Süddeutscher Rundfunk

Süddeutscher Rundfunk
Anstalt des öffentlichen Rechts (Stuttgart)
Hörfunk
Fernsehen Südwest 3
Klangkörper
Bestehen 22. Juli 1949 – 30. September 1998
Nachfolger Südwestrundfunk
SüdwestfunkSaarländischer RundfunkSüddeutscher RundfunkSüddeutscher RundfunkBayerischer RundfunkHessischer RundfunkWestdeutscher RundfunkSender Freies BerlinNorddeutscher RundfunkRadio BremenRadio BremenRadio Bremen

Der Süddeutsche Rundfunk (SDR) war von 1949 bis 1998 die Landesrundfunkanstalt für den nördlichen Teil Baden-Württembergs, genauer für das Gebiet des bis 1952 bestehenden Bundeslandes Württemberg-Baden.

Der SDR war eine Anstalt des öffentlichen Rechts mit Hauptsitz in Stuttgart und Gründungsmitglied der ARD. Studios bestanden in Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe, Mannheim und Ulm sowie in Bonn. Zum 1. Oktober 1998 gingen der Süddeutsche Rundfunk (SDR) und der Südwestfunk (SWF) im neuen Südwestrundfunk (SWR) auf.

Geschichte

Vorläufer des SDR (1924–1945)

Programmzeitschrift von 1924
Geschäftszimmer des Stuttgarter Rundfunks mit Vorstand Alfred Bofinger und Mitarbeitern (1924)

Am 3. März 1924 wurde in Stuttgart die Süddeutsche Rundfunk AG (SÜRAG) gegründet, die am 11. Mai 1924 den Sendebetrieb aufnahm. Im Mai 1925 trat sie der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft mit Sitz in Berlin bei. 1930 nahm die SÜRAG den Sender Mühlacker auf der Mittelwelle in Betrieb, den ersten deutschen Großrundfunksender. 1933 wurde die Süddeutsche Rundfunk AG in eine GmbH umgewandelt.

Nach der Machtergreifung der NSDAP im Jahr 1933 wurden die regionalen Rundfunkgesellschaften zu Filialen der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft. Ab dem 1. April 1934 wurden die bisherigen Namen nach dem Schema Reichssender (Sitz) vereinheitlicht und somit die Süddeutsche Rundfunk GmbH zum Reichssender Stuttgart. Er war damit Teil des deutschen Einheitsrundfunks, der ab dem 1. Januar 1939 unter dem Namen Großdeutscher Rundfunk sendete. Der Sendebetrieb aus Stuttgart endete am 5. April 1945.

Sendegebiet des Süddeutschen Rundfunks (1949–1998) im 1952 gegründeten Land Baden-Württemberg
Das Sendegebiet war Teil der amerikanischen Besatzungszone

Radio Stuttgart und SDR (1945–1998)

Am 3. Juni 1945 wurde durch die alliierte örtliche Militärregierung der Sender Radio Stuttgart eingerichtet. Am 8. Juli 1945 wurde er, nach Abzug der französischen Streitkräfte, von der US-Militärregierung offiziell übernommen. Er strahlte täglich über Mittelwelle ein mehrstündiges Programm aus. Leiter war Captain Fred G. Taylor, der spätere US-Direktor des RIAS in Berlin. Am 13. Juni 1947 erhielt der Sender einen deutschen Intendanten: Fritz Ermarth. Dieser trat am 7. November 1947 zurück. Am 22. Juli 1949 wurde der Sender Radio Stuttgart in eine Anstalt des öffentlichen Rechts für das Land Württemberg-Baden überführt und in Süddeutscher Rundfunk umbenannt. Er war Gründungsmitglied der am 9. Juni 1950 gegründeten ARD.

Auch nach Bildung des Bundeslandes Baden-Württemberg im Jahr 1952 blieb der SDR die Rundfunkanstalt für den nördlichen Teil des Landes. Es war das einzige Bundesland in Deutschland, das zwei öffentlich-rechtliche Landesrundfunkanstalten hatte (SDR und SWF). Diese Besonderheit wurde 1998 mit der Fusion beider Sender zum SWR beendet.

