| Reliant Scimitar | |
|---|---|
| Produktionszeitraum | 1965–1990 |
| Klasse | Sportwagen |
| Karosserieversionen | Kombicoupé, Coupé, Cabriolet |
| Vorgängermodell | Sabre |
Der Reliant Scimitar ist ein Sportwagen, den die Reliant Motor Company in Tamworth (England) zwischen 1965 und 1990 in verschiedenen Karosserie- und Motorisierungsversionen herstellte. Der Begriff Scimitar ist im Englischen eine Sammelbezeichnung für orientalische Säbel.

Reliant war vor und nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem durch seine technisch einfachen Dreiradfahrzeuge der Baureihen Regal und Robin bekannt, die wegen ihres geringen Gewichts in Großbritannien als Motorräder galten und ohne PKW-Führerschein gefahren werden durften. Viele der Aufbauten waren aus Gewichtsgründen aus Kunststoff gefertigt. Reliant wurde in den 1950er-Jahren so zu einem Pionier der Kunststoffverarbeitung im Automobilbereich. Neben diesen Kleinwagen konstruierte Reliant eine Reihe größerer vierrädriger Fahrzeuge für Autohersteller aus dem Mittelmeerraum, unter ihnen Autocars Company aus Haifa. Autocars baute neben diesen Kleinwagen auch den Sabra Sport, der – unter Verwendung diverser Fremdkomponenten – ebenfalls Reliant konstruiert worden war. 1962 übernahm Reliant den Sabra für den britischen Markt; das Auto wurde hier als Reliant Sabre (werksintern: SE2) verkauft. Mit ihm startete Reliant in Großbritannien eine neue Modelllinie, die oberhalb der dreirädrigen Kleinwagen positioniert war. Der Sabre konnte sich wegen seines ungewöhnlichen Designs nicht durchsetzen.
Bei der Entwicklung eines Sabre-Nachfolgers griff Reliant auf ein Konzeptfahrzeug des britischen Designstudios Ogle Design zurück, das 1962 im Auftrag eines privaten Kunden entstanden war. Die als Ogle SX 250 bezeichnete, von Tom Karen entwickelte Designstudie ist ein zweisitziges Coupé mit Stufenheck. Es basiert technisch auf dem Sportwagen SP 250 der Daimler Motor Company und hat im Gegensatz zum Serien-Daimler eine allgemein als sehr attraktiv empfundene Karosserie. Während Daimler selbst keine Serienproduktion des Ogle-Coupés ins Auge fasste, sah Reliants Direktor Ray Wiggin in dem Konzeptfahrzeug eine Basis für einen Ersatz des bisherigen Sabre.
Reliant erwarb die Rechte an dem SX-250-Entwurf Anfang 1963. Eineinhalb Jahre später war Reliants Ogle-Variante serienreif. Das Auto erhielt die Bezeichnung Scimitar GT. 1967 wurde der Scimitar zu einem Kombicoupé weiterentwickelt, das in verschiedenen Versionen bis 1986 bei Reliant produziert wurde.
| 1. Generation | |
|---|---|
Reliant Scimitar GT (1966) | |
| Produktionszeitraum | 1965–1970 |
| Karosserieversionen | Coupé |
| Motoren | Ottomotoren: 2,5–3,0 Liter (87,5–94 kW) |
| Länge | 4255 mm |
| Breite | 1575 mm |
| Höhe | 1295 mm |
| Radstand | 2337 mm |
| Leergewicht | 1003 kg |
Der Scimitar GT (interne Bezeichnung: SE4) ist ein 2+2-sitziges Coupé mit Stufenheck, das die nur leicht abgewandelte Karosserie des Ogle SX 250 mit dem darauf angepassten Chassis des Reliant Sabre verbindet.
Die Karosserie besteht wie bei allen Reliant-Fahrzeugen der 1960er-Jahre aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Sie ist – abweichend von den ansonsten üblichen Konstruktionsmerkmalen – nicht an einem Metallgerüst befestigt; die tragende Struktur des Reliant besteht vielmehr ebenfalls aus Kunststoff. Der Scimitar GT baut auf einem Kastenrahmen aus Stahl auf. Er ist eine Weiterentwicklung des Rahmens, der bereits für den Reliant Sabre und den israelischen Sabre Sport verwendet worden war. In seinen Grundzügen geht er auf eine 1958 von Leslie Bellamy für LMB Components entwickelte Konstruktion zurück. Das Chassis wurde für die Verwendung der Ogle-Karosserie leicht vergrößert und stellenweise verstärkt; im Laufe der Produktionszeit wurde außerdem die hintere Radaufhängung überarbeiten.
