

René Descartes (auch René des Cartes, Des Cartes oder Des-Cartes, latinisiert Renatus Cartesius; * 31. März 1596 in La Haye en Touraine; † 11. Februar 1650 in Stockholm) war ein französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler. Sein Diktum „ich denke, also bin ich“ gilt als eines der bedeutsamsten und bekanntesten der modernen Philosophie.
Seine naturphilosophischen und erkenntnistheoretischen Schriften galten schon zu seinen Lebzeiten als wegweisend. Allein Newton und Leibniz haben ihre großen Theorien nachweislich an Cartesischen Studien entwickelt. Heute wird Descartes als »erster großer metaphysischer Systematiker der Neuzeit« und damit als »Vater der neueren Philosophie« bezeichnet.
Er gilt als der Rationalist unter den Begründern eines mechanistischen Weltbildes. Seine Naturphilosophie »verbannt ein für allemal die Geister aus der Welt«.
In der Mathematik revolutionierte Descartes, zusammen mit François Vieta, die algebraische Schreibweise zur Lösung geometrischer Probleme und gilt damit als Begründer der analytischen Geometrie. Für ganze zwei Jahrhunderte wurden »in der Glanzzeit der Kartesischen Methode und Geometrie« algebraische Kurven untersucht.
In der Physik gelang es Descartes, die Statik der Maschinen mit dem Prinzip der virtuellen Arbeit zu vereinfachen.
Aus kulturhistorischer Sicht hätten, wie Egon Friedell sagte, »schon seine Leistungen als Mathematiker und Naturforscher genügt, ihm Weltruf zu verschaffen«, doch habe er vielmehr »den Geist des Grand Siècle geformt«.
„Descartes schenkte den Blinden das Augenlicht, sie erblickten die Irrtümer der Antike und seine eigenen.“
Descartes wurde als drittes Kind einer kleinadeligen Familie in der Touraine geboren. Sein Vater, Joachim Descartes (1563–1640), war Gerichtsrat (Conseiller) am Obersten Gerichtshof der Bretagne in Rennes. Seine Mutter, Jeanne Brochard, starb am 16. Mai 1597 nach der Geburt eines Sohnes, der ebenfalls nicht überlebte. Da der Vater rasch wieder heiratete, verbrachte Descartes seine Kindheit bei seiner Großmutter mütterlicherseits und einer Amme, die er liebevoll in seinem Testament bedachte. Mit acht Jahren kam er als Internatsschüler auf das jesuitische Collège Henri-IV de La Flèche, das er acht Jahre später mit einer klassischen sowie mathematischen Ausbildung verließ.
Anschließend studierte Descartes ab 1612 Jura in Poitiers und legte dort 1616 ein juristisches Examen ab. Statt jedoch eine juristische Karriere einzuschlagen, absolvierte er an einer Pariser Académie für junge Adelige einen Lehrgang in Fechten, Reiten, Tanzen und gutem Benehmen und verdingte sich noch im selben Jahr 1616 bei dem Feldherrn Moritz von Nassau im niederländischen Breda. Dort begegnete er dem sechs Jahre älteren Arzt und Naturforscher Isaac Beeckman, der ihn für die Physik begeisterte und dem er sein erstes naturwissenschaftliches Werk widmete, das mathematisch-physikalisch orientierte Musicæ compendium (1618).
Nach Reisen durch Dänemark und Deutschland verdingte sich Descartes 1619 erneut als Soldat, nun bei Herzog Maximilian von Bayern, unter dem er auf kaiserlich-katholischer Seite an den ersten Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges und so auch 1620 an der Eroberung Prags beteiligt war.
Im November 1619, kurz nachdem er in Prag die Arbeitsstätte des Astronomen Tycho Brahe (1546–1601) und in Regensburg die von Johannes Kepler (1571–1630) besichtigt hatte, entwickelte Descartes die Idee, dass es „eine universale Methode zur Erforschung der Wahrheit“ geben müsse und dass er berufen sei, sie zu finden, wobei er keine Erkenntnis akzeptieren dürfe außer der, die er in sich selbst oder dem „großen Buch der Welt“ entdeckt und auf ihre Plausibilität und Logik hin überprüft habe. Descartes begann die Arbeit an den Regulae ad directionem ingenii (Regeln zur Ausrichtung der Erkenntniskraft). In seiner Descartes-Biographie berichtet Adrien Baillet (1691) von drei Träumen, die Descartes angeblich in der Nacht vom Sonntag, 10. auf den 11. November 1619 hatte, als er sich längere Zeit in der Reichsstadt Ulm (nach anderen Quellen in Neuburg an der Donau) aufhielt. In den fragmentarischen Olympica aus Descartes’ Notizbuch, deren Inhalt aufgrund von Exzerpten von Gottfried Wilhelm Leibniz teilweise erhalten geblieben ist, findet sich jedoch keine zusammenhängende Beschreibung dieser Träume.
1620 beendete Descartes den Militärdienst, machte eine Pilgerfahrt nach Loreto, die er der Jungfrau Maria zum Dank für die „Vision“ gelobt hatte. In den Jahren darauf unternahm er mehrmonatige Reisen durch das Heilige Römische Reich, die Niederlande, die Schweiz und Italien, wobei er Einblicke jeglicher Art zu gewinnen und mit den unterschiedlichsten Personen, vor allem Gelehrten, ins Gespräch zu kommen suchte.
1625 ließ er sich in Paris nieder. Hier verkehrte er mit Intellektuellen und bewegte sich in den Kreisen der gehobenen Gesellschaft, wobei er auch siegreich ein Duell bestand. Er las viel, schrieb bis 1628 weiter an den Regulae ad directionem ingenii und gewann zunehmend an Ansehen als scharfsinniger Kopf. Insbesondere beeindruckte er auf einer Abendgesellschaft Kardinal Pierre de Bérulle, den Vorsitzenden des Staatsrats und Gegenspieler von Kardinal Richelieu, so sehr, dass er von ihm zu einer Privataudienz eingeladen und danach aufgefordert wurde, seine Theorien ausführlicher darzustellen und damit die Philosophie zu reformieren.

1629 zog es Descartes in die Niederlande, vermutlich wegen der größeren geistigen Freiheit, die dort herrschte. Hier verbrachte er im Austausch mit Intellektuellen unterschiedlichster Ausrichtung und Herkunft, aber dennoch relativ zurückgezogen, die nächsten 18 Jahre, wobei er häufig Wohnungen und Wohnorte wechselte. 1634 lebte Descartes in Egmond-Binnen mit Helena Jans van der Strom, der Haushälterin seines Vermieters, unter einem Dach. 1635 gebar sie ihm in Deventer die Tochter Francine. Jedoch heirateten Descartes und Helena nicht. Francine verstarb mit fünf Jahren am 7. September 1640 an Scharlach. Descartes bezeichnete Francines Tod als „den größten Schmerz seines Lebens“ (Adrien Baillet). Am 13. Oktober 1642 schrieb er an seinen Freund Constantijn Huygens, Vater des berühmten niederländischen Naturwissenschaftlers Christiaan Huygens, wir Menschen seien geboren „für viel größere Freuden und ein viel größeres Glück, als wir sie auf dieser Erde erleben können. Wir werden die Toten dereinst wiederfinden, und zwar mit der Erinnerung an das Vergangene, denn in uns befindet sich ein intellektuelles Gedächtnis, das ganz zweifellos unabhängig von unserem Körper ist.“ Er sei, so Descartes, von diesem Leben nach dem Tod „überzeugt durch natürliche und ganz offensichtliche Gründe“.
Vor allem korrespondierte Descartes intensiv mit seinem Pariser Freund Marin Mersenne und über diesen, der allein seine jeweilige Adresse kannte, mit Gelehrten aus ganz Europa sowie mit einigen geistig interessierten, hochstehenden Damen. Der Mathematiker Dirck Rembrantsz van Nierop besuchte ihn mehrmals.
Während seiner ersten Zeit in den Niederlanden arbeitete Descartes an einem Traktat zur Metaphysik, in dem er einen klaren und zwingenden Gottesbeweis zu führen hoffte. Er legte ihn jedoch beiseite zugunsten eines großangelegten naturwissenschaftlichen Werks, das in französischer Sprache verfasst werden sollte und nicht mehr, wie seine bisherigen Texte, in Latein. Diesen Traité du Monde („Abhandlung über die Welt“), wie er heißen sollte, ließ er jedoch unvollendet, als er vom Schicksal Galileo Galileis erfuhr, der 1633 von der Inquisition zum Widerruf seiner die Forschungen von Nicolaus Copernicus und Johannes Kepler bestätigenden Theorien gezwungen worden war. 1637 publizierte Descartes im holländischen Leiden anonym seinen Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences, plus la Dioptrique, les Météores et la Géométrie qui sont des essais de cette méthode (deutscher Titel: Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung), wörtlich: „Abhandlung über die Methode, seine Vernunft gut zu gebrauchen und die Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen, dazu die Lichtbrechung, die Meteore und die Geometrie als Versuchsanwendungen dieser Methode“. Der als populärwissenschaftliches Werk auf hohem Niveau angelegte Discours de la méthode wurde langfristig Descartes’ wirkmächtigstes Buch.
Die mathematische Anwendung der algebraischen Geometrie zur Erklärung von optischen Phänomenen als Strahlenoptik, die er in seiner Dioptrique darlegte, machte Descartes zu Lebzeiten unter den Naturforschern bekannt.
Kernpunkte des Discours sind:
Auch die nächsten Werke von Descartes lösten in Fachkreisen intensive Diskussionen aus und waren langfristig einflussreich:
Diese Schriften stießen bei den Theologen in Utrecht und Leiden auf so heftige Ablehnung, dass Descartes 1645 einen Umzug nach England erwog und in den Folgejahren Holland mehrmals fluchtartig zu Reisen nach Frankreich verließ. In den Principia behandelt Descartes nicht nur die direkten emotionalen Reflexe, z. B. Angst, sondern auch die spontanen Gefühlsregungen, z. B. Liebe oder Hass. 1649 erschien der Traktat Les Passions de l’âme („Die Leidenschaften der Seele“, 1649), den Descartes auf Aufforderung seiner Briefpartnerin, die pfälzische Prinzessin Elisabeth von der Pfalz, verfasst hatte. Descartes betonte, wie intelligent Elisabeth war und machte deutlich, dass sie der einzige Mensch sei, der seine Arbeit komplett verstehen würde.

