| RCH 155 | |
|---|---|
RCH 155 im Gelände | |
| Allgemeine Eigenschaften | |
| Besatzung | 2 (Kommandant und Kraftfahrer) |
| Länge | 10,40 m |
| Breite | 2,99 m |
| Höhe | 3,60 m |
| Masse | < 39,0 t |
| Stückpreis | 12 Millionen € |
| Panzerung und Bewaffnung | |
| Hauptbewaffnung | 155 mm/L52 |
| Sekundärbewaffnung | optionale fernbedienbare Waffenstation |
| Beweglichkeit | |
| Antrieb | MTU-Triebwerk bis zu 600 kW (815 PS) |
| Geschwindigkeit | > 100 km/h (Straße) |
| Leistung/Gewicht | ca. 15,3 kW (21 PS)/t |
| Reichweite | > 700 km (Straße) |

RCH 155 (Remote Controlled Howitzer 155 mm) ist ein selbstfahrendes Artilleriegeschütz im Kaliber 155 mm des Rüstungsunternehmens KNDS, das auf dem Fahrgestell des GTK Boxer aufbaut. Das Fahrzeug trägt ein Artilleriegeschützmodul (AGM) (englisch Artillery Gun Module) mit 52 Kaliberlängen (L/52), das eine Weiterentwicklung der Waffenanlage der Panzerhaubitze 2000 ist.
Das Geschütz ist automatisiert, so dass die Radhaubitze keine Geschützbedienung benötigt. Die Besatzung besteht aus dem Kommandanten und dem Fahrer. Sie nutzt das Rundumsichtsystem SETAS (See Through Armour System) von Hensoldt.
Das Fahrzeug ist gegen Beschuss aus Maschinengewehren bis zu 14,5 mm sowie gegen Artilleriesplitter geschützt. Es besteht Schutz gegen Panzerabwehrminen und Schützenabwehrminen. Das System verfügt über eine Nebelmittelwurfanlage sowie eine ABC-Schutz- und -Belüftungsanlage. Das System kann mit einer sekundären Waffenstation ausgerüstet werden, z. B. mit einem Maschinengewehr.
Die Rohrwaffe ist im Artilleriegeschützmodul untergebracht. Sie kann alle 155-mm-Geschosse verschießen, die dem Joint Ballistics Memorandum of Understanding der NATO entsprechen. Die Kampfbeladung umfasst 30 Geschosse mit Zündern sowie 144 modulare Treibladungen. Geschosse und die Treibladungen werden im Feuerkampf automatisch geladen. Die Zünderprogrammierung erfolgt induktiv während des Ladevorganges. Maximal 9 Schuss pro Minute sind möglich. Die Betriebsart Multiple Rounds Simultaneous Impacts (MRSI) ist möglich. Dazu werden bis zu sechs Geschosse mit unterschiedlicher Rohrerhöhung und passender Anzahl an Treibladungsmodulen so schnell nacheinander abgefeuert, dass sie nahezu zeitgleich im Ziel einschlagen.
Der Richtbereich des Geschützturmes beträgt 360 Grad, die Rohrerhöhung −2,5 bis + 65 Grad (−45 bis 1150 Strich). Die effektive Schussweite beträgt ca. 30 km mit dem Standardgeschoss DM121, ca. 40 Kilometer mit dem DM131-Base-Bleed-Geschoss, bis zu 54 Kilometer bei V-LAP-Geschossen und darüber hinaus etwa bei Vulcano und M982 Excalibur.
Die RCH 155 wiegt knapp 39 Tonnen gegenüber der Panzerhaubitze 2000 mit 57,6 Tonnen. Damit ist die RCH 155 deutlich leichter und beweglicher auf der Straße, aber weniger geländegängig als die Panzerhaubitze 2000; ihre Kampfbeladung ist nur halb so groß. Das Boxer-Fahrgestell ist geländegängiger als ein Lkw, auf den das Geschützmodul auch montiert werden könnte (z. B. Iveco Trakker 8×8). Die Bodenfreiheit des Fahrzeugs beträgt 0,5 Meter, der Wendekreis 21 Meter, die Kletterfähigkeit 0,7 Meter, die Grabenüberschreitfähigkeit 2,0 Meter, die maximale Wattiefe 1,2 Meter, die maximale Steigfähigkeit 60 Prozent und die höchste Querneigung 30 Prozent. Verbaut ist der Dieselmotor 8V 199TE20/21 von MTU Friedrichshafen. Die Bordspannung beträgt 24 Volt bei maximal 540 Ampere.
Der Preis für ein RCH 155 beträgt etwa 12 bis 15 Mio. Euro. Mit zusätzlicher Munition, Logistik, Support und After-Sales-Management steigt der Preis auf über 20 Mio. Euro.
Das RCH 155 verfügt über ein eigenes Feuerleitsystem mit oder ohne GPS-Unterstützung. Als erstes Artilleriegeschütz der Welt kann RCH 155 aus der Fahrt Ziele präzise beschießen. Dies ermöglicht, nach dem Schuss sofort weiterzufahren und sich dem feindlichen Gegenfeuer oder Drohnenangriffen zu entziehen. Denn mit Artillerieaufklärungsradarsystemen wie zum Beispiel COBRA können Feuerstellungen durch den Schuss nahezu in Echtzeit aufgeklärt werden.
