

Pelzschmuck bezeichnet Schmuckstücke und dekorative Accessoires, die unter Verwendung von Fell oder bei der Pelzverarbeitung anfallenden Pelzstücken hergestellt werden. Sie werden am Körper getragen oder an Kleidungsstücken befestigt. Die Herstellung erfolgte traditionell überwiegend im Kürschnerhandwerk, daneben auch durch Schmuckdesigner und Modeateliers.
Im weiteren Sinn werden dazu auch Taschen- und Schlüsselanhänger aus Fell sowie kleinere Pelzaccessoires gerechnet. Teilweise überschneidet sich der Begriff mit Galanteriewaren und Kleinkonfektion aus Pelz, etwa losen Pelzkragen, Pelzkrawatten, kleinen Pelzcapes oder Pelzkolliers. Das österreichische Pelz-Lexikon von 1950 bezeichnete unter dem Stichwort „Pelzfrivolitäten“ kleine dekorative Pelzarbeiten wie Hutaufputz, Taschenpatten, Knöpfe oder Gürtelschnallen aus Pelz in „aparten Formen“.

Die Verwendung von Schmuck geht auf die Anfänge der Menschheit zurück. Inwieweit Fell, außer als Kleidung, dabei eine Rolle spielte, ist schon wegen der Vergänglichkeit des Materials, nicht bekannt. Das verwandte, sich mit Vogelfedern zu schmücken, ist bei Naturvölkern weit verbreitet und war in der Antike ein fester Bestandteil der kulturhistorischen Tradition des Schmucks. Neben dem reinen Verschönerungsbedürfnis wurde Fell als spiritueller Schmuck, als Schutzamulett oder als Statussymbol getragen. Beispiele sind Fellstücke als Ohrschmuck bei indigenen Gruppen oder kleine Pelzanhänger bei rituellen Handlungen.
Eine industrielle Herstellung von Pelzschmuck scheint vor dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) keine größere wirtschaftliche Bedeutung gehabt zu haben. Der Wiener Kürschner Alexander Tuma führte 1928 sehr detailliert die mögliche Verwendung der bei der Pelzherstellung abfallenden Reste auf. Dort heißt es dazu nur, dass Hermelinköpfe „höchstens als Aufputz Verwendung finden“, neben anderen Nerzfellreste für Verzierungen von Pelzprodukten, „auch als Garnierung von Mänteln, Capes und Kleidungsstücken“.
Im Fachverzeichnis der Pelzbranche des Jahres 1967, der Zeit einer Hochkonjunktur der Pelzmode und des Pelzabsatzes, sind in der Rubrik „Pelzschmuck“ 13 deutsche Betriebe aufgeführt. Die H. Böttger KG, Fehschweiffabrik („Schweif-Böttger“) in Frankfurt am Main, fabrizierte neben gedrehten Fellschweifen auch Pelzschmuck. Bei einem Teil der Firmen ist angegeben, dass sie außerdem Pelzhüte und -mützen, Pelzbesätze oder Pelztiere vertrieben. Die Firma Otto Metz aus Bayreuth inserierte etwas detaillierter: „Herstellung von Pelzminiaturen (Anstecker), Tiere und Blumen in stabilen Klarsichtetuis, einzeln verpackt. Enorme Nachfrage im In- und Ausland“. Pelz-Taube aus Rheine/Westfalen bot „Pelletta-Pelzschmuck“ an, Käthe Schmidt aus Oberau-Loisach „Pelzschmuck nach eigenen Entwürfen“. Spätestens 1979 richtete das Fachverzeichnis den Pelzschmuckanbietern kein eigenes Kapitel mehr ein.
In der DDR hatte sich die Firma Pelzitt (1955–1976), Inhaber Walter Schmortte aus dem ehemaligen Bösdorf bei Leipzig, neben dem Vertrieb chemisch-technischer Hilfsmittel für Kürschnereibetriebe, auf Pelzschmuck spezialisiert. Sie verwertete dazu die abgefallenen Persianer- und Nerzreste, die bei den Lohnaufträgen hauptsächlich westdeutscher Firmen anfielen.
