

Eine Sennerei ist ein meist klein strukturierter milchwirtschaftlicher Betrieb, in dem Milch vor Ort zu Käse, Butter und anderen Milchprodukten verarbeitet wird. Die Bezeichnung ist im gesamten deutschsprachigen Alpen- und Voralpenraum verbreitet, also in Österreich, der Schweiz, Südtirol und dem bayerischen Alpenraum. Man unterscheidet ganzjährige Talsennereien von saisonal betriebenen Almsennereien beziehungsweise Alpkäsereien. Von einer industriellen Molkerei unterscheidet sich die Sennerei durch ihre kleinere, regional gebundene Betriebsform.
Senntum bezeichnet im Schweizer Sprachgebrauch eine Sennerei beziehungsweise Sennwirtschaft, kann aber auch die zugehörige Alpgemeinschaft oder den Bereich eines Sennen meinen.
Der Begriff ist von Senn abgeleitet, der im Alpenraum den für Vieh und Milchverarbeitung zuständigen Hirten beziehungsweise Älpler bezeichnet.

In Sennereien wird Milch zu Milchprodukten wie Käse, Butter, Buttermilch, Topfen oder Joghurt weiterverarbeitet; im alpenländischen Sprachgebrauch wird dafür auch das Verb versennen verwendet. Bei traditionell oder kleinbetrieblich arbeitenden Sennereien handelt es sich häufig um die Verarbeitung von Rohmilch, insbesondere bei regionalen Käsearten. Die Herstellung umfasst je nach Produkt das Filtern und gegebenenfalls Kühlen der Milch, das Erwärmen im Käsekessel, die Zugabe von Kulturen und Lab, das Schneiden und Bearbeiten des Käsebruchs, Pressen, Salzen sowie die anschließende Reifung und Pflege der Laibe.
Auch in kleinen Sennereien gelten lebensmittelhygienische Anforderungen an Räume, Geräte, Wasserqualität, Reinigung, Lagerung und Reifung. Für die Milchverarbeitung auf Almen werden etwa eigene Verarbeitungsräume, Reiferäume oder Reifeschränke, geeignete Einrichtungen zur Reinigung und Desinfektion sowie Trinkwasserqualität gefordert. Die dafür notwendige Infrastruktur reicht von Melk- und Kühltechnik über Käsekessel und Pressen bis zu Lagerräumen; auf abgelegenen Almen müssen Wasser- und Energieversorgung häufig eigens gesichert werden (etwa durch Kleinwasserkraft, Benzin- oder Dieselaggregate, Photovoltaik, Solarthermie, Holz, Flüssiggas oder kombinierte Systeme).

Im alpinen Raum ist die Sennerei – mit abnehmender Bedeutung – Teil des Almbetriebs. Während Talsennereien die Milch mehrerer umliegender Höfe verarbeiten können, sind Almsennereien – in der Schweiz meist Alpkäsereien genannt – saisonale Betriebe auf Almen beziehungsweise Alpen, in denen die während der Sommerweide gemolkene Milch unmittelbar vor Ort verarbeitet wird. Dadurch entfällt der tägliche Abtransport der empfindlichen Rohmilch; stattdessen entstehen länger haltbare Produkte wie Alp- oder Bergkäse, Butter und Molkeprodukte. In der Schweiz darf ein Produkt nur dann als Alpprodukt bezeichnet werden, wenn sowohl Milchgewinnung als auch Verarbeitung im Sömmerungsgebiet erfolgen.
Der Betrieb ist auf die Zeit zwischen Almauftrieb und Almabtrieb beschränkt. Während des Winters stehen die Milchkühe wieder auf den Talbetrieben. Die im Sommer hergestellten Laibe werden im Tal weiter gepflegt, in zentralen Lagern ausgereift und verkauft.
Almsennereien sind heute regional sehr unterschiedlich verbreitet. In Österreich werden von rund 8.000 Almen nur noch etwa 560 als Sennalmen mit Milchverarbeitung und Käseproduktion geführt. In Südtirol gibt es rund 1.700 Almen; der Südtiroler Sennereiverband betreut dort 65 Milchviehalmen, auf denen rund 2.300 Kühe gemolken werden. Im Allgäu nennt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten 692 Alpen, darunter 43 Sennalpen. In der Schweiz ist die alpine Milchverarbeitung stärker erhalten; der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband weist für 2024 noch 1.284 Alpen mit Milchverarbeitung aus.
Die Eigentums- und Betriebsformen von Almsennereien sind regional unterschiedlich. Sie können zu privaten Almen gehören, von Gemeinschafts- oder Genossenschaftsalmen getragen werden, im Eigentum von Agrargemeinschaften, Gemeinden oder Korporationen stehen oder verpachtet sein; die Bewirtschaftung erfolgt entsprechend durch Eigentümer, Pächter oder angestelltes Alppersonal. Wegen der abgelegenen Lage müssen Wasser- und Energieversorgung häufig auf der Alm selbst gesichert werden; neben Netzanschlüssen kommen Kleinwasserkraft, Benzin- oder Dieselaggregate, Photovoltaik, Solarthermie, Holz, Flüssiggas oder kombinierte Systeme zum Einsatz.
Die Almwirtschaft entstand als Folge der Transhumanz im Alpenraum, d. h. des alljährlichen Auftriebs des Weideviehs auf hochgelegene Weideflächen. Die Sennerei entwickelte sich aus der Almwirtschaft. Während der mehrmonatigen Sömmerung auf den Hochweiden musste die leicht verderbliche Milch rasch verarbeitet werden; durch die Herstellung von Käse, Butter oder anderen haltbareren Milchprodukten ließ sie sich lagern, teilen und ins Tal transportieren. Für Liechtenstein beschreibt das Historische Lexikon die Sennerei ausdrücklich als Weiterverarbeitungsstätte, deren Bezeichnung auf den Senn und damit auf die mittelalterliche Alpwirtschaft zurückgeht; während der Sömmerungszeit sei die rasche Verarbeitung vor Ort notwendig gewesen.
Eine wichtige mittelalterliche Hofform im Zusammenhang mit Vieh- und Milchwirtschaft war der Schwaighof, auch Schwaige genannt. Das Deutsche Rechtswörterbuch beschreibt die Schwaige als auf Viehzucht und Milchwirtschaft spezialisierten landwirtschaftlichen Betrieb, im Alpenraum auch als dauerhaft besiedelten Wirtschaftshof oder Sennerei, der in der Regel von einem Grundherrn als Lehen vergeben oder verpachtet wurde. Für Salzburg und Tirol wird die Käseherstellung auf solchen Schwaighöfen bereits im Mittelalter beschrieben; sie dienten als von Landesherren gegründete Viehhöfe vor allem der Milchwirtschaft und Käseerzeugung.
Neben den Alpsennereien entstanden später Tal-, Dorf- und Genossenschaftssennereien, in denen die Milch mehrerer Höfe gemeinsam verarbeitet und vermarktet wurde. Solche gemeinschaftlichen Formen sollten eine bessere Verwertung der Milch und einen höheren Erlös ermöglichen; im Großen Walsertal wurde etwa 1905 die erste Genossenschaftssennerei der Region gegründet. Im 20. Jahrhundert führten technische Modernisierung, strengere Hygieneanforderungen und die Zentralisierung der Milchverarbeitung vielerorts zum Rückgang kleiner Dorf- und Alpsennereien; zugleich blieben sie in einigen Alpenregionen als handwerkliche, regionale oder touristisch bedeutsame Form der Milchverarbeitung erhalten.