Für den Fall, dass RCH 155 durch andere Landfahrzeuge angegriffen werden sollte, kann es zur Selbstverteidigung im direkten Richten kämpfen. Eine Besonderheit ist, dass das Waffensystem für diese sekundäre Aufgabe auch über die sogenannte Hunter-Killer-Fähigkeit verfügt, zu der sonst nur Kampf- und Schützenpanzer in der Lage sind. Dabei können der Feuerauftrag und das Suchen des nächsten Zieles parallel ausgeführt werden, was die Überlebenschance im Feuergefecht signifikant erhöhen kann. Die Radhaubitze RCH 155 ist hochautomatisiert und darauf ausgelegt, später ferngesteuert und besatzungslos zu fahren und zu schießen.
| Staat | Basisfahrzeug | Stückzahl | Status/Verbleib | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| GTK Boxer | 54 | im Zulauf | ||
| GTK Boxer | 80 | im Zulauf | ||
| GTK Boxer | 420 | Beschaffung geplant | ||
| GTK Boxer | 12 | Export genehmigt | ||
| Mowag Piranha | 32 | Beschaffung geplant | ||
| GTK Boxer | 72 | Beschaffung geplant |
Am 24. April 2024 verkündeten Bundeskanzler Scholz und Premierminister Sunak, dass Deutschland und das Vereinigte Königreich gemeinsam RCH 155 kaufen, bewerten und optimieren wollen. Der Haushaltsausschuss stimmte im Dezember 2025 der Beschaffung von 80 Radhaubitzen RCH 155 aus einem Rahmenvertrag bis zu 500 Stück zu. Diese sollen in den drei radgestützten Artilleriebataillonen der mittleren Kräfte sowie in den Rohrartilleriebatterien der aufzustellenden Verbänden der Divisions- und Brigadeartillerie zum Einsatz kommen, die im Zielbild Heer vorgesehen sind. Die 1,2 Mrd. Euro für die 80 Systeme für Deutschland sollen aus dem Sondervermögen Bundeswehr finanziert werden.

Die Schweiz beschafft das Artillery Gun Module (AGM) auf dem 10×10-Fahrgestell des Mowag Piranha IV. Diese Ausführung wird von KNDS als DONAR 10×10 bezeichnet. DONAR 10×10 konnte sich bei der Ausschreibung am 5. November 2024 gegen die RCH 155 auf dem GTK Boxer und das schwedische Artilleriesystem Archer von BAE Systems durchsetzen. Gemäß der Armeebotschaft 2025 werden 32 DONAR 10×10 für 850 Mio. CHF beschafft. Im Preis enthalten sind Ausbildungs- und Simulationssysteme, Logistikmittel sowie ein erstes Los moderner Artilleriegeschosse. Die Beschaffung wurde mit der Armeebotschaft 2025 vom Parlament genehmigt und der Kaufvertrag zwischen dem Bundesamt für Rüstung armasuisse und KNDS im Juni 2026 unterzeichnet. Mit den 32 Geschützen sollen zwei Artillerieabteilungen ausgerüstet werden. In der Schweizer Armee wird das System „Panzerhaubitze 25 (Pz Hb 25)“ bezeichnet und wird die Panzerhaubitze M109A1B 88/95 KAWEST WE ablösen. Ein Prototyp mit der endgültigen Konfiguration soll im Jahr 2027 fertiggestellt und im Jahr 2028 getestet werden. Die Seriensysteme sollen ab 2031 zulaufen.
Im September 2022 wurde bekannt, dass die deutsche Bundesregierung die Lieferung von 18 RCH 155 im Wert von 216 Millionen Euro an die ukrainischen Streitkräfte genehmigt hat. Die Lieferung war zweieinhalb Jahre später geplant. Eine Lieferung von 18 weiteren RCH 155 wurde im Februar 2024 von der Bundesregierung angekündigt. Der Lieferzeitraum dieses zweiten Loses erstreckt sich von Ende 2025 bis ins Jahr 2027.
Im Juni 2024 gab KNDS Deutschland bekannt, dass die Ukraine insgesamt 54 RCH 155 erhalten wird. Das erste Exemplar wurde am 13. Januar 2025 am KNDS-Standort Kassel durch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius an den ukrainischen Botschafter in Deutschland Oleksij Makejew übergeben. Bei der Haubitze handelte es sich um das erste System aus der Serienfertigung. Es verbleibt zur Schulung der ukrainischen Streitkräfte zunächst in Deutschland. Sechs weitere RCH 155 sollten noch 2025 folgen.
Im April 2024 teilte das Verteidigungsministerium des Vereinigten Königreichs mit, im Rahmen des Programms Mobile Fires Platform die Radhaubitze RCH 155 zu beschaffen und ein erster Vertrag über Langläuferteile für zunächst 37 Systeme wurde im März 2026 geschlossen. Im Mai 2026 gab das britische Verteidigungsministerium bekannt, 72 Systeme über die OCCAR bei der ARTEC GmbH bestellt zu haben. Das Volumen der Beschaffung inklusive eines Ausbildungsanteils und eines Servicepakets beläuft sich auf etwa eine Milliarde Pfund, was ungefähr 1,15 Milliarden Euro entspricht. Dem Ministerium zufolge sollen die Radhaubitzen ab 2028 den britischen Streitkräften zulaufen und dort die 2023 an die Ukraine abgegebenen Panzerhaubitzen des Typs AS90 ersetzen. Zwischenzeitlich wird die Lücke durch eine geringe Anzahl von Archer-Radhaubitzen geschlossen, die Großbritannien von Schweden übernommen hat.
Im September 2024 wurde bekannt, dass die deutsche Regierung den Export von zwölf RCH 155 an Katar genehmigt hat. Grundlage dafür ist die Rückführung von zwölf Panzerhaubitzen 2000 nach Deutschland, die an die Ukraine weitergeliefert werden sollen.