

Die R-7 (russ. Семёрка Semjorka „die Sieben“) war die weltweit erste Interkontinentalrakete (ICBM). Sie wurde in der Sowjetunion entwickelt und bildet die Basis für die bis heute eingesetzte Sojus. Die R-7 gehört zu den zuverlässigsten und ist die am häufigsten eingesetzte Trägerrakete in der Raumfahrt. Ab 1953 wurde sie im OKB-1 unter der Leitung von Sergei Koroljow entwickelt und eingesetzt. Mangels einer offiziellen russischen Bezeichnung wurde im Westen anfangs der DIA-Code SS-6 oder der NATO-Codename Sapwood (englisch für Splintholz) benutzt.
Die erste R-7 wies eine Höhe von 34 m und einen Durchmesser von 3 m auf. Sie wog 280 t, hatte zwei Stufen und wurde von Flüssigkeitstriebwerken angetrieben, die kryogenen Sauerstoff (LOX) und Kerosin als Treibstoffkombination verwendeten. Als ballistische Rakete konnte eine R-7 ihre Nutzlast bis zu 8800 km weit tragen, wobei die Treffgenauigkeit (50 % Wahrscheinlichkeit) bei etwa 2,5 bis 5,0 km lag.

Die Geschichte der R-7 lässt sich bis zum Jahr 1950 zurückverfolgen. In jenem Jahr wurden in der Sowjetunion die ersten Studien für Flugkörper mit interkontinentaler Reichweite durchgeführt. Diese Studien untersuchten Marschflugkörper, mehrstufige ballistische Raketen und eine Kombination aus beiden. Diese Studien wurden 1951 und 1952 fortgesetzt. Der Idee einer Rakete mit gebündelten Stufen anstelle einer echten mehrstufigen Rakete wurde dabei der Vorzug gegeben und für technisch möglich befunden. Am 2. Februar 1953 erhielt das OKB-1 (heute RKK Energija) im damaligen Kaliningrad (heute Koroljow), unter Leitung von Sergei Koroljow den Auftrag, einen konkreten Vorschlag für eine 170 t schwere Rakete mit einer Reichweite von 8000 km zu erarbeiten. Der resultierende Entwurf war die R-6 (bzw. T-1), welcher aus einer zentralen Stufe bestand, um die vier R-5 Raketen gebündelt waren. Die Nutzlast sollte dabei 3 t betragen. Im Oktober 1953 wurden die Anforderungen an den Entwurf geändert. Nach dem ersten erfolgreichen sowjetischen Test einer Wasserstoffbombe am 12. August 1953 (RDS-6) sollte die neue Rakete einen thermonuklearen Sprengkopf tragen. So wurde die geforderte Nutzlast auf 5,5 t gesteigert. Mit dem R-6-Entwurf war dies aber nicht möglich, und ein gänzlich neues Programm wurde begonnen, die R-7. Diese sollte bei einer Reichweite von 8000 km eine Startmasse von 280 t besitzen. Die Entwicklung der R-7 mit dem GRAU-Index 8K71 wurde am 20. Mai 1954 autorisiert. Der Grundentwurf für die Rakete wurde im Juli 1954 fertiggestellt, und am 20. November 1954 genehmigte der Ministerrat der UdSSR den endgültigen Entwurf.
