jüchser und Peter Ressel) mit Martin Braunstorfinger, 1967–1968
Wogende Ähren am Vorplatz des Kreishauses in Schwelm, 1969 bis 1972
3 Schulen unter einem Dach, Skulptur vor der Albert-Einstein-Schule Bochum, 1970, im Zuge des Schulneubaus 2011 abgerissen
Bochumer Frühling, ab 1971 Fassadengestaltung an verschiedenen Turnhallen von Bochumer Schulgebäuden: Alice-Salomon Berufskolleg an der Lohbergstraße, Graf-von-der-Recke-Schule, Grundschule Auf dem Alten Kamp, Helene-Lange-Schule an der Feldsieper Straße, Grundschule Frauenlobstraße, Vels-Heide-Schule am Sanderweg, Grundschulen Natorpstraße, Köllerholzschule, Grundschule Max-Greve-Straße und am Nordwestbad. Die Fassaden am Schulzentrum Markstraße und Schulzentrum Wiemelhausen wurden im Zuge von Schulneubauten (2011 und um 2020) abgerissen.
Edelstahlskulptur „Stadtzeichen“ in der Fußgängerzone von Langenfeld (seit 2000). Die Skulptur wird von der regionalen Geocacherszene auch liebevoll „Geocachersäule“ genannt, da hier häufiger Geocache-Event-Treffen stattfinden, die von dem Langenfelder Geocacher „Geovortex“ organisiert werden.
Der so genannte Hajek-Brunnen auf dem Synagogenplatz (ehemals: Viktoriaplatz) in Mülheim an der Ruhr, 1977. Die Beseitigung oder Verlegung des umstrittenen Kunstwerkes gehörte zu den wichtigsten Themen im Kommunalwahlkampf des Jahres 1999.
Kurbad in Königstein im Taunus, errichtet 1972–1977, erweitert 1989 um ein Außenbecken. Farbige und künstlerische Gestaltung in den (nicht intendiert: nassauischen) Farben Blau und Orange (außen) von Otto Herbert Hajek mit den Architekten Geier + Geier, Stuttgart; innen mehrere „Farbwege“-Wandbilder von Hajek. Seit 2013 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.
Vorwort. In: Uli Kreh: Die kalten Schönen. Plastiken in Stuttgart. Betulius, Stuttgart 1993, Seite 10, ISBN 3-89511-001-9.
Claus-Peter Lieckfeld für die Umweltstiftung WWF-Deutschland (Hrsg.):Zeit zu leben: Vom Umgang mit einem kostbaren Gut. Gestaltet von Otto Herbert Hajek unter Verwendung eigens für dieses Werk geschaffener Gouachen und früherer Bildwerke. Pro Futura, München 1997, DNB982382820.
Einen Teil seines Werkes hinterließ der Bildhauer dem Kulturzentrum Otto Herbert Hajek (Kulturní centrum galerie Otto Herberta Hajeka) in Prachatitz (Prachatice). Der Künstler betrachtete Prachatitz, wo er das Gymnasium zwischen 1939 und 1944 besuchte, als seine Heimatstadt.
Chris Gerbing: Chancen, Möglichkeiten und Grenzen von Kunst im Unternehmen. Eine interdisziplinäre Studie am Beispiel der „Kunstumzingelung“ von Otto Herbert Hajek an der Sparda-Bank in Stuttgart. Wasmuth-Verlag, Tübingen 2010, ISBN 978-3-8030-3342-0.
Franz Mon (Hrsg.): Otto Herbert Hajek. Katalog der Galerie Aenne Abels, Köln 1960
Hajek, Otto Herbert. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 444.
Otto Herbert Hajek im Gespräch. Interview 6. Otto Herbert Hajek im Gespräch mit Monika Bugs. Saarbrücken St. Johann 1998.
Uli Kreh: Die kalten Schönen. Plastiken in Stuttgart. Stuttgart 1993, Seite 146–147. (Liegende an der Hoppenlauschule Stuttgart)
Claus Pese: Mehr als nur Kunst. Das Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum. (= Kulturgeschichtliche Spaziergänge im Germanischen Nationalmuseum, Band 2.) Ostfildern-Ruit 1998, S.111–115.
Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (Hrsg.): O. H. Hajek. Die Durchdringung des Lebens mit Kunst. Besler-Verlag, Stuttgart / Zürich 1987, ISBN 3-7630-1719-4.
