Der Russische Film war und ist ein wichtiger Teil der russischen Kunst und Kultur. Berücksichtigt ist auch die Entwicklung in der Sowjetunion.
Seit 1896 gab es die ersten Dokumentarfilme in Russland, vor allem über Aktivitäten der Zarenfamilie. Seit 1907 wurden dann viele Spielfilme und einige Dokumentarfilme gedreht. Die wichtigsten Filmstudios waren die russische Niederlassung der Pathé frères und die Produktionsgesellschaft von Alexander Chanschonkow. Die wichtigsten Regisseure waren Jewgeni Bauer und Protasanow. Daneben entstanden auch einige Filme anderer Nationalitäten, von ukrainischen, polnischen, jiddischen, georgischen, aserbaidschanischen und estnischen Filmschaffenden.
Seit 1921 wurden unter der neuen Sowjetherrschaft neue Filme produziert. Es entstanden die zentrale Filmgesellschaft Goskino sowie einige regionale Studios wie die Allukrainische Filmverwaltung. Die bedeutendsten Regisseure waren in dieser Zeit Sergej Eisenstein, Dsiga Wertow und Alexander Dowschenko, die auch internationale Beachtung fanden.
Seit 1931 wurden Tonfilme in der Sowjetunion produziert. In den folgenden Jahren gab es eine Zentralisierung der Filmproduktionen und zunehmende inhaltliche und formale Beschränkungen für die Filmschaffenden. 1941 wurde die Filmproduktion nach Alma-Ata in Kasachstan verlegt, die Filme thematisierten nun vor allem die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, einige Regisseure und Kamerleute filmten auch an der Front.
Nach dem Tod Stalins im Jahre 1953 entwickelten sich mehr künstlerische Freiheiten für sowjetische Filmemacher, besonders in der Tauwetterperiode in den 1960er Jahren. Seit 1971 entstanden einige bedeutende Filme, vor allem durch Andrej Tarkowski und Eldar Rjasanow. In den 1980er Jahren wurden zunehmend gesellschaftliche Probleme in einigen Filmen offener dargestellt, wie durch Tengis Abuladse (Die Reue), seit 1985 gab es neue Möglichkeiten in der Zeit von Glasnost und Perestroika.
| Russische Kinospielfilme | |
|---|---|
| Jahr | Anzahl |
| 1995 | 65 |
| 2005 | 160 |
Nach dem Zerfall der Sowjetunion musste sich die russische Filmproduktion auf die neuen politischen und ökonomischen Verhältnisse umstellen, auch fast alle Lichtspielhäuser mussten schließen. In dieser Zeit entstanden nur wenige künstlerisch anspruchsvolle Filme.
Seit etwa 2003 stieg die Anzahl der neu eröffneten Kinos stark an und fanden immer mehr Filme junger russischer Regisseure den Weg auf internationale Festivals. Die Filmemacher der neuen Generation (oft Akademiker wie Biologen, Physiker, Psychologen) ließen sich stärker von bedeutenden Regisseuren beeinflussen, wie von Stanley Kubrick und Andrej Tarkowski. Daraus entwickelte sich ein neuer russischer Filmstil. Anfang und Ende einer Geschichte scheinen ebenso wenig wichtig zu sein wie ein zielgerichteter Handlungsverlauf oder der „typische“ Held oder Antiheld des westlichen Filmes.
| Marktanteil russischer Filme an Kinobesuchen in Russland | ||
|---|---|---|
| Jahr | Kinobesuche gesamt, in Mio. |
Marktanteil Russische Filme |
| 2004 | 67,4 | 12,1 % |
| 2005 | 83,6 | 29,7 % |
| 2006 | 91,8 | 25,7 % |
| 2007 | 106,6 | 26,3 % |
| 2008 | 123,9 | 25,5 % |
2025 fand von mehreren ausgezeichneten Filmen nie eine öffentliche Vorführung statt. Grund waren die unklaren Regeln der Zensur.
In Russland gab es fast immer eine Zensur für Filme. So konnten bis 1918 keine gesellschaftlichen Themen dargestellt werden, die Inhalte waren daher meist Bearbeitungen nach literarischen Vorlagen. Auch in den Jahren der Sowjetunion waren die inhaltlichen Themenmöglichkeiten beschränkt, swlbst formal ungewöhnliche Filme wie von Nikolai Spikowski und Abram Room durften nicht gezeigt werden. Während der Zeit der Perestroika gab es nur wenige Beschränkungen, gesellschaftskritische Filme konnten gezeigt werden, auch einige bis dahin verbotene waren erstmals zu sehen.
Etwa seit 2010 überprüfte die staatliche Aufsichtsbehörde immer wieder Filme und der Propagandist Dmitri Kisseljow forderte schon 2018 gar eine Einschränkung der Meinungsfreiheit aufgrund kritischer Filme, zudem wurden einzelne ausländische Produktionen überhaupt nicht gezeigt, bei anderen wurden Startdaten so gelegt, dass sie keine patriotischen russischen Filme konkurrieren. Anfang März 2019 boykottierten private Kinos den Zeichentrickfilm „Hurwynek. The Magic Game“, zu dessen Förderung das Kulturministerium die Premiere des Films „Royal Corgi“ in Übereinstimmung mit einem Regierungsdekret verschoben hatte.
Ab 2013 übernahm die Militärhistorische Gesellschaft 500 wissenschaftliche Untersuchungen für Dokumentar- und Spielfilme und arbeitete an 35 Filmen mit, um die „korrekte Geschichtsabbildung“ sicherzustellen.
Große russische Filmstudios: Goskino, Sowkino, Mosfilm, Lenfilm, Gorki Filmstudio (vormals Meschrabpom)
Preis der Russischen Filmkunst-Akademie: Nika
Filmpolitiker: Boris Schumjazki (1886–1938)