Mit der Entwicklung der R-7 stand das OKB-1 in direkter Konkurrenz zu den Entwicklungsbüros von Mjassischtschew und Lawotschkin. Diese entwickelten die interkontinentalen Marschflugkörper W-350 Burja und Objekt-40 Buran, die um die strategische Trägerrolle mit der R-7 im Wettstreit standen. Neben diesen Mitbewerbern mit einem grundsätzlich anderem Trägerkonzept, kam auch Konkurrenz innerhalb der sowjetischen Raketenindustrie hinzu. Koroljows OKB-1 war zu Beginn der Entwicklung der R-7 das einzige sowjetische Büro zum Entwurf ballistischer Großraketen. Er setzte bei der Entwicklung der R-7 auf die relativ einfache und energiereiche Treibstoffkombination aus Kerosin und Flüssigsauerstoff. Diese hatte jedoch den Nachteil, dass durch die notwendige Kühlung des Sauerstoffs dieser nicht in den Tanks der Rakete gelagert werden konnte. Dies hatte eine hohe Startvorbereitungszeit zur Folge, da man die Raketen unmittelbar vor dem Start betanken musste. Daher drängten andere Raketeningenieure, darunter der Chefentwickler für Raketentriebwerke Walentin Gluschko darauf, hypergole Treibstoffe einzusetzen. Bei den üblichen hypergolen Treibstoffkombinationen sind sowohl Brennstoff als auch Oxidator unter normalen Bedingungen flüssig und können somit dauerhaft in den Tanks von Raketen gelagert werden. Koroljow lehnte den Einsatz einer solchen Treibstoffkombination jedoch ab, da sie zum einen hochtoxisch und korrosiv sind und zum anderen weniger Energie liefern als Kerosin und Sauerstoff. Daher genehmigte der Minister für die Verteidigungsindustrie der Sowjetunion, Dmitri Ustinow, die Einrichtung eines zweiten Konstruktionsbüros für ballistische Raketen unter Leitung von Michail Jangel (SKB-586) im Juni 1954. Dieses sollte zwar zuerst nur eine ballistische Mittelstreckenrakete mit hypergolen Treibstoffen entwickeln (die R-12), aber wurde in den kommenden Jahren zum Hauptkonkurrenten des OKB-1 und der R-7.
Das Entwicklungsprogramm für die R-7 schritt 1955 und 1956 relativ problemlos voran. An der Entwicklung der Steuerungs- und Regelungssysteme war der Kybernetiker Boris Petrow beteiligt. Am 20. März wurde vom Ministerrat der UdSSR ein Dekret erlassen, welche alle Maßnahmen zum Testen und zur weiteren Entwicklung der Rakete ermöglichte. Zu diesem Zeitpunkt befand sich schon ein neues Testgelände für die neue Rakete im Bau. Frühere Raketenentwürfe der Sowjetunion wurden vom 4. Staatlichen Zentralen Testgelände Kapustin Jar im Süden der Russischen SFSR gestartet. Für die neue Rakete suchte man aber ein abgelegenes Testgelände, welches vor Spionage und Radarüberwachung geschützt war. Man begann dies in der Steppe der Kasachischen SSR nahe dem Eisenbahnhaltepunkt Tjuratam ab 1955 zu errichten. Später benannte man dieses 5. Staatliche Zentrale Testgelände nach dem rund 400 km entfernten Ort Baikonur. Das Barmin-Entwicklungsbüro wurde mit der Entwicklung des Startplatzes für die R-7 beauftragt. Das Flugtestprogramm der R-7 von diesem Startplatz Nummer 1 begann am 15. Mai 1957. Die ersten drei Testflüge am 15. Mai, 9. Juni und 12. Juni 1957 schlugen aus unterschiedlichen Gründen fehl. Der erste erfolgreiche Flug, und damit der erste erfolgreiche Flug einer Interkontinentalrakete in der Geschichte, fand am 21. August 1957 statt. Die Rakete legte dabei eine Distanz von 6400 km zurück, bevor der Wiedereintrittskörper über dem Pazifischen Ozean zerbrach. Dieser Testflug wurde am 26. August von der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS offiziell bekanntgegeben. Die nächsten beiden Flüge am 4. Oktober und 3. November 1957 verliefen ebenfalls erfolgreich und waren zeitgleich die weltweit ersten Satellitenstarts (Sputnik 1 und Sputnik 2). Nach diesen 6 Flügen wurde die R-7 zum ersten Mal überarbeitet und mit einer neuen Sprengkopfsektion ausgerüstet, um die beim vierten