Steven Best (* Dezember 1955) ist ein US-amerikanischer Philosoph, Autor, Redner und Aktivist. Zu seinen Themenschwerpunkten gehören Tierrechte, das Artensterben, Übervölkerung, die Klimakrise, Biotechnologie, Total Liberation, Terrorismus, Massenmedien und Kultur, Globalisierung sowie kapitalistische Herrschaft. Er ist außerordentlicher Professor (Associate Professor) für Geisteswissenschaften und Philosophie an der University of Texas at El Paso.
Nach dem Besuch der Highschool in Chicago arbeitete Best in Gelegenheitsjobs in Fabriken und fuhr einige Jahre lang Lkw. Von 1977 bis 1979 besuchte er das College of DuPage (Illinois), wo er einen Associate Degree in Film und Theater erwarb. Anschließend studierte er von 1979 bis 1983 Philosophie an der University of Illinois at Urbana-Champaign und schloss mit einem Bachelor-Abschluss mit Auszeichnung ab. Von 1985 bis 1987 erlangte er den Master-Abschluss an der University of Chicago und von 1989 bis 1993 promovierte er zum Ph.D. an der University of Texas at Austin.
Im Jahr 1993 begann er als Assistant Professor für Geisteswissenschaften und Philosophie an der University of Texas at El Paso. 1999 wurde er außerordentlicher Professor und leitete von 2002 bis 2005 das Institut für Philosophie.
Best ist Mitbegründer des Institute for Critical Animal Studies (ICAS), das früher als Center on Animal Liberation Affairs (CALA) bekannt war. Seine akademischen Interessen liegen in der Kontinentalphilosophie, der Postmoderne und der Umweltphilosophie. Er ist bekannt für seine poststrukturalistischen Vorstellungen von Revolution, die gleichermaßen auf Tierrechten und totaler Befreiung basieren. Zusammen mit Anthony J. Nocella gab er das Buch Terrorists or Freedom Fighters? Reflections on the Liberation of Animals (2004) mit einem Vorwort von Ward Churchill heraus sowie den Begleitband über revolutionären Umweltschutz, Igniting a Revolution: Voices in Defense of the Earth (2006).
Zusammen mit Douglas Kellner verfasste Best eine Trilogie von Werken zur postmodernen Theorie und zu den Cultural Studies: Postmodern Theory: Critical Interrogations (1991), The Postmodern Turn (1997) und The Postmodern Adventure: Science, Technology, and Cultural Studies at the Third Millennium (2001).
Gemeinsam mit Peter McLaren und Anthony J. Nocella II gab Best zudem das Werk Academic Repression: Reflections from the Academic Industrial Complex (2010) heraus.
Best schrieb auch über Themen der Populärkultur, darunter Artikel über den Film RoboCop und Hip-Hop.
Ein Autor des Magazins The Chronicle of Higher Education bezeichnete Best im Jahr 2005 als „eine der führenden wissenschaftlichen Stimmen zum Thema Tierrechte“.
Best gilt in der politischen Philosophie und innerhalb der Tierbefreiungsbewegung als einer der Vordenker des Konzepts der Total Liberation. In seinen Arbeiten argumentiert er, dass die Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen, Tieren und der Natur auf denselben historischen, hierarchischen und global-kapitalistischen Herrschaftsstrukturen beruhen.
Aus dieser Verbindung leitet Best ab, dass Proteste, die sich nur auf ein einzelnes Thema konzentrieren (single-issue approaches), unzureichend sind. Er plädiert stattdessen für ein umfassendes Bündnis, das Tierbefreiung, radikalen Umweltschutz und gesellschaftliche Kämpfe gegen Rassismus, Sexismus und Staatsautorität zu einer gemeinsamen Bewegung zusammenführt. Zudem verteidigt Best in diesem Kontext ausdrücklich die moralische und strategische Notwendigkeit militanter direkter Aktionen und Sabotage, wenn diese dem Schutz von Leben dienen.
Best ist ein Befürworter der Inclusive Democracy (Inklusive Demokratie), einer vom griechischen politischen Philosophen Takis Fotopoulos begründeten Bewegung, und gehört dem internationalen Beirat des International Journal of Inclusive Democracy an.
Im Dezember 2004 gründete Best das nordamerikanische Animal Liberation Press Office mit. Dieses fungiert als Medienbüro für eine Reihe von Tierrechtsgruppen, einschließlich der Animal Liberation Front (ALF), obwohl er betonte, selbst kein ALF-Aktivist zu sein.
Best kritisierte andere Akteure in der Tierrechtsbewegung, die einen „fundamentalistischen Pazifismus“ vertreten und jede Art von militanter direkter Aktion ablehnen, wozu Taktiken wie „illegale Razzien, Befreiungsaktionen und Sabotageangriffe“ gehören können. Er bezeichnete diese in Anlehnung an Gary Francione, der Tierrechte ausschließlich mit friedlichen Mitteln verfolgen will, als Franciomben (Franciombes). Best argumentiert, dass die gegenwärtige ökologische Krise einen „fundamentalistischen Pazifismus obsolet macht“.
In seinem 2014 erschienenen Buch The Politics of Total Liberation: Revolution for the 21st Century behauptet Best, dass militante direkte Aktionen und eine erweiterte Selbstverteidigung (extensional self-defense; stellvertretende Verteidigung wehrloser Tiere durch den Menschen, um drohenden Schaden oder Gewalt von ihnen abzuwenden) Gewalt reduzieren. Er fügt hinzu, dass die Vorstellung „Gewalt erzeugt nur Gegengewalt“ ein pazifistischer Mythos sei. Als Beispiel für diese „erweiterte Selbstverteidigung“ führt er den Einsatz bewaffneter Soldaten durch einige afrikanische Regierungen zum Schutz bedrohter Wildtiere vor Wilderern an. Er stellt fest: „Pazifisten können Wilderer nicht aufhalten, Kugeln hingegen schon. Auch wenn viele Maßnahmen ergriffen werden müssen, um gefährdete Arten zu schützen, sind bewaffnete Soldaten derzeit der beste Schutz, den Nashörner und Elefanten gegen mörderische, waffenschwingende Wilderer haben.“ Best warnt jedoch auch vor einer Romantisierung von Gewalt und betont, dass je nach Situation eine Vielzahl von Taktiken angewendet werden könne. Er bezeichnet dies als kontextualistische Position.
Eine Rechtfertigung für zivilen Ungehorsam legte Best zudem in seinem Essay Beyond Animal Liberation dar.
Im Jahr 2005 plante Best die Teilnahme an einer Demonstration, um die Schließung der Newchurch Farm zu feiern, auf der Meerschweinchen gezüchtet wurden. Die Schließung war das Ergebnis von Protesten der Tierrechtsbewegung. Der Innenminister des Vereinigten Königreiches, Charles Clarke, verweigerte Best die Einreise, gestützt auf Richtlinien des Innenministeriums zur Verhinderung von möglicher Anstiftung zu kriminellen oder terroristischen Aktivitäten. In einem Brief an Best vom 24. August 2005 zitierte Clarke eine Äußerung Bests, die in der Zeitung The Daily Telegraph veröffentlicht worden war: „Wir sind keine Terroristen, aber wir sind eine Bedrohung. Wir sind sowohl wirtschaftlich als auch philosophisch eine Bedrohung. Unsere Macht liegt nicht im Wahlrecht, sondern in der Macht, die Produktion zu stoppen. Wir werden das Gesetz brechen und Eigentum zerstören, bis wir gewinnen.“
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Best, Steven |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Philosoph, Autor, Redner und Aktivist |
| GEBURTSDATUM | Dezember 1955 |