Riesgeologe

Als Riesgeologe wird ein Wissenschaftler bezeichnet, der sich mit der erdgeschichtlichen Erforschung, Entstehung und Entwicklung des Meteoritenkraters Nördlinger Ries befasst oder befasst hat. Der Begriff Riesgeologe wird erstmals 1866 in der Literatur genannt und entstand wissenschaftshistorisch an der Wende der Pionierzeit (bis 1870) zum Beginn der frühmodernen Riesforschung (ab 1870).

Um 1870 wurden die besonderen geologischen Verhältnisse, die ungewöhnlichen Gesteine und Fossilien der beiden Impaktkrater Steinheimer Becken und Nördlinger Ries zunehmend erkannt und Entstehungstheorien formuliert. Es kamen in der wissenschaftlichen Literatur erstmals Begriffe wie „Riesschutt“ (heute sind damit die Bunten Trümmermassen gemeint), „Griesfels“ und „Schliff-Flächen“ auf. Auch tauchten erste detaillierte Beschreibungen von sog. „Riesfossilien“, wie beispielsweise die „Riesbelemniten“ (hierbei wurden Belemniten durch eine Schockwelle charakteristisch zerbrochen), auf. Ebenso wurde zunehmend die besondere petrographische Stellung des Suevits erkannt, der eine Schlüsselrolle zum Verständnis der Ries-Entstehung hat.

Mit dem Beginn der frühmodernen Riesforschung (ab 1870) etablierte sich der Begriff Riesgeologe in Wissenschaft und Literatur und steht bis heute für Geologen, Wissenschaftler und Heimatforscher, die sich zumindest zeitweise wissenschaftlich intensiv mit der Geologie des Nördlinger Rieses auf dem Gebiet der Geologie, Geophysik, Mineralogie, Paläontologie oder Sedimentologie befasst haben oder noch befassen.

Liste von Riesgeologen

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Oscar Fraas: Ueber den Lauchheimer Eisenbahn-Tunnel (Vortrag), - In: Bericht über die achtzehnte General-Versammlung den 24. Juni 1862 in Stuttgart. Württembergische naturwissenschaftliche Jahreshefte, 1864, 20. Jahrgang, Heft 1, S. 33–37, Stuttgart. Digitalisat
  2. ↑ Friedrich August Quenstedt: Das Steinheimer Becken.- Württembergische naturwissenschaftliche Jahreshefte, 1866, 22. Jahrgang, Heft 1, S. 116–127, Stuttgart. PDF
  3. ↑ Oliver Sachs: Einige wiederentdeckte geologische Kartenwerke zum Nördlinger Ries und ihre Beziehung zu den frühesten Entstehungstheorien in der Pionierzeit der Riesforschung vor 1870. In: Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins. 102, 2020, S. 234–266, doi:10.1127/jmogv/102/0012.
  4. ↑ Oliver Sachs: Geologische Landeskarten des Königreichs von Württemberg und die Zeit der "Württembergischen Commission der geologischen Detailaufnahme" am Beispiel der beiden Impaktkrater Steinheimer Becken und Nördlinger Ries. In: Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins. 103, 2021, S. 113–152, doi:10.1127/jmogv/103/0002.
  5. ↑ Johannes Baier: Die Erforschung des Nördlinger Rieses. In: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg, 182, 2026, E002, doi:10.26251/jhgfn.182.2026.E002.
  6. ↑ Johannes Baier: Geohistorische Bemerkungen zur Suevit-Forschung (Ries-Impakt). In: Geohistorische Blätter 31(1/2), 2020, 1–21.
  7. ↑ Johannes Baier: 100 Jahre Suevit (Ries Impaktkrater, Deutschland). In: Aufschluss, 70(3), 2019, 136–143.
  8. ↑ O. Sachs: Von der Pionierzeit zur frühen Moderne der geologischen Riesforschung: Die vergessenen Karten des Nördlinger Rieses bis 1870. In: Rieser Kulturtage. 23, 2023, S. 29–96, ISBN 978-3-923373-68-0.
  9. ↑ O. Sachs: Die vergessenen Karten des Nördlinger Rieses: geologische Kartenwerke bis 1880 und ihre Beziehung zu den frühesten Entstehungstheorien. (PDF). Verlag amh-Geo, Landshut 2019, ISBN 978-3-947953-03-5.