Rudolf Ströbel

Rudolf Ströbel (* 9. April 1910 in Stuttgart; † 1972 in Schwenningen) war ein deutscher Museumsleiter, Archäologe und Heimatpfleger, der im Bereich der Ur- und Frühgeschichte forschte und seit 1949 am Heimatmuseum in Schwenningen wirkte, zwischen 1964 und 1972 als dessen Leiter.

Leben

Ströbel studierte von 1929 bis 1934 Vor- und Frühgeschichte an der Universität Tübingen und wurde 1934 bei dem damaligen Privatdozenten Hans Reinerth promoviert. Seit 1929 war er Mitglied der Studentenverbindung Luginsland Tübingen. Zum 1. Dezember 1930 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 384.538). In der Zeit des Nationalsozialismus veröffentlichte er Aufsätze in den von seinem akademischen Lehrer Reinerth herausgegebenen Zeitschriften Germanen-Erbe und Mannus. Zeitschrift für Deutsche Vorgeschichte. Zusammen mit seinem akademischen Lehrer Reinerth, den Professoren Friedrich Gerke und Rudolf Stampfuß sowie den Studenten Joachim Benecke und dem Fotografen Heinz Dürr reiste Ströbel als Teil des Sonderstabs Vorgeschichte des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg vom 22. September bis zum 24. November 1942 über Krakau und Kiew, weiter den Dnjepr entlang, auf die Krim und in den Kaukasus „zur Überprüfung und Sicherung der Fundstätten“, wie es in den Reisenotizen Reinerths heißt. Ströbels Beteiligung an dieser Reise ist durch die Reisenotizen Reinerths und ein dort entstandenes Foto belegt. Unklar ist, inwieweit Ströbel aktiv am Kulturgüterraub des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg beteiligt war. Nach 1945 hielt sich Rudolf Ströbel in Tübingen auf, bevor er 1949 nach Schwenningen zog.

Mehr als 20 Jahre war Rudolf Ströbel im Heimatmuseum Schwenningen tätig. Er war für die Konzeption der Dauerausstellung verantwortlich, die zum Teil bis heute erhalten ist. Während der 1960er Jahre entstanden unter Ströbels Leitung auch eine Reihe von völkerkundlichen Sonderausstellungen, angeregt durch die Expeditionen des Schwenninger Fotografen und Dokumentarfilmers Hermann Schlenker: In gemeinsamer Arbeit präsentiert wurden Lebenswelten aus damals weitgehend unerforschten Regionen, aus Island und Grönland, aus dem Amazonasbecken, aus Zentralafrika, aus Südamerika und aus Südostasien. Zudem arbeitete er an einer Chronik der Stadt Schwenningen und wirkte beim Aufbau des Stadtarchivs mit. Im Rahmen seiner Aufgaben als Denkmalpfleger für den damaligen Kreis Rottweil führte Rudolf Ströbel etliche Grabungen durch; zu den erfolgreichsten gehört der Fund eines Urkuh-Beckens mit Pfeilspitze auf dem Gelände des Alten Friedhofs in Schwenningen, aber auch die Entdeckung eines umfangreich angelegten Römerbades nahe der Lorenzkapelle in Rottweil.

Schriften

Familie

Ströbel heiratete in zweiter Ehe 1950 Ursula (geb. Bohnet, 1921–2008), die als Sekretärin im Landesamt für Denkmalpflege Tübingen tätig war; das Paar hatte drei Kinder. Ursula Ströbel wirkte ehrenamtlich im Heimatmuseum Schwenningen mit und wurde dort nach dem Tod ihres Mannes kommissarische Leiterin.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Verein Alter Tübinger Luginsländer: Mitgliederverzeichnis Sommer 1967, Tübingen 1967, S. 23.
  2. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/43630237
  3. ↑ Staatsarchiv Sigmaringen, Spruchkammerakten Wü 13 T 2 Nr. 2681/135 vom 20. März 1949
  4. ↑ Ingeborg Kottmann, Dieter Baumann, Sie wirkte im Hintergrund und bewirkte viel: Ursula Trauthilde Ströbel, in: Schwenninger Heimatblättle, Oktober 2008
Personendaten
NAME Ströbel, Rudolf
ALTERNATIVNAMEN Ströbel, Rudolf Julius Wilhelm
KURZBESCHREIBUNG deutscher Museumsleiter, Archäologe und Heimatpfleger
GEBURTSDATUM 9. April 1910
GEBURTSORT Stuttgart
STERBEDATUM 1972
STERBEORT Schwenningen, Neckar