Stiftung Michael

Die Stiftung Michael (vollständige Bezeichnung: Stiftung Michael zur Erforschung und Bekämpfung der Anfallkrankheiten und ihrer individuellen und sozialen Folgen) ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Bonn.

Stiftungsarbeit

Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Forschung nach den Ursachen der Epilepsie und deren Therapie sowie die Förderung von Personen und Institutionen, die diese Forschung betreiben. Darüber hinaus wurden Vereinigungen wie das Epilepsie-Kuratorium und das Informationszentrum Epilepsie (IZE), die von der Stiftung gegründet wurden, betrieben. Das IZE wurde inzwischen in die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) integriert.

Informationsschriften zur Epilepsie

Die Stiftung veröffentlicht Informationsschriften zu verschiedenen Aspekten der Epilepsien, die sich sowohl an Betroffene als auch Beratende und Behandelnde richten.

Derzeit stehen folgende Schriften zur Verfügung:

Förderung der Fort- und Weiterbildung

Michael-Debatte

Die Michael-Debatte (englisch Michael Debate) ist ein wissenschaftlicher Beitrag der Stiftung zu dem alle zwei Jahre stattfindenden Europäischen Epilepsie-Kongress. Dabei diskutiert eine Gruppe von Forschern – überwiegend Empfänger des Michael-Preises – ein aktuelles Thema zunächst untereinander und anschließend mit dem Publikum.

„Praxisseminar für Epilepsie“ in Gargnano am Gardasee, Italien

Seit 1989 veranstaltet die Stiftung jedes Jahr in Gargnano ein zweieinhalb Tage dauerndes Seminar zur medizinischen Weiterbildung in der Epileptologie.

Tagung „Sozialarbeit bei Epilepsie“

Die Stiftung unterstützt diese alle zwei Jahre vom Verein Sozialarbeit bei Epilepsie e. V. veranstaltete Tagung.

Stipendien

Focused-Fellowship-Stipendien

Seit 2014 unterstützt die Stiftung ein „Department to Department Co-Operation Project“ der European Federation of Neurological Sciences (inzwischen: European Academy of Neurology; EAN) orientiertes Fellowship-Programm, das es jungen Ärzten sowie Nachwuchsforschern ermöglicht, für mindestens sechs Wochen an deutschen Zentren zu hospitieren und dabei vorher definierte Methoden oder Techniken zu erlernen oder an Forschungsprojekten teilzunehmen. Vorerst werden dabei Bewerbungen aus europäischen Ländern bevorzugt.

VIREPA-Stipendien

Die Stiftung stellt Mittel zur Verfügung, um einer begrenzten Zahl von vor allem jüngeren Teilnehmern aus Deutschland und aus anderen europäischen Ländern die Teilnahme an VIREPA-Fernstudien (= Virtual Epilepsy Academy der Internationalen Liga gegen Epilepsie; ILAE) zu ermöglichen, falls sie die vollen Kursgebühren nicht aufbringen können.

Gargnano-Stipendien

Die Stiftung vergibt seit 2014 bis zu fünf Stipendien an Ärzte bis zu einem Alter von 32 Jahren für die Teilnahme an den Praxisseminaren in Gargnano. Stipendiaten wird die Teilnahmegebühr erlassen und sie erhalten freie Unterkunft und Verpflegung in der Villa Feltrinelli.

Stipendien für die Weiterbildung zur Epilepsie-Fachassistenz/-Fachberatung

Seit einigen Jahren vergibt die Stiftung für die Weiterbildung „Epilepsie-Fachassistenz“ und „Epilepsie-Fachberatung“, die vom Institut Bildung und Beratung im Epilepsiezentrum Bethel in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie entwickelt wurde und an der Abteilung Bildung und Beratung des Epilepsiezentrums Bethel durchgeführt wird. Diese Förderungsmöglichkeit richtet sich an Fachkräfte im Sozial- und Gesundheitswesen aus den Tätigkeitsbereichen Pflege, Funktionsdienste, therapeutische Dienste, Facharztpraxis, Pädagogik, Sozialarbeit und Psychologie.

Preise

Michael-Preis

Seit 1963 werden wichtige, anfänglich deutschsprachige und inzwischen internationale wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Epilepsie durch die Stiftung mit dem Michael-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird alle zwei Jahre auf dem Internationalen Epilepsiekongress verliehen. Die bisherigen Preisträger sind:

Sibylle-Ried-Preis

Seit 2001 verleiht die Stiftung alle zwei Jahre den nach der früh verstorbenen deutschen Neurologin, Psychiaterin und Epileptologin Sibylle Ried (1956–2000) benannten Sibylle-Ried-Preis, mit dem Personen und Organisationen im deutschsprachigen Raum geehrt werden, die in Arbeitsfeldern auf dem Gebiet der Epilepsie tätig sind. Der Preis wird alle zwei Jahre auf der gemeinsamen Jahrestagung der deutschsprachigen Fachgesellschaften für Epilepsie (Deutsche Gesellschaft für Epileptologie, Österreichische Gesellschaft für Epileptologie, Schweizerische Epilepsie-Liga) verliehen. Die bisherigen Preisträger sind:

Geschichte

Gründer war der Publizist und Verleger Fritz Harzendorf (1888–1964). Sein Sohn Michael, der seit seiner Kindheit unter starken epileptischen Anfällen litt, kam im Alter von 15 Jahren in die Behandlung von Dieter Janz in das Universitätsklinikum Heidelberg. Nach einer erfolgreichen Therapie, mit der die Anfälle behandelt wurden, plante Fritz Harzendorf die Einrichtung einer Epilepsie-Stiftung. Mit der Unterstützung und Beratung durch Janz wurde am 11. Juli 1962 die Stiftung Michael gegründet und nach Harzendorfs Sohn benannt. Dieter Janz begleitete die Arbeit der Stiftung von Beginn an und war seit 1962 im Stiftungsrat tätig.

Stiftungsvorstand und Stiftungsrat

Stiftungsvorstand ist Heinz Bühler (Ehemann der Tochter Agatha von Fritz Harzendorf), Vorsitzende des Stiftungsrates ist Bettina Schmitz (Berlin).

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Günter Krämer: Das große TRIAS-Handbuch Epilepsie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8304-3129-5, S. 402 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. ↑ Bernhard Stier, Nicolaus Weissenrieder: Jugendmedizin – Gesundheit und Gesellschaft. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-21483-6, S. 184 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. ↑ Der Michael-Preis. Stiftung Michael, abgerufen am 21. August 2017.
  4. ↑ Sibylle-Ried-Preis. In: epiKurier. Ausgabe 4, 2006 (epikurier.de [abgerufen am 21. August 2017]).
  5. ↑ stiftungmichael.de
  6. ↑ 50 Jahre Geschichte in kurzen Stichpunkten. Stiftung Michael, abgerufen am 21. August 2017.
  7. ↑ Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1933–1986. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-88835-2, S. 306 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).