Sicksegler

Sicksegler

Sicksegler (Chaetura meridionalis)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Segler (Apodidae)
Gattung: Chaetura
Art: Sicksegler
Wissenschaftlicher Name
Chaetura meridionalis
Hellmayr, 1907

Der Sicksegler (Chaetura meridionalis) ist eine Vogelart aus der Familie der Segler (Apodidae), die in Bolivien, Brasilien, Argentinien und Paraguay brütet. Im Winter zieht sie bis Panama, Kolumbien, Venezuela , Guyana, Suriname und Französisch-Guayana. Auf dem Zugweg kommen sie auch in Peru und Ecuador vor. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt. Die Art gilt als monotypisch.

Merkmale

Der Sicksegler erreicht eine Körperlänge von 11,5 bis 13,5 cm bei einem Gewicht von 19,5 bis 21,5 g. Es ist ein mittelgroßer Segler mit kurzem, quadratischem Schwanz, wobei die Steuerfedern 2 mm über die Federfahnen hinausragt. Der hervorstehende Kopf und die charakteristische Flügelform mit hakenförmigem Außenfahne und wulstigen Mittelflügeln sind am Körper eingezogen. Ausgewachsene Vögel haben graubraune Zügel, vorderen Oberkopf, Oberkopf und Ohrdecken mit einem olivfarbenen Schimmer, einen schwarzen Augenfleck und eine hell graubraune manchmal weißliche Kehle, die bei Abnutzung dunkler wirkt. Der Nacken und der Rücken ist einheitlich wie der Oberkopf gefärbt, wobei der obere Rücken heller braun und zu den Oberschwanzdecken hin noch heller verlaufen. Er hat einen graubraunen Schwanz, der heller als die Schwungfedern ist. Die Unterseite des Schwanzes ist noch heller mit kurzen Stacheln an der längsten der mittleren Schwanzfedern. Die Unterseite ist von der Kehle bis zum Bauch dunkler wird aber an den Unterschwanzdecken wieder heller graubraun. Typischerweise hat er eine einheitlich schwarzbraune Oberflügel, die dunkler als der angrenzende Körper ist. Diese sind am dunkelsten an den äußeren Handschwingen und am hellsten an den Armschwingen, wobei die Deckfedern zu den kleineren Federn hin zunehmend dunkler werden. Die Unterseite der Flügel ist kontrastreicher, mit deutlich helleren Schwungfedern und dunkleren Deckfedern. Die Füße sind dunkel rotbraun, der Schnabel schwarz und die Iris graubraun. Jungvögel ähneln den Altvögeln, weisen jedoch deutlich schmalere weiße Spitzen an den inneren Hand- und Armschwingen sowie den Schirmfedern auf.

Lautäußerungen

Der Gesang des Sickseglers wird unterschiedlich beschrieben. Aus Paraguay wird ein tiefes tschu-tschu-tschu-tschu beschrieben, dem ein rasselndes Zwitschern vorausgeht. Aus Brasilien wird ein aufgeregtes, schnelles, plapperndes si tsdi ts tsi tsi ts gemeldet oder ein tli-ti-tit als Gesang oder tip tip tip als Ruf. Der Gesang ähnelt stark dem des Schornsteinseglers, doch die absteigenden Phrasen klingen eher glockengleich und weniger dumpf. Die Jungvögel im Nest geben leise Zwitscherlaute, die wie das Läuten einer kleinen Glocke klingen sowie laute Bettelrufe, von sich.