Mit dem um 2000 begonnenen drastischen Rückgang des Pelzabsatzes hat auch der zuvor bereits geringe Anteil des Pelzschmucks in der Mode zumindest im deutschsprachigen Raum weiter an Bedeutung verloren.
Für den Pelzschmuck im engeren Sinn eignen sich vor allem kurzhaarige Fellarten. Die Häufigkeit der Verwendung geht einher mit der jeweils von der Mode bevorzugten Fellarten, zumal hier auch besonders viel dafür geeignete Fellstücken anfallen. Das waren im 20. und 21. Jahrhundert besonders Karakullammfelle (Persianer) und Nerzfelle, Kaninfelle, daneben Schaffelle, im Handel ebenfalls als Lammfell bezeichnet. Langhaarfelle werden dagegen besonders für Taschen und Schlüsselanhänger benutzt sowie für alle Arten von Pelzaccessoires.
Zum Fell hinzu kommen häufig Materialien der Schmuckbranche, wie Strass oder Perlen.
Behaarte Fellschwänze wurden in Jägerkulturen häufig als Trophäen oder Amulette benutzt. In der Mode schmückten sie als modische Attribute, zeitweilig in erheblichem Umfang, alle Arten von Pelzbekleidung, Muffe, Schals, Capes, Pelzjacken und -mäntel. Besonders in den 1980er Jahren war es verbreitet, Fuchsschweife an Rückspiegeln sowie Antennen von Autos zu befestigen, typisch galt dies besonders für Opel-Manta-Fahrer und für Bonanza-Fahrräder.
Bei der traditionellen Parforcejagd war es mancherorts üblich, Teilnehmer, die hervorragende Leistungen gezeigt hatten, mit der abgetrennten Rute des erlegten Fuchses zu dekorieren. In manchen Studentenverbindungen ist es Brauch, dass der Fuchsmajor als zusätzliches Erkennungszeichen einen Fuchsschwanz an seiner Mütze befestigt.[1]
Kürschnermeister August Dietzsch (1900–1993) aus Leipzig erinnerte sich 1987: „Als Pferde- und Straßenbahnen immer stärker als Verkehrsmittel ausgebaut wurden, erwiesen sich die damals üblichen Hutnadeln der hochmodischen, meist recht überdimensionalen Damenhüte als gesundheitliche Gefährdung der Fahrgäste. Deshalb konnte man dann in diesen Transportmitteln lesen: »Personen mit ungeschützten Hutnadeln werden nicht befördert«. Und aus diesem Grund fertigten wir Hutnadelschützer aus Hermelinköpfen. So trug manche Frau auch Hermelin, ohne daß sie es sich eigentlich leisten konnte.“
Die bei der Pelzverarbeitung abfallenden Teile, die Pelzstücken, werden ebenfalls nahezu komplett verwertet, indem sie vor der Weiterverarbeitung zu Tafeln zusammengenäht werden. Ein kleiner Teil geht unbearbeitet unter anderem in die Galanteriewarenerzeugung. Fellpfoten und die Schweife sind dank ihrer Haarstruktur oft besser zur Schmuckherstellung geeignet als das Rumpffell. Der Zusammenhang zwischen Pelzstücken und Pelzschmuck lässt sich an einer Annonce des Jahres 1950 erkennen, in der die Firma Käthe Schmidt, ansässig in der Pelzhandelsstraße Niddastraße in Frankfurt am Main, warb: „Schweife, Köpfe, Klauen, Pelzschmuck“.
Besonders geeignet und der Mode entsprechend in besonderer Menge anfallend sind Reste der Nerzfellverarbeitung, vor allem die Schweife und Pfoten. Die Schweife haben ein langes Haar, aus dem die Grannenhaare besonders lang herausragen. Vor allem zu Pompons gedreht, ergibt das einen besonderen Effekt. Aus den gegenüber dem Fell wiederum besonders flachhaarigen Pfoten lassen sich dagegen gut florale Anstecker herstellen.
