Otto Herbert Hajek

„Wegzeichen Nr. 1“
„Stadtzeichen 69/74“
Farbe flügelt im Raum, 2002 – am SWR-Gebäude in Stuttgart

Otto Herbert Hajek (* 27. Juni 1927 in Kaltenbach, Tschechoslowakei; † 29. April 2005 in Stuttgart) war ein deutscher abstrakter Maler, Grafiker und Bildhauer.

Leben

Otto Herbert Hajek wuchs als Sohn von Anna Hajek, geborene Matejka, und Wendelin Hajek, einem Landwirt, auf. Die Familie gehörte zur deutschsprachigen Minderheit in der Tschechoslowakei. Von 1933 bis 1939 besuchte Hajek die Volksschule in Kaltenbach, das nach dem Münchner Abkommen von 1938 zum Reichsgau Sudetenland gehörte. Anschließend besuchte er von 1939 bis 1944 das Gymnasium in Prachatitz, das ab 1939 zum Protektorat Böhmen und Mähren gehörte. Er wurde 1938 Mitglied der Hitlerjugend und avancierte bis 1944 zum Oberjungzugführer. Im Sommer 1944 leistete er drei Monate Reichsarbeitsdienst. Ab dem 25. Dezember 1944 leistete er Dienst bei der Waffen-SS, wo er am 20. April 1945 noch zum Sturmmann befördert wurde. Im Mai 1946 wurde Hajek aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und kam nach Mittelfranken. Am 23. Juni 1947 wurde er zunächst durch die zuständige Spruchkammer in die Gruppe der Belasteten eingeordnet. Dies wurde allerdings in der Folge zurückgenommen, da Hajek unter das Jugendamnestiegesetz fiel.

Infolge der Beneš-Dekrete wurde die Familie 1946 aus Prachatitz vertrieben. Hajek besuchte zeitweilig die Oberschule in Hersbruck und legte 1947 in Erlangen das Abitur ab. Von 1947 bis 1954 studierte er Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Rudolf Daudert und Peter Otto Heim. Seine Lebensumstände blieben jedoch schwierig, da er als damaliger Staatenloser kein Stipendium erhalten konnte. Danach war er als freischaffender Bildhauer in Stuttgart tätig. 1978 wurde ihm der Professorentitel durch das Land Baden-Württemberg verliehen. 1980 wurde er zum Leiter einer Bildhauerklasse an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe berufen. Er lehrte dort als Professor für Bildhauerei bis 1992.

Hajek stellte u. a. auf der documenta II (1959) und der documenta III (1964) in Kassel aus und erlangte so einen hohen Bekanntheitsgrad. Von 1972 bis 1979 war er erster Vorsitzender des Deutschen Künstlerbunds. In dieser Eigenschaft setzte er sich vor allem für die soziale Absicherung von Künstlern ein. Bis zu seinem Tod lebte er in Stuttgart an der Hasenbergsteige. Sein Grab liegt auf dem Waldfriedhof im Stuttgarter Stadtbezirk Degerloch.

Hajek war katholisch und mit der Schriftstellerin Katja Hajek, geborene Goertz, verheiratet, die 2011 starb und ebenfalls auf dem Degerlocher Waldfriedhof begraben ist, und hatte fünf Kinder (Katja, Eva, Aurelia, Urban und Anna). Seine Tochter war die Künstlerin Katja Ka, bürgerlich Hajek (1950–2008).

Würdigung

Seine Kunstwerke werden weltweit ausgestellt, beispielsweise in Moskau, Adelaide oder in den Museen des Vatikans. Bei den Werken handelt es sich überwiegend um farbige Skulpturen bzw. Objekte aus Stahl und Beton sowie um Innenraum- und Fassadengestaltungen an Gebäuden.

Auszeichnungen

Im Stuttgarter Bürgerservicezentrum West ist ein Saal nach ihm benannt.