Fortpflanzung

Die Brutzeit des Sickseglers wird in Mato Grosso von Oktober bis November, in Südbrasilien von Ende August bis Januar und im Südosten Brasiliens von September bis März angegeben. Aus dem Bundesstaat São Paulo wurde von einer erfolgten Eiablage vom Ende November berichtet. Er nistet einzeln, meist und vor allem im städtischen Süd- und Südostbrasilien in Schornsteinen oder unter Dachvorsprüngen von Gebäuden, aber auch in hohlen Bäumen, wie z. B. Mauritia-Palmen wie Mauritia flexuosa in Minas Gerais und Goiás, sowie einmal in einem verlassenen Brunnen weniger als 25 Meter unter der Erde in Bahia. Dieses deutet auf eine unbekannte Standorttreue hin. Ein Nest auf Mauritia flexuosa war eine halbkugelförmige Schale aus Blattstielen und Palmfasern, die mit Speichel an einer senkrechten Wand befestigt wurde. Dieses wurde wiederverwendet, bis es zusammenbrach, dann an derselben Stelle neu gebaut. Es wurden jedoch auch von kleinen Zweigen in einem Schornsteinnest berichtet. Das Material wird möglicherweise im Flug mit den Füßen von Bäumen gesammelt. Das Nest ist 85 Millimeter breit, 37 Millimeter tief und 43 Millimeter von vorne nach hinten. Ein Baumhöhlen-Nest befand sich 12 Meter über dem Boden. Ein Gelege besteht aus drei bis vier, gelegentlich auch fünf, weißen Eiern: Eine Brut von neun Jungvögeln wurde offenbar von mehr als einem Weibchen gefüttert. Die Größe der Eier wird als 17,5 bis 20 mm × 13 bis 14 mm angegeben. Angaben zur Brutzeit fehlen. Nach ca. 35 Tagen werden die Nestlinge flügge, wobei beide Altvögel die Jungvögel füttern, anfangs bis zu 61 Mal täglich, später weniger, wenn die Jungvögel heranwachsen sind. Wahrscheinlich gibt es zumindest in Teilen des Verbreitungsgebiets nur eine Brut pro Saison.

Verhalten und Ernährung

Die Ernährung des Sickseglers ist nicht dokumentiert. Vermutlich ernährt er sich wie andere Arten der Gattung von Insekten. Die Vögel werden meist in relativ kleinen Schwärmen beobachtet, die in städtischen Gebieten häufig in geringer Höhe über Häusern nach Nahrung suchen. Dieses geschieht vor allem bei bewölktem oder nassem Wetter. Größere Ansammlungen von bis zu 700 Tieren wurden im Südosten Brasiliens beobachtet, offenbar kurz vor dem Zug in den Norden.

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitungsgebiet des Sickseglers: Orange: Brutgebiete, gelb Gebiete die er beim Zug überfliegt, blau: Nicht-Brutgebiete

Der Sicksegler bevorzugt im Allgemeinen in die Tieflandgebieten an den Rändern von immergrünen Wäldern, Sekundärwäldern und nachwachsendem Buschwerk sowie die Städte im Südosten Brasiliens. Er kommt in Höhenlagen bis 1600 Meter vor, jedoch meist in Höhenlagen bis 900 Meter. Überwinternde Vögel wurden über dem primären Nebelwald in den Kordilleren im Norden Venezuelas beobachtet.

Migration

Der Sicksegler ist zumindest teilweise ein Zugvogel. Er überquert ab Mai den Äquator, um nach Roraima zu gelangen. Im südlichen Winter wurde er in Panama, Nordkolumbien, Venezuela und Surinam verzeichnet. Die Seltenheit der Vorkommen dort deutet darauf hin, dass ein Teil der Überwinterung weiter südlich stattfindet, möglicherweise bei den nördlichen Brutpopulationen dieser Form. Die Art trifft Anfang bis Mitte September im Brutgebiet ein. Die früheste Ankunft im Südosten Brasiliens ist meist Ende August. Es kommt zu unregelmäßigen ausgedehnten Wanderungen aus dem Brutgebiet heraus bis Mitte April. Die Zahl der nicht brütenden Vögel in Minas Gerais geht ab Februar zurück, und die Art war Mitte April nicht mehr dort anzutreffen. Das Verbreitungsgebiet nach der Brutzeit ist schwer zu bestimmen, da zumindest ein Teil der Brutpopulation an der brasilianischen Küste möglicherweise in diesem Gebiet überwintert oder nur kurzzeitig abzieht. Es gibt wenige zuverlässige Winternachweise, wobei es Überschneidungen mit ähnlichen Arten gibt. Der Brutstatus im Nordosten Brasiliens ist ungewiss, da sich die Vögel möglicherweise an der südlichen Grenze des Überwinterungsgebiets, am nördlichen Rand des Brutgebiets oder nur auf der Durchreise befinden. Der Zugweg kann sich mit dem des Schornsteinseglers in Bolivien und Argentinien überschneiden. Die Art fehlt im Nationalpark Serra dos Órgãos von Mai bis Mitte August, im Südosten Brasiliens während der kühlsten Monate, in Poconé von Mai bis November und zur gleichen Zeit größtenteils in Paraguay. In Porto Alegre, Rio Grande do Sul ist er von April bis September abwesend. Selten wurde er in Bolivien von Februar und Ende September bis Anfang Oktober verzeichnet. Die kolumbianisch-venezolanischen Llanos und das Orinoco-Becken sollten als potenzielle Überwinterungsgebiete untersucht werden. Von Irrgästen bis in den Süden von Rio Grande do Sul und auf die Falklandinseln wurde ebenfalls berichtet.

Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung des Sickseglers erfolgte 1907 durch Carl Eduard Hellmayr unter dem wissenschaftlichen Namen Chaetura andrei meridionalis. Als Verbreitungsgebiet gab er die Provinz Santiago del Esteros an. 1826 führte James Francis Stephens die neue Gattung Chaetura für den Schornsteinsegler (Chaetura pelagica (Linnaeus, 1758)) ein. Dieser Begriff hat seinen Ursprung in χαιτη chaitē, deutsch ‚langes, wallendes Haar‘ und ουρα oura, deutsch ‚Schwanz‘. Der Artname meridionalis stammt von lateinisch meridionalis, meridies ‚südlich, Süden‘ ab. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay einen Balg, gesammelt durch Michael Mathias Kiefer (1902–1980) aus Zanja Moroti im Bergland des Río Apa, zur Verfügung. Laubmann betrachtete die Venezuelasegler-Unterart (Chaetura andrei meridionalis Berlepsch & Hartert, E, 1902) als im Land vorkommend. In der In der Literatur sah er Chaetura oxyura (Vieoillot, 1817) aus Sapucai durch Charles Chubb, im Departamento Alto Paraná durch Arnaldo de Winkelried Bertoni und in Puerto Pinasco im Departamento Presidente Hayes durch Alexander Wetmore Nachweise für das Land. Alle anderen Nachweise, die er fand, bezogen sich auf Golondtina del vencejillo von Félix de Azara. Außerdem erwähnte er das Synonym Chaetura cinereicauda Cassin, 1850, wiederum ein Synonym zu Chaetura oxyura. Oxyura hat seinen Ursprung in οξυς oxys, deutsch ‚scharf, spitz‘ und ουρα oura, deutsch ‚Schwanz‘, cinereicauda in lateinisch cinereus, cinis, cineris ‚aschfarben, Asche‘ und lateinisch cauda ‚Schwanz‘.

Literatur

Wikispecies: Sicksegler – Artenverzeichnis
Commons: Sicksegler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ AviList Core Team: AviList: The Global Avian Checklist, v2025. 2025, doi:10.2173/avilist.v2025.
  2. 1 2 3 4 5 6 Josep del Hoyo, u. a. (2020)
  3. ↑ Carl Eduard Hellmayr (1907), S. 63
  4. ↑ James Francis Stephens (1826), S. 76
  5. ↑ Chaetura The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  6. ↑ meridionalis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  7. ↑ Louis Pierre Vieillot (1817), S. 536
  8. ↑ Charles Chubb (1910), S. 268
  9. ↑ Arnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 46.
  10. ↑ Alexander Wetmore (1926), S. 233.
  11. ↑ Félix de Azara (1805), S. 513–522.
  12. ↑ Alfred Laubmann (1939), S. 7–8
  13. ↑ oxyura The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  14. ↑ cinereicauda The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling