Im Vorjahr hatte das Rennen pausieren müssen. Die Ausgabe 2020 war ursprünglich für Ende August geplant, noch unter dem vorherigen Namen Boels Ladies Tour. Wegen der Corona-Pandemie wurde sie zunächst auf einen anderen Termin verlegt und dann abgesagt.
Schon 2019 war bekannt, dass sich der bisherige Namenssponsor Boels Rental nach 2020 zurückziehen würde. Im Frühjahr 2021 konnte Simac, eine in der Informationstechnik tätige niederländische Firma, als neuer Sponsor gewonnen werden, womit die Veranstaltung nunmehr unter dem Namen Simac Ladies Tour stattfand. Wegen der noch immer andauernden Pandemie wurden Anpassungen vorgenommen; so wurden Etappenankünfte an weniger dicht besiedelte Orte verlegt und Restriktionen für Zuschauer entlang der Strecke erlassen.
Streckenführung
Wie in den Vorjahren bestand die Tour aus einem Prolog und fünf regulären Etappen in östlichen Provinzen Gelderland, Overijssel und Limburg.
Der Prolog fand im geldrischen Ort Ede statt und bevorzugte mit seinem windungsreichen Parcours technisch gute Fahrerinnen. Der Start am Marktplatz wurde trotz der Pandemie belassen, die Ankunft auf die weiter auswärts gelegene Raadhuisstraat verlegt. Die folgende, flache Etappe in Overijssel begann in Zwolle und führte über Hasselt und Ommen nach Hardenberg. Zwolle und Hasselt, die Wohnorte von Kirsten Wild und Anna van der Breggen, wurden als Hommage an diese beiden Fahrerinnen aufgenommen. Das Zeitfahren der zweiten Etappe verlief auf einer Landstraße nahe Gennep hin und zurück.
Die dritte Etappe besaß mit Stramproy und Weert eine traditionelle Kombination von Start und Ziel, doch war der Parcours gegenüber den Vorjahren stark verändert, um Siedlungen größeren Siedlungen aus dem Weg zu gehen. Mit seinem flachen Profil war der Kurs dennoch geeignet, einen Massensprint zu begünstigen. Die vierte Etappe fand im Süden Limburgs statt. Sie begann am Sportzentrum von Geleen, anschließend wurde neunmal ein kurzer, welliger Rundkurs über Watersley gefahren, bevor die Etappe am Ende einer kurzen Steigung im Ort Sweikhuizen endete.
Die Schlussetappe in Arnheim wurde wegen der pandemie-bedingten Einschränkungen erheblich verändert. War ursprünglich eine Strecke mit sieben Anstiegen zur Posbank geplant, wurden nun 19 Runden auf einem etwa acht Kilometer langen Parcours rund um die Parks Sonsbeek und Zijpendaal sowie den Burgers’ Zoo gefahren.
Alison Jackson begab sich gleich zu Beginn der Etappe auf einen Ausreißversuch und erhielt bald Gesellschaft von Nina Buysman und Maëlle Grossetête. Obwohl das Peloton diesen Fahrerinnen kaum mehr als zwei Minuten Vorsprung gab und die Situation jederzeit unter Kontrolle zu haben schien, ließ man sich in den Schlusskilometern zu viel Zeit, um die letzte Lücke zu schließen. Ohne Buysman, die das Tempo nicht hatte halten können, arbeiteten Jackson und Grossetête bis zur Zielgeraden zusammen und fochten den Sprint aus, mit dem besseren Ende für Jackson. Vier Sekunden dahinter kam das Peloton ins Ziel, mit Lorena Wiebes an der Spitze.
Das Peloton blieb weitgehend kompakt und ließ Ausreißversuchen kaum Raum, so dass alles auf eine geschlossene Zielankunft hindeutete. Doch 5,8km vor dem Ziel kam es zu einem Massensturz, als Lorena Wiebes, weit vorne im Feld fahrend, aufs Bankett geriet und ausglitt. Nur sechs Fahrerinnen kamen ungehindert durch, darunter vier von SD Worx und zwei von DSM. Diese erreichten zusammen das Ziel, und Lonneke Uneken gewann die Etappe. Chantal van den Broek-Blaak, die zur Spitzengruppe gehört hatte, machte eine halbe Minute in der Gesamtwertung gut.
Eine Reihe von Fahrerinnen war nach dem Massensturz vom Vortag nicht mehr am Start, darunter Lorena Wiebes und Christine Majerus, die Gesamtsiegerin von 2019. Außerdem zog sich die Mannschaft von Ceratizit-WNT wegen einer Corona-Infektion in Team zurück. Die harten Bedigungen bei Regen, verschmutzten Nebenstraßen und wiederholten Anstiegen bewogen 20 weitere Fahrerinnen unterwegs zur Aufgabe.
In der Anfangsphase begann Anouska Koster einen einsamen Ausreißversuch und hatte zwischenzeitlich drei Minuten Vorsprung. Im Hauptfeld gab es 45km vor dem Ziel eine Attacke durch Katarzyna Niewiadoma und Marianne Vos, die die Gesamtführende Marlen Reusser zunächst neutralisieren konnte. Ein zweiter Versuch von Niewiadomas und Vos, diesmal mit Chantal van den Broek-Blaak, war erfolgreich. Die drei überholten Koster und blieben bis zum Ziel in Front, wo Vos auf dem Schlussanstieg am stärksten war und gewann. Van den Broek-Blaak übernahm die Gesamtführung.
Auch diese Etappe fand im Dauerregen statt. In der zweiten Rennhälfte wechselten sich mehrere Ausreißergruppen ab, wobei sich Jeanne Korevaar, Neunte der Gesamtwertung, besonders aktiv zeigte. Auch Nina Buysman war mit von der Partie, wurde aber wegen eines regelwidrigen Radwechsels aus dem Rennen genommen. Drei Kilometer vor dem Ziel wurden die letzten Ausreißerinnen eingeholt, und Marianne Vos gewann den Sprint des verbliebenen Pelotons.
Chantal van den Broek-Blaak sicherte ihren Sieg in der Gesamtwertung ab, vor Marlen Reusser und Ellen van Dijk, und wurde mit ihrem Team SD Worx auch in der Manschaftswertung ausgezeichnet. Die dreifache Etappensiegerin Vos gewann das Punkteklassement, Anouska Koster dank ihres Solos am Vortag das Bergklassement. Als Sechste der Gesamtwertung war Pfeiffer Georgi die beste Nachwuchsfahrerin.