| R-29R | |
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R-29R | |
| Allgemeine Angaben | |
| Typ | U-Boot-gestützte ballistische Rakete |
| Heimische Bezeichnung | R-29R Wolna, 3M40, D-9R, RSM-50 |
| GRAU-Index | 4K75R |
| NATO-Bezeichnung | SS-N-18 Stingray |
| Herkunftsland | |
| Hersteller | Staatliches Raketenzentrum Makejew (SKB-385 Makejew) |
| Entwicklung | 1973 |
| Indienststellung | 1979 |
| Einsatzzeit | 1979–2018 |
| Technische Daten | |
| Länge | 14,10 m |
| Durchmesser | 1.800 mm |
| Gefechtsgewicht | 35.300 kg |
| Antrieb Erste Stufe Zweite Stufe Dritte Stufe |
Flüssigkeitsraketentriebwerk Flüssigkeitsraketentriebwerk Post Boost Vehicle (PBV) |
| Reichweite | 6.500–8.000 km |
| Ausstattung | |
| Lenkung | INS & Astronavigation |
| Gefechtskopf | 1 oder 7 MIRV Nukleargefechtsköpfe |
| Zünder | Programmierter Zünder |
| Waffenplattformen | U-Boote |
| Listen zum Thema | |
Die R-29R „Wolna“ war eine U-Boot-gestützte ballistische Interkontinentalrakete (SLBM) aus der Sowjetunion. Der NATO-Codename des Waffensystems ist SS-N-18 Stingray. Der GRAU-Index für den Raketenkomplex lautet D-9R und der Systemindex 4K75R. In den START-Verträgen wird sie als RSM-50 aufgeführt. Die R-29R-Raketen waren bei ihrer Indienststellung die ersten sowjetischen SLBM mit MIRV-Gefechtsköpfen.
Ab 1965 entwickelten die Vereinigten Staaten mit der UGM-73 Poseidon die weltweit erste SLBM mit MIRV-Gefechtsköpfen. Um eine nukleare Parität zu erzielen, beauftragte das Zentralkomitee der KPdSU und der Ministerrat der UdSSR am 13. Februar 1973 das Staatliche Raketenzentrum Makejew mit der Entwicklung einer SLBM mit MIRV-Gefechtsköpfen. Um Zeit zu sparen, griffen die Entwickler auf die R-29-Rakete zurück und modifizierten diese, dass bis zu sieben Mehrfachsprengköpfe mitgeführt werden konnte. Der erste Teststart einer R-29R erfolgte im November 1975 auf dem Marinetestgelände Njonoksa. Zwischen November 1976 und Oktober 1978 startete das U-Boot K-441 der 667BDR Delta-III-Klasse aus dem im Weißen Meer und der Barentssee 22 R-29R-Raketen für Tests. Im Frühjahr 1979 erklärte das Zentralkomitee der KPdSU die R-29R als einsatzbereit und die ersten 16 Raketen gingen an Bord der K-441 auf Patrouille. Nach der Einführung der R-29R bei Sowjetischen Marine wurde die Rakete zur R-29RL und R-29RK weiterentwickelt.
Die Initialversion des D-9R-Raketenkomplexes (4K75R) verwendete R-29R-Raketen und war 1979 einsatzbereit. Der NATO-Codename lautete SS-N-18 Stingray mod 1. Die Rakete war mit 3 MIRV-Gefechtsköpfen mit einer Sprengkraft von jeweils 200 kT beladen. Die maximale Reichweite betrug etwa 6500 km. Weiter konnte diese Rakete auch mit einem einzelnen Nukleargefechtskopf mit 450 kT sowie Täuschkörpern beladen werden, wodurch die maximale Reichweite auf rund 8000 km anstieg. Der NATO-Codename dieser Ausführung lautete SS-N-18 Stingray mod 2. Der Streukreisradius (CEP) der R-29R-Raketen betrug 900 m.
Der verbesserte D-9RL-Raketenkomplex (4K75RL) mit R-29RL-Raketen war im Juli 1979 einsatzbereit. Der NATO-Codename lautete SS-N-18 Stingray mod 3. Die Rakete konnte mit bis zu 7 MIRV-Gefechtsköpfen mit einem Gewicht von jeweils 170 bis 200 kg sowie einer Sprengkraft von 100 kT beladen werden. Der Start-I-Vertrag beschränkte aber die maximale Anzahl auf 4 MIRV-Gefechtsköpfe. Die maximale Reichweite der R-29RL-Rakete lag bei rund 6500 km und der Streukreisradius betrug 900 m.
