Richard Zaucke (* 1. August 1901 in Bromberg; † 1980) war ein deutscher Jurist, Kriminalbeamter und SS-Führer und während der Zeit des Nationalsozialismus ein bedeutender Verantwortlicher im Reichskriminalpolizeiamt und in der Wiener Kriminalpolizei bei der Verfolgung und Ermordung der europäischen Sinti und Roma.
Zaucke besuchte von 1907 bis 1919 das Gymnasium und absolvierte anschließend ein Studium der Rechtswissenschaften an Universitäten in Berlin, Tübingen und Leipzig, welches er 1925 mit Promotion abschloss. Im gleichen Jahr trat er als Kriminalkommissar-Anwärter in die staatliche Polizeiverwaltung Berlin ein. Nach dem Besuch der Kommissars-Schule Charlottenburg wurde er im Jahr 1927 zum Kriminalkommissar befördert. Im Anschluss war Zaucke bei der Berliner Kripo Beamter in mehreren Dezernaten, darunter Sitte und Betrug. Von 1933 bis 1934 kam er kurzzeitig im Preußischen Ministerium des Innern für „Sonderaufgaben“ zum Einsatz. Sowohl 1929 als auch im Zeitraum von 1934 bis 1939 war er als stellvertretender Leiter bei der „Deutschen Zentralstelle zur Bekämpfung von Geldfälschungen“ tätig, deren Chef er 1939 wurde.
Zum 1. Mai 1937 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 5.853.758). Nach der Eingliederung des RKPA in das neuaufgestellte Reichssicherheitshauptamt wurde Zaucke als SS-Hauptsturmführer und Kriminalrat im September 1939 zum Werderschen Markt 5/6 versetzt. Dort fungierte er als Leiter des Referats V B 2 „Vorbeugungsmaßnahmen gegen Asoziale, Prostituierte, Zigeuner“. Zaucke unterstand auch die „Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens“, was ihn zu einem der Haupttäter der ersten großen Deportationswelle von etwa 2.500 Sinti und Roma in Konzentrationslager im Mai 1940 machte. Er leitete diese im Raum Hamburg und nahm die dortigen Verhöre und Selektionen vor. In seiner Position verblieb er bis zur Ablösung im Frühjahr 1941 durch Heinrich Böhlhoff.
Nach dem Einsatz im RKPA wurde Zaucke zur Kriminalpolizeileitstelle Wien abgeordnet, wo er die dortige Kriminalbehörde nach dem „Berliner“ Modell umgestalten sollte. Er fungierte dort nach eigener Aussage als „rechte Hand“ des Leiters der Wiener Kripo, Hans Karl Kaphengst, den er bereits von seiner Zeit beim LKA Berlin vor 1933 kannte. Zaucke wurde in Wien zum Oberregierungsrat und Kriminaldirektor befördert und fungierte als Leiter der Dienststellen I A und I B, dem Vorbeugungsdezernat und dem Erkennungsdienst. Zaucke bekräftigte später, hier genauso wenig wie in Berlin „eine leitende Position“ eingenommen zu haben.
Auch in Österreich war er in prominenter Position in die Organisation der „Zigeunerverfolgung“ verwickelt. Mehrmals besuchte er mit Kriminaldirektor Kaphengst ab Oktober 1941 das Zigeunerlager Lackenbach im Burgenland. Dorthin wurde ein Großteil der in Österreich festgenommenen Sinti und Roma verschleppt, zur Zwangsarbeit genötigt und dann systematisch in Konzentrations- und Vernichtungslager verbracht. Hierfür hielten Zaucke und Kaphengst mehrere Unterredungen mit dem Lagerleiter Johannes Kolross ab, um die geplanten Deportationen in das Ghetto Litzmannstadt zu besprechen. Ab dem 27. Oktober wurden dann erstmals 2000 „Zigeuner“ nach Lodsch deportiert, wofür man 6 Kriminalbeamte aus Wien zur Durchführung entsandte.
Ostern 1945 wurde Zaucke zur Salzburger Kriminalpolizei versetzt, wo er bis zur Kapitulation Deutschlands blieb und dort auch aus dem Polizeidienst entlassen wurde. Ende März 1948 wurde er für wenige Tage im britischen Internierungslager Fallingbostel inhaftiert, verhört und anschließend freigelassen. Auch ein Verfahren der Staatsanwaltschaft Bielefeld gegen ihn wurde zum 29. November 1948 eingestellt. Am 7. August 1969 wurde Zaucke im Zuge von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Düsseldorf zu den Verbrechen des RSHA vernommen und zu seiner Tätigkeit als Kriminalpolizist in Berlin und Wien befragt. Hier sagte er aus, sich an Einzelheiten „heute nicht mehr erinnern“ zu können. Außerdem bestritt er, in seiner Zeit bei der Polizei mit etwaigen im NS-Jargon sogenannten „Sonderbehandlungen“ von Inhaftierten „jemals in Berührung gekommen“ zu sein. Hierbei handelte es sich um tausendfache Tötungsanordnungen der zuständigen Polizeistellen, denen auch Zaucke nachweislich in seiner Zeit bei der Kripo vorstand.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Zaucke, Richard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist |
| GEBURTSDATUM | 1. August 1901 |
| GEBURTSORT | Bromberg |
| STERBEDATUM | 1980 |