Er interpretiert die Leidenschaften als nur allzu natürliche mentale Ausflüsse der kreatürlichen Körperlichkeit des Menschen, verpflichtet diesen aber – als ein zugleich mit einer Seele begabtes Wesen – zu ihrer Kontrolle durch den Willen und zu ihrer Überwindung durch vernunftgelenkte Regungen wie z. B. selbstlosen Verzicht oder großmütige Vergebung.
Im Spätsommer 1649 folgte er einer Einladung der jungen Königin Christina von Schweden, mit der er seit etwa 1645 im Briefwechsel gestanden hatte, und reiste nach Stockholm. Dort musste er jedoch mehrere Wochen auf die abwesende Königin warten und bekam erst in der zweiten Januarhälfte morgens um fünf Uhr einige Audienzen, um der Königin seine Philosophie zu erklären. Anfang Februar 1650 erkrankte er und starb zehn Tage später im Haus seines Gastgebers, des französischen Botschafters Pierre Chanut. Die 2009 von Theodor Ebert vorgetragene These, Descartes sei mit Arsenik vergiftet worden, fand in Fachkreisen wenig Anerkennung. Es wird nach wie vor überwiegend angenommen, dass Descartes an einer Lungenentzündung starb. Descartes’ Grab befindet sich nach mehreren Umbettungen seit dem 26. Februar 1819 in der Abtei Saint-Germain-des-Prés in Paris. Dort liegt sein Leichnam bis auf den Schädel, den seit 1878 das Pariser Musée de l’Homme aufbewahrt.
1663 wurden die Schriften Descartes’ vom Heiligen Stuhl auf den Index Librorum Prohibitorum gesetzt und nie wieder daraus entfernt. Nach seinem Tod kamen Klagen auf, er habe bei seinen naturwissenschaftlichen Studien keinen Raum für Gott gelassen. Dabei traten die Jesuiten an vorderster Front für das Verbot seines Werks ein. Auf die Indizierung von 1663 folgte eine lange Reihe von Verboten, darunter 1691 der königliche Bann gegen die Verbreitung aller Lehren Descartes’ an französischen Schulen.
Descartes gilt als der Begründer des modernen frühneuzeitlichen Rationalismus, den Baruch de Spinoza, Nicolas Malebranche und Gottfried Wilhelm Leibniz kritisch-konstruktiv weiterführten. Sein rationalistisches Denken nennt man auch Cartesianismus. Von ihm stammt das berühmte Diktum „cogito ergo sum“ (deutsch „Ich denke, also bin ich“), welches die Grundlage seiner Metaphysik bildet, aber auch das Selbstbewusstsein als genuin philosophisches Thema einführte. Die Annahme, dass die denkende Seele der Ursprung der Erkenntnis sei, hat drei Implikationen: Erstens ist die Quelle aller Erkenntnis nicht mehr im Aufspüren der Gedanken Gottes zu suchen; zweitens macht das denkende Ich den Leib zu einem Objekt der Körperwelt wie andere auch (Leib-Seele-Dualismus); drittens gelten im Bereich der Körper Gesetze der Bewegung, die von keinem Eingriff der Seele in das Geschehen durchbrochen werden (mechanistisches Weltbild). Offen bleiben jedoch die Fragen, wie die Welt der Körper über die Sinnesorgane auf das denkende Ich wirkt und wie der Wille auf die Körperwelt einwirken kann (nach Descartes kann er allenfalls die Richtung der Bewegung der Körper verändern, deren Impuls jedoch gleich bleibt).
Descartes’ Auffassung bezüglich der Existenz zweier beim Menschen miteinander wechselwirkender, voneinander verschiedener „Substanzen“ – Geist und Materie – ist heute als cartesianischer Dualismus bekannt und steht im Gegensatz zu den verschiedenen Varianten des Monismus (Spinoza) und Monadismus (Leibniz) sowie zur Naturphilosophie Isaac Newtons, in denen jeweils unabhängige Elemente zur Cartesischen Philosophie als deren gemeinsame Grundlage ergänzt wurden.
Sein Ethos der Pflicht und der Selbstüberwindung hat die Literatur der französischen Klassik des 17. Jahrhunderts, insbesondere Pierre Corneille, Nicolas Boileau, Jacques Bénigne Bossuet und Jean de La Bruyère, beeinflusst.
Descartes gilt als Mitbegründer der analytischen Geometrie, welche Algebra und Geometrie verbindet. Die Erneuerung betrifft dabei vor allem die Darstellung von Linien, Strecken und Streckenverhältnisse durch algebraische Terme , sowie für unbekannte Streckenlängen als Variablen (»quantités inconnues«) in einer Gleichung. Von Termdarstellungen für Quadratflächen (Größen zweiter Potenz) und Volumina (Größen dritter Potenz) wird umfänglich Gebrauch gemacht. Die Lösungen geometrischer Probleme werden hierdurch übersichtlicher gestaltet und zeigen, wo sie auf die Arithmetik der jeweiligen Größen zurückgeführt werden. In der Ausführung dieser analytischen Geometrie in La Géométrie (1637) wurden die heute so genannten kartesischen Komponenten als eindeutige Zahlentupel und ihre geometrische Interpretation als zueinander senkrechte Linien gewissermaßen im Stillen mit eingeführt.
Seine naturwissenschaftlichen Arbeiten – seine Ablehnung des Gravitationsprinzips oder seine Wirbeltheorie – sind durch spätere Konzeptionen aus der Newtonschen Physik ersetzt worden; die den Prinzipien der Cartesischen Physik widersprechen. Teile seiner metaphysischen Konzeptionen, etwa der Raumbegriff, die Kontinuitätsanschauung von Massenverteilungen oder auch die Trägheitskonzeption, blieben wissenschaftlich relevant und hatten indirekten Einfluss auf nachfolgende Theorien. Descartes gilt zudem als der erste hauptsächliche Vertreter des Mechanizismus, der die ältere aristotelische Physik abgelöst hat und auch Einfluss auf das medizinische Denken, etwa in der iatromechanischen Krankheitstheorie von Hermann Boerhaave und über das 17. Jahrhundert hinaus ausübte.
In allen Bereichen der Physik bringt Descartes seine materietheoretischen Metaphysik, bestehend aus wenigen Naturprinzipien, zusammen konzipiert mit der geometrischen Methode, ein. Descartes hat es bewusst vermieden, von streng logischen Folgerungsstrukturen zu sprechen (es gibt keine Theorem-Beweis-Struktur) und hat es bevorzugt, die Schriften in einem populärwissenschaftlichen Stil darzustellen. Descartes’ Physik ist als umfassende Naturlehre konzipiert, schließt die Mechanik ein, die Akustik und Musiklehre; sie umfasst Himmelskunde (Meteorologie), die Geostatik, und sie führte Descartes zu einer erstmals umfassenden Behandlung der gesamten Optik als Lehre vom Licht und vom Sehvorgang (dargelegt in Le Monde) und der Dioptrik (seine Dioptrique von 1637) als Lehre von der Lichtbrechung, von den geometrischen Strahlen- und Abbildungsgesetzen und von der Funktionsweise optischer Instrumente.
Dieser prinzipienbasierte Gesamtentwurf der Physik machte schon die Bekanntheit Descartes' als Naturphilosophen zu seinen Lebzeiten aus. In diesem Sinne meinte später Fontenelle, dass der Naturforscher des 17. Jahrhunderts nicht anders konnte als »ihn zu bewundern und ihm zu folgen«. In der Physik galt er als der »Handwerker der mathematischen Instrumente«. Diderot stellte diese methodologische Neuartigkeit seiner Physik folgendermaßen zusammen:
„Obwohl Galilei, Torricelli, Pascal und Boyle zu Recht als Väter der modernen Physik gelten, ist Descartes aufgrund seiner Kühnheit und der wohlverdienten Brillanz seiner Philosophie vielleicht derjenige unter allen Gelehrten des letzten Jahrhunderts, dem wir am meisten zu verdanken haben. Bis zu ihm war das Studium der Natur wie gelähmt von der in den Schulen weit verbreiteten Praxis, sich uneingeschränkt dem Peripatetismus zu verschreiben. Descartes, voller Genie und Weitblick, erkannte die Leere der alten Philosophie; er legte sie der Öffentlichkeit in ihrem wahren Licht dar und entlarvte das vermeintliche Wissen, das sie versprach, so treffend, dass er alle dazu bewegte, einen besseren Weg zu suchen. Er bot sich als Wegweiser an; und da er eine Methode anwandte, die jeder für anwendbar hielt, wurde überall Neugier geweckt.“
Auf Descartes zurückgehend, wurden bereits frühzeitig Bezeichnungen gepflegt wie »Cartesianer« - für: „Anhänger der philosophischen Ansichten Descartes’ “ – oder wie »Cartesisch« (in neuerer Zeit auch »Kartesisch«) – für: „Descartes' Werk eigentümlich“. Descartes selbst, das ist bekannt, mochte die Latinisierung »Cartesius« nicht und führte niemals seinen Adelstitel eines Chevaliers.

