
Als Free Solo (englisch für freies Solo) wird beim Klettern die Begehung einer Kletterroute im Alleingang unter Verzicht auf alle technischen Sicherungsmittel bezeichnet, die beim Klettern üblich sind. Es können Kletterschuhe und Magnesia verwendet werden, aber weder Klettergurt noch Kletterseil, die der Sicherung dienen. Bei diesem Begehungsstil wird deutlich über die Absprunghöhe hinaus geklettert, von der eine Person gefahrlos abspringen kann. Einige Free-Solo-Kletterer begehen auch große alpine Wände, die mehrere Hundert Meter hoch sein können. Das Risiko ist enorm, im Fall eines Sturzes endet es in der Regel mit dem Tod. Daher wird diese Spielart des Kletterns sehr selten und meist unter dem persönlichen Leistungsniveau ausgeführt. Free Solo in schweren Routen wird nur von Kletterern und Kletterinnen der Spitzenklasse durchgeführt, genießt aber hohe öffentliche Beachtung.
Obwohl Alleingänge ohne Sicherungen schon immer grundlegender Bestandteil des Bergsteigens waren, wurde der Begriff „Free Solo“ Ende der 1970er im Yosemite Valley geprägt. John Bachar hat den Begriff definiert und mit seinen Solo-Begehungen bekannt gemacht. Seit dieser Zeit bedeutet Free Solo zu klettern: alleine zu klettern, ohne jegliches Sicherungsequipment, daher ohne Klettergurt, ohne Karabiner, ohne Seil. Kletterausstattung ist nur zur Fortbewegung vorhanden, in der Regel also lediglich Kletterschuhe und ein Beutel mit Magnesia, um die Hände trocken zu halten. Ein Absturz beim Free Solo impliziert in größeren Höhen in der Regel fatale Folgen, sodass z. B. kurze Kletterrouten direkt über dem Meer nicht als Free Solo, sondern eigenständig als „Deep Water Soloing“ angesehen werden. Auch die Begehung von sehr hohen Boulderproblemen, sogenannten „Highballs“, wird nicht als Free-Solo-Klettern angesehen.
Bei Rope Solo wird ebenfalls im Alleingang geklettert, aber im Gegensatz zu Free Solo mit Selbstsicherung. Daher werden Klettergurt und Kletterseil mitgeführt. Die Absicherungstechnik des Rope Solo ist kompliziert und stellt daher immer noch ein deutlich größeres Risiko als gesichertes Klettern im Team dar. Free Solo ist nicht mit dem Freiklettern bzw. Freeclimbing zu verwechseln, bei dem sehr wohl gesichert und im Team geklettert wird, aber Sicherungsmittel nicht zur Fortbewegung benutzt werden. Free Solo ist daher als besondere Spielform des Freikletterns einzuordnen. Free Solo in längeren und schweren Routen ist absolut selten, wird meist nur von der Elite der Kletterer und auch von diesen sehr selten ausgeübt, genießt aber außerhalb der Klettercommunity hohe Beachtung.
Es gibt beim Klettern viele Möglichkeiten, immer größere Herausforderungen zu suchen und zu finden, z. B. schnell zu werden, dann ist Speedklettern das Ziel. Wenn auf technische Hilfsmittel zur Fortbewegung verzichtet wird, dann ist Freiklettern das Ziel. Die größte Herausforderung ist auf die Sicherung zu verzichten, dann ist Free Solo das Ziel. Free Solo wird von vielen Spitzenkletterern als die kompromissloseste Form des Kletterns gesehen, bei der jeder kleine Fehler aufgrund der fehlenden Sicherheitsreserve potenziell tödlich ist.

