Riesenbeck

Riesenbeck
Stadt Hörstel
Wappen der ehemaligen Gemeinde Riesenbeck
Koordinaten: 52° 16′ N, 7° 37′ OKoordinaten: 52° 15′ 40″ N, 7° 37′ 25″ O
Höhe: 47 m ü. NN
Fläche: 39,98 km²
Einwohner: 6716 (31. März 2024)
Bevölkerungsdichte: 168 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 48477
Vorwahl: 05454
Riesenbeck (Nordrhein-Westfalen)
Riesenbeck (Nordrhein-Westfalen)
Lage von Riesenbeck in Nordrhein-Westfalen

Riesenbeck (plattdeutsch: Riesenbiëck) ist ein Stadtteil von Hörstel am Südhang des beginnenden Teutoburger Waldes in Nordrhein-Westfalen in der Region Tecklenburger Land (Kreis Steinfurt).

Geografie

Am Südhang des Teutoburger Waldes gelegen, grenzt Riesenbeck im Süden an das flachere Münsterland an. In der Nähe des Ortes, am Nassen Dreieck, treffen der Dortmund-Ems-Kanal und der Mittellandkanal zusammen. Im nördlich von Riesenbeck gelegenen Teutoburger Wald befinden sich der Bergeshöveder Berg, Riesenbecker Berg, Lagerberg und der Birgter Berg.

Ortsteile von Riesenbeck sind Riesenbeck-Dorf, Birgte, Lage und Bergeshövede.

Geschichte

Mittelalter

Einer der ersten urkundlichen Nachweise stammt aus dem Jahr 965, von einem Wohnplatz namens Bergeshövede. Die Ortschaft Riesenbeck (Risenbeke) fand im Jahr 1074 erstmals urkundliche Erwähnung. Dabei handelte es sich um eine Übergabe eines Hofes in Riesenbeck an Bischof Benno II. von Osnabrück zugunsten der Klemenskirche in Iburg vom Edlen Walo. Durch den Erwerb der Osnabrücker Hochvogtei 1236 durch Graf Otto I. von Tecklenburg, wurde Riesenbeck Teil der Grafschaft Tecklenburg. In dieser Zeit entstand durch den tecklenburgischen Ministerialen Konrad von Brochterbeck im Jahr 1256 das Kloster Gravenhorst.

Im Jahr 1400 fiel Riesenbeck an das Hochstift Münster. Dieses war das Resultat andauernder Auseinandersetzungen des Grafen Nikolaus II. von Tecklenburg mit den mächtigen Nachbarn Münster und Osnabrück.

Neuzeit

Im Zuge der Säkularisation 1803 wurde Riesenbeck dem Königreich Preußen zugeschlagen. 1808 fiel Riesenbeck an das Großherzogtum Berg. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde Riesenbeck wieder preußisch und kehrte 1816 mit der Gründung des Kreises Tecklenburg in das Tecklenburger Land zurück. 1868 wurde der alte Friedhof des Dorfes an der Pfarrkirche St. Kalixtus geschlossen und durch einen neuen Friedhof etwas östlich gelegen ersetzt. Der neue Friedhof wurde 1912 und 1959 jeweils erweitert, da der vorhandene Platz nicht mehr ausreichte.

Das bis ins 18. Jahrhundert als Teil des Kirchspiels Riesenbeck zugehörige Hörstel wurde am 1. April 1900 als eigenständige Gemeinde ausgegliedert. Bereits auf einer Gemeinderatssitzung am 9. Juni 1896 stimmte der Gemeinderat Einstimmig für eine Abtrennung von Hörstel, da die Gegensätze der beiden Ortsteile in einer Gemeinde oft die Ratsarbeit hemmten.

Am 21. Februar 1945 wurde Riesenbeck Ziel eines Bombenangriffs, bei dem 20 Personen starben. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt und auch der Mittellandkanal mehrfach Ziel alliierter Bombenangriffe. Vom 1. bis zum 7. April 1945 gab es zwischen Riesenbeck und dem nördlich angrenzenden Ibbenbüren Gefechte zwischen deutschen Truppen und der vom Rhein aus vorstoßenden britischen Armee. Ein bekannter regionaler Kriegsschauplatz liegt südlich zwischen Ibbenbüren und Riesenbeck. Diese sogenannte „Schlacht im Brumleytal“ wurde 2007 unter dem Namen „Leben und Sterben 45“ verfilmt. Dort befindet sich der Soldatenfriedhof Brumleytal.

Am 21. Juli 1959 wurde das Rathaus in Riesenbeck eingeweiht. Das Hallenbad von Riesenbeck wurde am 4. August 1966 eröffnet. Die Selbständigkeit als eigene politische Gemeinde verlor Riesenbeck im Zuge der Gebietsreform am 1. Januar 1975, behielt aber den Sitz der Stadtverwaltung der neuen Stadt Hörstel.

Am 24. Februar 2002 wurde die Ortslage von einem F2-Tornado getroffen. Auf einer Länge von 1,5 km und 150 Metern Breite wurden rund 150 Häusern beschädigt. Auf dem Sportplatzgelände wurden durch den Tornado sogar Fußballtore umgebogen.