Flug aufgetretenen Probleme zu beseitigen. Zwei weitere Testserien folgten vom 29. März 1958 bis zum 10. Juli 1958 und vom 24. Dezember 1958 bis zum 27. November 1959. Bei den 16 Testflügen aus letzterer Serie kamen zum ersten Mal auch 8 Raketen aus dem Werk zur Serienherstellung in Kuibyschew zum Einsatz. Die vorangegangenen Raketen wurden in einer Pilot-Fabrik am Entwicklungsbüro gefertigt. Nach dem erfolgreichen Testprogramm wurde die erste Einheit mit R-7-Raketen im Dezember 1959 auf dem eigens errichteten Angarastartgelände im Gebiet Archangelsk (später das 53. Staatliche Zentrale Testgelände Plessezk) in Kampfbereitschaft versetzt. Der erste Start einer R-7 von Plessezk erfolgte am 15. Dezember 1959. Zwei Tage später wurden die Strategischen Raketentruppen der Sowjetunion als neue Teilstreitkraft des sowjetischen Militärs gegründet. Sie übernahmen die Kontrolle über alle Interkontinentalraketen und Mittelstreckenraketen des Landes. Am 20. Januar 1960 wurde die R-7 offiziell in Dienst gestellt.
Noch während der Testphase der R-7 genehmigte der Ministerrat der UdSSR die Entwicklung eines verbesserten Modells, das R-7A (GRAU-Index 8K74) genannt wurde. Es trug einen leichteren Sprengkopf, ein verbessertes Navigationssystem, stärkere Triebwerke und konnte mehr Treibstoff fassen. Trotzdem hatte die Rakete ein um 4 t geringeres Startgewicht als die Basisversion. Dadurch konnte ihre Reichweite von 8000 km auf 12.000 km gesteigert werden. Das Testflugprogramm der R-7A erfolgte von Dezember 1959 bis Juli 1960. Die Rakete wurde im September 1960 in Dienst gestellt und ersetzte die R-7-Basisversion.
Nach den ersten erfolgreichen Testflügen der R-7 im Jahr 1957 wurde für die sowjetische Führung die Überlegenheit des Konzepts einer ICBM im Vergleich zu interkontinentalen Marschflugkörpern und Langstreckenbombern deutlich. Daher wurde das konkurrierende Programm Buran von Mjassischtschew noch 1957 gestrichen, das Projekt W-350 Burja von Lawotschkin wurde noch bis 1958 fortgesetzt und nach einigen erfolgreichen Testflügen eingestellt. Auch die technische Weiterentwicklung der strategischen Bomberflotte stagnierte bis Ende der 1970er Jahre nach der Mitte der 1950er Jahre begonnenen Indienststellung der Typen Mjassischtschew M-4/3M (1954) und Tupolew Tu-95 (1956). Gegenüber Bombern und Marschflugkörpern versprachen ICBM, die Abwehr jedes Gegners durchdringen und ihre Ziele in kürzester Zeit erreichen zu können.
Während der fortschreitenden Entwicklung der R-7 wurden jedoch gravierende Mängel des technischen Konzept für den Einsatz als Waffe deutlich. Gemäß den ursprüngliche Planungen der sowjetischen Führung sollte die R-7 auf geheimen Basen stationiert werden, um im Falle eines amerikanischen Angriffes auf die Sowjetunion einen wirksamen Gegenschlag auszuführen. Bereits während der Entwicklung und Erprobung wurde deutlich, dass die Stationierungsorte der R-7 vor den USA nicht geheim zu halten waren. Die mit einer Höhe von 37 m und ca. 280 t Startmasse große Rakete benötigte ausgedehnte oberirdische Startanlagen, welche leicht durch Spionageflüge (z. B. mit der Lockheed U-2, Indienststellung ab 1957) und später mittels Satelliten (Corona bzw. Keyhole ab 1959) aufzuklären waren. Durch die räumliche Ausdehnung und Komplexität der nötigen Anlagen konnten diese auch nicht gegen nahe Kernwaffenexplosionen gehärtet werden. Die Komplexität des Systems und die Verwendung von kryogenem Sauerstoff als Oxydator führten zu einer erforderlichen Vorbereitungszeit für den Start von annähernd 24 h. Selbst nach der Installation auf der Startrampe nahm die Herstellung der Startbereitschaft noch weitere zwei Stunden in Anspruch. Damit war mittels der R-7 durch die sowjetischen Raketentruppen auf einen überraschenden Angriff durch einen wirksamen Gegenschlag nicht zu reagieren.