Die Motorisierung und die Kraftübertragung kamen, wie bei den größeren Reliant-Modellen üblich, jeweils von Ford of Britain. Die erste Version des Scimitar GT (SE4) verwendet einen 122 PS (90 KW) starken Sechszylinder-Reihenmotor mit 2,6 Litern Hubraum aus dem britischen Ford Zephyr bzw. Zodiac (1964–1966), Die zweite Version (SE4a und SE4b; 1966–1967) hatten eine 3,0 Liter große Ausführung des neu konstruierten Sechzylinder-V-Motors der Ford-Essex-Reihe, dessen Leistung bei 146 PS (107 KW) liegt und der einige Anpassungen im Fahrwerksbereich erforderte. In in der letzten, ab 1967 gebauten Variante (SE4c) kam eine auf 2,5 Liter Hubraum reduzierte Variante des Essex-Motors zum Einsatz, die mit einer Leistung von 121 PS (89 KW) wieder auf dem Niveau der ersten Scimitar-GT-Version lag.
Der Scimitar GT SE4 wurde auf der Earls Court Motorshow 1964 vorgestellt. Er wurde von September 1964 bis 1970 produziert. Zunächst war der Wagen ein Erfolg; Presse und Kundschaft nahmen das neue Modell freundlich auf. Mit der Präsentation des zeitweilig parallel produzierten Kombicoupé GTE ließ die Begeisterung der Kundschaft für den konventionellen GT allerdings nach, so dass Reliant den GT im Laufe des Jahres 1970 aus der Produktion nahm. Alle Varianten des SE4 zusammengenommen, entstanden 1005 Fahrzeuge, wobei die zweite Generation (SE4a und SE4b) mit 591 Autos die am häufigsten produzierte Version ist. Insbesondere die als Straight-Six-Scimitars bezeichneten Scimitar GT mit dem Reihensechszylindermotor sind 60 Jahre nach der Einstellung ihrer Produktion begehrte Sammlerobjekte.
1967 entwickelten Reliant und Tom Karen den Scimitar GTE, einen Shooting Brake mit technischen Anleihen beim bisherigen Scimitar GT.
Unmittelbarer Anlass für diese Entwicklung waren die Kritiken zahlreicher GT-Kunden, die die Leistung des Coupés schätzten, allerdings das beschränkte Raumangebot bemängelten. Erste Überlegungen gingen dahin, den Radstand und die Fahrgastzelle des GT zu verlängern, die Stufenheck-Auslegung aber beizubehalten. Ein Tonmodell ergab, dass der Raumgewinn einer solchen Version nur marginal war. Bereits ein Jahr zuvor war ein Kombifahrzeug auf der Basis des SE4 entstanden, das eine gerade Gürtellinie und große seitliche Glasflächen hatte, die in das Dach hineingezogen waren. Bei diesem Fahrzeug, das offiziell den Namen Ogle GTS trug und in der Presse wiederholt als "Gewächshaus" bezeichnet wurde, handelte es sich um eine Auftragsarbeit für das Unternehmen Triplex Safety Glasses. Das "Gewächshaus" war kein unmittelbarer Vorgänger des GTE und kann auch nicht als ein erster Prototyp angesehen werden. Er offenbarte Reliant aber, dass eine Kombiversion ein vielversprechendes Konzept sein konnte. Tom Karen fand den unmittelbaren Schlüssel zum GTE auf der Earls Court Motorshow 1967. Dort sah er erstmals Bertones neuen Lamborghini Espada, von dessen Raumkonzept er nach eigener Aussage beeindruckt war.
Noch während der Earls Court Motorshow zeichnete Karen eine Version des GT mit Kombiheck und zwei Türen. Seine Überlegungen, die er unter Bezugnahme auf einen Entwurf für die türkische Automobilmarke Anadol anstellte, führten bald dazu, eine nach hinten abfallende Dachpartie mit einer ansteigenden Gürtellinie zu verbinden. Damit waren die Eckpunkte des GTE-Designs geschaffen.