Kaninchenfelle fallen als Nebenprodukt der Fleischgewinnung in großer Zahl an und gelten daher besonders preisgünstiges Material. Sie wurden viel nach China exportiert, von wo seit etwa um die Jahrtausendwende auch als Pelzblumen-Anstecker aus Kanin in den Handel kamen. Später wurden die Blumen sogar zu Tafeln zusammengenäht und zu Pelzschals und vereinzelt sogar ganzen Kleidungsstücken verarbeitet.

Ein Kürschnerhandbuch aus dem Jahr 1928 wies „jene Kürschner, die den Abfall als Spezialarbeit verwerten“ darauf hin, „dass man nun eine Stanzvorrichtung erfunden hat, die das zeitraubende Zuschneiden der kleinen Fellstückchen rasch und gleichmäßig besorgt. Diese Stanzen wie die ganze Vorrichtung arbeiten derartig, dass das Haar nicht mit abgeschnitten wird. Die Stanzen sind für die einzelnen Formen auswechselbar und ermöglichen ein rasches und peinlich genaues Arbeiten.“ Beliebt sind auch Kugelformen. Hierfür wird ein kreisförmig zugeschnittenes Fellteil mit einem rundherum geführten Heftstich aus festem Garn zu einem Pompon zusammengezogen, bei größeren Ausführungen mit einer füllenden Einlage. Zumindest bei einer Einzelanfertigung oder kleineren Stückzahlen wird weiterhin ein Kürschnermesser benutzt. Um das Fell zu versteifen, wird die Rückseite in der Regel mit einem aufzubügelnden Fixierstoff versehen oder mit einer Textilie, Leder oder Karton hinterklebt. Ein mitbefestigter Draht sorgt eventuell für eine plastische Ausformung.
Anna Municchi zitierte in ihrem Werk Ladies in Furs aus Harper’s Bazaar, 1940: „Überall befindet sich Pelz: als Armband, auf dem Hut, um den Hals, an den Hüften und schließlich an den Armen wie lange Abendhandschuhe.“ Abgebildet waren unter anderem ein Armband aus Pelz, eine Halskette mit 14 angehängten Hermelinschweifen, ein fast bis an die Schultern reichender Armschmuck aus ebenfalls 14 Fellschweifen sowie eine opulente Hutgarnierung aus Pelz.
In der Regel wird als abnehmbarer Kleidungsschmuck aus Pelz die Form der Brosche mit einer angenähten Broschennadel, eine Abwandlung der Sicherheitsnadel, gewählt. Meist sind es ein- oder mehrfarbige, blütenähnliche Motive, die sich aus Fell besonders gut formen lassen.
Zur Anwendung riet Dorothea Backhaus 1958 in ihrem „Brevier der Pelze“, dass zu viele Pelzaccessoires, wie Pelzkragen-, Pelzkrawatte, Handtasche aus Pelz sowie ein Pelzsaum am Mantel ein „Zuviel“ beziehungsweise leicht übertrieben seien, „ein winziges angestecktes Hermelinschweifchen am Revers“ jedoch recht dekorativ aussehen kann.
Das Pelzlexikon beschreibt unter dem Stichwort „Pelzdiadem“ einen aus mehreren Fellbändern hergestellten Kopfputz, der mit Tüll unterlegt ist, um die Form zu halten. Stirnbänder aus Fell sind, in der Art der Ausführung als Stirn- und Ohrenwärmer, eher unter Pelzaccessoires einzuordnen.
Der Pelz als Teil der Kopfzierde vorwiegend christlich-abendländischer Herrscher dagegen dürfte eher den Anspruch des Schmückens erfüllen, zumeist ist es das den Krönungsmantel ergänzende königliche Hermelinfell. Die englische, Imperial State Crown, eine violette Samthaube zeigt nur an ihrem unteren Rand einen schmalen Saum aus Hermelin. Die breite Verbrämung der russischen Zarenkrone, der Mütze des Monomach, besteht aus Zobelpelz, die Felle als Tribut an den Staat auch als Kronenzobel bezeichnet.