Am 10. März 1976 wurde das neue Stuttgarter Funkhaus nach fünfjähriger Bauzeit in Betrieb genommen.

Bis März 1988 sendeten die drei Radioprogramme des Süddeutschen Rundfunks unter den Namen Südfunk 1, Südfunk 2 und Südfunk 3.

Programmgeschichte

Bis 1950 strahlte der SDR nur ein Hörfunkprogramm aus (später als Südfunk 1, ab 1988 als SDR 1 bezeichnet). Am 19. November 1950 nahm das zweite Programm (Südfunk 2 bzw. SDR 2) über UKW seinen Sendebetrieb auf. Am 1. November 1964 folgte ebenfalls über UKW zunächst als Gastarbeiterprogramm das dritte Hörfunkprogramm. Ab dem 1. Oktober 1979 wurde es die Pop- und Servicewelle des Süddeutschen Rundfunks mit dem Namen Radio 3 Südfunk Stuttgart. Ab 1985 war es unter dem Namen Südfunk 3 auf Sendung, zum 1. April 1988 erfolgte die Umbenennung in SDR 3.

Am 5. April 1969 startete der SDR zusammen mit dem Südwestfunk (SWF) und dem Saarländischen Rundfunk (SR) Südwest 3, das Dritte Fernsehprogramm für die Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Es war das letzte der Dritten Programme in der alten Bundesrepublik, das gegründet wurde. Das Programm wurde Zug um Zug zum Vollprogramm ausgebaut, seit 1971 ist es täglich auf Sendung, heute als SWR Fernsehen.

In der Austastlücke dieses Programms startete der SDR 1984 sein regionales Videotext-Angebot unter der Bezeichnung Südfunk-Text, das später mit dem gleichzeitig gestarteten SWF-Text zum Südwest-Text zusammengeführt wurde.

Ab Anfang der 80er Jahre wurden auf den Frequenzen des Gastarbeiterprogramms mit Kurpfalz-Radio aus Mannheim, Radio Stuttgart und dem Ulmer Samstagsradio (später Schwabenradio) zeitweise regionale Programme gesendet. Später folgten Frankenradio aus Heilbronn und Badenradio aus Karlsruhe. Für die Regionalprogramme wurde ab Ende der 80er Jahre das gemeinsame Mantelprogramm SDR 4 geschaffen.

Am 1. Januar 1991 wurde das zweite Hörfunkprogramm SDR 2 mit SWF2 vom Südwestfunk zum neuen Kulturradio S2 Kultur verschmolzen. Zur gleichen Zeit wurde S4 Baden-Württemberg gestartet, ein Gemeinschaftsprogramm mit dem SWF für das ganze Land Baden-Württemberg, das aus SDR 4 hervorging. Die regionalen Fensterprogramme blieben bis auf Radio Stuttgart, das in Württemberg-Radio umbenannt und nun im Wechsel mit dem SWF-Studio Tübingen produziert wurde, größtenteils unverändert.

Am 17. Mai 1997 startete der SDR zusammen mit dem SWF das Jugendmultimedium DASDING im Rahmen des DAB-Pilotprojekts Baden-Württemberg. Es handelt sich um ein Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren, das über DAB und ADR, im Internet sowie seit 2000 über mehrere kleine UKW-Ortssender verbreitet wird. DASDING verband die Medien Hörfunk, Fernsehen und Internet zu einem damals neuartigen Angebot.

Die Hörfunkprogramme des Süddeutschen Rundfunks sendeten bis zum 29. August 1998. Am 30. August 1998 nahmen, durch die Fusion von SDR und SWF, die Programme des SWR ihren Sendebetrieb auf. Offiziell gingen SDR 1 und SWF1 in SWR1 Baden-Württemberg auf, S2 Kultur wurde in SWR2 umbenannt, aus SDR 3 und SWF3 wurde SWR3 und S4 Baden-Württemberg hieß ab diesem Zeitpunkt SWR4 Baden-Württemberg. Das Jugendprogramm DASDING wurde vom SWR unverändert weitergeführt.