Zu einem ernsten Problem für die R-7 als Waffe stellten sich die enormen Kosten für die Startanlagen heraus. Noch vor dem ersten Flug der R-7 im Jahr 1957 wurde mit dem Bau der ersten Raketenbasis in der Nähe des Ortes Plessezk im Oblast Archangelsk begonnen. Die begrenzte Reichweite der Basisvariante der R-7 erforderte Startanlagen weit im Norden Russlands, um die wichtigsten Ziele in den USA erreichen zu können. Dies verringerte nicht nur die Vorwarnzeit für den Fall eines Erstschlages auf die Anlagen, es erschwerte auch deren Errichtung und Betrieb beträchtlich, da alle geplanten Basen im klimatisch ungünstigen Permafrostgürtel lagen. Bereits der Bau der ersten Basis erwies sich als ein aufwendiges Projekt mit stetig steigenden Kosten und Verzögerungen durch den schwierigen Untergrund und die extremen klimatischen Bedingungen. Die Kosten für diese Basis wurden letztlich auf etwa 500 Millionen Rubel geschätzt, etwa 5 % des damaligen jährlichen Verteidigungshaushaltes der Sowjetunion. Die ursprüngliche Planungen sahen den Bau von fünf Abschussbasen mit je zwölf Startrampen für die R-7 vor. Wegen der ausufernden Kosten wurde bereits im Jahre 1958 beschlossen, lediglich die im Bau befindlichen vier Startrampen in Plessezk fertigzustellen und auf die ursprünglich geplanten weiteren Basen zu verzichten. Die daraus resultierende geringe Anzahl an verfügbaren R-7 als ICBMs bewirkte zusammen mit der geringen Präzision der Rakete (bei einem mittleren Streukreis von 2,5 bis 5,0 km lag die Maximalabweichung bei ca. 10 km), dass die Rakete für einen Präventiv- bzw. Erstschlag gegen die USA nur eingeschränkt geeignet war.
Eine ausreichende Bewaffnung mit ICBMs sollte nunmehr mit der im OKB-586 von Michail Jangel seit Dezember 1956 in Entwicklung befindlichen R-16 erfolgen, welche vor allem durch den Einsatz lagerfähiger Treibstoffe eine sehr kurzfristige Startbereitschaft über längere Zeiträume bot und wegen ihrer geringeren Größe die Unterbringung in verbunkerten Silos ermöglichte. Ein entsprechnder Regierungsbeschluß zur Herstellung der Einsatzreife und Indienststellung erging im Frühjahr 1959. Koroljow gelang es während dessen im Gegenzug die sowjetische Regierung zu überzeugen, eine leistungsfähige Interkontinentalrakete mit kryogenen Treibstoffen ohne die Nachteile der R-7 entwickeln zu können. So wurde am 13. März 1958 auch die Entwicklung der R-9 als Backup und Ergänzung zur R-16 in Auftrag gegeben, wodurch die R-7 nun zunehmend ihre eigentliche Bestimmung in der militärischen (z. B. insgesamt 688 Aufklärungssatelliten Zenit) und zivilen Raumfahrt fand.
Die erste Rampe für die Nutzung der R-7 als ICBM wurde im Februar 1959 in Plessezk fertiggestellt. Die dortige Raketeneinheit nahm am 9. Februar 1959 an diesem Standort ihren Dienst auf. Die erste ICBM wurde dann am 15. Dezember in Kampfbereitschaft versetzt, zwei Tage später erfolgte die Gründung der Strategischen Raketentruppen der Sowjetunion. Der erste erfolgreiche Start eines Serienmusters von Plessezk fand am 16. Juli 1960 statt. Die Serienproduktion der Rakete war bereits vorher im Jahre 1959 angelaufen. Anfangs waren 30 Stück bestellt worden, gefolgt von einer Bestellung weiterer 70 Raketen im Jahr 1960. Bis zum Jahr 1966 sah der aktuelle Fünfjahresplan der UdSSR die Produktion von 210 Raketen vor, darunter allerdings auch Trägerraketen für verschiedene Raumfahrtprojekte.
Mit der Indienststellung der verbesserten Version R-7A Ende des Jahres 1960 wurde es möglich, auch von den zwei vorhandenen Rampen (1/5 Gagarins Start und 31/6) in Baikonur Ziele in den USA zu erreichen. So bekamen die Rampen in Baikonur neben ihrer Rolle für Raumfahrtprojekte und Teststarts eine sekundäre Aufgabe als Startplatz für operative R-7A im Krisenfall. So wurde im Oktober 1962 während der Kubakrise eine R-7A in Baikonur für den Start vorbereitet. Die Rakete wurde jedoch nicht mehr auf der Rampe installiert, bevor die Krise beendet wurde. Ab den Jahren 1963 und 1964 wurden dann auch die Rampen in Plessezk überwegend für Satellitenstarts genutzt. Die Bedeutung der R-7 als Waffe geriet zunehmend in den Hintergrund. Die letzten R-7A wurden endgültig 1968 als ICBM außer Dienst gestellt.
Die R-7 wird von vielen Analysten nicht zu den Interkontinentalraketen der ersten Generation gerechnet, da sie nur in sehr begrenzter Stückzahl stationiert war und sehr viele Einschränkungen für ihren Einsatz aufwies. Zum Vergleich konnte die nur wenig später in den USA zur Einsatzreife gelangte Atlas B, welche im November 1958 ihren ersten erfolgreichen Testflug absolvierte, mit der gleichen Treibstoffkombination einen ähnlich starken Sprengkopf über eine vergleichbare Distanz transportieren. Dabei wies sie weniger als der Hälfte der Startmasse der R-7 auf und erzielte bei einer Startvorbereitungszeit von nur 15 bis 20 Minuten auch einen deutlich geringeren Streukreis von ca. 1,0 km. Sie war in Silos stationierbar, was einen erheblichen Vorteil gegenüber der R-7 bedeutete.
Der durch ihre Unzulänglichkeiten begrenzten Rolle als ICBM der R-7 steht ihr über Jahrzehnte bis in die Gegenwart andauernder Einsatz als Träger in der Raumfahrt gegenüber. Sie wurde zur Basis der bis zum heutigen Tag erfolgreichsten Raketenfamilie.