Descartes’ Methode ist geprägt von seiner Praxis als Mathematiker:
„Mir gefiel die Mathematik wegen der Sicherheit und Evidenz ihrer Gründe ganz besonders, doch bemerkte ich noch nicht ihren wahren Nutzen. Ich dachte, sie diente nur den mechanischen Handwerkskünsten, und so wunderte ich mich, dass man bei so festen und unerschüttterlichen Fundamenten nichts Höheres aufgebaut hatte.“
Neue Methode: Die vier Grundregeln der Methode (»Vorschriften«, frz. préceptes) sind in seinen Augen eine Anwendung der in der Mathematik üblichen Verfahren und Arbeitsmethoden. Die im Discours de la méthode von Descartes ausführlich formulierte philosophische Methode wird in vier Regeln (II. 7–10) zusammengefasst:
Dieser stark komprimierten und verkürzten Darstellung stehen die postum veröffentlichten Regulae ad directionem ingenii gegenüber – ein Werk, das unvollendet blieb und daher lediglich 21 der ursprünglich geplanten 36 Regeln darlegt. Descartes’ frühe Methodologie stützt sich mehrfach auf das Vermögen der Intuition; mit ihrer Hilfe, so Descartes, erfasst der Mensch die Wahrheit einfachster Aussagen (wie z. B.: ein Dreieck hat drei Seiten) – die Methode selbst besteht im Wesentlichen darin, komplexe Probleme derart zu zerlegen, dass ihre einzelnen Elemente qua intuition als wahr erkannt werden können. Damit wurde er zum Begründer des reduktionistischen (oder cartesianischen) Denkens.
Als ein für die gesamte Philosophie hilfreiches »Mittel« hebt Descartes deswegen den Symbolismus nach Art einer algebraischen Geometrie heraus, »kurze Zeichen (frz. chiffres)«, um »mehrere Erkenntnisgegenstände zusammenzufassen« (frz. comprendre).
Erst später erweitert Descartes seine formgebende Methode um eine metaphysische Dimension, indem er hinterfragt, wie die Intuition für die Wahrheit des Erkannten bürgen könne (man könnte ja, so Descartes, auch in den einfachsten Dingen stets irren). Die Suche nach einem archimedischen Punkt führt schließlich zum berühmten cogito ergo sum oder auch „ego sum, ego existo … quamdiu cogito“ – „Ich bin, ich existiere … im Vollzug des Denkens“, widerspricht aber der frühen Methodologie in ihren Grundsätzen, so dass Descartes schließlich die Arbeit an den Regulae einstellte.
Neue Prinzipien: Descartes' Anspruch bestand von Beginn seines kreativen Schaffens an darin, neue, sichere Prinzipien für die gesamte Philosophie zu errichten. Selbstbewusst schreibt er an seinen wichtigsten Kollegen Marin Mersenne in einem seiner frühen naturwissenschaftlichen Briefe:
„Ich habe mich auch entschlossen, anstatt nur ein Phänomen allein, alle Phänomene der Natur zu erklären, das heißt die gesamte Physik; und meine Absicht befriedigt mich mehr als alle meine bisherigen, denn ich denke, einen Weg gefunden zu haben, alle meine Gedanken so darzulegen, dass sie einige zufriedenstellen und die anderen keinen Anlass haben werden, ihnen zu widersprechen.“
Die Überzeugung, die physische Welt müsse durch möglichst wenige, allgemeine und a priori einsichtige Prinzipien verstanden werden, bildet den festen methodologischen Grundsatz, an dem Descartes auch andere Forscher gemessen und kritisiert hat, allen voran seinen Zeitgenossen Galilei.
Abgrenzung von der Schule: Der Versuch, aus wenigen, evident erachteten Prinzipien sämtliche Naturphänomene zu erklären, geht einher mit Descartes’ neuartigem Materiebegriff. Die Vielheit aller Eigenschaften und Phänome wird nun kausal aus Teil-Ganzes-Beziehungen innerhalb einer einheitlichen Materie begründet. Und hierin sah Descartes selbst die entscheidende Neuerung für die Physik oder Naturphilosophie. Descartes zeigte zwar keine offenen Streitigkeiten mit scholastischen Lehren (wie von Bacon, Galilei und Gassendi bekannt), dafür finden wir aber eine deutliche Rechtfertigung für sein neues Herangehen gegenüber den althergebrachten „substantiellen Formen“ und den „unzähligen Qualitäten“. Er hebt hierin die wenigen Annahmen (frz. suppositions) hervor, die ihn zur neuen Naturphilosophie anleiteten. Das alleine nehme den Erklärungsversuchen ihre Beliebigkeit:
„Wenn ich all das berücksichtige, was man alles bis heute in der Physik gemacht hat, so war es doch nur ein Versuch, gewisse Ursachen zu ersinnen, durch die wir die Phänomene der Natur zwar erklären können, allerdings so, dass man damit kaum Erfolg haben konnte. Wenn wir dann noch die Annahmen der anderen mit meinen vergleichen, das heißt all ihre realen Qualitäten, ihre substanziellen Formen, ihre Elemente und solche Dinge, deren Zahl nahezu unendlich ist, verglichen allein damit, dass alle Körper aus gewissen Teilen zusammengesetzt sind, eine Sache, die man in mehrerer Hinsicht mit nur einem Blick sieht, und die man für andere Dinge mit unzähligen Gründen beweisen kann (denn was ich hinzufüge, nämlich, dass die Teile dieser oder jener Körper eher von solcher Gestalt als von einer anderen sind, lässt sich denen leicht zeigen, die zugeben, dass sie aus weiteren Teilen zusammengesetzt sind), und wenn wir schließlich vergleichen, was ich aus meinen Annahmen gefolgert habe, den Sehvorgang betreffend, das Salz, die Winde, die Wolken, den Donner, den Regenbogen und derartige Dinge: … so hoffe ich, dass dies genügen wird, um all diejenigen, die nicht so voreingenommen sind, davon zu überzeugen, dass die Wirkungen, die ich erkläre, keinen andere Ursachen haben als die, aus denen ich sie abgeleitet habe, […].“
Baum des Wissens: Descartes verstand es als moralische Aufgabe, die Wissenschaften zum Wohle der Menschheit und zur Erleichterung des Lebens zu fördern und ihre strengen Methoden auszugestalten. Das hat bei Descartes eine ethische Dimension, insofern die gesamte Metaphysik und alle Naturwissenschaften zugleich die moralischen Ansichten des Menschen ausbilden. Der aufklärerische Gedanke dabei ist, dass die vernünftige (rationale) Gestaltung der Welt ebenfalls zur Humanisierung der Gesellschaft beitragen würde. Dieser Fortschrittsgedanke ist der Philosophie Descartes' wesentlich und bedeutet zugleich, dass alle philosophischen Prinzipien auf eine wissenschaftlich orientierte Grundlage gestellt werden sollen. Die folgende, berühmte Passage über den Baum des Wissens, aus der französischen Ausgabe der Principia philosophiae von 1647, verdeutlicht seine Denkweise:
„Die gesamte Philosophie ist also einem Baum vergleichbar, dessen Wurzel die Metaphysik, dessen Stamm die Physik und dessen Zweige alle übrigen Wissenschaften sind, die sich auf drei hauptsächliche zurückführen lassen, nämlich auf die Medizin, die Mechanik und die Ethik. Unter Ethik verstehe ich dabei die höchste und vollkommenste Sittenlehre, die, indem sie die gesamte Kenntnis der anderen Wissenschaften voraussetzt, die letzte und höchste Stufe der Weisheit bildet.“
Eine neue Erkenntnistheorie führt Descartes unter anderen in seinen sechs Meditationes de prima philosophia von 1641 aus.
Entsprechend seiner Methode handelt der erste Abschnitt von „dem, woran man zweifeln kann“: Die gängige Annahme, dass wissenschaftliche Erkenntnis aus sinnlicher Wahrnehmung und Denken entspringt, muss hinterfragt werden. Keiner der beiden Quellen darf man ungeprüft vertrauen. Unsere Sinne täuschen uns oft, da wir nicht einfach wahrnehmen, sondern frühere Wahrnehmungen, die unseren Körper konstituieren, unsere aktuellen Wahrnehmungen bedingen – wir projizieren. Aber auch dem Denken darf man nicht ungeprüft vertrauen, denn ein böser Dämon könnte so auf den Verstand einwirken, dass man falsche Schlüsse zieht und sich täuscht. Deshalb ist zunächst einmal an allem zu zweifeln.
Zweite Meditation: Doch woher weiß ich, ob das, was mit mir geschieht, Zweifeln ist, ob ich mich täusche, dass ich „ich“ bin und dass ich „bin“? Wenn ich aber zweifle, so kann ich selbst dann, wenn ich mich täusche, nicht daran zweifeln, dass ich zweifle und dass ich es bin, der zweifelt, d. h. ich bin als Denkender in jedem Fall existent. Der erste unbezweifelbare Satz heißt also: „Ich bin, ich existiere“ (Original lat.: ego sum, ego existo). Er ist, so Descartes, „notwendig wahr, so oft ich ihn ausspreche oder denke“. Descartes analysiert dann dieses zweifelnde Ich und bestimmt es als ein urteilendes, denkendes Ding: Als res cogitans.
Aurelius Augustinus (354–430) hatte diese Argumentation schon ähnlich formuliert: “si enim fallor, sum. nam qui non est, utique nec falli potest” („Selbst wenn ich mich täusche, bin ich. Denn wer nicht ist, kann sich auch nicht täuschen.“ Vom Gottesstaat 11,26). Descartes, der von Arnauld hierauf hingewiesen wurde, zeigte sich dankbar und erleichtert, dass diese Argumentation bei dem großen scholastischen Vorgänger gefunden werden konnte. Der unbedingte Letztpunkt im destruktiven Teil seiner Erkenntnistheorie ist hingegen zuerst von Descartes herausgearbeitet worden und spielte bei Augustinus bei weitem nicht diese zentrale Rolle.
In der dritten Meditation geht Descartes zu einer Theorie des Absoluten über. Eine Ursache könne nicht weniger vollkommen sein als ihre Wirkung. Da die eigene Vorstellung von Gott weit vollkommener sei als die eigene Vollkommenheit und Realität, könne daraus geschlossen werden, dass Gott existiere.
Danach wird die Inkompatibilität von „betrügerisch“ und göttlicher Vollkommenheit aufzuzeigen versucht: Ersteres wäre ein Mangel, letzteres schließt jeden Mangel aus. Gott könne also kein Genius malignus sein, wie es argumentationshalber in der ersten Meditation noch in Betracht gezogen worden war.
Das hieße aber auch, so die vierte Meditation weiter, dass wir auf die (in der ersten Meditation noch angezweifelte) Richtigkeit unserer empirischen Erfahrungen vertrauen können, weil es Gott gebe und er kein Betrüger sei. Den Grund, warum der Mensch dennoch in seinem Urteil zu fehlerhaften Schlüssen kommen kann, sieht Descartes darin, dass die gottgegebene Wahlfreiheit des Menschen sich auch auf Dinge erstreckt, über die er urteilt, obwohl sein Verstand sie nicht klar einsieht. Obgleich die Vernunft die Überlegungen leiten möge, besiegele der Wille letztendlich alle Urteile. Nicht durch den Willen selbst, sondern dadurch, dass er nicht richtig gebraucht werde, würden wir zu falschen Urteilen verführt. Wir müssten uns zwar weiterhin vor Irrtum hüten, könnten aber immerhin auf alles vertrauen, was wir klar und deutlich („clare et distincte“) eingesehen hätten.
In der Fünften Meditation „Ueber das Wesen der körperlichen Dinge und nochmals über Gott, dass er besteht.“ stellt René Descartes seinen ontologischen Gottesbeweis dar. Zu Beginn strebt Descartes eine Befreiung des Zweifelnden an und stellt die Frage nach der Gewissheit über körperliche Dinge. Er untersucht die Natur der Vorstellungen, bevor er sich mit deren Existenz auseinandersetzt. Ein zentrales Beispiel in dieser Meditation ist die Vorstellung eines Dreiecks. Descartes erklärt, dass obwohl kein Dreieck in der Wirklichkeit existiert, seine Eigenschaften mathematisch bewiesen werden können, beispielsweise dass die Innenwinkel jedes Dreiecks stets 180 Grad ergeben.
„Dies erhellt daraus, dass von diesem Dreieck verschiedene Eigenthümlichkeiten bewiesen werden können, wie, dass seine drei Winkel zwei rechten gleich sind, dass seinem gröbsten Winkel die grösste Seite gegenübersteht, und Aehnliches.“
Aus dieser Überlegung ergibt sich für Descartes die Frage, ob, wenn eine Vorstellung wie die eines Dreiecks bewiesen werden kann, auch die Vorstellung Gottes bewiesen werden kann. Er formuliert diese Frage wie folgt:
„Wenn nun daraus allein, dass ich die Vorstellung eines Dinges aus meinem Denken entnehmen kann, folgt, dass Alles, was ich als diesen Dingen zugehörend klar und deutlich erkenne, auch wirklich ihnen zugehört, kann da hieraus nicht auch ein Beweis für das Dasein Gottes entnommen werden?“
Descartes beschreibt Gott als ein höchst vollkommenes Wesen, und argumentiert, dass die Vorstellung eines Gottes ohne Existenz keine Vollkommenheit beinhalten würde.
„Es ist also ebenso widersprechend, Gott (d.h. ein höchst vollkommenes Wesen), dem das Dasein fehlt (d.h. dem eine Vollkommenheit fehlt), zu denken, als einen Berg zu denken, dem das Thal fehlt.“
Daher muss Gott existieren, da Vollkommenheit nach Descartes notwendigerweise Existenz einschließt.
Zunächst einmal sah Descartes in den Ideen gleichsam „Abbilder von Dingen“, die sich unter zwei Aspekten einteilen ließen. So nach ihrem Ursprung:
Descartes räumte in seiner Theorie der menschlichen Erkenntnis den Überlegungen zu den eingeborenen Ideen, ideae innatae, eine Schlüsselposition ein. Sie seien aber nicht, etwa wie bei Platon, als ein selbstständig Existierendes zu denken, sondern wären durch das Denken zu erfassen. Woraus er folgerte, dass die eingeborenen Ideen eng mit dem denkenden, sich seiner selbst bewussten Subjekt zusammenhingen, da eine zu erkennende Idee etwas benötigt, das diese denkt. Im cartesianischen Innatismus wäre eine eingeborene Idee eine gedachte Sache.
Für ihn müssen die angeborenen Ideen (die ideae innatae):
sein.
Als wichtigste angeborene Ideen, die auf gar keinen Fall aus der Erfahrung gewonnen oder ausgedacht werden können, galten für ihn:
In der fünften Meditation verdeutlicht Descartes seine rationalistische Voraussetzung - denn ein Beweis a priori lässt sich nicht erbringen - durch den platonischen Unterschied zwischen Existenz und Wesen, wonach die Vielheit der sinnlich wahrgenommenen Körper als wahrhaftige Abbilder erscheinen. Wir erfassen die verschiedenen Dinge als wiederholte Instanziierungen einer Idee a priori:
„Doch nicht allein, was ich so allgemein betrachte, ist mir ganz bekannt und klar, ich bemerke auch bei einiger Aufmerksamkeit unzählige Einzelheiten an Gestalt, Zahl, Bewegung usw., deren Wahrheit so offenbar und meiner Natur entsprechend ist, daß ich nichts Neues kennenzulernen meine, wenn ich sie zum erstenmal entdecke. Ich glaube eher, mich nur dessen zu erinnern, was ich längst schon wußte, oder erstmals aufmerksam zu werden auf etwas, das längst schon in mir war, ohne daß ich früher den Blick meines Geistes darauf gerichtet hätte. […]
Ich bin nämlich gewohnt, bei allen anderen Dingen [außer der Idee Gottes] die Existenz vom Wesen (essentia) zu unterscheiden.
[… so] dass diese (Vorstellung/ idea) nicht erdichtet und von meinem Bewusstsein abhängig ist, sondern das Bild (imago) einer wirklichen, unveränderlichen Natur…“