Ab 1980 entstand eine modernisierte Ausführung der R-29RL. Nach 12 Teststarts wurde die R-29RK im September 1982 in Dienst gestellt. Die R-29RK verwendete dieselben MIRV-Gefechtsköpfe wie die R-39-Rakete. Diese wogen jeweils 100 bis 120 kg und hatten eine Sprengkraft von 100 kT. Gegenüber der R-29RL wurde das Gebiet um 43 % vergrößert, über die der Wiedereintrittskörperträger die MIRV-Gefechtsköpfe verteilen konnte (englisch footprint). Die maximale Reichweite der R-29RL-Rakete lag bei knapp 6600 km und der Streukreisradius betrug rund 540 m.
Zwischen 1985 und 1987 entstand die Ausführung R-29RKU. Diese Raketen konnten auch in hohen Breitengraden (bis 89 Grad Nord) gestartet werden. Basierend auf diesem Modell entstand zwischen 1986 und 1990 der D-9RKU.01-Raketenkomplex mit den R-29RKU.01-Raketen mit neuen Gefechtsköpfen. Um die Nutzungsdauer der R-29RKU.01-Raketen zu verlängern, rüstete die Russische Marine ab 2006 die Raketen zur Version R-29RKU.02 nach. Bei dieser Nachrüstung wurde primär die Wirksamkeit und Sicherheit der Gefechtsköpfe verbessert. Die Anpassungen an den Raketen und am Raketenkomplex beschränkten sich auf ein Minimum.
Bei der Wolna handelte es sich um R-29R-Raketen, die zu zivilen Trägerraketen umgebaut wurden. Wolna konnte eine Nutzlast von 115 kg in einen niedrigen Satellitenorbit (LEO) transportieren. Das Programm wurde im Jahr 2005 nach 5 Flügen eingestellt.
Die R-29R war eine Weiterentwicklung der R-29-Rakete. Die R-29R war eine zweistufige, U-Boot-gestützte Interkontinentalrakete mit Flüssigkeitsraketentriebwerken. Die Raketenstufen waren in Integralbauweise gefertigt, wobei die Treibstofftanks sowohl die Tragstruktur wie auch die Außenhülle (Beplankung) der Rakete bildeten. Gefertigt war die Außenhülle aus einer AMg6-Aluminium-Magnesium-Legierung. Beide Raketenstufen verwendeten Flüssigkeitsraketentriebwerke aus dem OKB-2 von Aleksei Michailowitsch Isajew. In der ersten Stufe war das 4D40 und in der zweiten Stufe das 4D41-Raketentriebwerk verbaut. Als Brennstoff wurde 1,1-Dimethylhydrazin (UDMH) und als Oxidator Distickstofftetroxid (NTO) verwendet. Der Oxidatortank und der Brennstofftank schlossen mit einem gemeinsamen Boden aneinander an. Beide Raketentriebwerke hatten jeweils eine Düse. Die Düse der zweiten Stufe ragte in eine konkav geformter Einbuchtung in den Treibstofftank der ersten Stufe hinein. Mit dieser Konstruktion konnte viel Treibstoff untergebracht sowie die die Raketenlänge kleingehalten werden. Auf der zweiten Stufe war der Wiedereintrittskörperträger (englisch Post Boost Vehicle) aufgesetzt. Dieser verwendete zur Lageregelung ein Flüssigkeitsraketentriebwerk mit vier Vernierdüseen. Die auf dem Träger aufgesetzten, kegelförmigen Wiedereintrittskörper zeigten entgegen der Flugrichtung und ragten in eine Einbuchtung in den Treibstofftank der zweiten Stufe. Auf dem Wiedereintrittskörperträger (in Flugrichtung), war unter der ogiven Nutzlastverkleidung die Lenkeinheit verbaut. Diese bestand aus einem Trägheitsnavigationssystem sowie einem optischen Astronavigations-System, gekoppelt mit einem digitalen Steuersystem. Für die Übermittlung der Steuerbefehle verlief auf der Raketenoberfläche ein Kabelkanal zum Raketenheck. Angetrieben und gesteuert wurde der Wiedereintrittskörperträger von einem Flüssigkeitsraketentriebwerk mit 4 Düsen. Der Träger konnte mit bis zu 7 Wiedereintrittskörpern beladen werden. Die maximale Wurfmasse der R-29R betrug 1650 kg.

