Stephan Jebsen

Stephan Jebsen (* 1651 in Rendsburg; † 19. November 1720 in Flensburg) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher und theologischer Autor.

Leben

Stephan Jebsen stammte aus einer schleswig-holsteinischen Pastorenfamilie; er war ein Sohn des Rendsburger Pastors und Propsten Johannes Jebsen (1618–1677) und dessen Frau Eva (1632–1697), einer Tochter des Generalsuperintendenten Stephan Klotz. Nachdem er die Lateinschule, das heutige Alte Gymnasium, in Flensburg besucht hatte, kam er 1668 nach Lübeck auf das Katharineum zu Lübeck, das er 1670 abschloss. Er studierte Philosophie und Evangelische Theologie an den Universitäten Wittenberg (1670) und Leipzig. In Leipzig war er 1672 Respondent einer philosophischen Disputation unter Vorsitz von Valentin Alberti. 1673 ging er nach Königsberg. Im folgenden Jahr 1674 erlebte er in Warschau die Wahl von Johann III. Sobieski zum König von Polen. Über Danzig, Frankfurt an der Oder, Berlin und Wittenberg reiste er zurück nach Leipzig.

Nach dem Tod seines Vaters zog er sich auf das Landgut Adelbylund bei Flensburg zurück. In Verbindung mit der Universität Kiel, an der er sich im März 1680 immatrikulierte, gab er hier angehenden Theologen privaten Unterricht. 1684 unternahm er eine Reise in die Niederlande und nach England.

Aus den Jahren 1670 bis 1684 hat sich sein umfangreiches Album amicorum mit Einträgen aus Leipzig, Königsberg, Frankfurt/O., Kiel, Königsberg, Küstrin, Berlin, Jena, Halle/S., Hamburg, Rendsburg, Utrecht, Leiden, Oxford, Wittenberg u. a. erhalten, das heute in der Königlichen Bibliothek Dänemarks in Kopenhagen verwahrt wird.

Stephan Jebsen wurde 1693 als Kandidat zum vakanten Diakonat (2. Pfarrstelle) der Marienkirche in Flensburg aufgestellt unter der traditionellen Bedingung (Konservierung von Pfarrwitwen), dass er die Witwe seines Vorgängers Thomas Lundius (1642–1693) oder eine der Töchter heiraten solle. Er weigerte sich, wurde aber trotzdem gewählt und blieb unverheiratet. Als 1694 der (Haupt)pastor der Marienkirche, Johannes Lysius, starb, sollte ihm dessen Sohn Heinrich Lysius nachfolgen. Da Heinrich Lysius aber dem lutherisch-orthodoxen Generalsuperintendenten Josua Schwartz zu pietistisch eingestellt war, wurde auf dessen Betreiben hin Stephan Jebsen zum Pastor der Marienkirche gewählt. In diesem Amt blieb er bis an sein Lebensende.

Riefelbild in der Flensburger Nikolaikirche

Neben eigenen Werken hatte Stephan Jebsen sich die Herausgabe von Passions-Predigten seines Großvaters Klotz zur Aufgabe gemacht. Parallel dazu malte seine Schwester Catharina, verheiratete Stacke, ein Gemälde, das als Riefelbild je nach Blickrichtung die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu darstellt, mit der von Pastor Hinrich Braker verfassten Unterschrift: „Was Clotzius vorhin im Wort vor Augen mahlte, Was auch durch Jebsens Mund dort Rendesburg bestrahlte, Das hat die Tochter hier in Farben vorgestellt, die, Herr! ein schöners Bild von Dir im Herzen hält. Du stirbest; Wir mit Dir; Wir leben durch dein Leben. Du wirst uns über Welt, Todt, Teuffel, Hölle heben.“ Das Bild hat sich, allerdings ohne die Beischrift, in der Flensburger Nikolaikirche erhalten und hängt dort an der Südwand (im Osten).

Werke

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Stephanus Iebsen, in: Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubecenses. Band 2, Lübeck 1720, S. 146–153
  2. ↑ Thomas Otto Achelis: Matrikel der Schleswigschen Studenten in Wittenberg 1517–1864. Band 3: Register, Kopenhagen:Gads 1967 (Digitalisat, S. 35 Nr. 3080)
  3. ↑ Das Album der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1665–1865. S. 22, Nr. 1096
  4. ↑ Signatur NKS 365 h, 8°; Eintrag im Repertorium Alborum Amicorum, abgerufen am 15. September 2026
  5. ↑ Rolfs: Zur Geschichte der Fürsorge für die Predigerwitwen und -waisen im nördlichen Schleswig. In: Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte: Beiträge und Mitteilungen 3 (1905) S. 482
  6. ↑ Hans Nicolai Andreas Jensen (hrsg. von Andreas Ludwig J. Michelsen); Schleswig-holsteinische Kirchengeschichte. Band 3, Kiel: Homann 1877, S. 171
  7. ↑ Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubecenses. Band 2, Lübeck 1720, S. 149f; vgl. etwas abweichend Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik des Herzogthums Schleswig. Band 3, Flensburg: Kastrup 1841, S. 867 mit Anm.
  8. ↑ Beschreibung
Personendaten
NAME Jebsen, Stephan
KURZBESCHREIBUNG deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher und theologischer Autor
GEBURTSDATUM 1651
GEBURTSORT Rendsburg
STERBEDATUM 19. November 1720
STERBEORT Flensburg