„In der reinen Wissenschaftsgeschichte gebührt Descartes vor allem ein Platz wegen seiner analytischen Geometrie.“ Damit verknüpfte er Geometrie und Algebra und gehörte zu den ersten Mathematikern, der eine arithmetische Lösung geometrischer Probleme in einem geschlossenen Kalkül ermöglichte, wie z. B. die Parabel als Trisektrix oder die Würfelverdoppelung.
Allerdings taucht nirgendwo in seinem Werk das heute nach ihm benannte, rechtwinklige kartesische Koordinatensystem direkt auf, als dessen Erfinder mit größerem Recht Apollonios von Perge, Nikolaus von Oresme, Pierre de Fermat und Johan de Witt gelten können. Vielmehr werden - in der Praxis der Algebraisierung von Geometrie - „kartesische Linien“ eingeführt: Zahlenpaare und ihre Veränderlichen liefern hierin das Abbild ebener Kurven, was sich als eindeutig nur durch zueinander senkrechte Komponenten erweist. Der Begriff kartesisch oder kartesianisch bedeutet allgemein von Cartesius eingeführt und tritt an verschiedenen Stellen der Mathematik auf, neben dem Koordinatensystem beispielsweise beim kartesischen Produkt.
Um 1640 leistete er einen Beitrag zur Lösung des Tangentenproblems der Differentialrechnung. Descartes wählte einen algebraischen Zugang, indem er an eine Kurve einen Kreis anlegte. Dieser schneidet die Kurve in zwei Punkten, es sei denn, der Kreis berührt die Kurve. Damit war es ihm für spezielle Kurven möglich, die Steigung der Tangente zu bestimmen. Dieser Ansatz fand unter seinen Zeitgenossen große Beachtung, trug allerdings kaum zur tatsächlichen Lösung des Problems bei, da man auf diese Weise dem Ableitungsbegriff nicht näher kam.
Es sind auch zwei Sätze nach Descartes benannt. Mit der Vorzeichenregel von Descartes kann man eine Obergrenze für die Anzahl der positiven und negativen Nullstellen eines Polynoms in den reellen Zahlen bestimmen. Der Vier-Kreise-Satz aus dem Jahre 1643 löst ein schon in der Antike betrachtetes Berührkreisproblem, zu drei sich gegenseitig berührenden Kreisen einen vierten zu finden, der wiederum die drei anderen berührt. Nach Descartes ist auch eine ebene algebraische Kurve 3. Ordnung (cartesisches Blatt) benannt, welche Descartes in einem Briefwechsel mit Fermat diskutierte. Nach ihm sind auch die Descartes-Zahlen benannt.
La Géométrie (1637) ist als Anhang zur Methodenschrift Discours de la Methode erschienen, um mathematische Erkenntnisgründe mit aller Deutlichkeit aufzufinden. Geometrische Probleme werden hierbei durch Termverhältnisse und -gleichungen dargestellt, die eine algebraisch eindeutige Lösung erbringen, und umgekehrt können algebraische Gleichungen und Proportionen nach Descartes' Methode stets „geometrisiert“ werden. Anders als sein Kollege F. Vieta, der ebenfalls algebraische Notationen in der Geometrie einführte, war Descartes davon überzeugt, dass die mehrdimensionale Darstellung von Größen und ihren Relationen zueinander immer gelingen könne: für eine Rechteckfläche in zwei Dimensionen, für das Würfelvolumen in drei Dimensionen, und ähnliche Termdarstellungen.

Die Mathematik bestehe darin, diese Verhältnisse zwischen Geometrie und Algebra zu entdecken: „Jede Kurve repräsentierte eine Gleichung mit zwei Unbekannten, und umgekehrt definierte jede Gleichung dieses Typs eine Kurve, ein sehr innovatives Konzept, durch das Descartes die ‚analytische Theorie‘ der geometrischen Orte begründete.“ Wegen der vielen Erneuerungen hinsichtlich der mathematischen Darstellung wird behauptet, La Géométrie könne „als das erste moderne Mathematikbuch gelesen werden“. Descartes' Géometrie liegt die „große Entdeckung“ des Prinzips zugrunde, dass jede Eigenschaft einer Kurve in der sie repräsentierenden algebraischen Gleichung enthalten ist, wenn diese erst einmal gefunden ist.
In einem der ersten Beispiele des Ersten Buchs wird die geometrische Lösung (nach Euklid) einer quadratischen Gleichung in der Passung mit der algebraischen Schreibweise illustriert (siehe nebenstehende Abbildung). Die Strecke entspricht der Länge mit den Katheten und des rechtwinkligen Dreieckes . Daher ist graphisch die Summe aus Hypotenuse und Kreisradius
Im Zweiten Buch der Geometrie kommt Descartes erstmals dahin, sämtliche algebraische Kurven der Kegelschnitte in der allgemeinen Form
zu repräsentieren und geometrisch zu begründen, so wie es auch heute noch gebräuchlich ist. Mitunter gelang ihm hiermit die Herleitung der Hyperbel-Gleichung in der Form
für kartesische Koordinaten . Quartische Gleichungen und das antike »Problem von Pappos«, die ursprüngliche Motivation Descartes' zur algebraischen Darstellung der Geometrie, wird in Gleichungsform gebracht. Sein Verfahren ermöglichte es ihm, Tangentensteigungen an einer Kurve algebraisch zu berechnen, unabhängig von Fermats "differentiellem" Herangehen.
Descartes führte selbst keine astronomischen Beobachtungen durch, verfolgte aber Galileo Galileis Eintreten für das heliozentrische Weltbild genau. Als Galilei 1633 durch die Inquisition verurteilt wird, gab er seine vierjährige Arbeit am Traité du Monde auf und entschied sich, kein Buch zu veröffentlichen, das „auch nur ein einziges Wort enthält, welches die Kirche missbilligt“. Für seine eigene Kosmologie nimmt er in Anspruch, sie sei die einfachste und angemessenste nicht nur zur Darstellung der Erscheinungen, sondern auch zur Erforschung ihrer Ursachen. Trotzdem soll sie auch mit diesem über die astronomische Hypothetik hinausgehenden Anspruch nur der Entwurf einer Möglichkeit bleiben. So zeigte er sich kritisch gegenüber Galilei, dem er vorwarf, seinen Stoff nicht ordnungsgemäß geprüft und lediglich die Ursachen einiger besonderer Vorgänge untersucht zu haben. Der Mensch dürfe sich die Teilhaberschaft an den Plänen Gottes nicht anmaßen.
Für seine Verdienste als Mathematiker und Philosoph wurden 1935 der Mondkrater Descartes und 1993 der Asteroid (3587) Descartes nach ihm benannt.

Das teleologische Weltbild des Aristoteles wird ersetzt durch ein kausalistisches, in dem sich innerhalb der Objektwelt (der Welt der res extensa also) alles notwendig durch Druck und Stoß ergibt. Diese Annahme ist im Weiteren Voraussetzung für die Theoriebildung in vielen Erfahrungswissenschaften geworden und allgemein Kennzeichen mechanistischen Denkens.
Im zweiten Teil (Über die Prinzipien der körperlichen Dinge) seiner 1644 erschienenen Principia philosophiae beschäftigt sich Descartes mit den grundlegenden Eigenschaften der Materie und stellt elementare Naturgesetze auf, die im Folgenden nach einer deutschen Übersetzung wiedergegeben werden.
Alle Naturerscheinungen finden so bei Descartes geschlossen mechanistische Erklärungen in der Nahwirkung unterschiedlicher Materiearten. Selbst die anziehende Wirkung der Magneten, die planetaren Kreisbewegung oder sämtliche Lichterscheinungen werden durch eine Theorie repulsiver Wirbel verständlich gemacht und fernwirkende Anziehungskräfte, Gravitation oder attraktive Magnetkräfte (nach Gilbert) gänzlich ausgeschlossen. Nur Druck und Stoß von feinen unsichtbaren und sich berührenden Korpuskeln – Descartes unterscheidet drei Arten der Feinheit – erzeugen im Einzelnen die verschiedenen beschleunigten Bewegungen aus wenigen Stoßgesetzen.
„Betrachten wir jedoch nicht nach der gewöhnlichen Auffassung [d. i. nach der überlieferten Schule], sondern der Wahrheit nach das, was unter Bewegung zu verstehen ist, um ihr eine eigene Natur zuzusprechen, so kann man sagen, sie sei die Überführung eines Teils der Materie oder eines Körpers aus der Nachbarschaft der Körper, die ihn unmittelbar berühren, die als ruhend angesehen werden, in die Nachbarschaft anderer.“

„Denn die Überführung selbst ist gegenseitig, und man kann sich nicht vorstellen, dass der Körper aus der Nachbarschaft des Körpers fortgeführt wird, ohne zugleich vorzustellen, dass der Körper aus der Nachbarschaft von fortgeführt wird; und es ist gerade so viel Kraft und Tätigkeit (lat. 'vis et actio') nötig als von der anderen.“