Es wurden 14 U-Boote der 667BDR Delta-III-Klasse mit jeweils 16 R-29R-Raketen in Dienst gestellt. Die maximale auf U-Booten stationierte Anzahl R-29R lag bei 224 Raketen in den Jahren 1981 bis 1993.
Aufgrund der großen Reichweite der R-29R konnten die Raketen aus den Randmeeren der Sowjetunion gegen Ziele in den Vereinigten Staaten gestartet werden. Daher gingen die U-Boote der 667BDR Delta-III-Klasse überwiegend in der Barentssee, dem Weißen Meer, der Karasee, dem Beringmeer, dem Europäischen Nordmeer, dem Ochotskischen Meer und dem Japanischen Meer sowie in den eisbedeckten Gebieten der Arktis auf Patrouille. Vielerorts konnten dabei die U-Boote durch die eigene Flotte geschützt werden. Die R-29R-Raketen waren ein wichtiger Bestandteil des Gleichgewicht des Schreckens. Die Raketen waren aufgrund ihrer kleinen Gefechtsköpfe und dem eher großen Streukreisradius primär für einen Zweitschlag vorgesehen. Zu den wahrscheinlichen Zielen gehörten Militärflugplätze, Militärbasen, militärische Depots sowie zivile Infrastruktur- und Industrieziele.
Die Zeit für die Startvorbereitung betrug rund 15 Minuten. Danach konnten die Raketen in einem Intervall von 7 Sekunden gestartet werden. Somit konnte ein U-Boot alle 16 Raketen innerhalb weniger als 2 Minuten starten. Der Raketenstart konnte aufgetaucht oder aus einer Tauchtiefe von bis zu 50 m, bei 5 Knoten Fahrt erfolgen. Für den Raketenstart musste vorgängig der Raketenschacht geöffnet und mit Meerwasser geflutet werden. Die erste Raketenstufe zündete im Raketenschacht und die trieb die Rakete an die Wasseroberfläche. Nach dem Durchstoßen der Wasseroberfläche nahm die Rakete den einprogrammierten Kurs ein und bewegte sich himmelwärts. Dabei hielt sich die Rakete mit dem Trägheitsnavigationssystem auf dem vorgegebenen Kurs. Nach dem Ausbrennen der ersten Raketenstufe wurde diese mit Pyrobolzen und Sprengschnur abgesprengt und das Raketentriebwerk der zweiten Stufe zündete. Für die Steuerung wurde jetzt das Astronavigation-System zugeschaltet. Die Kurskorrekturen während der Beschleunigungsphase (englisch boost phase) geschahen mit jeweils zwei Vernierdüsen in den Raketenstufen. Mit dem Ausbrennen oder der Schubterminierung der zweiten Antriebsstufe wurde der Wiedereintrittskörperträger abgetrennt. Dieser steuerte nun einen bestimmten Punkt im Raum an. Dann wurden die Wiedereintrittskörper in einer Sequenz, bei der der Träger zwischendurch jeweils Kurskorrekturen durchführte, auf ihre individuellen ballistischen Flugbahnen entlassen. Der Weiterflug der Wiedereintrittskörper geschah nun steuer- und antriebslos auf der Flugbahn einer Wurfparabel. Die Nukleargefechtsköpfe konnte in der Luft oder unmittelbar über dem Boden gezündet werden. Die R-29R erreichte je nach Version eine Reichweite von 6500 bis 8000 km sowie ein Streukreisradius (CEP) von 540–900 m.
Die R-29R kam nur innerhalb der Sowjetischen Marine sowie der Russischen Marine zum Einsatz und wurde nicht exportiert. Im Zuge der Umsetzung des Start-II-Vertrages wurden die U-Boote der 667BDR Delta-III-Klasse zwischen 1995 und 2018, zusammen mit den R-29R-Raketen stillgelegt. Die aus den U-Booten entnommenen Raketen wurden demontiert, verschrottet oder recycelt. Insgesamt wurden während der Entwicklung und ihrer Dienstzeit über 150 R-29R-Raketen für Test- und Überprüfungszwecke gestartet. Der letzte Teststart einer R-29R fand am 12. Oktober 2016 statt.