| Staat | UdSSR | USA | |||
| Rakete | R-7 / R-7A | R-16 / R-16U | R-9A | SM-65 Atlas (-D/-E/-F) | SM-68 Titan I |
| Entwickler | OKB-1 (Koroljow) | OKB-586 (Jangel) | OKB-1 (Koroljow) | Convair | Glenn L. Martin Company |
| Entwicklungsbeginn | 1954 / 1958 | 1956 / 1960 | 1959 | 1954 | 1958 |
| erste Einsatzbereitschaft | 1959 / 1960 | 1961 / 1963 | 1964 / 1964 | 1959 / 1961 / 1962 | 1962 |
| Ausmusterung bis | 1961 / 1968 | 1976 / 1976 | 1976 | 1964 / 1965 / 1965 | 1965 |
| Reichweite (km) | 8.000 / 9.500–12.000 | 11.000–13.000 | 12.500 | na | 10.000 |
| Steuerung | radio-inertial | inertial | radio-inertial | radio-inertial / inertial | radio-inertial / inertial |
| CEP (km) | 10 (Maximalfehler) | 4,3 | 8–10 | na | <1,8 |
| Startmasse (t) | 280 / 276 | 141 / 147 | 80 | 118 / 122 / 122 | 103 |
| Stufen | 1,5 | 2 | 2 | 1,5 | 2 |
| Treibstoffkombination | Kerosin / LOX | UDMH / Salpetersäure | Kerosin / LOX | Kerosin / LOX | Kerosin / LOX |
| Stationierungsart | Startrampe | Startrampe / Silo | Startrampe / Silo | Startrampe / Bunker / Silo | Silo |
| max. Überdruck (psi; Schutz der Startanlage bei naher Explosion) | k. A. | k. A. / 28 | k. A. / 28 | k. A. / 25 / 100 | 100 |
| Reaktionszeit | etwa 24h | 10 Minuten – mehrere Stunden | 20 min / 8–10 min | 15–20 min | 15–20 min |
| Garantiezeit (bei höchster Alarmbereitschaft) | k. A. | 30 Tage (betankt) | 1 Jahr | k. A. | 5 Jahre |
| Explosionsstärke des Sprengkopfes (MT) | 3–5 | 3–6 | 5 | 1,44 / 3,75 / 3,75 | 3,75 |
| max. stationierte Anzahl | 6 | 186 | 23 | 30 / 27 / 72 | 54 |

Kernproblem der sowjetischen Raketenentwicklung war zunächst, in kurzer Zeit große Nuklearsprengköpfe interkontinental zu bewegen. Daher wurde intensiv nach leistungsfähigen Konzepten gesucht, bei denen Entwicklungszeit für Raketenmotoren gespart werden konnte. Als das vielversprechendste zeigte sich die Bündelung gleichartiger Antriebe mit gleichzeitiger Zündung aller Stufen am Boden. So konnte vor dem Abheben der Rakete geprüft werden, ob alle Triebwerke fehlerfrei arbeiten, erst dann wurde die Rakete vom Starttisch freigegeben.
Eine Interkontinentalrakete war jedoch nur mit einem zweistufigen Konzept realisierbar. Dies verwirklichte man durch eine längere Zentralstufe für das mittlere Triebwerk, die nach der Abtrennung der äußeren vier Stufen (Booster) die Nutzlast weiter beschleunigte. Auch ging man damit dem Problem aus dem Weg, die zweite Stufe der Rakete im Flug zünden zu müssen, was seinerzeit technologisch noch nicht gelöst war. Ungenutzte Restmengen des Treibstoffs, die auch die Reichweite der Rakete beeinträchtigt hätten, wurden durch das Tankentleerungssystem SOBIS verhindert. Hierfür wurde fortlaufend der Füllstand der Tanks mit Flüssigsauerstoff und des Kerosin gemessen und die jeweilige Zufuhr einer Treibstoffkomponente gedrosselt bzw. erhöht, so dass die Tanks gleichmäßig entleert wurden.
Die Zentralstufe (2. Stufe) der R-7 verwendete ein RD-108-Raketentriebwerk mit vier Brennkammern und vier schwenkbaren Vernierdüsen zur Richtungskontrolle und Drallstabilisierung. Die Booster verwendeten mit RD-107 fast die gleichen Triebwerke, jedoch mit nur zwei Vernierdüsen. Als Steuerung eigneten sich bei der relativ symmetrischen Schubcharakteristik einfache Kreiselsysteme mit Zeitschaltelementen. Die Grundrichtung wurde durch einen drehbaren Starttisch vorgegeben. Erst der Start größerer Satelliten auf definierte Umlaufbahnen erforderte Oberstufen.