„Auch bedarf es für diese Bestimmungen keiner Beweise, weil sie sich von selbst verstehen, und selbst wenn die Erfahrung uns das Gegenteil zu zeigen schiene, würden wir trotzdem genötigt sein, unserer Vernunft mehr als unseren Sinnen zu vertrauen.“
Auf der Basis dieser physikalischen Grundlagen entwickelt Descartes eine komplizierte Theorie zur Entstehung des Kosmos und unseres Planetensystems, wobei er als Ausgangspunkt lediglich eine von Gott geschaffene Ansammlung von Materiewirbeln annimmt (Wirbeltheorie). Daraus werden schrittweise alle beobachtbaren Himmelserscheinungen erklärt. Ebenso versucht sich Descartes an Erklärungen für die Entstehung der Erde und die auf ihr beobachteten Naturphänomene, wie Schwerkraft, Aggregatzustände (fest, flüssig), Eigenschaften von Mineralien, Feuer, Magnetismus und vieles mehr. Besondere Bedeutung kommt seiner Theorie der Lichtausbreitung zu, wonach diese durch Druckübertragung zwischen den sogenannten „Himmelskügelchen“ erfolgt. Diese Vorstellung wirkte in der Hypothese vom Lichtäther fort und bereitete den Boden für die Wellentheorie des Lichts.
Mit aller Deutlichkeit vertritt Descartes die Vorstellung, dass erkennbare Naturgesetze ohne weitere Eingriffe die Maschine »Welt« beschreiben, sie instand halten, sie in sich geschlossen determinieren. Diese neuzeitliche Idee geht einher mit dem materialistischen Naturverständnis selbst. Sie wird zugleich als rationalistische Grundannahme vorangestellt.„“
„Sie sollen also erstens wissen, daß ich unter Natur hier überhaupt nicht irgendeine Göttin oder irgendeine andere Art imaginärer Macht verstehe. Statt dessen bediene ich mich dieses Wortes, um die Materie selbst zu bezeichnen, insofern ich sie mit sämtlichen in ihr enthaltenen Qualitäten betrachte, … [So] folgt mit Notwendigkeit, daß es in ihren Teil etliche Veränderungen geben muß, die … nicht eigentlich der Aktion Gottes zugesprochen werden können, weil sie sich überhaupt nicht verändert, und die ich deshalb der Natur zuspreche. Die Regeln, denen gemäß sich diese Veränderungen vollziehen, nenne ich Gesetze der Natur. …
Deshalb werden alle die Wirkungen durch ihre Ursachen erkennen können und werden, um es mit Ausdrücken der Universität zu klären, Beweise a priori von allem haben können, was in dieser neuen Welt produziert werden kann.“
In einer solchen geschlossenen Welt der ausgedehnten Materie, losgelöst von der geistigen Welt, gibt es keinen Platz für spirituelle Kräfte und Wunder.
„Und damit es keinerlei Ausnahmen gibt, die dies verhindern, fügen wir … zu unseren Voraussetzungen hinzu, daß Gott in diesen neuen Welt niemals irgendein Wunder (frz. miracle) vollbringen wird und daß die Intelligenzen oder vernünftigen Seelen … in keiner Weise den gewöhnlichen Lauf der Natur stören werden.“
Damit verbunden gab es erhebliche theologische Anfeindungen gegen Descartes’ metaphysische Konzeption: Die Vereinbarkeit mit dem Mysterium (frz. mystere) der Eucharistie und mit der damit verbundenen Transsubstantiationslehre wurden von Beginn an bezweifelt, davor hatte Antoine Arnauld ihn noch brieflich (1648) nach der Veröffentlichung von den Principia philosophiae gewarnt. Und Descartes war sich dieser Schwierigkeit durchaus bewusst, das zeigen mitunter die Vierten Einwänden Arnaulds (Objectiones), die Descartes in der zweiten Auflage der Meditationes (1742) mitveröffentlichte. Denn wie soll die leibhaftige Gegenwart Christi im Altarsakrament vorgestellt werden, wenn das Wesen des Körpers, seine Substanz, allein seine materielle Ausdehnung ist?
Letztlich waren derartige theologische Bedenken ein entscheidender Grund dafür, Le Monde von der Veröffentlichung zurückzuhalten und nur den in mancher Hinsicht abgemilderten Inhalt der Principia zu veröffentlichen. Nicht zuletzt bekannten sich beide Schriften zum kopernikanischen Weltbild, und Galileis Verurteilung bereitete ihm große Sorge, was sein eigenes physikalisches Werk betraf.
Descartes hat Vorkehrungen getroffen, um einer kirchlichen Anfeindung zu entgehen. So schrieb er etwa an seinen Lehrer in La Flèche, Pater Étienne Noël, zur Publikation des Discours, dem die Erneuerungen theologische Sorgen bereiteten:
„[… Und] ich habe Grund, Gott zu danken, dass die Meinungen, die mir in der Physik unter Berücksichtigung natürlicher Ursachen am wahrsten erschienen, immer diejenigen waren, die am besten mit den Mysterien (frz. mystères) der Religion übereinstimmen.“
Außerdem hat er – ebenfalls ein taktischer Zug der Beschwichtigung – in seinen Hauptschriften zur Naturphilosophie, Le Monde und die Principia philosophiae, diejenigen Passagen, die explizit das Loslösen von der scholastischen Metaphysik erklären, so beispielsweise die Zurückweisung der Materia prima und die Einführung eines neuen Materiebegriffs, als »erdachte Fabel« gekennzeichnet.
„Damit aber die Länge dieser Ausführung für Sie weniger langweilig ist, will ich einige davon in die Erfindung einer Fabel kleiden…“
Descartes hatte selbst großen Aufwand betrieben, die theologische Vereinbarkeit der Eucharistie mit seinen neuen Prinzipien der Materie herzustellen und, wie er später sagte, eine »vollständige Erklärung« abzugeben. Die Substanz des Brotlaibes und des Weins bleibe, so wie es das Tridentium (1551) fordert, in der Transsubstantiation erhalten, wenn Descartes die Oberfläche des Laibs zum gegenstandslosen Mittler (moyen) erklärt. Verschiedene Gegebenheiten (oder modi) der einen Substanz sind nunmehr im Laib enthalten, und seine optischen Eigenschaften werden lediglich als Erscheinungen begriffen, die Begrenzung zu einem ›modalen Sein‹ erklärt. Seine theologischen Kritiker sahen darin eher die Auflösung der sakramental ausgelegten Substanz-Akzidenz-Lehre, die Abkehr von der thomistischen Lehre der realen Akzidentien.

Die Dioptrique, Ergänzungsband zum Discours de la Methode (1637), gilt als eine umfassende Behandlung der gesamten Strahlenoptik einschließlich der physiologischen Behandlung des Sehvorgangs und über die materielle Natur des Lichts. Voltaire bemerkte allein zu dieser Leistung Descartes’:
„Er legte den Geist der Geometrie und des Erfindens in die Dioptrik, welche in seinen Händen eine ganz neue Kunstfertigkeit wurde, und wenn er sich auch in einigen Dingen geirrt hat, so bleibt er ein Mann, der Neuland betreten hat und nicht gleich mit einem Blick alle Eigenschaften erkennen konnte.“
Um einen besonders auffälligen Punkt herauszugreifen, wird hierin unabhängig von Snellius das Brechungsgesetz der Strahlenoptik erstmals in einer Verhältnisaussage formuliert und veröffentlicht:
Das ist gleichwertig zu der heute bekannten Formulierung , wobei den (relativen) Brechungsindex bezeichnet.
Der Nachweis seiner Gültigkeit erfolgt nicht etwa durch empirische Messungen (denn es wird behauptet, das Experiment sei nunmehr nachträglich »leicht durchführbar«), sondern Descartes beweist sie über die Betrachtung der Ausbreitungsgeschwindigkeit der in das optische Medium mechanisch eindringenden Lichtpartikel. Sie werden in Analogie zu schiefwinklig eindringenden massiven Kugeln in Wasser betrachtet, die verschiedene optisch dichte Medien aufgrund des Partikelwiderstandes unterschiedlich schnell und daher auf verschiedenen Wegen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten durchlaufen. (Die Zusammensetzung aus vertikaler und horizontaler Bewegung wird hierbei mit angenommen und es wird vorausgesetzt, dass die letztere konstant bleibt.)
„Denken wir jetzt, das der von nach kommende Ball am Punkt nicht mehr auf eine Leinwand, sondern auf Wasser trifft, dessen Oberfläche ihm wie die Leinwand genau die Hälfte seiner Geschwindigkeit nimmt. Wenn man den Rest genauso festlegt wie vorher, sage ich, dass dieser Ball von auf einer Geraden nicht nach , sondern nach weiterlaufen muss.“
Die Bedeutung Descartes’ als ein technisch versierter Physiker, als Begründer einer wissenschaftlichen Mechanik, der nicht nur an naturphilosophischen und metaphysischen Fragen interessiert war, sondern auch positive, empirisch relevante Einzelstudien zur Mechanik erzielt hat, war lange Zeit umstritten. Hierfür sind zwei wesentliche Gründe zu nennen:
„Descartes leidet aber auch an allen gewöhnlichen Fehlern des Philosophen. Er vertraut ohne Umstände seinem eigenen Einfall. Er kümmert sich nicht um eine Prüfung desselben durch die Erfahrung. Es genügt ihm im Gegenteil ein Minimum von Erfahrung für ein Maximum von Folgerungen. Hierzu kommt noch das Verschwommene seiner Begriffe.“
Ein rückblickend unproblematischer Standpunkt, der sich mit der naturphilosophischen Bedeutung einer Kartesischen Mechanik deckt, findet sich hier:
« Was auch immer das historische Interesse an der Mechanik des Descartes sein dürfte, so muss man doch einsehen, dass sie recht wenig zur positiven Wissenschaft [frz. science positive] ergänzt hat. Dagegen hat sein Mechanismus, sozusagen die Synthese der Physik mithilfe der alleinigen Konzepte der Ausdehnung und Substanz sowie der Gestalt und der Bewegung, in dem Jahrhundert eine Rolle von erstem Rang gespielt. »
Heute wird die Frage nach einer wissenschaftlichen Mechanik Descartes’ historisch neu bewertet. So gilt Descartes
In diesen Punkten allein betrachtet, steht Descartes zwar im Schatten der Galileischen Mechanik, aber diese Bedeutung Descartes’ in der Wissenschaft der Mechanik musste hingegen wiederentdeckt werden, nachdem sie für einige Zeit in den Hintergrund geraten ist. (Sie war zuvor noch von Joseph-Louis Lagrange in seiner historischen Einleitung zur Mécanique Analytique bekannt gewesen.) Vor allem ist das ein Resultat der wissenschaftshistorischen Studien Pierre Duhems, sie gelten auch heute noch als anerkannte Korrektur in der Descartes-Rezeption.
Heute erleben Descartes’ unveröffentlichte Beiträge zu den Punkten (1) und (2) eigenartig hohes Interesse in der wissenschaftshistorischen Forschung. Der Hauptgrund dafür ist, dass in dieser Korrespondenz erstmals die Mechanik starrer Körper zum Gegenstand theoretischer Untersuchungen wurde und hier die ersten Erfolge und konzeptionellen Fehlversuche ersichtlich waren. In der feindlich zu nennenden Kontroverse zwischen Descartes und Gille Personne de Roberval – denn beide arbeiteten in der Mechanik gegeneinander und mit zum Teil harter unwissenschaftlicher Polemik – zeigt sich, wie unter teilweise falschen Voraussetzungen eine neuartige Forschungsrichtung mit korrekten Ergebnissen entstehen konnte.

Descartes formuliert die Dynamik einfacher Maschinen auf der Grundlage des heute so genannten Prinzips der virtuellen Arbeit. Flaschenzug, schiefe Ebene, Winde und Schraube, um nur einige zu nennen, finden hierin die zeitunabhängige Darstellung, wie sie auch heute in Physiklehrbüchern zu finden ist. Zugleich erhält die Konzeption ihre Allgemeinheit durch ihre Erfahrungsunabhängigkeit, als ein Begriff a priori. Duhem sieht dabei eine lange historische Entwicklung, die bis Jordanus de Nemore zurückreicht.
Was ein bestimmtes Gewicht aus einer gewissen Höhe anheben kann, kann ebenso ein mal größeres Gewicht um eine mal kleinere Höhe anheben. Dieses Prinzip ist das, was Descartes als Grundlage für die gesamte Statik nehmen wird.
Durchaus erfasste Descartes in seinen mechanischen Schriften das Prinzip in der Weise, wie es auch heute algebraisch dargestellt wird. Bezeichnen die Beträge der gerichteten Kraftkomponenten (frz. force), die jeweils infinitesimal kleinen Weglängen dazu, so gilt im Gleichgewichtsfall stets
Descartes’ eigenständige Charakterisierung ist gegenüber seinen Vorgängern und Nachfolgern in folgenden Merkmalen herauszustellen:

Descartes gebührt der Verdienst, erstmals eine analytische und allgemeine Lösung zum Problem des Schwingungsmittelpunktes starrer ausgedehnter Körper angegangen zu haben. Hierbei suchte er in schlüssiger Analogie zur Dynamik des Schwerpunktes die Schwingung starrer Körper durch einen einzigen, mitbewegenden Punkt zu beschreiben, den er das Erregungszentrum (centre d’agitation) nannte. Seine Idee ist, dass der Erregungsmittelpunkt als ein Mittelwert von jeweils tangentialen Abtragungen der Bewegungsgrößen aller Massenelemente, bezogen auf die mittlere y-Achse der Schwingung, gebildet werden müsse. Sei der Abstand der Erregungsmittelpunktes zur Aufhängung, und der Abstand des Massenelements bezogen auf ; dann läuft seine Untersuchung auf die allgemeine Formel
Die Korrektur durch Roberval beinhaltet die Richtungsabhängigkeit der Bewegungsgrößen und führte dagegen zur richtigen Formel , wobei den Auslenkungswinkel des Massenelements bezeichnet.