Werke

Raumbewegung 76/86 II, Stuttgart
Mineralbad Leuze in Stuttgart
Königstein im Taunus, Kurbad, 1977, erweitert 1989
Abstrakte Kunst an der ZDF-Straße in Mainz
Raumzeichen an der ZDF-Straße in Mainz

Hajeks Frühwerk ist in der Tradition der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch figurativ. Seit Mitte der 1950er Jahre modellierte er ungegenständliche Skulpturen, die sogenannten Raumknoten, sowie Reliefs, die er für den kirchlichen Bereich entwarf. Diese zeigen oft nach der Aushöhlung und Auflösung monolithischer Großformen entstandene eher filigrane Strukturen und sind der damals aktuellen informellen Strömung zuzuordnen. 1958 erlangte er erstmals durch die Teilnahme an Ausstellungen in der Kunsthalle Düsseldorf und an der 29. Biennale von Venedig breitere Aufmerksamkeit. Ab Mitte der 1960er Jahre verwendet Hajek farblich gefasste geometrische Formen, mit denen er sich der Bildsprache der Konkreten Kunst annähert, allerdings ohne wie diese seine künstlerische Freiheit einem unpersönlichen und ›objektiven‹ Gestaltungsprinzip unterzuordnen. Das gilt ebenso für Hajeks Kleinplastiken und grafische Arbeiten wie für die monumentalen Stadtzeichen, Farbwege, Architektur- und Platzgestaltungen, die sein Hauptwerk bilden. Mit diesen sprengt Hajek wie kaum ein Künstler seiner Epoche die herkömmlichen Dimensionen der Bildhauerei.

Panoramaansicht des Kreuzweges an der Kirche Maria Regina Martyrum, Berlin-Charlottenburg

Schriften

Nachlass

Der künstlerische Nachlass samt aller Rechte wird von Urban Hajek, dem Sohn des Künstlers, verwaltet. Er betreut eine ständige Ausstellung mit Arbeiten Otto Herbert Hajeks in seiner Stuttgarter Galerie Hajek und organisiert Ausstellungen auch an anderen Orten. Teile des schriftlichen Nachlasses liegen im Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum. Der architekturbezogene Nachlass befindet sich im Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (SAAI) am Karlsruher Institut für Technologie.

Einen Teil seines Werkes hinterließ der Bildhauer dem Kulturzentrum Otto Herbert Hajek (Kulturní centrum galerie Otto Herberta Hajeka) in Prachatitz (Prachatice). Der Künstler betrachtete Prachatitz, wo er das Gymnasium zwischen 1939 und 1944 besuchte, als seine Heimatstadt.

Ausstellungen (Auswahl)