Da man in den 1950er Jahren noch über keine Erfahrungen im Betrieb und Start größerer Raketen verfügte und Beschädigungen der ziemlich breiten R-7 durch Windstöße befürchtete, entwarfen die Ingenieure für die R-7 einen ausgeklügelten Starttisch, der auch bei ihren Nachfolgern zum Einsatz kam: Die Rakete stand nicht auf einer Plattform, sondern wurde an ihren seitlichen Boostern so aufgehängt, dass sich die Startarme wie die Blätter einer Blume um sie schlossen; das Prinzip wurde daher auch „Tulpe“ genannt. Beim Start öffneten sich die Arme genau in dem Moment, als der Schub der Triebwerke das Eigengewicht der Rakete ausglich und erst dann konnte die Rakete den Starttisch verlassen. Dadurch wurde auch sichergestellt, dass ein Abheben nur dann erfolgte, wenn alle Booster gleichmäßig Schub lieferten. Das Konzept erscheint im Vergleich zu Starttischen späterer Raketen kompliziert, in den fast 70 Jahren des Betriebs der R-7 und ihrer Nachfolger gab es aber keinen durch die Startanlage verursachten Zwischenfall.


Obwohl als Waffensystem ein Misserfolg, wurde die R-7 zu einer Familie von Trägerraketen für die Raumfahrt weiterentwickelt, die seitdem intensiv zum Starten von unterschiedlichsten Nutzlasten, u. a. von bemannten Raumschiffen und interplanetaren Raumsonden bis heute eingesetzt wird. Der erste Satellit wurde noch mit einer gewöhnlichen R-7 gestartet, die dadurch den Namen Sputnik erhielt. Lediglich die Sektion der Rakete, die den Sprengkopf und die Flugsteuerung enthielt, wurde abgebaut und an ihre Stelle kam ein kleinerer konischer Adapter, der nur die für einen Flug notwendigsten Systeme enthielt. Später entstand durch Modifizierungen an den Triebwerken die Sputnik-3-Rakete, die nach einem anfänglichen Fehlstart am 15. Mai 1958 den Sputnik-3-Satelliten ins All beförderte. Die weiteren Modifizierungen der R-7 betrafen das Hinzufügen von neuen Stufen, neue Triebwerke usw. Im Laufe der Jahre entstanden mehrere Varianten der Trägerraketen, die ständig modifiziert wurden und heute zu den weltweit robustesten und zuverlässigsten Raketen zählen:
Stand: 31. Mai 2026
| Träger | GRAU- Index |
Stufen | Höhe (m) |
Start- masse (t) |
Starts | davon Fehl- starts |
nach Startplatz | Einsatz | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Bai | Ple | CSG | vom | bis | ||||||||
| ICBM R-7 | 8K71 | 2 | 25 | 9 | 25 | 15. Mai 1957 | 1960 | |||||
| Sputnik | 8K71PS | 29,167 | 267 | 2 | 0 | 2 | 4. Okt. 1957 | 1957 | ||||
| Sputnik-3 | 8A91 | 31 | 269 | 2 | 1 | 2 | 3. Feb. 1958 | 1958 | ||||
| Wostok (Luna) | 8K72 | 3 | 33,500 | 279 | 13 | 7 | 13 | 23. Sep. 1958 | 1960 | |||