Viele Kletterer sehen es daher auch als die größtmögliche Herausforderung, die Klettern bietet. Oder wie Alexander Huber es ausdrückte: „Klettern ist wie eine Droge… Unser Tun am Berg macht uns glücklich“ und „Ich war mir der Gefahr bewusst, die davon ausgeht, dieses wunderbare Gefühl immer wieder erleben zu wollen. Dafür reicht es auf Dauer nicht, immer in derselben Schwierigkeit zu klettern. Du brauchst einfach immer mehr.“ Nach seiner ersten langen Free-Solo-Route konstatierte Huber: „Ich klettere, ich steige, ich fliege“ und „Mit dem Gipfel erreichte ich einen Höhepunkt, der über allem steht, was ich bisher im Leben erreicht habe… ein Gefühl, näher bei sich selbst zu sein als im bisherigen Leben.“ Huber sagte aber auch, dass man bei Free Solo niemals in die Nähe von Panik kommen sollte, sondern eine totale Fokussierung auf das Klettern selbst wichtig ist. Hansjörg Auer sprach von einer Flamme, entfacht aus einem kleinen Funken, der vom Traum zur Realität übergesprungen sei und ihn nicht mehr losgelassen habe. Er hatte sich auf die Tour gut vorbereitet und diese auch vorher gesichert gemacht.
Meist sind die zu erwartenden Schwierigkeiten deutlich unter dem Leistungsniveau des Kletterers oder der Kletterin; die meisten Free-Solo-Kletterer gehören zu den Spitzenkletterern ihrer Zeit. Bei einer Free-Solo-Begehung kennt der Kletterer die Route im Allgemeinen so gut, dass er sie Griff für Griff und Tritt für Tritt vor seinem inneren Auge durchsteigen kann. Im Regelfall werden Solobegehungen immer perfekt physisch und psychisch vorbereitet, um das Risiko zu minimieren. Die ausgewählte Route wird auch dann nur in Angriff genommen, wenn die körperliche und geistige Tagesform diese Begehungsart zulässt. Wäre dem nicht so, dann hätten die meisten Free-Solo-Kletterer ihre Alleingänge nicht überlebt. Trotzdem kann es immer zu unvorhergesehenen Zwischenfällen kommen, so stieg Stefan Glowacz 1993 zwar perfekt vorbereitet in eine Free-Solo-Tour ein, in der Tour brach ihm jedoch ein Griff aus. Die Folge war ein Absturz, bei dem er schwer verletzt wurde. Seitdem bezeichnet er Free Solo gelegentlich als „Russisch-Roulette“, da die Gefahr immer mitschwinge.
Für Wolfgang Güllich entwickelte sich ein Free Solo immer erst langsam, von einem vermessenen Vorhaben über eine Detailanalyse aller Schwachstellen und potentiellen Fehler in einer wochen- und monatelangen Vorbereitung mit gesicherten Begehungen bis zu etwas Machbarem. In der Route selbst war er in einem äußerst sensibilisierten Zustand, hellwach und voller Konzentration, in dem er sich so intensiv wie sonst nie erlebt habe. Heinz Zak baute das Dach und die Schlüsselstelle der Route Separate Reality in seiner Garage nach und übte jeden einzelnen Zug ein halbes Jahr. Alexander Huber kletterte einige eher mittelschwere Klassiker wie die Wiessner-Rossi an der Fleischbank im Wilden Kaiser Free Solo, bevor er sich an schwere Routen wagte. Huber kommentierte das: „Das war eine gute Schule. Free Solo ist einfach ein längerer Prozess.“ Maurizio Giordiani, der bereits Dutzende Free-Solo-Begehungen in den Dolomiten machte, bestätigte, wo er hochklettern könne, könne er auch wieder abklettern, aber auch, dass er umgekehrt sei, wenn Angst aufgestiegen sei.
Trotz aller Vorbereitung und Vorsicht kommt es zu tödlichen Unfällen: So starb Martin Feistl im Mai 2024, als er aus der Spitzenstätter Route (VII, 270m), einer anspruchsvollen Südwandroute an der Scharnitzspitze, aus unbekannten Gründen abstürzte. Feistl galt als großes Klettertalent mit viel Erfahrung, der sich sehr wohl des Risikos bewusst war.
Etwas anders gelagert sind ungesicherte Zu- und Abstiege im leichten Fels. Beim Zustieg zu alpinen Kletterrouten ist es manchmal notwendig, teils brüchiges Steilgelände im zweiten bis dritten Schwierigkeitsgrad ungesichert zu durchsteigen. Auch Abstiege im alpinen Gelände haben oft Kletterstellen, die man meist seilfrei abklettert. Motivation ist hier meist, dass eine Sicherung nur schwer möglich ist oder schlicht zu lange dauert.