Faktisch kam die Fusion einer Übernahme des SDR durch den SWF gleich, von welchem der Intendant, ein Großteil der Programmverantwortlichen und die (zuvor bei SDR und SWF sehr unterschiedliche) Programmkultur übernommen wurden. Immerhin wurde der Standort des bisherigen SDR, die Landeshauptstadt Stuttgart, als Hauptsitz der neu gegründeten Zwei-Länder-Anstalt Südwestrundfunk ausgewählt.

Das Dritte Fernsehprogramm Südwest 3 wurde in die beiden Programme Südwest BW und Südwest RP (später Südwest Fernsehen, heute SWR Fernsehen) überführt.

Vorstand und Intendanz 1924–1934

Intendanten ab 1934

Pausenzeichen

Als Pausenzeichen verwendete der Süddeutsche Rundfunk die Anfangszeile des schwäbischen Volkslieds "Jetzt gang i ans Brünnele". Es war im Laufe der Zeit in unterschiedlichen Variationen zu hören, war aber später durch die Verwendung von Jingles nicht mehr gebräuchlich.

Programme

Der SDR veranstaltete seit Sendebeginn Hörfunkprogramme und ab dem 5. November 1954 auch Fernsehprogramme für das Gemeinschaftsprogramm der ARD: Deutsches Fernsehen (ab 1984 Erstes Deutsches Fernsehen, ab 1996 Das Erste).

Montags bis samstags sendete der SDR auf seinen Frequenzen des ARD-Gemeinschaftsprogramms bis in die 90er Jahre in der Zeit vor 20.00 Uhr das gemeinsam mit dem SWF veranstaltete regionale Vorabendprogramm. Es beinhaltete Unterhaltungsserien, Informationssendungen mit regionalen Inhalten (Abendschau und Landesschau) und das Werbefernsehen. Populär wurden in dieser Zeit die Zeichentrickfiguren Äffle & Pferdle als Werbetrenner, das Pendant der Mainzelmännchen im ZDF.

Zuletzt veranstaltete der SDR in Zusammenarbeit mit anderen Rundfunkanstalten folgende Fernsehprogramme:

Fernsehen

Zuletzt veranstaltete der SDR teilweise in Kooperation mit dem SWF folgende Hörfunkprogramme:

Hörfunk

Südfunk1 sendete zunächst nur auf Mittelwelle (Sender Mühlacker) und später wie die anderen Programme auch auf UKW. Insbesondere bei Südfunk 2 gab es eine enge Zusammenarbeit mit dem Südwestfunk (SWF2). In den 80er Jahren ging dort die Tendenz immer stärker zu einem gemeinsamen Programm.

Korrespondenten

Für die ARD übernahm der SDR regelmäßig insbesondere zwei Berichtsregionen: Das südliche Afrika (Johannesburg) und den Nahen Osten. Besonders diese Region stand mit ihren Krisen immer in einem besonderen Brennpunkt. Berichtet wurde aus Kairo, Beirut, Amman und bei Möglichkeit auch Teheran. Später gab es einen Korrespondenten für die Türkei und den Iran. Besonders die Namen von Gerhard Konzelmann und Ulrich Kienzle sind stark mit der Region und mit dem Sender verbunden.

Eigene Hörfunk-Korrespondenten sandte man darüber hinaus insbesondere nach London und Washington, innenpolitische Korrespondenten arbeiteten in Bonn, später in einem gemeinsamen Hauptstadtstudio der ARD.

Klangkörper

Der SDR unterhielt folgende Orchester und Chöre:

Studios

Neben dem Funkhaus in Stuttgart betrieb der Süddeutsche Rundfunk in seinem Sendegebiet Studios für die regionale Berichterstattung sowie zum Teil mit weiteren Zuständigkeiten für das ganze Sendegebiet und die gesamte ARD.