| ICBM R-7A | 8K74 | 2 | 26 | 2 | 23 | 3 | 23. Dez. 1959 | 1967 | ||||
| Molnija | 8K78 | 4 | 43,440 | 305 | 40 | 20 | 40 | – | 10. Okt. 1960 | 1967 | ||
| Wostok-K | 8K72K | 3 | 38,246 | 287 | 13 | 2 | 13 | – | 22. Dez. 1960 | 1964 | ||
| Wostok-2 | 8A92 | 44 | 7 | 38 | 6 | 1. Juni 1962 | 1967 | |||||
| Poljot | 11A59 | 2 | 30 | 277 | 2 | 0 | 2 | – | 1. Nov. 1963 | 1964 | ||
| Woschod | 11A57 | 3 | 44,628 | 298 | 299 | 14 | 133 | 166 | 16. Nov. 1963 | 1976 | ||
| Molnija-М | 8K78M | 4 | 43,440 | 305 | 280 | 14 | 50 | 230 | 19. Feb. 1964 | 2010 | ||
| Wostok-2М | 8A92M | 3 | 38,246 | 287 | 94 | 2 | 14 | 80 | 28. Aug. 1964 | 1991 | ||
| Wostok-2A | 11A510 | 2 | 2 | 0 | 2 | – | 27. Dez. 1965 | 1966 | ||||
| Sojus | 11A511 | 3 | 50,670 | 308 | 31 | 2 | 31 | – | 28. Nov. 1966 | 1976 | ||
| Sojus-L | 11A511L | 44 | 305 | 3 | 0 | 3 | – | 24. Nov. 1970 | 1971 | |||
| Sojus-М | 11A511M | 50,670 | 310 | 8 | 0 | – | 8 | 27. Dez. 1971 | 1976 | |||
| Sojus-U | 11A511U | 51,100 | 313 | 776 | 20 | 340 | 436 | 18. Mai 1973 | 2017 | |||
| Sojus-U2 | 11A511U2 | 72 | 0 | 72 | – | 23. Dez. 1982 | 1995 | |||||
| Sojus-U/Ikar | 11A511U | 4 | 47,285 | 308 | 6 | 0 | 6 | – | 9. Feb. 1999 | 1999 | ||
| Sojus-U/Fregat | 11A511U | 46,645 | 4 | 0 | 4 | – | 8. Feb. 2000 | 2000 | ||||
| Sojus-FG | 11A511FG | 3 | 49,476 | 305 | 59 | 1 | 59 | – | 20. Mai 2001 | 2019 | ||
| Sojus-FG/Fregat | 4 | 10 | 0 | 10 | – | 2. Juni 2003 | 2012 | |||||
| Sojus ST-B/Fregat | 372RN21 | 4 | 46,2 | 315 | 18 | 1 | – | – | 18 | 21. Okt. 2011 | 2022 | |
| Sojus ST-A/Fregat | 9 | 0 | – | – | 9 | 17. Dez. 2011 | ||||||
| ▲ ausgemustert im Einsatz ▼ | ||||||||||||
| Träger | GRAU- Index |
Stufen | Höhe (m) |
Start- masse (t) |
Starts | davon Fehl- starts |
nach Startplatz | Einsatz seit |
||||
| Bai | Ple | Wos | CSG | |||||||||
| Sojus-2.1a | 14A14 372RN16 |
3 | 58 | 1 | 49 | 9 | 0 | 8. Nov. 2004 | ||||
| Sojus-2.1a/Fregat | 4 | 50,670 | 311 | 23 | 2 | 8 | 11 | 4 | 19. Okt. 2006 | |||
| Sojus-2.1b/Fregat | 14A15 372RN17 |
62 | 3 | 12 | 35 | 15 | 27. Dez. 2006 | |||||
| Sojus-2.1b | 3 | 21 | 0 | 7 | 14 | 0 | 26. Juli 2008 | |||||
| Sojus-2.1w/Wolga | 131KS | 3 | 44 | 8 | 0 | 0 | 8 | 0 | 28. Dez. 2013 | |||
| Sojus-2.1a/Wolga | 4 | 1 | 0 | 0 | 0 | 1 | 28. Apr. 2016 | |||||
| Sojus-2.1w | 131KS | 2 | 44 | 156 | 5 | 0 | 0 | 5 | 0 | 29. März 2018 | ||
| Gesamt: | 2016 | 108 | 958 | 1011 | 20 | 27 | ||||||
Fehlstart = Die Nutzlast wurde nicht in die vorgesehene Umlaufbahn ausgesetzt.
kursiv = geplant
Quelle für alle Startstatistiken: Gunter’s Space Page, mit Korrektur des Raketentyps für die Mission Progress MS-07 z. B. per Russian Space Web