Für Descartes waren physiologische Modellvorstellungen integraler Bestandteil seiner Philosophie. Die aristotelische Hervorhebung des Organischen negiert Descartes. Er reduzierte den lebenden Organismus des Menschen auf dessen Mechanik und wurde damit zum Begründer der neuzeitlichen Iatrophysik, in der Menschenmodelle und (versuchte oder gedachte) Konstruktionen von Menschenautomaten eine wichtige Rolle spielten. Der menschliche Körper wird einmal als bloße „Gliedermaschine“, dann wieder als „Leichnam“ beschrieben. Diese Betrachtung hat ihre Fortsetzung in der Denkweise, den Menschen körperlich als mechanischen Apparat, also als Maschine zu betrachten und sein Denken heute beispielsweise mit dem Funktionieren von Computern zu vergleichen, wenn nicht gleichzusetzen.
Aus Furcht vor der Inquisition veröffentlichte Descartes seine Schrift Traité de l’homme („Abhandlung über den Menschen“, 1632) zeitlebens nicht; sie erschien erst 1662 unter dem Titel De homine.
René Descartes war allerdings durchaus religiös; seine Aufteilung des Menschen in einen mechanisch funktionierenden Organismus und eine Seele ist wohl sein bekanntester und auch meist kritisierter Denkansatz geblieben. In der zweiten Meditation erklärt Descartes kurioserweise indirekt – ganz aristotelisch – die Seele als das, was den Unterschied zwischen einem Leichnam und einem lebendigen Menschen ausmacht. Descartes hat Aristoteles selbst allerdings kaum rezipiert, sehr wohl aber die Schriften der Scholastik, in denen man sich vielfach auf Aristoteles bezog.
Der Naturphilosoph Descartes geht in seinen Schriften zur Physiologie des Menschen über den Substanz-Dualismus hinaus, den er philosophisch in seinen Meditationen unterbreiten wollte und versuchte ein in sich materiell geschlossenes oder monistisches Bild des Menschen zu erklären.
Descartes behandelte aus Sicht eines Naturwissenschafters die mechanistische Physiologie des Menschen, die bei strenger Auslegung - in Betrachtung der Seele - eine besondere Provokation darstellte. In der Zweiten Meditation suchte er den Widerspruch noch damit zu vermeiden, dass der radikale philosophische Zweifel die materialistische These völlig indifferent lassen muss. So heißt es dort: «Was aber diese Seele sei, ließ ich entweder auf sich beruhen, oder ich stellte sie mir als irgendeinen feinen Stoff vor, als etwas dem Wind, dem Feuer oder Äther Vergleichbares, das in meinen gröberen Bestandteilen verbreitet ist».
Descartes' provozierende Materialismusthese findet sich hingegen gleich zu Beginn seiner physiologischen Schrift Der Mensch (De Homine) im Eingangskapitel mit dem Titel Über die Maschine seines Körpers, in der er die anatomischen Funktionalitäten des Menschen zu verdeutlichen sucht. Das ganze Werk wird dahingehend ausgerichtet, eine Analogie zwischen »Menschenmaschine« und »Maschine Mensch« herzustellen, die den Eindruck jeder Verschiedenheit widerlegen soll, um ganz am Ende festzustellen, dass all diese »Nachahmungen« (imitations) - wir würden heute von Modellen sprechen - passend und damit »wahr« sind:
„Wir sehen Uhren, kunstvolle Wasserspiele, Mühlen und andere ähnliche Maschinen, die zwar nur von Menschen gefertigt sind, aber dennoch die Kraft haben, sich von selbst auf viele verschiedene Weisen zu bewegen. Und mir scheint, ich könnte mir in dieser Maschine, von der ich voraussetze, dass sie durch die Hände Gottes gefertigt sind, weder so viele Arten von Bewegungen vorstellen noch ihr eine solche Kunstfertigkeit zusprechen … .
Ich wünsche mir …, dass Sie betrachten, dass diese Funktionen in dieser Maschine alle von Natur her nicht mehr und nicht weniger allein aus der Disposition ihrer Organe folgen als die Bewegung einer Uhr oder eines anderen Automaten aus der Bewegung ihrer Gegengewichte und Räder… .“

