
Paulette Sarcey, geborene Paula Szlifke (geboren 11. April 1924 im 12. Arrondissement, Paris; gestorben 4. Mai 2020 in Montreuil, Département Seine-Saint-Denis), war eine jüdische französische Widerstandskämpfern und Holocaust-Überlebende.
Sarcey wurde eine Familie jüdischer und polnischer Herkunft geboren. Ihr Vater Froim (Efrayim) Szlifke war Lederarbeiter sowie gewerkschaftlich und kommunistisch engagiert. Er hatte für das Engagement in seinem Heimatland bereits eine Gefängnisstrafe verbüßt. Auch ihre Mutter, Jenta (Yentil), geborene Przepiorka, arbeitete in der Bekleidungsindustrie. Das Ehepaar, das unter dem in der Zweiten Polnischen Republik grassierenden Antisemitismus litt, wanderte 1923 nach Frankreich aus. Schon bald kam Sarcey mit den kommunistischen und gewerkschaftlichen Kreisen im Pariser Quartier de Belleville in Kontakt.
Nach der deutschen Besetzung Frankreichs schloss sie sich 1940 im Alter von 16 Jahren zusammen mit anderen jungen Kommunisten, darunter insbesondere Henri Krasucki, ihrem damaligen Lebensgefährten, der Résistance an. Außerdem weigerte sie sich, den Judenstern zu tragen. Unter dem Decknamen „Martine“ war sie Teil der Francs-tireurs et partisans – main d’œuvre immigrée (FTP-MOI).
Sarcey wurde am 23. März 1943 nach einer Denunziation von der französischen Polizei festgenommen. Ihr letzter bekannter Wohnort lag im 11. Arrondissement. Sie wurde in die kleine Haftanstalt der Pariser Polizeipräfektur gebracht, wo sie mit Härte verhört wurde. Kaum hatte sie sich erholt, wurde sie ins Sammellager Drancy gebracht und am 23. Juni 1943 mit dem Convoi No. 55 ins KZ Auschwitz deportiert. In Auschwitz erhielt sie die Häftlingsnummer 46 650. Im Januar 1945 wurde sie im Rahmen eines Todesmarsches erst ins KZ Ravensbrück und anschließend ins Außenlage KZ Neustadt-Glewe evakuiert. Aus letzterem wurde sie am 2. Mai 1945 befreit.
Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich fand Sarcey ihre Familie wieder, die alle den Holocaust in Frankreich überlebt hatte. Ihr Bruder Robert Szlifke war bei einer französischen katholischen Familie in Chahaignes, Département Sarthe versteckt worden, und ihre Eltern hatten sich in ihrer Pariser Werkstatt versteckt. Ihr Vater starb 1972, ihre Mutter 1981 und der Bruder 2019.
Sarcey nahm ihre politischen Aktivitäten sofort wieder auf und engagierte sich insbesondere in der Union des Juifs pour la résistance et l'entraide (UJRE) und deren Commission centrale de l’enfance (CCE).
1947 heiratete sie Max Swiczarczyk (1926–2003), ebenfalls Widerstandskämpfer und Mitglied der FTP-MOI. Das Paar lebte in Montreuil im Département Seine-Saint-Denis und hatte zwei Kinder, Michèle und Claude. Der Familienname wurde 1968 in „Sarcey“ französisiert.
Sarcey wurde das Croix de guerre verliehen und mit Dekret vom 27. Juni 1968 die Médaille militaire. Mit Dekret vom 9. Dezember wurde sie Ritterin der Ehrenlegion.
Sarcey fühlte sich verpflichtet, das Bewusstsein für die Schrecken der Lager zu schärfen. 2015 veröffentlichte sie Paula, survivre obstinément, ihre Erinnerungen an den Holocaust. „Ich hatte meinen Mitgefangenen versprochen, alles zu erzählen“. 2016 gab sie ein Zeitzeugen-Interview. Sie setzte ihr Engagement in dieser Sache und in der Kommunistischen Partei Frankreichs bis zu ihrem Lebensende fort.
Sie starb 2020 im Alter von 96 Jahren in Montreuil. 2021 brachte die Stadt Paris an ihrem Wohnhaus eine Gedenktafel an.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sarcey, Paulette |
| ALTERNATIVNAMEN | Swiczarczyk, Paula; Szlifke, Paula (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | jüdische französische Widerstandskämpfern und Holocaust-Überlebende |
| GEBURTSDATUM | 11. April 1924 |
| GEBURTSORT | 12. Arrondissement, Paris, Frankreich |
| STERBEDATUM | 4. Mai 2020 |
| STERBEORT | Montreuil, Département Seine-Saint-Denis, Frankreich |