Hotelzimmer werden – bei gleichbleibenden oder gestiegenen Zimmerpreisen – nicht mehr täglich gereinigt, sondern nur noch zwischen Abreise des Gastes und Neubelegung des Zimmers. Diese Sparmaßnahme wird teils als Umweltschutzmaßnahme beworben. Bei der Bewirtung von Gästen wird vermehrt auf Selbstbedienung und vorgefertigte bzw. abgepackte Produkte gesetzt.
der LebensmittelherstellerKnorr bei seiner Feinschmecker-Zitronen-Butter-Sauce den Butter-Anteil von 25 auf 10% – Anwendende sollten nun selbst fünf Gramm Butter hinzufügen;
der Hersteller beim SchmelzkäseMilkana cremig leicht den Käse-Anteil von 65 auf 42% – laut dem MarkeninhaberSavencia, um die Qualität zu verbessern: Nun sei statt Käse auch Butter im Produkt, dabei der Fettanteil höher und auf der Verpackung stehe „Jetzt noch leckerer“.
beim Ketchup der Kaufland-EigenmarkeClassic würden statt bislang 73% „doppelt konzentrierten“ Tomatenmarks nun 72% einfach konzentriertes verwendet.
beim KitKat Chuncky White Riegel von Nestlé: Ersatz von weißer Schokolade mit Kakaobutter durch weiße Fettglasur aus pflanzlichen Fetten wie Palm- und Sheafett, allerdings mit Hinweis auf die geänderte Rezeptur für 6 Monate.
Nutzung von Schokoladen-Nachahmerprodukten wie ChoViva anstelle echten Kakaos, besonders bei Produkten wie Schokolinsen und Schokokeksen, wobei dann auch "Schokotatzen"-Kekse zu "Süßen Tatzen" werden, bei gleicher Aufmachung und Produktbildern.
Reaktionen
Hersteller
In vielen Fällen beziehen sich Lebensmittelhersteller darauf, nur den aktuellen Wünschen ihrer Kunden nachzukommen: Z. B. senke ein erhöhter Wasseranteil in Brotaufstrichen den physiologischen Brennwert und mache das Produkt gleichzeitig streichfähiger; bei Schokoladenerzeugnissen sorge ein geringerer Kakaogehalt für einen milderen Geschmack. Die positiven Nebeneffekte werden dabei in der Werbung oft durch Aussagen wie z. B. „verbesserte Rezeptur“ oder „extra cremig“ hervorgehoben und suggerieren den Kunden eine gesteigerte Produktqualität, obwohl in Wirklichkeit das Gegenteil der Fall ist.
Deutsche Verbraucherschützer fordern eine klare und verpflichtende Kennzeichnung von Rezepturänderungen.
Kunden
Bei einer Kundenbefragung des MarktforschungsunternehmensGartner Inc. aus dem Jahr 2022 gaben 62% der befragten Kunden an, Produkte nicht mehr zu kaufen, wenn die Hersteller zur Kostensenkung die Produktgröße (Shrinkflation) oder die Produktqualität (Skimpflation) gesenkt hätten.
2023 registrierte die Verbraucherzentrale Hamburg einen Anstieg der Beschwerden wegen verschlechterten Lebensmittel-Rezepturen.
Der Ausschuss für Konsumentenschutz des österreichischen Parlaments begann im März 2023, sich mit dem Phänomen zu befassen: Es soll zukünftig Herstellern gesetzlich verboten sein, Produkte unter gleichem Namen zu verkaufen, falls bei deren Herstellung im Lauf der Zeit auf billigere Grundstoffe umgestellt wird.
↑Marnik G. Dekimpe, Harald J. van Heerde:Retailing in times of soaring inflation: What we know, what we don’t know, and a research agenda. In: Journal of Retailing. Band99, Nr.3, September 2023, ISSN0022-4359, S.322–336, doi:10.1016/j.jretai.2023.07.002 (englisch).
↑Richard Lingeman:Don’t You Know There’s a War On? The American Home Front 1941–1945. 1. Auflage. Putnam, New York 1970, ISBN 0-399-50359-5 (englisch).
↑Roberta S. Russell, Bernard W. Taylor:Operations and Supply Chain Management. 11. Auflage. Wiley, Hoboken 2023, ISBN 978-1-119-90567-7, Kapitel2: Quality Management, S.76, Quality Attributes in Services (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).