Als eine »Zusammensetzung aus einer Seele und einem Körper« versucht Descartes, die psychophysische Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt ebenso materalistisch zu begreifen. Eine zentrale Funktion der menschlichen Aktivität und Regulation übernehmen hierbei die so genannten »Lebensgeister« (Esprits animaux). Sie bilden die aus feiner Materie erster Art zusammengesetzte »sehr lebhafte und reine Flamme«, einen »feinen Wind«, der sich vom Gehirn aus – Descartes vermutete als ihren zentralen Ursprungsort die Zirbeldrüse – über sämtliche »Blutkanäle«, »Nervenfäden« und »organische Poren« auf den ganzen Körper verteilen und den Organismus kontrollieren. Die feine Materie erster Art wird mit der Lichtmaterie selbst identifiziert und macht für sich das aus, was man für gewöhnlich die Seele und was Descartes auch des Menschen Gemeinsinn (sens commun) nennt.
Dementsprechend formuliert Descartes bereits sämliche Interaktionen und Affektionen als einheitliches Reiz-Reaktions-Schema zwischen dem Körper und den ebenso materiellen »Lebensgeistern« (frz. esprits animaux). Die so genannten Passionen oder Leidenschaften bestimmen in dieser rein kausal-materiellen Hinsicht die Willensakte der menschlichen Seele, sofern der Mensch äußerlich (passiv) auf das sensual Wahrgenommene einwirkt. In dieser sensualen Hinsicht - Descartes spricht auch von einem »niederen Teil der Seele« - schließt er somit konsequent einen Determinismus des menschlichen Willens ein, macht den Menschen zu einer »autonomen Einheit« innerhalb seiner rein körperlichen Umgebung.
„Diejenigen Teile, die klein genug sind, um durch die Poren dieser Drüse hindurchzugehen, bilden die Lebensgeister, und die ein wenig dickeren heften sich an die Wurzeln der kleinen Fäden an, die das Gehirn bilden. Was aber die dicksten von allen betrifft, so gehen sie von den Arterien in die mit ihnen verbundenen Venen über und kehren zum Herzen zurück, ohne die Form des Blutes zu verlieren.“
„Ich mache deshalb darauf aufmerksam, daß die menschliche Seele, wenn sie auch den ganzen Körper erfüllt, ihren vornehmsten Sitz doch im Gehirn hat, wo sie nicht allein erkennt und bildlich vorstellt, sondern auch empfindet, und zwar dies letztere mit Hilfe der Nerven, … Und diese verschiedenen Erregungen der Seele oder die Gedanken … heißen sinnliche Wahrnehmung oder, im gewöhnlichen Sprachgebrauch, Sinnesempfindungen.“
Descartes' mechanistische Erklärung einer Psychophysik stellt erstmalig den „Versuch dar, die Psychologie zum Rang einer … Naturwissenschaft zu erheben“.
Historisch bemerkenswert ist, dass Descartes sich selbst dieser Kontroverse gegenüber Mersenne, und mittelbar auch gegenüber Hobbes, gestellt und sich entschieden gegen das materialistische Bild der menschlichen Natur (wie es von Hobbes bekannt war) gewehrt hat, das man seinen Schriften auslegen könnte. Die Kontroverse wurde mit Mersenne auch dahingehend geführt, ob dem »Hauptsitz der Seele« (wie ihn Descartes behauptet) der materielle »körperliche Teil« der einer unteilbaren Seele angehöre, eine Vorstellung, die Descartes befürwortete, die teminologische Schwierigkeit aber eingestand.
Nichtsdestoweniger verteidigt Descartes vehement und vielfach die Fähigkeit des Menschen, als vernunftbegabtes Wesen, als unabhängige ›res cogitata‹, äußeren Zwängen und jeglicher passiv erleidender Willkür zu widerstehen, Handlungsalternativen subjektiv abzuwägen, was er nach allgemeinem Verständnis mit der Freiheit des Willens identifiziert. Der Mensch besitzt die Fähigkeit zur aktiven Willensbestimmung der Wirklichkeit, durch den »vernünftigen« oder durch den »oberen Teil der Seele« beeinflusst: Sofern «die Aktionen der Seele […] in der Seele selbst enden» und nicht «in unserem Körper enden», bestehen ihre Aktionen und Effekte unabhängig von äußeren Einwirkungen.
Diese subjektive Priorität der aktiven Ursächlichkeit der Seele und ihrer Willensäußerungen zeigt sich vor allem darin, dass im Moment des „meditativen Zweifels“ an der empirischen Wirklichkeit, der menschliche Wille die Freiheit besitzt, sich in der Entscheidung darüber hinwegzusetzen:
„Dass aber unser Wille frei ist und wir nach Willkür vielem zustimmen oder nicht zustimmen können, ist so offenbar, dass es zu den ersten und gemeinsten der uns eingeborenen Begriffen zu zählen ist. Dies offenbart sich vorzüglich, als wir oben in dem Bestreben, alles zu bezweifeln, so weit gingen, anzunehmen, ein allmächtiger Urheber unseres Daseins versuche uns auf alle Weise zu täuschen; denn dabei bemerkten wir trotzdem unsere Freiheit, da wir davon abstehen konnten, das zu glauben, was nicht ganz gewiss und geklärt war,… .“
Entscheidend ist hierbei die dualistische Sicht: nicht in der äußeren empirischen, sondern in seiner rationalen Konstitution verfügt der Mensch nach Descartes über einen absolut freien Willen und somit über die Möglichkeit, ›aus freien Enschlüssen die eigenen Leidenschaften zu kontrollieren‹, und das heißt wiederum, sie ›in den Dienst guter Absichten zu stellen. Auf diesem Bewusstsein beruht die Würde des Menschen‹.
Heute wird auch von einem Cartesischen Intellektualismus gesprochen, wenn es um Descartes' Auffassung geht, dass der Wille seine (von Gott zugestandene) Freiheit in der Einheit mit dem Verstand am deutlichsten erfährt. Es geht um die Indifferenz der Wahl eines von zwei entgegengesetzten Vorstellungen: das richtige Urteil wird mit Überzeugung und Verstand getroffen.
„Um frei zu sein, brauche ich nämlich keineswegs nach beiden Seiten in gleicher Weise hinzuneigen. Im Gegenteil, je mehr ich mich der einen Seite zuneige - sei es nun, weil ich eine evident begründete Einsicht in das Wahre und Gute der Sache habe oder weil Gott in meinem Innersten mein Denken so lenkt -, umso freier wähle ich diese Seite.“
So wird auch der aufklärerische Gedanke in Descartes' Tugendlehre deutlich, der zugleich mit dem gesamten Unternehmen aller Wissenschaft verbunden ist: Der Mensch müsse nach je eigenen Kräften nach Weisheit streben, indem er sich den göttlichen Geboten der Vernunft freiwillig anschließt. Sie zeigen dem Menschen auf, dass er nach Erkenntnissen und wahren Vernunftschlüssen streben und Irrtümer vermeiden müsse, um - als ein „Mittleres zwischen Gott und [dem] Nichts oder zwischen dem vollkommemnsten Sein und dem Nichtsein angesiedelt“ - das moralisch Richtige einzusehen und sich dafür freiwillig entscheiden zu können, und um darin zu erkennen, dass „diese Freiheit ohne alle Grenzen ist“. In Descartes' Intellektialismus wird zugleich die Förderung aller Wissenschaften zum Erhalt des Lebens und zur Verbesserung der Lebensumstände mit eingeschlossen. Das deckt sich auch mit Descartes' früherer Idee einer vorläufigen Morallehre (morale par provision), wie er sie im dritten Teil des Discours de la Méthode äußert, zur Wohlfahrt der Gemeinschaft die vernünftigen Gründe und Methoden zu »kultivieren« und zu verbessern.
Im Rückschluss auf die gesellschaftliche Stellung des Einzelnen läuft Descartes' Tugendlehre darauf hinaus, dass der Mensch das gewinne, was er Edelmut (frz. generosité) nennt. Gemeint ist die erlernbare Fähigkeit, die eigenen Stärken und Grenzen zu erfahren, um sowohl den anderen Menschen als auch sich selbst zu achten und wertzuschätzen. Gleichzeitig äußert sich der Edelmut im freiwilligen Bestreben, anderen Menschen Gutes tun zu wollen, ein weiterer Ausdruck seiner freien und unabhängigen Willkür.
„Worin Edelmut besteht: So glaube ich, dass wahrer Edelmut, der einen Menschen sich so hoch wertschätzen lässt wie er es rechtmäßig kann, zum einen Teil nur darin besteht, dass dieser Mensch die freie Verfügung über seine Willensakte als das einzige erkennt, das ihm wirklich zukommt, und es nichts in ihm gibt, weshalb er gelobt oder getadelt werden darf, außer weil er guten oder schlechten Gebrauch davon macht; und zum anderen Teil darin, dass er in sich selbst den festen und standhaften Entschluss empfindet, guten Gebrauch davon zu machen, d.h. es niemals an dem Willen mangeln zu lassen, alles zu unternehmen und auszuführen, was er als das Beste beurteilt - was heißt, vollkommen der Tugend zu folgen.“
Laut Descartes sei der Edelmut das „beste Heilmittel“, um sich gegen übermäßig einfallende, schädliche Affektionen (Zorn, Neid oder Hass) zu schützen. Sie bewirkt, dass man seine erworbenen Güter relativiert und geringer schätzt, um „umgekehrt die Freiheit und absolute Herrschaft über sich selbst sehr hoch zu schätzen“.
Descartes hat die Philosophie bis in die Gegenwart hinein stark beeinflusst, und zwar vorwiegend dadurch, dass er Klarheit und Differenziertheit des Denkens zur Maxime erhob. Auch die Geisteshaltung des Szientismus geht zum Teil auf ihn zurück.
Was die Cartesische Naturauffassung allgemein sowie die Methodenlehre betrifft, gehörten zu den Anhängern erster Stunde unter anderem Marin Mersenne, Henry More, Frans van Schooten, Jacques Rohault und Claude Clerselier. Viele Konzeptionen der Cartesischen Naturphilosophie und seiner Ideen zur Mathematisierung der Naturerscheinungen wurden in der Folge von Christiaan Huygens und von Gottfried Wilhelm Leibniz übernommen. Ferner wurde die Basler Mathematikerschule (Jakob Bernoulli, Johann Bernoulli und Leonhard Euler) ganz wesentlich durch Descartes' Schriften beeinflusst. Auch Bernard de Fontenelle und Giovanni Cassini zählten zu den überzeugten Anhängern der Cartesischen Kosmologie; sie alle haben in vielen Schriften das Cartesische Bild von der Natur verteidigt. Der Mathematiker Euler und der materialistische Aufklärer Jean d’Alembert verteidigten die Cartesische Konzeption der Materie: sie errichteten so die Grundlagen der heutigen Elastitätstheorie und Fluidmechanik. Unabhängig voneinander gelang es beiden (wenn auch auf unterschiedliche Weise), sie mit der Newtonschen Kraftkonzeption kohärent zu verbinden.
Was besonders die Stoßgesetze und den kontinuierlichen Aufbau der Materie betrifft, hatte Descartes' Herangehen an die Physik vehemente Gegenwehr erfahren, vor allem durch Huygens und durch Isaac Newton. Huygens konnte die elastischen Stoßgesetze auf der Grundlage seiner Kritik an Descartes so errichten, wie sie heute auch bekannt sind, unter Berücksichtigung der Impuls- und Energieerhaltung. Newtons zweites Buch der berühmten Principia Mathematica (1687) enthält den wegweisenden Beitrag, dass die fluidmechanischen Annahmen in Descartes' Wirbeltheorie dem allgemeinen Gravitationsgesetz der Himmelsmechanik mathematisch widersprechen, sie dieses nicht konsistent ersetzen können.
Die Kartesische Idee der universellen Materievermittlung und Nahwirkung durch bloßen Druck und Stoß hatte eine derartige Überzeugungskraft, dass heute noch vom „vorherrschenden Naturverständnis“ gesprochen wird, das Descartes (neben anderen) in seinem Jahrhundert grundgelegte. Der Wissenschaftshistoriker René Dugas stellt ihre Vorrangstellung gegenüber der allgemeinen Attraktionstheorie Newtons heraus, die seine umfangreiche Studie zur Mechanik des 17. Jahrhunderts ergeben hat:
« Die Wiederbelebung der Kartesischen Physik unmittelbar nach Erscheinens des großartigen Werks von Newton, und die Tatsache, dass auch so hervorragende Leute wie Huygens und Leibniz eher den Versuch bevorzugten, Descartes‘ Wirbeltheorie auszubessern als die Anziehung zu akzeptieren, sind Belege für die Vormacht, die der Schatten des Philosophen damals auf die wissenschaftliche Lehrmeinung ausübte. »
Bei gemeinsamen Studien mit Huygens in Paris 1672 hat Leibniz den Erhaltungsgedanken in der Kartesischen Quantitas Motus mit in seine Naturbetrachtung übernommen und später behauptet, dass Descartes zwangsläufig auf das System der prästabilierten Harmonie gekommen wäre, hätte er nur die Richtungsabhängigkeit in der Bewegungserhaltung mitberücksichtigt. Leibniz versuchte zu belegen, dass die Cartesische Bewegungsgröße nicht als allgemeiner, zeitabhängiger Fall gelten würde und erweiterte den statischen Fall um den dynamischen, welcher zur Betrachtung der kinetischen Energie , wie es heute dargestellt wird, sowie zu der Grundlagendiskussion um das „wahre Kraftmaß“ führte.
Zu den ersten Kritikern an einer Kartesischen Naturwissenschaft zählte der in der Zeit zwischen Descartes und Newton einflussreichste Naturforscher Christiaan Huygens, Sohn des Diplomaten Constantijn Huygens, welcher selbst ein enger Korrespondent von Descartes und von Mersenne war. Christiaan konnte auf diese Weise Descartes' Theorien aus erster Hand erfahren, was für seine Interessen und seine Karriere prägend war. Als Pierre Bayle 1693 sich anlässlich seines bevorstehenden Dictionnaire historique et critique um persönliche Auffassungen und Erlebnisse mit Descartes für einen darin geplanten „Huygens“-Artikel an den gealterten Christiaan wandte – ein Artikel über Huygens sollte allerdings später nie erscheinen – teilte er ihm rückblickend mit, welche Einschätzungen in der gerade erschienenen Descartes-Biographie von Adrien Baillet (siehe hier in der Literatur) ihm grob fehlerhaft vorkamen. Das Urteil ist, was das rationalistische und ganzheitliche Herangehen Descartes’ an die Naturphilosophie betrifft, spöttisch und ablehnend, und es dürfte sich lohnen, Passagen dieser Argumentation auch hier im Original wiederzugeben.