Dorothée Bauerle (Hrsg.): Otto Herbert Hajek: Werke 1950-1986 Katalog anläßlich der Ausstellung im Ulmer Museum, Schuhhaus, Rathaus, Kornhausfoyer, Innenstadt, Hochbauamt der Stadt Ulm, vom 6. Juni bis 13. Juli 1986, Ulm 1986
Otto Herbert Hajek: dynamischer Bildraum, Zeichen. Erschienen anläßlich einer Ausstellung der Galerie von Abercron, München, 28. Januar 1992, München 1992
Annuschka Koos (Hrsg.): Otto Herbert Hajek. Das druckgraphische Werk. Ausstellungskatalog in zwei Bänden der Otto-Herbert-Hajek-Kunststiftung der Sparda-Bank Baden-Württemberg, Neuer Kunstverlag Stuttgart 2005 und 2006
Galerie Lauter: O. H. Hajek: Plastiken, Bilder, Reliefs, Zeichnungen und Graphik mit einer Dokumentation der architekturbezogenen Werke des Künstlers, Mannheim 1977
Künstlerische Gestaltung der Bauwerke am Neckar. In: Die Rheinschiffahrt, Fachzeitschrift für die Binnenschiffahrt und das Fährwesen, Nr. 4 vom 25. Februar 1963, Seite 49. (Relief, Staustufe Pleidelsheim)
Otto Herbert Hajek Kunststiftung der Sparda-Bank Baden-Württemberg (Hrsg.): Druckgrafik. (Band 1: 1949–1975 / Band 2: 1976–2005) Stuttgart 2005, ISBN 3-938023-08-2.
Gabriele Klempert, Hans-Curt Köster (Hrsg.): Hajeks Farb-Bad in Königstein. Eine Symbiose aus Architektur und Kunst von Geier + Geier mit Otto Herbert Hajek am Kurbad Königstein i. Ts. (mit Beiträgen von Karin Berkemann, Chris Gerbing, Otto Herbert Hajek, Rainer Kowald und Eva Streppel sowie einem Interview mit Ingeborg Geier und Wolfram Völlger von Karin Berkemann) Verlag Langewiesche, Königstein im Taunus 2014, ISBN 978-3-7845-6306-0.
Fritz Wiedermann: Plastische Kunstwerke für die Neckarstaustufen. In: Der Holz- und Steinbildhauer, Jahrgang 1956, Heft 1, Seite 1–6. (Otto Herbert Hajek: Bild 6)
Württembergischer Kunstverein (Hrsg.): Maler und Bildhauer. Ausstellung des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart im Kunstgebäude am Schloßplatz 29.März – 29.April 1956. Stuttgart 1956. (2 Seiten, nicht paginiert).
Otto Herbert Hajek * 1927 in Kaltenbach, Tschechoslowakei; † 2005 in Stuttgart. In: Eine Frage der Form. Abstrakte und angewandte Kunst aus den städtischen Sammlungen. Brandes, Altenried 2022, ISBN 978-3-948818-19-7, S.40f.
Johannes H. Voigt: Kunst aus Stuttgart – made in Australia. Otto Herbert Hajek gab dem Festspielplatz in Adelaide Sinn und Gestalt. In: Schwäbische Heimat. Bd. 66 (2015), Nr. 2, S.194–200 doi:10.53458/sh.v66i2.2029.
Leonie Beiersdorf und Frank Engehausen: Forschungsprojekt: NS-Vergangenheit südwestdeutscher Landtagsabgeordneter nach 1945. Teilprojekt: NS-Bezüge der im Landtag von Baden-Württemberg ausgestellten Kunstwerke, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, S. 72–75 (online).
↑Otto Herbert Hajek Skulpturenpark.In:Kunst im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt Stuttgart.Fachbereich "Kunst im öffentlichen Raum" des Kulturamts der Landeshauptstadt Stuttgart,15.Januar 2026,abgerufen am 17.Juni 2026.
↑Römische Erinnerung von Otto Herbert Hajek.In:Kunst im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt Stuttgart.Fachbereich "Kunst im öffentlichen Raum" des Stuttgarter Kulturamts,12.Januar 2026,abgerufen am 17.Juni 2026.
↑Petra Tücks:Otto Herbert Hajek – Mensa, ›Rosengarten‹ und ›Universitätszeichen‹. In: Jörg Pütz, Henry Keazor (Hrsg.): Kunst auf dem Campus. Gollenstein Verlag, Merzig 2012, ISBN 978-3-86390-010-6, S.48–51.
↑St. Mauritius. 29. September 1968, Weiheschrift, hg. von der Sankt-Mauritius-Gemeinde, Wiesbaden 1967–1968.
↑Marina von Assel:Kunst auf Schritt und Tritt in Bochum: Ein Führer zu moderner Kunst auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Studienverlag Brockmeyer, Bochum 1992, ISBN 3-8196-0060-4, S.74f.
↑Erwin Dickhoff:Essener Straßen. Hrsg.: Stadt Essen–Historischer Verein für Stadt und Stift Essen. Klartext-Verlag, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-1231-1, S.235.
↑Hajek-Brunnen, Website Mülheim an der Ruhr. Abgerufen am 19. November 2017.
↑GilesThomson:The vandalisation of art: (de)commissioning art in public space. In: Artlink. 34. Jahrgang, Nr.1, März 2014 (englisch, com.au).
↑O. H. Hajek Galerie Lauter zeigt Plastiken, Bilder, Reliefs, Zeichn. u. Graphik von Otto Herbert Hajek. 1977 (worldcat.org[abgerufen am 22.September 2021]).