Rudiviridae

Rudiviridae

Stygiolobus rod-shaped virus (SRV),
Gattung Azorudivirus,
Balken 200 nm

Systematik
Klassifikation: Viren
Realm: Adnaviria
Reich: Zilligvirae
Phylum: Taleaviricota
Klasse: Tokiviricetes
Ordnung: Ligamenvirales
Familie: Rudiviridae
Gattung: Rudivirus
Taxonomische Merkmale
Genom: dsDNA linear
Baltimore: Gruppe 1
Symmetrie: helikal
Hülle: keine
Wissenschaftlicher Name
Rudiviridae
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Die Virusfamilie Rudiviridae umfasst unbehüllte Archaeenviren mit einem Strang linearer, doppelsträngiger DNA als Genom. Die bisher klassifizierten Virusspezies haben thermophile Archaeen der Abteilung Crenarchaeota zum Wirt; besonders gut beschrieben ist ihr Vorkommen in Sulfolobus islandicus (Klasse Thermoprotei). Die Bezeichnung der Familie leitet sich vom lateinischen rudis (Rapier, kleiner Stab) ab, was auf die längliche Form der Viren hindeuten soll.

Morphologie und Genom

Schemazeichnung eines Virions der Familie Rudiviridae, rechts aufgeschnitten
Schemazeichnung eines Virions von Sulfolobus islandicus rod-shaped virus 2, Gattung Icerudivirus
Sulfolobus islandicus rod-shaped virus 2, Gattung Icerudivirus, in einer Zelle von Sulfolobis islandicus replizierend. Austritt erfolgt über die virus-induzierten Pyramiden. Balken 200 nm.

Die Virionen der Rudiviridae sind stabförmig mit einem konstanten Durchmesser von 23 nm und einer variablen Länge von 830 bis 900 nm. Dieses helikale Kapsid ist aus spiralförmig angeordneten Molekülen eines DNA-bindenden Kapsidproteins aufgebaut. Die Windungen der Spirale wiederholen sich alle 4,3 nm. An den Enden der Virionen erkennt man stöpselartige Strukturen, die das Kapsid verschließen und an denen sich je drei kurze für die Rezeptorbindung zuständige Fibrillen (Schwanzfasern) befinden.

Genomkarte von Stygiolobus rod-shaped virus (SRV), Sulfolopbus islandicus rod-shaped virus 1 (SIRV1) and Acidianus rod-shaped virus 1 (ARV1)

Das Genom der Rudiviren besteht aus einem einzigen Strang einer doppelsträngigen DNA mit einer Größe von 32 bis 35 kBp. Das Genom enthält offene Leserahmen für 45 (SIRV-1) bzw. 54 (SIRV-2) virale Proteine. Typisch sind sehr lange repetitive Sequenzen an den Enden des DNA-Stranges.

Systematik

Sulfolobus islandicus rod-shaped virus SIRV-5 (links) und SIRV-8 (rechts), beide Gattung Usarudivirus

Die frühere Gattung Rudivirus wurde inzwischen vom ICTV aufgeteilt. Mit der Umstellung auf binäre Nomenklatur (analog zu zellulären Organismen) wurden die alten Speziesnamen zu Bezeichnungen für die jeweiligen Referenzstämme. Damanach ist die Systematik der Rudiviridae inklusive Vorschläge nach der Taxonomie des NCBI mit Stand Anfang März 2025 wie folgt:

Ursprünglich wurde die Virusspezies „Thermoproteus tenax virus 4“ (TTV4) in die alte Gattung Rudivirus klassifiziert. Da sich die Morphologie jedoch erheblich unterscheidet und nicht ausreichend Sequenzinformationen vorliegen, wurde das TTV4 als unklassifizierte Virusspezies keiner bestehende Virusfamilie zugeordnet. Eine neue Virusfamilie Bacilloviridae wurde vorgeschlagen, jedoch vom ICTV (bisher) nicht akzeptiert. Siehe auch Thermoproteus tenax spherical virus 1 (TTSV-1), Gattung Alphaglobulovirus, in Globuloviridae, ebenfalls Archaeenviren.

Ähnlichkeiten zu anderen Viren

Das Genom zeigt Ähnlichkeiten mit der Virusfamilie Poxviridae bei Wirbeltieren. Dies betrifft die Anordnung und Reihenfolge der Gene wie auch die Replikation des Genoms in der infizierten Zelle. Auffällige Sequenzübereinstimmungen von bis zu 30 % bestehen zur Familie Lipothrixviridae, deren Mitglieder bis auf eine zusätzliche Virushülle auch einen ähnlichen, helikalen Aufbau des Kapsids zeigen. Aufgrund erweiterter Sequenzanalysen kann ein gemeinsamer evolutionärer Ursprung der beiden Familien Rudiviridae und Lipothrixviridae angenommen werden, weshalb sie seit 2012 zu einer neuen, gemeinsamen Ordnung Ligamenvirales zusammengefasst sind.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ ICTV: ICTV Master Species List 2020.v1, New MSL including all taxa updates since the 2019 release, March 2021 (MSL #36)
  2. ↑ ICTV: MSL #40.v1, 3. März 2025.
  3. ↑ Patrick Forterre: Evolution - Die wahre Natur der Viren, in: Spektrum August 2017, S. 37—41 (Online-Artikel vom 19. Juli 2017). Hier insbes. die Abb. S. 39.
  4. ↑ David Prangishvili, Eugene V. Koonin, Mart Krupovic: Genomics and biology of Rudiviruses, a model for the study of virus–host interactions in Archaea. In: Biochemical Society Transactions, Band 41, Nr. 1, 29. Januar 2013, S. 443–450; doi:10.1042/BST20120313. Zitat: „According to the GenBank® record, this virus, SMRV1 (Sulfolobales Mexican rudivirus 1), has been recovered from a hot spring located in Los Azufres National Park, Mexico“ (englisch).
  5. ↑ Wolfram Zillig, David Prangishvilli, Christa Schleper, Marieke Elferink, Ingelore Holz, Sonja Albers, Davorin Janekovic, Dorothee Götz: Viruses, plasmids and other genetic elements of thermophilic and hyperthermophilic Archaea. In: FEMS Microbiol. Rev., Band 18, Nr. 2-3, 1996, S. 225–236; doi:10.1111/j.1574-6976.1996.tb00239.x, PMID 8639330 (englisch).
  6. ↑ H. Blum, Wolfram Zillig et al.: The genome of the archaeal virus SIRV1 has features in common with genomes of eukaryal viruses. In: Virology, Band 281, Nr. 1, 1. März 2001, S. 6–9; doi:10.1006/viro.2000.0776, PMID 11222090 (englisch).