Der GTE hat nicht das Chassis des GT (SE4). Reliant entwickelte einen eigenständigen Rahmen, der sich konzeptionell an dem des Triumph Herald orientierte. Der Radstand war mehr als 20 cm länger als beim GT, die Spurweite wurde um 10 cm (vorn) bzw. 7,6 cm (hinten) vergrößert. Die Lenkung wurde vom Austin 1800 übernommen. Als Antrieb verwandte Reliant wie schon beim GT Motoren von Ford UK, die im Laufe der Jahre einige Veränderungen erfuhren.
Der Scimitar GTE war ein bedeutsames Auto, sowohl für den Hersteller Reliant als auch für die Automobilindustrie an sich. Das Design gilt als wegweisend. Auch wenn es bereits vorher bei anderen Herstellern einige sportliche dreitürige Kombis gegeben hatte – beispielsweise den Chevrolet Nomad von 1955 oder die in Einzelstücken produzierten Shooting Brakes von Aston Martin, setzten Karen und Reliant die Verbindung aus Kombiwagen und Coupé erstmals in der Serienproduktion um. Tom Karen schuf mit dem Scimitar GTE eine neue Fahrzeugklasse, das sogenannte Kombicoupé. Das Design des Scimitar GTE beeinflusste unmittelbar eine ganze Reihe anderer, ähnlich gestalteter Modelle vom Volvo P 1800 ES über den Lancia Beta HPE bis hin zum VW Scirocco III. Tom Karen bezeichnete in einem Interview aus dem Jahr 2001 den Scimitar GTE als seinen wichtigsten Entwurf.
Der GTE erfreute sich in den 1960er und 1970er Jahren vor allem in Großbritannien großen Zuspruchs. Trotz teilweise erheblicher Qualitätsprobleme verkaufte er sich gut. Zum Erfolg des Wagens trug sicherlich auch der Umstand bei, dass er mit Prinzessin Anne eine Liebhaberin aus dem Hause der Royals hatte; die Tochter der britischen Königin fuhr im Laufe der Jahre nicht weniger als sieben – nach anderen Quellen neun und nach wieder anderen sogar zehn – Scimitar GTEs der Serien SE5 und SE6. Prinzessin Anne erhielt 1986 den letzten bei Reliant hergestellten Scimitar GTE, während ihr Vater, Prinz Philip, für zwei Jahre dessen Prototypen fuhr.
| 2. Generation | |
|---|---|
Reliant Scimitar GTE SE5 (1968–1972) | |
| Produktionszeitraum | 1968–1975 |
| Karosserieversionen | Kombicoupé |
| Motoren | Ottomotoren: 2,5–3,0 Liter 87,5–99 kW |
| Länge | 4334 mm |
| Breite | 1638 mm |
| Höhe | 1321 mm |
| Radstand | 2527 mm |
| Leergewicht | 1207 kg |
Der 1968 erstmals präsentierte Scimitar GTE trug die interne Bezeichnung SE5. Von ihm wurden zwei Serien hergestellt:
Vom SE5 entstanden weniger als 2500 Stück, während der SE5a rund 6630 mal hergestellt wurde, was ihn zum erfolgreichsten Scimitar-Modell macht.
| 3. Generation | |
|---|---|
Reliant Scimitar GTE SE6 | |
| Produktionszeitraum | 1975–1986 |
| Karosserieversionen | Kombicoupé |
| Motoren | Ottomotoren: 2,8–3,0 Liter (99 kW) |
| Länge | 4432 mm |
| Breite | 1708 mm |
| Höhe | 1321 mm |
| Radstand | 2630 mm |
| Leergewicht | |
Seit den frühen 1970er-Jahren arbeiteten Reliant und Tom Karen an einem Nachfolger für den SE5. Das neue Modell sollte größer ausfallen als der Vorgänger, ohne aber das Konzept und das grundsätzliche Erscheinungsbild des GTE nachhaltig zu verändern.