In der Frühzeit des Kletterns war der Stand der Sicherheitsmittel und -techniken noch unterentwickelt. Es gab noch keinen Klettergurt, der ein Seil sicher mit dem Kletterer verbunden hätte. Die verwendeten Seile waren aus Naturmaterialien, meist aus Hanf, die bei einer plötzlichen starken Belastung wie bei einem Sturz des Seilersten oft rissen. Die Lehre daraus war, dass Führende nicht stürzen durften. Daher waren Kletterer im frühen 20. Jahrhundert mental auf Solobegehungen eingestellt und waren auch häufig alleine unterwegs. Seile wurden vor allem mitgenommen, um den Seilzweiten zu sichern und um abzuseilen.
Paul Preuß, der hervorragende Kletterer zu Anfang des 20. Jahrhunderts, war wahrscheinlich der Erste, der bewusst in große, exponierte Wände ohne Seil und Sicherung einstieg. Für ihn war das Seil ein Sicherungsmittel für den Notfall, er war der Meinung, dass der Kletterer bzw. die Kletterin die Wand nur mit seinem bzw. ihrem Können bewältigen soll. Mit dieser Einstellung gilt er als der geistige Vater des Freikletterns, des Solo und Free-Solo-Kletterns (auch wenn das damals noch nicht so genannt wurde). Ihm folgten Kletterer wie Emilio Comici oder Hermann Buhl, die häufig alleine unterwegs waren. Auch Mary Varale war viel alleine in Wänden unterwegs, so stieg sie solo auf die Kleine Zinne und durch die Nordwand des Pizzo della Pieve. 1936 publizierte sie einen Artikel in der Zeitschrift „Illustrazione Italiana Sportiva“ in dem sie über ihre Alleingänge schrieb: „Dieses Spiel der Balance, die Sicherheit, ganz Herr über sich selbst zu sein und sein Leben in der Hand zu haben, um es unversehrt zum Gipfel zu bringen, die Beherrschung der eigenen Nerven, erzeugen ein tiefes und unbeschreibliches Glück“. Alleingänge waren seit dem Beginn des Kletterns schon immer ein grundlegender Bestandteil, die Art und Weise der Alleingänge in der Wand variierte stark: mit und ohne Sicherungsmittel, mit und ohne Hilfsmittel zur Fortbewegung bzw. zum Abstieg. Häufig wurde ein Seil mitgenommen, meist nur um nach der Besteigung abseilen zu können.

Erst Ende der 1970er wurden die unterschiedlichen Begehungsstile genauer definiert. Das Wort Free Solo wurde in seiner heutigen Ausprägung von John Bachar geprägt. John Bachar, John „Yabo“ Yablonski, Steph Davis, John Long, Derek Hersey und andere haben in Yosemite Valley viele Routen in diesem Stil begangen.
In Europa machte Wolfgang Güllich am 11. Oktober 1986 mit seiner Begehung von Separate Reality (7b, UIAA VIII+, 5.12a), einem ausladenden Sieben-Meter-Dach, diesen Begehungsstil bekannt. Die Fotos dieser Begehung gingen um die Welt und machten Güllich berühmt. Erst 2005 gelang Heinz Zak die zweite Free-Solo-Begehung.
In Frankreich wurde der Trend aufgenommen und die französischen Kletterer waren schnell an der Weltspitze. Patrick Edlinger erreichte ein großes Publikum, als er 1982 in dem Film „Leben an den Fingerspitzen“ vier Tage bei schweren Free-Solo-Begehungen in Buoux begleitet wurde. Kletterer wie Antoine Le Menestrel und Christoph Profit prägten die Szene. In Deutschland ist Alexander Huber ein wesentlicher Vertreter.
Alleingänge in der Wand breiteten sich in der Folge weiter aus: Catherine Destivelle machte von 1992 bis 1994 drei Winter Solo-Begehungen ohne Absicherung an drei großen Alpen-Nordwänden. Alleine und meist bei Temperaturen unter null Grad bezwang sie die Eiger-Nordwand über die Heckmair-Route, den Walkerpfeiler an den Grandes Jorasses und am Matterhorn die bis dahin noch nicht wiederholte Bonatti-Führe. Als Meilenstein des Free Solo gilt die Bezwingung der Route Weg durch den Fisch (UIAA 9-, 7b+, 900 m hoch) an der Marmolata-Südwand durch Hansjörg Auer. Diese Route gilt als besonders anspruchsvoll, und Auer hatte sich nur zwei Tage lang auf diese vorbereitet. Besonders Alain Robert gilt als weltweit einsame Spitze, er hat über zehn Sportkletterrouten in hohen Schwierigkeitsbereichen Free Solo begangen. Einige davon gelten als schwer kontrollierbar. Robert gilt auch als führend in der Solo-Besteigung von Bauwerken.