Das Studio Heidelberg-Mannheim mit der Wissenschafts- und zeitweise auch der Schulfunk-Redaktion hatte seinen Sitz seit 1967 in der früheren Villa Bosch in Heidelberg. Nach der Eröffnung des Studios Mannheim trug es nur noch den Namen Studio Heidelberg. Aus finanziellen Gründen verkaufte der SDR 1994 die Villa Bosch und schloss das Studio in Heidelberg. Für das Berichtsgebiet war fortan das Studio in Mannheim zuständig.

Das Studio Karlsruhe hatte innerhalb der ARD die Zuständigkeit für die Berichterstattung vom Bundesgerichtshof und vom Bundesverfassungsgericht. Aus dem Namen der seit 1952 ausgestrahlten Radiosendung Aus der Residenz des Rechts ging die heute allseits geläufige Bezeichnung für die Stadt Karlsruhe hervor. Diese Sendung, später umbenannt in Radioreport Recht, hat als einzige aus dem Programm von SDR 1 bis heute überlebt.

Weitere Studios gab es in Heilbronn und Ulm. Alle Regionalstudios werden heute vom Südwestrundfunk betrieben.

Sendeanlagen

Stuttgarter Fernsehturm

Zur Ausstrahlung seiner Hörfunkprogramme sowie der Fernsehprogramme Das Erste und Südwest 3 verfügte der SDR zuletzt über folgende Grundnetzsender. Mit Ausnahme der Mittelwellensender werden heute alle Standorte vom SWR weiterbetrieben. Das mit Abstand bekannteste Bauwerk darunter ist der von 1954 bis 1956 erbaute Stuttgarter Fernsehturm, das Wahrzeichen der Landeshauptstadt. Er ist der erste Fernsehturm seiner Art und bildete in abstrahierter Form in einem Kreis das Logo des Süddeutschen Rundfunks.

Zusätzlich betrieb der SDR rund 250 Füllsender zur Versorgung von Tälern oder anderer im Empfangsschatten liegender Gebiete, darunter den Sender Blaubeuren oder den Sender Buchen.

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Süddeutscher Rundfunk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Herwig John: Der Rundfunk in Südwestdeutschland in der Zeit vor und nach dem Zusammenbruch des Jahres 1945, S. 162 (online). In: Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.): Landesgeschichte und Zeitgeschichte: Kriegsende 1945 und demokratischer Neubeginn am Oberrhein (1980), S. 153–178.
  2. ↑ ard.de
  3. ↑ Die Jahre 1941 – 1950. 17. Oktober 2019, abgerufen am 24. Juli 2025.
  4. ↑ Die Jahre 1941 – 1950. 17. Oktober 2019, abgerufen am 3. August 2025.
  5. ↑ Ansgar Diller: Rundfunkpolitik im Dritten Reich. In: Hans Bausch (Hrsg.): Rundfunk in Deutschland, Band 2, dtv 3184, München 1980, ISBN 3-423-03184-0.
  6. ↑ ARD Pausenzeichen Umschaltung SDR 1980er-Jahre auf YouTube.
  7. ↑ Die Jahre 1951 – 1960. 17. Oktober 2019, abgerufen am 23. August 2025.
  8. ↑ Dieter Hallervorden, Rotraud Schindler, Kurt Schmidtchen: Nonstop Nonsens. Bavaria Atelier, Süddeutscher Rundfunk (SDR), 29. März 1975, abgerufen am 23. August 2025.
  9. ↑ Die erste Hitparade 1989 – Stefan Siller und die TOP 1000X (Memento des Originals vom 6. Juni 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf www.swr.de (swr1/bw/musik)
  10. ↑ Siehe auch DagmarBergmeister (Memento vom 3. Februar 2014 im Internet Archive) bei ARD-Glossar: Am 16. Dezember 1954 um 20 Uhr ging sie auf Sendung, nachdem der SDR eine Ansagerin suchte, die nicht zu sexy als Fernsehansagerin sein sollte und kein Schwäbisch sprach.
  11. ↑ Gudrun Endress war Moderatorin der SDR-Sendung Jazz aktuell
  12. ↑ Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 956.

Koordinaten: 48° 47′ 36,4″ N, 9° 12′ 11,2″ O