Richard Bühle

Richard Bühle, 1913

Albin Julius Richard Bühle (* 4. Januar 1852 in Leipzig; † 19. Mai 1927 in Berlin) war ein deutscher Journalist, der in Leipzig und Berlin wirkte. Er ist vor allem für sein ausführliches Tagebuch aus dem Jahr 1865 bekannt, welches er im Alter von 13 Jahren schrieb.

Leben und Wirken

Er war einer von zwei Söhnen des Kaufmanns Louis Bühle und seiner Ehefrau Louise, geborene Sternthahl. Sein Vater hatte in Leipzig eine Papier- und Zigarrenhandlung, seine Mutter entstammte einer jüdischen Wollhändlerfamilie aus Köthen. Ab 1861 besuchte er in seiner Geburtsstadt mit dem Modernen Gesamtgymnasium eine Privatschule, die in jener Zeit von Moritz Alexander Zille geleitet wurde und der ihn auch unterrichtete. Der damals populäre Historienroman-Schriftsteller Hermann Kleinsteuber (1826–1888) war Bühles Klassen- und Deutschlehrer. Während sein jüngerer Bruder Oscar bzw. Oskar nach der Schule die Leipziger Öffentliche Handelslehranstalt besuchte, gibt es über ein anschließendes Studium oder einen weiteren Ausbildungsweg Richard Bühles keine Nachweise.

In Leipzig ist Bühle abgesehen von seiner Hochzeit nach seinem Schulabgang erstmalig wieder 1886 nachweisbar, und zwar als Redakteur des dort so genannten "General-Anzeigers für Leipzig und Umgegend". Die Arbeit für die bemüht politisch neutrale Tageszeitung mit dem korrekten Namen General-Anzeiger für Leipzig und Umgebung ist seine erste nachweisbare Tätigkeit als Journalist. Das vom Frankfurter Verleger Wilhelm Girardet herausgebene und inhaltlich eher oberflächliche und sensationsheischende Massenblatt für Angehörige des MiIttelstandes, des Kleinbürgertums und der Arbeiterklasse war die erste Leipziger Zeitung vom Typ eines General-Anzeigers. Zunächst alleiniger Redakteur wurde er etwa 1890 nach Erweiterung der Redaktion Chefredakteur der sehr verbreiteten Zeitung, die Auflagenhöhe betrug in den nächsten Jahren bis zu 50.000 Exemplare. 1892 wechselte Bühle zu den neu gegründeten und konservativ ausgerichteten Leipziger Neuesten Nachrichten, dort fungierte er bald auch in der deutschlandweit bekannten Tageszeitung als Leiter des Politik-Ressorts. Nach etwas mehr als zehn Jahren wechselte Bühle zum Leipziger Tageblatt und Anzeiger, bevor er um 1912 nach Berlin übersiedelte. Dort arbeitete er ab 1913 bis kurz vor seinem Tod als Redakteur beim liberal eingestellten Berliner Tageblatt weiter.

Bühle heiratete 1879 in Leipzig die in Frankfurt (Oder) geborene Henriette Alkan (1855–1927), sie starb wenige Monate vor ihm in Berlin am 3. März 1927.

Tagebuch von Richard Bühle

Aus dem Jahr 1865 ist ein handschriftliches verfasstes Tagebuch von Bühle im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig erhalten, in dem er ausführlich und anschaulich das alltägliche Leben eines 13-Jährigen im Übergang vom Kind zum Jugendlichen in der Endphase des Deutschen Bundes mit allen Höhen und Tiefen beschreibt. Das Buch umfasst mehr als 200 Seiten und ist mit Tuschezeichnungen Bühles versehen, die bestimmte Ereignisse, Gegenstände und Leipziger Lokalitäten illustrieren. Teilweise sind die Einräge in Englisch, Fanzösisch und in Gabelsberger Stenografie verfasst.

2006 wurde das Tagebuch transkribiert, mit ausgewählten Faksmiles versehen und kommentiert von Bigitte Richter im Lehmstedt Verlag als Buch herausgegeben. Die Schriftstellerin und Journalistin Bettina Hartz schrieb 2008 in ihrer Rezension im Literaturmagazin Die Berliner Literaturkritik von einer „Zeitreise ins 19. Jahrhundert“. Weiter meinte sie:

„Dem Leser erlaubt dieses Tagebuch einen Blick in den kindlichen Alltag in der Mitte des 19. Jahrhunderts, und es räumt mit etlichen Vorstellungen auf, die man sich so über diese Zeit und das in ihr herrschende Verhalten von Kindern, insbesondere ihr Verhältnis zu den Erwachsenen und der Erwachsenen zu ihnen, macht. [...] Dieses Bild der Konservativen, die sich noch immer nach der guten alten Zeit sehnen, die es nie gegeben hat, wird bei der Lektüre dieses Jugendtagebuchs gründlich der Boden entzogen. Und man ist froh darüber, denn um wie viel lebendiger ist, was man hier liest und erfährt, keine heile Welt baut sich da auf, sondern eine in der es Geldsorgen und Hunger gibt, elterliche Strafen und Geschenke, Prügeleien und Schneeballschlachten, aber auch, ‚juchhei‘, die ‚lieben Großeltern aus Cöthen‘.“

– Bettina Hartz: Die Berliner Literaturkritik vom 24. Juni 2008

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Mein Tagebuch. Aufzeichnungen eines Dreizehnjährigen aus dem Jahr 1865. In: Sammlungsdatenbank. Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, abgerufen am 31. Oktober 2026.
  2. ↑ Bericht über die Öffentliche Handelslehranstalt zu Leipzig für das 39. Schuljahr. 1869–1870. B. G. Teubner, Leipzig 1870, ZDB-ID 614067-1, S. 29.
  3. ↑ Leipziger Adreß-Buch für 1887. Band 66. Alexander Edelmann, Leipzig 1886, S. 43 (sachsen.digital – Redaktionsschluss: 1. November 1886).
  4. ↑ General-Anzeiger für Leipzig und Umgebung. In: Zeitschriftendatenbank. Deutsche Nationalbibliothek, 4. April 2023, abgerufen am 29. Oktober 2026.
  5. 1 2 Generalanzeiger für Leipzig und Umgebung. In: Helmut Bähring, Kurt Rüddiger (Hrsg.): Lexikon Buchstadt Leipzig. Von den Anfängen bis zum Jahr 1990. Tauchaer Verlag, Taucha 2008, ISBN 978-3-89772-147-0, S. 95–96.
  6. ↑ Jörg Requate: Journalismus als Beruf. Entstehung und Entwicklung des Journalistenberufs im 19. Jahrhundert. Deutschland im internationalen Vergleich (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 109). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1995, ISBN 978-3-525-35772-9, S. 370, 439.
  7. ↑ Das litterarische Leipzig. Illustriertes Handbuch der Schriftsteller- und Gelehrtenwelt, der Presse und des Verlagsbuchhandels in Leipzig. Fiedler, Leipzig 1897, DNB 57485116X, S. 159 (dnb.de [abgerufen am 27. Oktober 2026]).
  8. ↑ Bettina Hartz: Richard Bühle "Mein Tagebuch". Rezension. In: bettina-hartz.de. Abgerufen am 29. Oktober 2026.