Pen-abu

Namen von Pen-abu

Felsritzung mit dem Namen Pen-abus aus Armant.
Horusname
G5
p
E26
Pen-abu
Pn-3bw

Pen-abu (eigentl. Hor Pen-abu), auch als König „Elefant“ bekannt, ist möglicherweise der Horusname eines prädynastischen Kleinkönigs vor der sogenannten altägyptischen 0. Dynastie. Angaben zu seinem genauen Regierungszeitpunkt oder zur Dauer seiner Herrschaft sind derzeit nicht möglich. Ebenso sind Vorgänger- und Nachfolgerschaft unbekannt.

Beleglage

Pen-abus Name erscheint möglicherweise in Felsritzungen am Gebel Sheikh-Suleiman nahe Wadi Halfa im Sudan, bei der Qena-Quseir Route nahe Qena und im Wadi Abu Madawi nahe Armant. Er mag auch auf Elfenbeinetiketten aus den Gräbern der Könige Skorpion II., Iri-Hor und Ka in Abydos erscheinen (dort allerdings ohne Serech oder königliches Herrscherwappen). Aus Qustul stammt zudem eine rhombische Schieferpalette, die seinem Namen tragen könnte.

Zeitgenössischer Name

Sofern Pen-Abu tatsächlich ein König war, so ist sein Name bislang ausschließlich als Serechname überliefert. Die unsauberen Schriftführungen besonders in den Felsritzungen werfen Fragen zur tatsächlichen Lesung des Namens von Pen-abu auf. Er setzt sich gemäß Günter Dreyer aus den Gardiner-Zeichen Q3 (ein Würfelhocker, Lesung „Pe“) + ??? zusammen. Auch Toby Wilkinson deutet das obere Zeichen als Q3 und ist bezüglich des unteren Zeichens zuhöchst unsicher. Zwar sieht er sich eher an das Gardiner-Zeichen W17 (Chenet) für „Erster“ oder „Grenze“ erinnert, identifiziert es aber nicht als solches. Aufgrund der Unsicherheiten nennt Wilkinson den Herrscher schlicht King B (also „König B“). Er ist von Pen-Abus Existenz überzeugt und verweist auf den Horusfalken über dem Serech, welcher hier in auffallend waagrecht-ruhender Haltung zu sehen ist – gemäß Wilkinson ein typisches Merkmal der protodynastischen Version.

Ägyptologe Alejandro Jiménez-Serrano will in dem unteren Zeichen das Gardiner-Zeichen S12 (ein Goldkragen) erkannt haben. Er verweist zum Vergleich auf Gefäßritzungen auf Tonvasen aus verschiedenen frühdynastischen Epochen, auf denen eine Einfriedungsdarstellung (Zeichen O6) abgebildet ist, in denen die Zeichen O1 (ein Hausgrundriss) und S12 eingetragen sind. Das Arrangement wird von einer Rauchschwalben-Darstellung (Zeichen G36) überragt. Die gesamte Szenerie ist gemäß Jiménez-Serrano als Wer hut-per-nebu („Großer des Goldhauses“) zu lesen. Der Gelehrte argwöhnt, ob es sich bei Pen-Abus Namen nicht eher um den Titel eines hohen Beamten handeln könnte. Seine Interpretation fußt auf Alabastergefäßen aus späterer Zeit mit der Aufschrift Wer chenti Per-nub Anch-Neith (wr-ḫntj pr-nwb ˁnḫ-Nt; deutsch etwa „Großer des Goldhauses, Anch-Neith“), aus denen ersichtlich wird, dass die Anrede „Großer des Goldhauses“ als Titel genutzt wurde. Er weist außerdem darauf hin, dass Pen-Abus mutmaßlicher Name wirklich nur durch drei Felsritzungen belegt zu sein scheint und nie zusammen in Gebieten auftaucht, in denen aber andere, prädynastische Herrscher (wie zum Beispiel Skorpion II., Iri-Hor und Ka) umfangreich bezeugt sind.

Wieder andere Forscher wie Caleb R. Hamilton erheben Einwände gegen Jimenéz-Serranos Darlegung. Zunächst weist er darauf hin, dass das erwähnte Alabastergefäß unsicherer Herkunft ist, aus späterer Zeit stammt und als direkter Vergleich mit der Felsritzung nicht ausreichend geeignet sei, die Existenz von Pen-Abu anzuzweifeln. Des Weiteren weist er darauf hin, dass die königlichen Serechs noch unter König Ka uneinheitlich gestaltet sein konnten und oft bestimmte, „klassische“ Dekorelemente missen lassen. Auch Hamilton verweist auf den Horusfalken in ruhender Haltung, auf den schon Wilkinson hingewiesen hatte. Ein ruhender oder sich duckender Falke ist ganz typisch für die protodynastischen Epochen und mag eine tiefere symbolische Bedeutung haben, die heute aber nicht mehr nachvollziehbar ist. Noch bei König Hor-Aha ist der sich duckende Falke zu sehen und eine Felsritzung bei Darb Ain Amur nahe der Charga-Oase zeigt den Serech von König Qaa, bei dem der Horusfalke ebenfalls kauert. Beider Herrscher Horusfalken reichen mit ihren Klauen in den Serech hinein. Zu guter Letzt weist Hamilton auf den auffallend gekrümmten Schnabel der Vogeldarstellungen über Pen-Abus Serech hin, der seiner Ansicht nach ganz klar gegen eine Schwalbe spricht.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Hans A. Winkler: Rock-Drawings of Souther Upper Egypt I - Sir Robert Mond Desert Expedition. Season 1936-1937, Preliminary Report. The Egypt Exploration Society, London 1938, S. 10 + Tafel XI, Abb. Nr. 2 + 3.
  2. 1 2 Toby A. H. Wilkinson: A new king in the Western Desert. In: The Journal of Egyptian Archaeology. (JEA) Band 81. SAGE Publishing, Egypt Exploration Society (ESS), London 1995, ISSN 0307-5133, S. 205–210.
  3. ↑ Ludwig David Morenz: Bild-Buchstaben und symbolische Zeichen. Fribourg (CH) 2004, S. 91, 114 & 118.
  4. 1 2 Caleb R. Hamilton: An early Egyptian king in the Western Desert margin. In: Ashton R. Warfe (Hrsg.): Dust, Demons and Pots: Studies in Honour of Colin A. Hope. Leuven / Paris / Bristol, (CT) 2020, ISBN 978-90-429-4136-6, S. 227–240.
  5. ↑ Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 46–47.
  6. ↑ Alejandro Jiménez-Serrano: Chronology and local traditions: The representation of power and the royal name in the late predynastic period. In: Archéo-Nil: Revue de la société pour l’étude des cultures prépharaoniques de la vallée du Nil. Band 13, Dezember 2003. Société pour l'étude des cultures prépharaoniques de la vallée du Nil, Paris & Peeters Publishers, Leuven 2003, ISSN 1161-0492, S. 116.
  7. ↑ Peter Kaplony: Die Inschriften der ägyptischen Frühzeit. Supplement. Wiesbaden 1964, S. 33.


VorgängerAmtNachfolger
unsicherKleinkönig
Vor der 0. Dynastie
unsicher
Personendaten
NAME Pen-abu
KURZBESCHREIBUNG Pharao der altägyptischen 0. Dynastie
GEBURTSDATUM um 3100 v. Chr.
STERBEDATUM um 3100 v. Chr.