Literatur

Commons: Otto Herbert Hajek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Deutscher Künstlerbund e. V. - Vorstände. Deutscher Künstlerbund e. V., 25. September 2015, archiviert vom Original; abgerufen am 26. Januar 2021.
  2. ↑ Wih: Künstler. 29. März 2012, abgerufen am 31. Januar 2026.
  3. ↑ Hajek Katja - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 11. Januar 2021.
  4. ↑ Katja Hajek | Autorinnen und Autoren in Baden-Württemberg. Abgerufen am 11. Januar 2021.
  5. ↑ Traueranzeigen von Katja Hajek. stuttgart-gedenkt.de, abgerufen am 11. Januar 2021.
  6. ↑ Katja Ka: Retrouvagen. In: kunstaspekte.art. 28. September 2009, abgerufen am 26. Dezember 2020.
  7. ↑ Katja Ka – meerschweinchenreport. In: hamlethamster.wordpress.com. 18. Juli 2014, abgerufen am 26. Dezember 2020 (englisch).
  8. ↑ katja ka. In: nikolai.de, Salzgitter, Skulpturen. Abgerufen am 25. Januar 2021.
  9. ↑ Stefan Dürre: Seemanns Lexikon der Skulptur. E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86502-101-4, S. 177.
  10. ↑ Otto Herbert Hajek Skulpturenpark. In: Kunst im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt Stuttgart. Fachbereich "Kunst im öffentlichen Raum" des Kulturamts der Landeshauptstadt Stuttgart, 15. Januar 2026, abgerufen am 17. Juni 2026.
  11. ↑ Kunstwerke im öffentlichen Raum in Stuttgart. Fachbereich "Kunst im öffentlichen Raum" des Kulturamts der Landeshauptstadt Stuttgart, 12. Januar 2026, abgerufen am 17. Juni 2026.
  12. ↑ Galerie Lauter: O. H. Hajek: Plastiken, Bilder, Reliefs, Zeichnungen und Graphik. In: Galerie Lauter (Hrsg.): Dokumentation architekturbezogener Werke, Abb. 69. Galerie Lauter, Mannheim, S. 6.
  13. ↑ welt-der-form.net: Werke im öffentlichen Raum / Mitmachen!, abgerufen am 23. August 2015.
  14. ↑ Großes Raumrelief Waldfriedhof Stuttgart, abgerufen am 25. Dezember 2018.
  15. ↑ Galerie Lauter: O. H. Hajek: Plastiken, Bilder, Reliefs, Zeichnungen und Graphik. In: Galerie Lauter (Hrsg.): Dokumentation architekturbezogener Werke, Abb. 61. Galerie Lauter, Mannheim 1977, S. 6.
  16. ↑ Römische Erinnerung von Otto Herbert Hajek. In: Kunst im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt Stuttgart. Fachbereich "Kunst im öffentlichen Raum" des Stuttgarter Kulturamts, 12. Januar 2026, abgerufen am 17. Juni 2026.
  17. ↑ Petra Tücks: Otto Herbert Hajek – Mensa, ›Rosengarten‹ und ›Universitätszeichen‹. In: Jörg Pütz, Henry Keazor (Hrsg.): Kunst auf dem Campus. Gollenstein Verlag, Merzig 2012, ISBN 978-3-86390-010-6, S. 48–51.
  18. ↑ St. Mauritius. 29. September 1968, Weiheschrift, hg. von der Sankt-Mauritius-Gemeinde, Wiesbaden 1967–1968.
  19. ↑ Agnes Cibura M.A.: Wiesbaden | St. Mauritius, Porträt auf „Straße der Moderne“, abgerufen am 18. Oktober 2026.
  20. ↑ Michael Zeidler: Offener Brief zum Abriss der Skulptur »3 Schulen unter einem Dach« von Otto Herbert Hajek. (PDF) Deutscher Künstlerbund e. V., 11. Juli 2011, abgerufen am 26. Januar 2021.
  21. ↑ Marina von Assel: Kunst auf Schritt und Tritt in Bochum: Ein Führer zu moderner Kunst auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Studienverlag Brockmeyer, Bochum 1992, ISBN 3-8196-0060-4, S. 74 f.
  22. ↑ Bochumer Frühling. artibeau, abgerufen am 3. März 2026.
  23. ↑ Erwin Dickhoff: Essener Straßen. Hrsg.: Stadt Essen–Historischer Verein für Stadt und Stift Essen. Klartext-Verlag, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-1231-1, S. 235.
  24. ↑ Hajek-Brunnen, Website Mülheim an der Ruhr. Abgerufen am 19. November 2017.
  25. ↑ Giles Thomson: The vandalisation of art: (de)commissioning art in public space. In: Artlink. 34. Jahrgang, Nr. 1, März 2014 (englisch, com.au).
  26. ↑ Galerie Hajek
  27. ↑ Kulturzentrum und Galerie des Künstlers Otto Herbert Hajek. In: bbkult.net. Abgerufen am 15. November 2025 (deutsch).
  28. ↑ Website der Ausstellung, abgerufen am 27. Oktober 2023.
  29. ↑ O. H. Hajek Galerie Lauter zeigt Plastiken, Bilder, Reliefs, Zeichn. u. Graphik von Otto Herbert Hajek. 1977 (worldcat.org [abgerufen am 22. September 2021]).
Personendaten
NAME Hajek, Otto Herbert
ALTERNATIVNAMEN Hajeka, Otto Herberta
KURZBESCHREIBUNG deutscher abstrakter Maler, Grafiker und Bildhauer
GEBURTSDATUM 27. Juni 1927
GEBURTSORT Kaltenbach, Tschechoslowakei
STERBEDATUM 29. April 2005
STERBEORT Stuttgart