Einwohnerentwicklung

Einwohnerentwicklung
DatumEinwohner
31.12.19965820
31.12.19975984
31.03.20246716

Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Riesenbeck

Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Riesenbeck bis zur Eingemeindung zum 1. Januar 1975:

Religion

Römisch-katholisch

Die meisten Einwohner von Riesenbeck gehören der katholischen Kirche an. Pfarrkirche ist die denkmalgeschützte St. Kalixtus.

Evangelisch

Am 28. November 1954 wurde die evangelische Versöhnungskirche im Oberdorf eingeweiht. Vor allem durch viele Ostflüchtlinge und Vertriebene hatte sich die Zahl der evangelischen Christen in Riesenbeck nach 1945 stark erhöht. Wegen rückläufigen Mitgliedszahlen entschloss sich der Kirchenkreis die Versöhnungskirche 2022 aufzugeben. Der letzte Gottesdienst in der Kirche fand am 14. August 2022 statt.

Wirtschaft

In Riesenbeck war der insbesondere auf die Produktion von Pflügen spezialisierte Landmaschinenhersteller H.Niemeyer Söhne seit 1888 ansässig. Die Pflugschare im Wappen von Riesenbeck beziehen sich auf die lange Tradition der Herstellung von Pflügen. 2001 wurde die Fertigung in Riesenbeck eingestellt. In den folgenden Jahren siedelte sich dort die Firma RIELA sowie ein Einkaufszentrum an. In Birgte ging aus der 1949 gegründeten Reparaturwerkstatt für Landmaschinen August Wübker Söhne die Firma Oase mit einer weltweiten Pumpenherstellung hervor. Grundlage der Entwicklung war die 1959 als Patent eingetragene Vieh-Selbsttränke-Weidepumpe, die auch im Ausland mit Erfolg verkauft wurde. Die Firma Josef Beermann GmbH wurde 1947 in Riesenbeck gegründet und hat dort ihren Hauptsitz. Beermann beschäftigt über 600 Mitarbeiter an 10 Standorten in ganz Deutschland.

Riesenbeck ist zudem ein bedeutendes Zentrum des Pferdesports. Besonders bekannt ist Riesenbeck für seine Rolle im Fahrsport, einschließlich der Austragung mehrerer Weltmeisterschaften der Zweispänner. Eine moderne Anlage neben dem Schloss Surenburg umfasst mehrere große Reithallen und ein Rasenstadion, das regelmäßig hochkarätige Veranstaltungen wie die Longines Global Champions Tour beherbergt.

Infrastruktur

Hallenbad

In Riesenbeck befindet sich das kommunale Hallenbad der Stadt Hörstel. Es wurde 1966 eröffnet.

Schulen

Riesenbeck hat zwei Grundschulen:

  • Sünte-Rendel-Schule (Dorf)
  • St.-Bonifatius-Schule (Birgte)

Bis zum 14. Juli 1992 gab es in Riesenbeck die Sünte-Rende-Hauptschule, seit diesem Tag war für Riesenbecker Hauptschüler der Besuch der Hauptschule in Hörstel vorgesehen.

Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Riesenbeck wurde 1899 gegründet. Mit der Kommunalreform am 1. Januar 1975 wurde sie zum Löschzug Riesenbeck der Stadt Hörstel.

Museum

Auf dem Hof Lammers Im Vogelsang hat der Heimatverein Riesenbeck e. V. ein Landmaschinenmuseum aufgebaut. Die Modernisierung des Gebäudes, der Ausstellung und der Museumspädagogik ist mit der Neueröffnung 2022 abgeschlossen.

Verkehr

Der Dortmund-Ems-Kanal verläuft mitten durch den Ort und teilt ihn in zwei Teile.

Kanalbrücken

Dorf-Brücke
Die erste Dorf-Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal wurde 1933/34 durch eine etwas größere Brücke ersetzt, welche durch Änderungen im Querschnitt des Kanals erforderlich wurde. Die zweite Brücke wurde 1945 während der Kampfhandlungen um Riesenbeck durch die Wehrmacht gesprengt. Die 1946 neu aufgebaute Brücke wurde wiederum ab 1998 ersetzt, nachdem sie seit 1991 nur noch bis zu einer Last von 2,8 Tonnen freigegeben war.

Riesenbecker Sixdays / Riesenbecker Triathlon

Seit 1989 finden die Riesenbecker Sixdays statt, an diesen Tagen werden sechs verschiedene Halbmarathons in Riesenbeck und den Nachbarorten gelaufen. Der Zweijahresrhythmus der Veranstaltung wurde 1992 eingeführt.

Jährlich im August findet der Riesenbecker Triathlon des SV Teuto Riesenbeck statt. Ort der Austragung ist der Torfmoorsee in Hörstel.

