So ein Rummel ist der Titel einer 1950 publizierten satirischen Erzählung von Heinrich Böll. Sie spielt in der Nachkriegszeit und handelt von einem Vorstellungsgespräch des Erzählers bei einer Zirkusunternehmerin, während, in einer Parallelhandlung, ihre drei Kinder unter der Terrasse Neandertaler, Bunker, Totalgeschädigt und Flüchtling spielen.
Der Erzähler sucht nach dem Ende seiner Schwarzmarkt-Aktivitäten eine Anstellung und bewirbt sich bei einer Zirkusunternehmerin, die er als eines der „charmantesten Frauenzimmer“ kennenlernt. Sie ist eine emanzipierte Frau, tritt täglich bei fünf Vorstellungen als „Frau ohne Unterleib“ auf und regelt für ihren abwesenden Mann die Personalangelegenheiten.
Sie empfängt ihn mit einem „entzückenden sombreroartigen Strohhut“ auf der „Sonnenseite“ ihrer an den Wohnwagen angebauten kleinen mit rotblühenden Geranien geschmückten Terrasse, während ihr Angestellter Carlino Kaffee serviert. Unter der Terrasse spielen ihre drei Kinder Neandertaler, Krieg und Flucht und sie führt bei Streitigkeiten Regie: „Lass die Quälerei […] spielt doch Bunker oder Totalgeschädigt […] ihr müsst jetzt abhauen aus der brennenden Stadt […] Sag Fredi, er soll sterben, ich hätte gesagt, er sei jetzt an der Reihe mit Sterben“.
Von solchen Spielanweisungen unterbrochen, befragt sie, in der Parallelhandlung, ohne den Faden zu verlieren, den Erzähler nach seinen Kenntnissen. Seine Vorschläge, Traktor zu fahren, die Räder zu schmieren, die Schiffschaukel zu bremsen, lehnt sie ab, dazu brauche man viel Erfahrung, aber sie gibt ihm eine Chance: Als Schwarzmarkthändler könne er rechnen und so vertraut sie ihm die Kasse an.
In der Rezeptionsgeschichte hat sich die Bewertung der literarischen Werke Bölls geändert. Im Zentrum des Interesses stehen nicht mehr seine als zeitgebunden empfundenen Romane, sondern seine metaphorische kleine Prosa. Mit dem „Blick für das einzelne, auf eine charakteristische Situation, […] bisweilen sogar mit der Akzentuierung einer scheinbar nebensächlichen Banalität“, werde von Böll „Parabelhaftes“ angestrebt: „Von Anfang an suchte er das Gleichnis, die Überhöhung.“ Viele seiner frühen Arbeiten seien zudem Ausdruck einer „fast antikisch anmutenden Schicksalsmächtigkeit“.
Ein Beispiel ist Bölls 1950 veröffentlichte Erzählung So ein Rummel, die in viele Erzählsammlungen aufgenommen wurde.
In der Rezeption werden die inhaltlichen und stilistischen Elemente der Erzählung – Übersteigerung ins satirisch Groteske, Ironie, schwarzer Humor – meist im Zusammenhang mit anderen Satiren und Grotesken analysiert und interpretiert.
Für die gesellschaftliche Umbruchphase in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und mit dem beginnenden Wirtschaftswunderwirtschaftlichen Wohlstand wird die „satirische Groteske“ als eine der beliebtesten Darbietungsformen zeitgenössischer Prosa zur Entlarvung der „Erbärmlichkeit des Realen“ bezeichnet: in ihr existiere „Unvereinbares im gleichen Raum“. Böll vertrete im Spektrum der Satire-Literatur eine besondere Stilart: die Verbindung von Kritik, moralischer Position und Groteske. Als „Moralist aus Güte“ scheue der Autor als „genaue[r] Beobachter seiner Zeitgenossen auch nicht den bitteren Humor, die maliziöse Satire auf die neu arrangierte Gesellschaft“.
Für Korn steht Böll als Polemiker und heimlicher Moralist in seiner Zeit ziemlich allein da: Sein scharfes Auge sehe „die Abnormität im gesellschaftlichen Leben“. Weil jedoch die moralischen Traktate und Predigten nicht mehr wirken, gehe er Umwege. Er halte sich an das, was die Sprache sehr genau sage, „Ver-rückte“. Die Karikatur seiner Satire enthalte eine allgemeine Wahrheit, „weil die Normalen allesamt als mehr oder minder ver-rückt erscheinen“. Indem er ins Groteske gesteigerte Geschichten erzähle, vermeide er, „aus klugem Instinkt“, den Zorn. Er habe die Lacher auf seiner Seite. Sein Stil sei forciert realistisch, die Ironie dosiert, die Absicht geschickt verkleidet. So treffe er wie absichtslos neuralgische Punkte: „schlimme Konstruktionsfehler unserer technisch organisierten verwalteten Welt […] groteske Missbildungen“.
Böll gilt als ein wichtiger Vertreter der deutschsprachigen Kurzgeschichte und der Autor hat sie in einem Interview mit Reich-Ranicki 1967 als „die schönste aller Prosaformen“ bezeichnet. Kilchemann zählt Bölls satirische Erzählungen zu den besten in der zeitgenössischen Literatur. Hier verwirkliche Böll seine Ansicht, „dass das Wirkliche phantastisch sei“, und lasse „diese phantastische Wirklichkeit Gestalt werden, indem er dem Schein die Maske abreißt. Seine Angriffe auf die Auswüchse der Nachkriegsgesellschaft treffen gut gezielt ins Schwarze.“ Der Ausdruck sei „präzis und prägnant, die Waffe scharf geschliffen.“
Nach Rasch erzeugen Bölls Erzählungen „Unbehagen, Unruhe bei denen, die […] sich den erfolgverheißenden Spielregeln der gegenwärtigen Wirklichkeit ohne Vorbehalt anzupassen suchen […] Man spürt, dass im selbstzufriedenen Behagen ein Verlust enthalten ist, im Wohlstand eine Verarmung, im Erfolg Versäumnis. […] Wenn Bölls Menschen nicht wissen, woran es ihnen eigentlich mangelt, so wissen sie wenigstens, dass ihnen etwas fehlt, etwas Wesentliches, dass ihnen ein menschlich erfülltes Dasein vorenthalten bleibt […] Jede Erzählung Bölls setzt uns in Misstrauen gegenüber unserer Wirklichkeit, unseren Lebensverhältnissen. […] Bölls Dichtung entfaltet sich am Widerstand gegen diesen Anspruch der kompakten Realität, aus dem Spannungsverhältnis zu ihr entspringt der Funke erzählerischer Inspiration. Er erfindet Geschichten, einfache klar gebaute, von innerer Spannung vibrierende Stories, die gleichzeitig auch mehr sind: Enthüllungen, Bloßlegungen einer Wahrheit, auch Anklage und Protest – aber es ist stets ein dichterisch geformter, in der Gestalt der Erzählung eingeformter Protest, als Gleichnis darstellend“.