« Als ich das erste Mal das Buch der Prinzipien [d. h. die Principia philosophiae, 1644] las, schien es mir, als ob in der Welt alles bestens liefe, und ich glaubte, wenn ich auf Schwierigkeiten stieß, dass es meine Schuld wäre, weil ich seine Gedanken nicht vollständig verstanden habe. Ich war damals 15 bis 16 Jahre alt. Hingegen musste ich seitdem von Zeit zu Zeit offensichtliche Fehler darin entdecken, sowie weiteres, das recht unwahrscheinlich ist, … und derzeit finde ich nahezu nichts mehr, was ich in der gesamten Physik, Metaphysik oder in den Meteores [d. i. Himmelskunde] als wahr bestätigen könnte. …
Er wollte uns sein physikalisches System als einen Essay darlegen, über das, was in dieser Wissenschaft plausibel gesagt werden könne, wobei er nur die Prinzipien der Mechanik zulässt und kluge Köpfe einlädt, auf ihrer Seite weiter zu forschen. Das wäre auch recht lobenswert gewesen. Indem er aber, wie überall, versucht, uns glauben zu lassen, er habe die Wahrheit gefunden, indem er sich auf die Abfolge und die schöne Kohärenz (frz. belle liaison) seiner Ausführungen stützt und sich darauf verherrlicht, hat er etwas getan, das dem Fortschritt der Philosophie großen Schaden zufügt. »
In dieselbe Richtung geht die Kritik der späteren Aufklärer Diderot und Voltaire, die sich beide auch auf die damals in Frankreich verbreitete Wissenschaftskritik Fontenelles berufen. Beide sahen die umfassende Systematisierungsbemühung Descartes' für die Naturwissenschaften skeptisch. Die Cartesische Hypothese eines instantanen Erregungsmechanismus durch Lichtkorpuskel beispielsweise könne nach Diderot nicht in Einklang mit den empirischen Messungen der endlichen Lichtausbreitung nach Ole Rømer gebracht werden: »Descartes’ Licht ist nicht das Licht der Welt«, so sein Schluss. Dieses Beispiel aus der Optik ist nur symptomatisch für viele weitere Fälle. Wenn Descartes die Präzision in seinen Theorien zwar aus der geometrischen Methode gewinne, so mangele der Cartesianismus dennoch an der »Voreiligkeit« in der prinzipiellen Gesamteinordnung; diese könne nur auf die »Ungeduld des menschlichen Geistes zurückgeführt werden«. Die empirischen Wissenschaften seien daher besser beraten, „nicht-kartesisch“ vorzugehen und »Materialien zu sammeln, die eines Tages miteinander verknüpft werden können, anstatt mit ein paar Gesetzen der Mechanik zu versuchen, die gesamte Natur und ihre bewundernswerte Vielfalt verständlich zu erklären«.
„Die Geometrie war der Leitfaden, den er in gewisser Hinsicht selbst gebildet hat und der ihn sicher zu seiner Physik brachte; allerdings gab er am Ende diesen Leitfaden auf und ließ sich von der Idee eines Systems leiten. Von da an war seine Philosophie nicht mehr als ein geistreicher Roman, und allenfalls plausibel für die Unwissenden.“
Aufgrund des Influxus-physicus-Problems wurden die Thesen Descartes’ noch im 17. Jahrhundert zum später sogenannten Okkasionalismus weiterentwickelt. Deren Vertreter wurden daher in der zeitgenössischen Diskussion als die „Cartesianer“ wahrgenommen. Einflussreich wurden etwa die Lehren von Nicolas Malebranche und Arnold Geulincx diskutiert. Sie verteidigten den cartesianischen Substanzdualismus mit der korrigierenden These, dass nicht ein physikalischer Einfluss, sondern vielmehr Gott zwischen Körper und Geist vermittle.
Blaise Pascal lehnt die Gottesbeweise als rational unentscheidbar ab und kritisiert, dass Gott bei Descartes zum bloßen „Lückenbüßer“ verkommt, der die Verbindung zwischen res cogitans und res extensa herstellen müsse: „Der Gott Abrahams ist nicht der Gott der Philosophen“, schreibt Pascal in seinen Pensées. Pascal wandelt Descartes’ Dualismus in eine dreiteilige Systematik ab: An die Seite von res extensa (Körperliches) und res cogitans (Gedankliches) stellt er das „Herz“ oder den „Geist des Feinsinnes“.
Voltaire sah in Newtons Naturphilosophie die destruktive Antwort auf das Kartesische System. Newton war sein »Zerstörer«, ersetzte das angefüllte Universum durch die wahre Härte des Atoms und die Leere des Raums. Zudem stellt Voltaire bereits eine Art Geschichtsvergessenheit fest. Die Errungenschaften Descartes' auf dem Gebiet der Geometrie seien gleichauf mit denen eines Newton in der Physik. Doch die bereits einsetzende Diskreditierung, etwa dass Descartes kein guter Geometer gewesen sei, könne nur darauf zurückgeführt werden, dass man seine mathematischen Werke gar nicht mehr lesen würde. Dabei war er «der erste, der die Methode gefunden hat, um algebraischen Gleichungen von Kurven anzugeben. Seine Geometrie, heute allseits bekannt, war zu seiner Zeit noch so tiefgründig, dass kein Lehrer sie zu erläutern wagte».
Kant kritisiert in der Kritik der reinen Vernunft den „problematische[n] Idealism des Cartesius“ (Immanuel Kant: AA III, 190): Nach Kant setzt die Sicherheit des Ich denke, bei der Descartes ansetzt, eine innere Erfahrung (Zeitwahrnehmung) voraus. Für die Bestimmung des Subjekts in der Zeit sei aber wiederum eine äußere (räumliche) Erfahrung Grundbedingung. Daher könne die eigene Existenz nicht gewisser sein als die der äußeren Erfahrung.
In seinen Geschichtsvorlesungen lobt Georg Wilhelm Friedrich Hegel Descartes ausdrücklich für seine philosophische Innovationskraft: Bei Descartes fange das neuzeitliche Denken überhaupt erst an, seine Wirkung könne nicht breit genug dargestellt werden. Hegel kritisiert allerdings, dass Descartes die Unterscheidung zwischen Verstand und Vernunft noch nicht mache. In Descartes’ archimedischem Denkpunkt des „cogito ergo sum“ sieht Hegel einen Beleg dafür, dass Denken und Sein eine „unzertrennliche Einheit“ bilden (vgl. Parmenides), weil an diesem Punkt Verschiedenheit und Identität zusammenfallen. Hegel übernimmt dieses „Anfangen im reinen Denken“ für seine idealistische Systematik. Descartes’ Gottesbeweis suchte er in Kritik der Überlegungen Kants dagegen weiterzuentwickeln (1831).
Franz von Baader formte das Cogito ergo sum um in Cogitor ergo sum („Ich werde gedacht (vom Absoluten), also bin ich.“).
Auch Friedrich Nietzsche findet zunächst lobende Worte für Descartes, weil dessen Hinwendung zum Subjekt ein „Attentat auf den alten Seelenbegriff“ und somit ein „Attentat auf das Christentum“ sei. Descartes und die Philosophie nach ihm seien also „antichristlich, keineswegs aber antireligiös“. Er nennt Descartes den „Großvater der Revolution, welche der Vernunft allein die Autorität zuerkannte“ (Jenseits von Gut und Böse). Andererseits lehnt Nietzsche aber Descartes’ Dualismus ab und stellt ihm seine eigene Theorie vom „Willen zur Macht“ gegenüber. Er wehrt sich darüber hinaus gegen die „dogmatische Leichtfertigkeit des Zweifelns“ und deutet damit an, dass der radikale Zweifel nicht voraussetzungsfrei stattfinden kann.
Charles Peirce hält Descartes’ radikalen Zweifelsansatz in einem Punkt für übertrieben: Jeder formulierte Zweifel setze nämlich eine „hinlänglich funktionierende Alltagssprache“ voraus. Auch Schelling schlug bereits in diese Kerbe: Sprache lasse sich nicht aus einer ersten vorsprachlichen Gewissheit heraus erst neu konstruieren, denn „wo würden wir beginnen?“
Philosoph und Literatur-Nobelpreisträger Bertrand Russell würdigt Descartes in seiner History of Western Philosophy als den „Begründer der modernen Philosophie“. Sein Werk konnte ein „neues Selbstvertrauen“ und eine „Frische“ vorweisen, wie sie seit Platon nicht mehr vorkam. Unterstützt werde die Neuartigkeit des Cartesischen Systems durch den „ungezwungenen, unpedantischen Stil“, von einem Autoren geschrieben, der den „intelligenten Mann von Welt“ und keinen Schüler erreichen wollte:
„In der Zeit zwischen Plato und Descartes waren die Philosophen samt und sonders Lehrer, die sich - eine Eigenart dieses Standes - von Beruf überlegen fühlten. Descartes schreibt aber nicht wie ein Pädagoge, sondern wie ein Entdecker und Forscher, der das Bedürfnis hat, seine Erkenntnisse mitzuteilen. [...] Zudem schreibt er in einem ganz ausgezeichneten Stil. Es war ein Glück für die moderne Philosophie, dass ihr Vorkämpfer zugleich ein so bewundernswertes Organ für literarische Werte besaß.“
Russell hebt zudem seinen radikalen Zweifelsansatz hervor: Descartes’ Erkenntnistheorie sei wesentlich, dass alle Objekte bzw. überhaupt jede Art von Gewissheit gedanklich vermittelt seien. Dieser Gedanke werde eine zentrale Stellung bei den Rationalisten einnehmen. Während die Idealisten diese Einsicht „triumphalistisch“ übernähmen, würden die britischen Empiristen sie bedauernd zur Kenntnis nehmen. Russell kritisiert auch, dass das „Ich denke“ als Prämisse ungültig sei. In Wirklichkeit müsste Descartes sagen: „There are thoughts.“ („Es gibt Gedanken.“) Schließlich sei das „Ich“ ja nicht gegeben. Nicht zuletzt sieht Russell in Descartes den Vollender einer philosophischen Tradition, die bei Platon beginnt und in der „christlichen Philosophie“ des Mittelalters fortgesetzt wurde, und das ist die „vollkommene Trennung von Geist und Materie“.
In den Cartesianischen Meditationen (CM) übernimmt Edmund Husserl von Descartes das ego cogito als apodiktisch gewissen Urteilsboden, auf dem die Philosophie zu begründen sei (CM § 8). Entgegen der descartschen Zweifelsmethode führt die von Husserl inaugurierte Methode der Epoché jedoch nicht zu einer innerweltlichen Subjektivität, sondern zu einem extramundanen, transzendentalen Bewusstsein. Descartes verfehlt nach Husserl also die transzendentale Wende, weil er in dem apodiktischen Ego immer noch ein „kleines Endchen der Welt“ gerettet zu haben glaube (CM § 10).
Martin Heidegger sieht in Descartes den Schlüssel zur Wissenschaftsgenese der Neuzeit. Durch die (anti-aristotelische) Einklammerung der Qualitäten des Organischen und durch Fixierung auf die Quantifizierung der Objektwelt stelle seine Philosophie den Beginn der unheilvollen technischen Beherrschung der Welt dar. Für Heidegger ist der Zweifelsansatz nur scheinbar neu, denn Descartes sei noch fest in der Scholastik verankert. Im „cogito ergo sum“ sieht Heidegger die „Pflanzung eines verhängnisvollen Vorurteils“, denn Descartes erkunde zwar die cogitatio, nicht aber die „Ontologie des sum“.
Von dem Historiker und Philosophen Wilhelm Kamlah wurde Descartes als erster herausragender Repräsentant der in der oberitalienischen Werkstättentradition der Renaissance entwickelten „Neuen Wissenschaft“(-sauffassung) mit ihrer spezifischen „methodisch durchgeklärten Verbindung von mathematischer Theorie und technischer Empirie“ gewürdigt, die zur Grundlage des modernen Szientismus wurde. Deswegen werde er als „erster philosophischer Dogmatiker der Mechanik […] sachlich und historisch umfassender“ verstanden denn als „Philosoph des cogito sum, der Entdeckung des Selbst aus dem Zweifel“.
Der Soziologe Norbert Elias sieht in seiner wissenssoziologischen Analyse Descartes als einen prototypischen Vertreter der durch den westeuropäischen Integrations- und Staatsbildungsprozess verursachten Individualisierung. Descartes’ Philosophie sieht Elias als unreflektierten Ausfluss der damals noch seltenen und seit dem 19. Jahrhundert in Europa weit verbreiteten menschlichen Selbsterfahrung als isoliertem Individuum, als „homo clausus“, als „wir-losem Ich“, die seitdem die klassische Erkenntnistheorie prägte und begrenzte.
Für Foucault zeigt sich bei Descartes Bild der Maschine „Mensch“ die erste neuzeitlich-philosophische Grundlage für die Herausbildung der technokratischen und disziplinierenden Prozesse, die im 18. Jahrhundert eine neue Politik des Körpers und einer neuen Ökonomie der Macht (Biomacht) einläuteten.
Die Theologin Uta Ranke-Heinemann greift die religionsphilosophischen Gedanken von Descartes zum Beweis der Existenz Gottes und zum Leben nach dem Tod auf. Descartes unterscheidet zwischen hartem und sanftem Beweisen, d. h. zwischen convaincre von lat.vincere = (mit schlagendem Beweis) besiegen und persuader von lat.suavis = süß, lieblich. Die Liebe Gottes lässt sich – wie alle Liebe – nicht „hart“ beweisen (Vgl. dagegen Blaise Pascal: „Der Gott Abrahams ist nicht der Gott der Philosophen“). Erkenntnisleitendes Interesse der Theologin ist die Frage nach einem Leben nach dem Tod. Denn „Gott ist nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebendigen“ (Mk 12,27). Nach dem Verlust ihres Glaubens sei ihr „der Anfang und der Schluss des christlichen Glaubensbekenntnisses: Gott und ewiges Leben“ geblieben: „die Hoffnung und die Liebe“ (Nein und Amen. Mein Abschied vom traditionellen Christentum. 7. Auflage. München 2007, S. 413 ff.).

Philosophiebibliographie: René Descartes – Zusätzliche Literaturhinweise zum Thema
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Descartes, René |
| ALTERNATIVNAMEN | Cartesius, Renatus |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 31. März 1596 |
| GEBURTSORT | La Haye en Touraine |
| STERBEDATUM | 11. Februar 1650 |
| STERBEORT | Stockholm |