

Simone Leigh (* 1967 in Chicago) ist eine amerikanische Künstlerin. Sie kreiert vor allem Skulpturen, Videokunst, Installationen und Performances, die sich mit der Identitätssuche schwarzer Frauen und der Konstruktion schwarzer weiblicher Subjektivität beschäftigen. Die Künstlerin stützt sich dabei auf verschiedene Quellen und Disziplinen, darunter Ethnographie, Folklore, alternative Heiltraditionen sowie Geschichten politischen Widerstands. Ihre Werke thematisieren die Anliegen afroamerikanischer Frauen in Bezug auf körperliche und geistige Gesundheit, gesellschaftliche Schönheitsstandards, Gemeinschaft und Gleichberechtigung, die damit Gegenstand aktueller kultureller Debatten werden.
Simone Leigh wurde als Tochter jamaikanischer Eltern geboren. Sie studierte Kunst und Philosophie am Earlham College in Richmond (Indiana) und schloss ihr Studium 1990 mit einem Bachelor ab. Ursprünglich wollte Leigh Sozialarbeiterin werden. Nach einem Praktikum am Smithsonian National Museum of African Art in Washington beschloss sie jedoch, als Künstlerin zu arbeiten und begann ihre Ausbildung in traditioneller Keramik bei Lehrkräften, die in der Nachfolge des britischen Studiotöpfers Bernard Leach standen.
Simone Leigh zog nach New York, lebte in Williamsburg und heiratete ihren Mitbewohner. Das Paar ließ sich scheiden und teilte sich das Sorgerecht für ihre Tochter Zenobia, die 1996 zur Welt kam. Simone Leigh sagte von sich, dass sie ihre Karriere erst 2010 mit einem Aufenthalt im Studio Museum richtig begonnen habe.
Im Jahr 2014 gründete Simone Leigh das Projekt „Free People’s Medical Clinic“, einen temporären Raum für kollektive Heil- und Wellnessdienste von und für schwarze Frauen, in dem sie Themen wie Resilienz, Kollektivität und Eigenständigkeit untersuchte. Das Projekt wurde benannt nach einer von der Black Panther Party gegründeten Initiative und war untergebracht in einem 1914 erbauten Brownstone-Haus in Bedford–Stuyvesant. Das Haus gehörte Dr. Josephine English, der ersten Afroamerikanerin im Bundesstaat New York, die eine private Praxis für Geburtshilfe und Gynäkologie hatte und alle sechs Töchter von Betty Shabazz und Malcolm X zur Welt brachte. Sie baute das Anwesen in ein Seniorenheim um.
Im Jahre 2016 gründete Simone Leigh eine Organisation namens Black Women Artists for Black Lives Matter, ein Kollektiv, das als direkte Reaktion auf die Ermordung von Philando Castille und aus Protest gegen Ungerechtigkeiten gegenüber Schwarzen gegründet wurde. Am 1. September 2017 besetzten die Mitglieder der Gruppe vier Stunden lang die Lobby, die Fassade, die 5. und 7. Etage sowie das Theater des Neuen Museums und beteiligten sich an Dialogen, Heilungsworkshops und Aufführungen.

Simone Leigh lehrte in vielen bedeutenden Institutionen der USA, unter anderem Moderne Keramik an der Rhode Island School of Design oder an der Parsons School of Design.
2018 wurde Simone Leigh von Artsy als eine der einflussreichsten Kunstschaffenden bezeichnet. Die Zeitschrift Time zählte sie zu den „100 Most Influential People of 2023“.
Simone Leigh wurde von der Luhring Augustine Gallery in New York und anschließend für knapp ein halbes Jahr durch die David Kordansky Gallery in Los Angeles vertreten, bevor sie von 2019 bis Oktober 2021 zu Hauser & Wirth in Zürich wechselte. Seit 2021 wird sie von der Matthew Marks Gallery in New York repräsentiert. Simone Leigh lebt und arbeitet in New York.
Simone Leigh kombiniert vormoderne manuelle Techniken und Materialien wie zum Beispiel salzgebrannte Keramik oder Terrakotta mit gefundenen, kulturell ikonographischen Objekten wie Kaurimuscheln, Kochbananen und Tabakblättern. In ihren Werken thematisiert sie feministische Perspektiven sowie afrikanische Kunst und erforscht Stereotype, die Objekten zugeschrieben oder mit schwarzen Frauen in Verbindung gebracht werden. Zu Beginn ihrer Karriere nutzte Leigh, alte afrikanische Töpfertechniken, um Keramikarbeiten auf Basis traditioneller Formen nigerianischer Wassertöpfe herzustellen.
2024 wurde sie zum Mitglied der American Academy of Arts and Letters gewählt.
Die Luhring Augustine Gallery in New York beschrieb die Werke von Simone Leigh folgendermaßen:
“Through her investigations of visual overlaps between cultures, time periods, and geographies, she confronts and examines ideas of the female body, race, beauty, and community.”
In dem von der National Gallery of Art herausgegebenen Buch „Black Modernisms in the Transatlantic World“ untersucht Steven Nelson, wie Simone Leigh Umgebungen schafft, die schwarze Frauen fördern und gleichzeitig die Geschichte ihrer Marginalisierung aufzeigen.
“Leigh’s work creates settings that nurture Black women while calling out histories of their marginalization. Highlighting Black women’s perspectives on her own terms, Leigh has created a body of formally extraordinary work by a Black woman, unabashedly and unapologetically for Black women.”
Anlässlich der 59. Biennale in Venedig beschreibt Jameson Johnson Simone Leighs Werk in einer Ausgabe der Boston Art Review aus dem Jahre 2022 so:
“In this refined collection of works, a story of Leigh’s relationship to material and medium unfolds. A ceramicist for most of her career, the artist began to cast her figures in bronze only a few years ago. (…) A form that she might have previously crafted in clay, terracotta, or concrete has now been solidified in bronze. As Leigh settles into her power and her medium, there’s room for her archival research, collaborative nature, and community-driven practices to shine.”
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Leigh, Simone |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1967 |
| GEBURTSORT | Chicago |