Andere bekannte Vertreter des Free-Solo-Kletterns sind beziehungsweise waren u. a.: Kurt Albert, Dani Arnold, Thomas Bubendorfer, Peter Croft, Steph Davis, Catherine Destivelle, Derek Hersey, Alex Honnold, Alexander Huber, Robert Jasper, Dave MacLeod, Dan Osman, Dean Potter, Albert Precht, Andreas Proft, Jerry Moffatt, Herbert Ranggetiner, Pete Whittaker und Ueli Steck.
Einseillängenrouten sind Routen, die eher kurz sind bis zu einer Wandhöhe von ca. 50 m. Berühmte Free-Solo-Besteigungen bei dieser Wandhöhe sind:
Mehrseillängenrouten sind Routen, deren Höhe typischerweise größer ist, als ein Seil lang ist. Auch wenn diese ohne Seil bestiegen werden, werden Routen so bezeichnet, da Free-Solo-Besteigungen in aller Regel die seltene Ausnahme sind. Meist sind diese Routen in Wänden deutlich über 50 m, können aber auch mehrere 100 m hoch sein. Dies ist typisch für alpine Routen oder Bigwall-Klettern. Berühmte Free-Solo-Besteigungen in Wänden mit einer hohen Wandhöhe sind:

Auch an Wolkenkratzern oder Stahlgitter-Konstruktionen kann Free Solo geklettert werden. Es gibt einige Kletterer, die sowohl an Gebäuden als auch am Fels Free Solo unterwegs sind. Das Steigen an Gebäuden wird von den meisten Kletterern als mittelschwer angegeben, da man fast immer einen guten Halt hat, jedoch gaben viele Kletterer auch an, dass die körperliche Anstrengung ähnlich schwer sei wie beim Felsklettern. Das Risiko beim Free-Solo-Klettern an Gebäuden ist das gleiche wie beim Free-Solo-Klettern an Felswänden.
Der Franzose Alain Robert gilt als führend beim Free-Solo-Klettern an Fassaden. So war er im Februar 2007 an der Fassade des 187 m hohen Abu Dhabi Investment Authority Towers hochgeklettert. Er hatte in nur 20 Minuten seilfrei das Dach erreicht, was eine Sensation war. Er wurde dabei fotografiert und von Tausenden beobachtet. Stand 2025 hat Robert mehr als 150 Wolkenkratzer und Bauwerke bestiegen.

Auch beim Eisklettern kann Free Solo geklettert werden, also das Besteigen von Eiswänden, Eisrinnen oder Eisgraten ohne Absicherung. Zur Begehung werden Eispickel und Steigeisen verwendet. Bei gefrorenen Wasserfällen kann das Eis ganz verschiedene Formen, Farben und Konsistenzen haben. Die gleiche Eiswand kann jedes Jahr anders aussehen, die Eisqualität massiv schwanken. Die Stabilität des Eises hängt auch mit der Temperatur zusammen, zu niedrige Temperaturen machen das Eis spröde, Föhnwinde können dem Eis sehr schnell zusetzen. Die Eisverhältnisse spielen daher beim Beklettern eine entscheidende Rolle: Sie bestimmen den Routenverlauf, die Schwierigkeit und die Gefährlichkeit einer Route.
Free-Solo-Eisklettern ist eine Spielart des Free Solo, das sehr selten praktiziert wird, auch wegen des hohen Risikos. Das Risiko ist sogar noch höher als beim Free Solo im Fels, da das Eis sich verändert und von Tag zu Tag anders sein kann. Damit ist es viel weniger möglich, eine Route intensiv vorzubereiten.
Am 24. Dezember 2017 bewältigte Dani Arnold die Route Beta Block Super an der Breitwangfluh Free Solo. Diese Tour gilt als schwierig und gefährlich.