Der Anonymous Was A Woman Award ist ein US-amerikanischer Kunstpreis und ein Förderprogramm für weibliche Kunstschaffende ab 40 Jahren, das seit 1996 uneingeschränkte Stipendien an Personen an einem wichtigen Punkt ihrer künstlerischen Laufbahn vergibt. Das Programm entstand als Reaktion auf die Entscheidung des National Endowment for the Arts, die Förderung einzelner Kunstschaffender einzustellen. Sein Name bezieht sich auf eine Formulierung aus Virginia Woolfs Essay A Room of One’s Own und auf die kunsthistorische Unsichtbarkeit von Frauen in der Kunst, deren Werke als anonym überliefert wurden. Die New Yorker Fotografin und Philanthropin Susan Unterberg gründete und finanzierte das Programm.
Geschichte und Name
Der Kunstpreis Anonymous Was A Woman existiert seit 1996 und wurde von Susan Unterberg gestiftet, um Künstlerinnen über 40 Jahren zu ermutigen, ihre künstlerische Laufbahn fortzusetzen. Im zweiten Jahr des Programms erhielten 1997 elf Künstlerinnen Schecks über jeweils 25.000 US-Dollar; die Förderung war der Versuch eines Ausgleichs der Benachteiligung von Frauen im Kunstbetrieb und des Wegfalls staatlicher Einzelstipendien. In älteren Darstellungen wurde das Programm als jährlich mit 25.000 US-Dollar dotierter Preis für zehn Künstlerinnen beschrieben. Vor der Offenlegung von Unterbergs Rolle wurden die Mittel in Presseberichten anonymen Philanthropen mit Verbindung zur UJA-Federation of New York zugeschrieben. Unterberg blieb mehr als zwei Jahrzehnte anonym, bevor sie 2018 ihre Rolle öffentlich machte, nachdem das Programm über 22 Jahre hinweg 5,5 Millionen US-Dollar an Künstlerinnen vergeben hatte. Ihr Schritt an die Öffentlichkeit zielte auf den sichtbareren Eintritt für Künstlerinnen, die Betonung der Bedeutung gegenseitiger Unterstützung von Frauen in der Kunst und die Ermutigung weiterer Förderer. Der Name des Programms leitet sich aus einer Zeile des Essays Ein Zimmer für sich allein der britischen Schriftstellerin Virginia Woolf ab. Die Auswahlkomitees des Programms blieben auch nach der Offenlegung von Unterbergs Identität unbenannt, wodurch ein Teil der ursprünglichen Anonymität des Preises erhalten blieb.
Vergabe, Organisation und Dotierung
Seit 2024 beträgt die Fördersumme 50.000 US-Dollar pro Person und wird jährlich an 15 Künstlerinnen vergeben. Das Programm richtet sich an Frauen, gender-nonkonforme und transsexuelle Kunstschaffende über 40 Jahren, die sich an einem kritischen Punkt ihrer künstlerischen Entwicklung befinden. Die Auszeichnung ist nicht bedarfsabhängig, sondern orientiert sich an bisherigen Leistungen, künstlerischer Entwicklung, Originalität und weiterem Potenzial. Direkte Bewerbungen sind ausgeschlossen, da die Auswahl ausschließlich über Nominierungen erfolgt. Zu den Nominierenden zählen Kunsthistorikerinnen, Kuratorinnen, Autorinnen und frühere Preisträgerinnen. Eine ältere Quelle nannte Lauren Katzowitz Shenfield als Direktorin des Programms.
Ausstellungen und Rezeption
Zum 25-jährigen Bestehen des Programms zeigte das Grey Art Museum der New York University im Jahr 2025 die Ausstellung Anonymous Was A Woman: The First 25 Years, die Werke von 41 der ersten 251 ausgezeichneten Künstlerinnen präsentierte. Zur Ausstellung erschien die Begleitpublikation Anonymous Was A Woman: The First 25 Years. Die Ausstellung wurde als Beleg dafür gewertet, dass das Programm über seine finanzielle Förderung hinaus zur Sichtbarkeit von Künstlerinnen in der US-amerikanischen Kunstgeschichte beigetragen habe. Im selben Jahr zeigte das Kreeger Museum in Washington, D.C., eine weitere Ausstellung unter Bezug auf Anonymous Was A Woman, die Arbeiten von Jae Ko, Linn Meyers, Joyce J. Scott und Renée Stout umfasste.
Lynn Gumpert, Nancy Princenthal, Vesela Sretenović:Anonymous Was A Woman: The First 25 Years. In: Grey Art Museum (Hrsg.): Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung 01.04.2025–19.07.2025, New York, NY. Hirmer, München 2025, ISBN 978-3-7774-4318-8.
↑Lynn Gumpert, Nancy Princenthal, Vesela Sretenović:Anonymous Was A Woman: The First 25 Years. In: Grey Art Museum (Hrsg.): Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung 01.04.2025–19.07.2025, New York, NY. Hirmer, München 2025, ISBN 978-3-7774-4318-8.