Üblicher, gleichzeitig wärmender Halsschmuck, sind Pelzkrawatten, Pelzschals und Pelzkragen, früher auch Pelzkolliers.
R. Turner Wilcox zeichnete in ihren Skizzen zur Geschichte der Pelzmode für das Jahr 1939 ein enganliegendes Halsband aus Samt, an dem vorn fünf Nerzschweife hängen. Als „fatale Geschmacksverwirrung“ wurde in einer Pelzfachzeitschrift 1925 ein Lederhalsband bezeichnet, das beiderseitig von einem Dachshaarstreifen eingerahmt wurde.

Wie auch für den Hals wird auch für das Handgelenk schmückender und gleichzeitig wärmende Pelz in der Art von Manschetten vertrieben.
Die Künstlerin Meret Oppenheim wird vor allem mit ihrem Werk „Déjeuner en fourrure“, einem mit Pelz bezogenen Kaffeeservice, in Verbindung gebracht. Vorläufer ihrer Beschäftigung mit dem Material Pelz waren das Modell eines mit Fell bezogenen Armreifs und eines Ringes, die sie mit anderem an die exzentrische Modeschöpferin Elsa Schiaparelli und an das Modehaus Rochas verkaufen konnte. Die Pelztasse soll erst als Reaktion darauf entstanden sein, dass Pablo Picasso ihren Armreif bespöttelt und bemerkt hatte, „man könne alles mit Pelz bedecken“.

Stand 2026 fanden sich im Internet weiterhin diverse Angebote von Ohrclips und Ohrsteckern aus oder mit echtem oder unechtem Pelz.
Pelzanhänger dienen gelegentlich als glückbringende Maskottchen. Der Hasenpfote wurden regional unterschiedliche glücksbringende magische Eigenschaften zugeschrieben. An der im Ostalpenraum verbreiteten Schmuckkette Charivari finden sich häufig aus der Jagd stammende Elemente, beispielsweise eine Hasenpfote oder ein „Dachsbart“.
Eine Vermischung von klassischem Schmuck und Pelz bildete insbesondere das Zibellino, ein Pelzcollier in Tierform, bekannt geworden unter dem irreführenden Namen „Flohpelz“. Zibellini hatten einen künstlichen Kopf, vielleicht aus Gold, verziert mit Perlen, Rubinen und Brillanten.
Mitte des 20. Jahrhunderts kam eine Mode mit Nerzstrumpfbändern auf. Ein Paar aus dem Besitz der Duchess von Windsor befand sich in einer Auktion ihrer persönlichen Gegenstände im Jahr 1998. Das Museum des Fashion Institute of Design & Merchandising (FIDM) in Los Angeles verwahrt ein Paar Strumpfbänder (Hal Hunter, USA, etwa 1945) aus Seidenspitze, verziert mit künstlichen Perlen und jeweils zwei kleinen Anhängern aus beigem Nerzfell.
Ein auffälliger Männerhalsschmuck waren zwei bei Fayers abgebildete Fliegenbinden, eine aus Leopardfell, 1953 getragen vom Schauspieler Robert Wagner, eine andere, vermutlich aus Goldzobel, ein Geschenk des Folksängers Perry Friedman an das FIDM Museum beim Fashion Institute of Design and Merchandising in Los Angeles.
Bei einigen nordamerikanischen Indianerstämmen wickelten sich die Männer als Schmuck Otterfell um ihre Haarzöpfe.
Seit etwa den 1980er Jahren wandelte sich die Akzeptanz des Produktes Pelz. Zusammen mit anderen Tiererzeugnissen stand das Material, zeitweilig vorrangig, in der Kritik der Tierschutzbewegung und verlor einen Bedeutungsverlust in der Mode. Die heutige Verwendung findet, in den Ländern unterschiedlich stark verringert, teils eher als Retroelement statt.