Sehenswürdigkeiten

Mittelpunkt des Ortes bildet die St.-Kalixtus-Kirche, deren romanischer Westturm mit seinem schwarzen Dach aus dem 12. Jahrhundert stammt. Im Innern der katholischen Pfarrkirche befindet sich die Reinhildis-Grabplatte, eine frühmittelalterliche westfälische Bildhauerarbeit.

Südwestlich von Riesenbeck liegt die Wasserburg Surenburg mit altem Park.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortes:

Sonstige Persönlichkeiten:

Literatur

Commons: Riesenbeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Stadt Hörstel: Zahlen, Daten, Fakten. Abgerufen am 25. Juni 2024.
  2. ↑ Francis Kroll: Ein vergessenes Stück Ortsgeschichte. In: Ibbenbürener Volkszeitung. Nr. 75, 29. März 2003, S. V IV03 (ivz-aktuell.de [abgerufen am 13. Mai 2026]).
  3. ↑ Marianne Sasse: Beide Orte haben gar keine Gemeinschaften. In: Ibbenbürener Volkszeitung. Nr. 64, 16. März 2000, S. Sonderveröffentlichung (ivz-aktuell.de [abgerufen am 13. Januar 2023]).
  4. ↑ Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967 (= Veröffentlichungen des Provinzialinstituts für Westfälische Landes- und Volksforschung des LWL. Reihe 1, Heft 18). Aschendorff, Münster (Westfalen) 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 276.
  5. ↑ Bomben auf Riesenbeck. In: Ibbenbürener Volkszeitung. 21. Februar 2001.
  6. ↑ Günter Wegmann: Das Kriegsende zwischen Ems und Weser 1945. S. 23–26, 36–47, 63–66.
  7. ↑ In Ibbenbürener Volkszeitung am 23. Juli 1999:"Für uns war es ein großer Freudentag"
  8. ↑ Hallenbad in Riesenbeck 1966 war eine Sensation. In: ivz-aktuell.de. Ibbenbürener Volkszeitung, 1. September 2016, abgerufen am 28. Januar 2021.
  9. ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 318 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
  10. ↑ Stephan Beermann: Windhose fegt Dachziegel auf die andere Kanalseite. In: archiv.ivz-aktuell.de. Ibbenbürener Volkszeitung, 25. Februar 2002, abgerufen am 9. Juni 2022.
  11. ↑ Nach Sturm vom Dach gestürzt. In: archiv.ivz-aktuell.de. Ibbenbürener Volkszeitung, 26. Februar 2002, abgerufen am 11. Juni 2022.
  12. 1 2 pd: Stadt Hörstel hat mehr als 19.000 Einwohner. In: Ibbenbürener Volkszeitung. Nr. 14, 17. Januar 1998, S. ibb13 (ivz-aktuell.de [abgerufen am 31. Dezember 2025]).
  13. ↑ Zahlen, Daten, Fakten. In: hoerstel.de. Stadt Hörstel, 2024, abgerufen am 31. Dezember 2025.
  14. ↑ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Januar 2023. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) In Ibbenbürener Volkszeitung am 1. März 1974:"Josef Möllers gestorben"; abgerufen am 3. Oktober 2018
  15. ↑ Brigitte Striehn: Traurig, aber unvermeidlich - Versöhnungskirche in Hörstel-Riesenbeck wurde entwidmet. In: kirchenkreis-tecklenburg.de. Kirchenkreis Tecklenburg, 15. August 2022, abgerufen am 13. Februar 2024.
  16. ↑ Homepage Niemeyer Agrartechnik GmbH (Memento des Originals vom 27. November 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  17. ↑ Josef Beermann GmbH & CO.KG. 6. März 2024, abgerufen am 12. April 2024 (deutsch).
  18. ↑ Geschichte. In: Heimatverein Riesenbeck e. V. Abgerufen am 11. April 2025.
  19. ↑ Internationales Offizielles Fahrturnier in Riesenbeck - große Namen vor Ort | reitturniere.de | News - Ergebnisse - Turnierkalender - Ranglisten. Abgerufen am 11. April 2025.
  20. ↑ Riesenbeck INTERNATIONAL | Referenzen | DERIX. Abgerufen am 11. April 2025 (deutsch).
  21. ↑ In Ibbenbürener Volkszeitung vom 25. Oktober 2018: "Hallenbad Riesenbeck zählt jährlich 50 000 Besucher"
  22. ↑ "Sünte-Rendel-Hauptschule wird heute geschlossen." Ibbenbürener Volkszeitung vom 14. Juli 1992.
  23. ↑ Internetauftritt der Feuerwehr Hörstel-Löschzug Riesenbeck
  24. ↑ pd: Mitte August sollen Bauarbeiten beginnen. In: Ibbenbürener Volkszeitung. Nr. 174, 27. Juli 1998, S. ibb7 (ivz-aktuell.de [abgerufen am 29. Oktober 2026]).
  25. ↑ Sportler schafften es bis an die Spitze der Westfälischen Bestenliste. In: archiv.ivz-aktuell.de. Ibbenbürener Volkszeitung, 6. Dezember 2001, abgerufen am 25. November 2021.