| Roggenplaat | |
|---|---|
| Gewässer | Oosterschelde, Nordsee |
| Geographische Lage | 51° 39′ 11″ N, 3° 43′ 21″ O |
| Fläche | 14,6 km² |
| Einwohner | unbewohnt |
Die Roggenplaat ist eine tideabhängige Sandbank und künstliche Insel in der niederländischen Provinz Zeeland. Sie liegt im Mündungsgebiet der Oosterschelde südlich der Insel Schouwen-Duiveland und gehört zum Nationalpark Oosterschelde. Über den befestigten Inselkern verläuft der Rijksweg 57 (N57), der als Teil der Deltawerke die Inseln Schouwen-Duiveland und Noord-Beveland miteinander verbindet. Die unbewohnte Fläche erfüllt heute eine zentrale Funktion als geschütztes Ökosystem für Seehunde und marine Vögel. Während bei Flut nur ein winziger, dauerhaft trockener Inselkern von rund 1 Quadratkilometer aus dem Wasser ragt, fällt bei Ebbe die gesamte Sandbank mit einer Fläche von bis zu 14,6 Quadratkilometern trocken.
Ursprünglich war die Roggenplaat eine natürliche Gezeiten-Sandbank, die bei Flut vollständig überspült wurde und bei Ebbe trockenfiel. Eine tiefgreifende Veränderung erfuhr das Areal ab dem Jahr 1969 im Zuge der Errichtung der Deltawerke. Für den Bau des Sturmflutwehrs Oosterscheldekering wurde die Roggenplaat als erste künstliche Arbeitsinsel aufgeschüttet. Sie diente als logistische Basis, um Baumaterialien und schwere Infrastrukturelemente zu lagern. Nach der Fertigstellung des Sperrwerks im Jahr 1986 wurde ein Teil der aufgeschütteten Fläche als dauerhafte Insel beibehalten, während der restliche Teil weiterhin den Gezeiten überlassen blieb. Durch die veränderte Strömungsdynamik nach dem Bau des Wehrs verlor die Sandbank jedoch kontinuierlich an Höhe. Um dem Verschwinden des wertvollen Lebensraums entgegenzuwirken, realisierten die Behörde Rijkswaterstaat, die Provinz Zeeland und die Naturschutzorganisation Natuurmonumenten in den Jahren 2019 und 2020 ein großflächiges Sanierungsprojekt. Dabei wurden rund 1,1 Millionen Kubikmeter Sand aufgeschüttet, um die Roggenplaat dauerhaft zu erhöhen und zu stabilisieren.
Mit einer Gesamtfläche von rund 1.460 Hektar ist die Roggenplaat die größte Sandbank innerhalb der Oosterschelde. Sie besteht aus einem permanent trockenen Inselkern und weitläufigen, dynamischen Wattflächen, die vom Rhythmus der Gezeiten geprägt sind. Das umliegende Gewässer ist seit der Errichtung der Deltawerke ein reiner Salzwasser-Meeresarm. Ökologisch fungiert die Roggenplaat als überregional bedeutendes Trittsteinbiotop. Bei Niedrigwasser dient sie als essenzielle Futterquelle für bis zu 20.000 Wat- und Zugvögel. Die Vögel ernähren sich im nährstoffreichen Sediment von Würmern, Krebsen und Muscheln. Gleichzeitig nutzen Seehunde und Kegelrobben die ungestörten Sandflächen als primären Ruheplatz und Aufzuchtort für ihre Jungen. Um diese Tierwelt vor menschlichen Störungen zu schützen, darf die Roggenplaat nicht betreten werden. Sie lässt sich ausschließlich aus der Ferne von der Küste aus oder über geführte Bootstouren einsehen.
Neben ihrer ökologischen Bedeutung fungiert die Roggenplaat als aktiver Standort für die Gewinnung erneuerbarer Energien und ist Teil der übergeordneten Windparken Oosterscheldekering. Bereits im Jahr 1993 wurden auf dem befestigten Inselkern erste Windkraftanlagen errichtet. Nach umfassenden Modernisierungen (Repowering) in den Jahren 2012 und 2021 stehen auf der Roggenplaat heute moderne, weithin sichtbare Windturbinen. Diese speisen sauberen Strom in das zeeländische Stromnetz ein, sind jedoch so platziert, dass sie den angrenzenden geschützten Naturraum möglichst wenig stören.
An der östlichen, der Oosterschelde zugewandten Seite des befestigten Inselkerns befindet sich der Roggenplaathaven, oft auch als Havenplateau bezeichnet. Dieser künstliche Arbeitshafen wurde ursprünglich während der Bauphase der Deltawerke angelegt, um Materialschiffe abzufertigen. Heute dient der Hafen primär als logistischer Stützpunkt für Wartungsarbeiten am angrenzenden Sturmflutwehr sowie für die Instandhaltung der lokalen Infrastruktur. Da die Roggenplaat ein streng geschütztes Naturschutzgebiet ist, ist der Hafen für die öffentliche, touristische Schifffahrt und Sportboote komplett gesperrt. Er darf nur von behördlichen Schiffen (z. B. von Rijkswaterstaat) oder autorisierten Technikern angelaufen werden.