Zu Beginn der Entwicklungsarbeiten wurde ein SE5 der Länge nach sowie quer hinter den Türen zersägt. Die so entstandenen vier Fahrzeugteile wurden so lange gegeneinander verschoben, bis geeignete Proportionen des neuen Fahrzeugs ermittelt waren. Im Ergebnis wurde der Radstand gegenüber dem SE5 um 102 mm und die Türen um 63 mm verlängert, die Breite wuchs um 76 mm. Das hatte zur Folge, dass kein Teil der Karosserie und der Verglasung für das neue Modell verwendet werden konnten. Im Ergebnis verlor der GTE durch diese Vergrößerung seinen sportlichen Charakter und wurde nun vornehmlich als Luxusautomobil positioniert. Diesem Ansatz entsprach auch die deutlich verbesserte Geräuschdämmung, die effektiv war, gleichzeitig aber das Fahrzeuggewicht erhöhte.

Äußerlich fiel das neue Modell durch breite, schwarz lackierte Plastikstoßstangen auf, die vorn und hinten im Bereich der Kfz-Kennzeichen erhöht waren. Die – im Grunde unveränderten – Heckleuchten waren nun in einer schwarzen Plastikeinfassung integriert, die seitlich um die Kotflügel herumgezogen war. Schließlich gab es neue Klapptürgriffe, die der Produktion von British Leyland entnommen waren. Das Interieur wurde überarbeitet: das Armaturenbrett wurde neu gestaltet, und die Lehnen der hinteren Sitzbank waren nun umklappbar, um den Kofferraum vergrößern zu können. Die Antriebstechnik blieb, abgesehen von Detailmodifikationen, unverändert.
Der neue Reliant Scimitar GTE erhielt die werksinterne Bezeichnung SE6. Der Wagen wurde 1975 präsentiert, die Serienproduktion begann noch im gleichen Jahr. Das Fahrzeug wurde elf Jahre lang hergestellt. In diesem Zeitraum entstanden drei Serien:

Nach Einstellung der Fertigung der Scimitar-Modelle GTE und GTC bei Reliant erwarb die Middlebridge Scimitar Ltd. im Juni 1987 die Fertigungsrechte. Die in Nottingham ansässige Firma stellte den Scimitar GTE mit 2,9 Liter-V6-Motor mit vielen Verbesserungen, z. B. einer Benzineinspritzung und einem Fünfganggetriebe, her.
Nur 77 (nach anderen Quellen 99) Scimitar wurden bei Middlebridge hergestellt, bevor die Firma 1990 in Konkurs ging. Die Fertigungsrechte wurden anschließend von der Graham Walker Ltd. erworben, die bis heute Scimitars auf Bestellung fertigt.
Nachfolger des Scimitar GTE war der Reliant Scimitar SS.
| Modell | Motorisierung | Hubraum | Leistung | Bauzeit | Exemplare |
|---|---|---|---|---|---|
| Scimitar GTE SE5 | Ford V6 "Essex" | 2,5–3,0 Liter | 119–128 bhp (87,5–94 kW) | 1968–1972 | 4311 |
| Scimitar GTE SE5a | 3,0 Liter | 135 bhp (99 kW) | 1972–1975 | 5105 | |
| Scimitar GTE SE6 | 1975–1977 | 543 | |||
| Scimitar GTE SE6a | 1977–1980 | 3877 | |||
| Scimitar GTE SE6b | Ford V6 "Cologne" | 2,8 Liter | 1980–1986 | 437 | |
| Middlebridge Scimitar GTE | Ford V6 | 2,9 Liter | 1988–1990 | 77/99 |
| 4. Generation | |
|---|---|
Reliant Scimitar GTC (1980) | |
| Produktionszeitraum | 1980–1986 |
| Karosserieversionen | Cabriolet |
| Motoren | Ottomotor: 2,8 Liter (99 kW) |
| Länge | 4332 mm |
| Breite | 1720 mm |
| Höhe | 1321 mm |
| Radstand | 2637 mm |
| Leergewicht | 1264 kg |
Die Cabrioletversion des Scimitar GTE kam als Scimitar GTC SE8B auf dem Markt. Sie hatte ein Stoffdach, das über den an den B-Säulen angebrachten Überrollbügel gezogen wurde. Wie der GTE hatte auch der GTC vier Sitze und wurde durch den 2,8 Liter-V6 von Ford Köln angetrieben.
Nur 442 Scimitar GTC wurden gefertigt.
| Modell | Motorisierung | Hubraum | Leistung | Bauzeit | Exemplare |
|---|---|---|---|---|---|
| Scimitar GTE SE8B | Ford V6 "Cologne" | 2,8 Liter | 135 bhp (99 kW) | 1980–1986 | 442 |