
Susanna Ridler ist eine österreichische Komponistin, Vokalistin und Produzentin. Sie komponiert für Film, Theater und Hörspiel sowie für Ensemble- und Literaturprojekte. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen zeitgenössischer Musik, Elektronik, Jazz, Improvisation und Literaturvertonung. Bekannt wurde sie zunächst mit ihrem Musikprojekt [koe:r]. Zu ihren Werken zählen Kompositionen für Film, Theater, Ensembles und Stimme sowie Literaturvertonungen, insbesondere nach Texten des österreichischen Schriftstellers Gert Jonke.
Ridler studierte zunächst Schauspiel in Wien und arbeitete anschließend mehrere Jahre am Theater, unter anderem mit dem Aktionstheater Ensemble. Danach absolvierte sie Musik – und Gesangstudien in Maastricht, Amsterdam und Los Angeles. Während ihrer Ausbildung am Musicians Institute in Hollywood wurde sie 1998 als Outstanding Student of the Year ausgezeichnet.
Ebenfalls 1998 gründete sie in Los Angeles das A-cappella-Trio treasure, mit dem sie erste eigene Kompositionen realisierte. Das Ensemble erreichte beim kalifornischen A-cappella-Wettbewerb Harmony Sweepstakes den zweiten Platz.
Nach ihrer Rückkehr nach Wien begann Ridler, elektronische Klanggestaltung verstärkt in ihre kompositorische Arbeit einzubeziehen. Zunächst entstanden Kompositionen für Theater und Hörspiel sowie Produktionen im Spannungsfeld von Elektronik, Jazz und Improvisation. 2004 gründete sie das Musikprojekt [koe:r], das den Ausgangspunkt ihrer weiteren künstlerischen Entwicklung bildete.
2004 gründete Ridler das Musikprojekt [koe:r], unter dem sie ihre elektronischen und jazzorientierten Arbeiten veröffentlicht. Mit [koe:r] verband sie Jazz, Elektronik, Improvisation und Art Pop zu einer eigenständigen musikalischen Ausdrucksform.
2008 erschien auf ihrem Label Electroland Records Vienna das Debütalbum [koe:r], an dem Peter Herbert, Wolfgang Puschnig, Thomas Gansch, Rainer Deixler und Helmut Jasbar mitwirkten. Die darauf enthaltene Interpretation von Antônio Carlos Jobims „Corcovado“ wurde auf der Stereo-Deluxe-Compilation „Brazilution – Winter Edition“ wiederveröffentlicht. 2009 folgte eine Remix-EP mit Beiträgen von I-Wolf, Lowa (feat. Uwe Walkner), Brenda und Conny Dix. 2010 war Ridler als Sängerin und Co-Autorin an dem Titel „kiss her in the stomach“ auf dem Album „Seven Echoes“ von Kava & Christopher Chaplin beteiligt.
2012 erschien das zweite [koe:r]-Album „Susystems“ mit Peter Herbert, Wolfgang Puschnig, Florian Kmet, Alexander Lackner und Gerald Preinfalk. Das Rolling Stone Magazin schrieb über das Album: „Susystems führt schnurstracks ins Reich der Geniestreiche.“ Es folgten Konzertauftritte unter anderem bei Grazjazznacht, Jazz & the City, Women in Jazz im Brucknerhaus Linz sowie im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins.
Seit August 2024 veröffentlicht Ridler das Repertoire von [koe:r] auf ihrem Label Electroland Records Vienna sukzessive in neuen digitalen Editionen. 2026 erschienen mit „Greatest Little Hits I“ und „Greatest Little Hits II“ die Eigenkompositionen der ersten beiden Alben in überarbeiteter Form. „Greatest Little Hits I“ ergänzt die Eigenkompositionen des Debütalbums um zwei bislang unveröffentlichte Stücke aus der Produktionsphase von 2007, die für die digitale Edition fertiggestellt und erstmals veröffentlicht wurden.
Die Auseinandersetzung mit dem literarischen Werk des österreichischen Schriftstellers Gert Jonke bildet einen Schwerpunkt ihres kompositorischen Schaffens. Den Ausgangspunkt bildete die Auftragskomposition „Geometrie der Seele oder ich seh den See nicht mehr“ für den Carinthischen Sommer (2014), nach Gedichten sowie Auszügen aus dem „Geometrischen Heimatroman“.
Ab 2016 erhielt Ridler von der Gert-Jonke-Gesellschaft Zugang zu unveröffentlichten Texten und Tonaufnahmen des Autors. Daraus entstanden Kompositionen für Solostimme, Kammerensemble und Jazztrio sowie die umfangreiche Literaturvertonung „Geometrie der Seele – Musikalische Hommage an den Dichter Gert Jonke (1946–2009)“, die 2021 veröffentlicht und für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert wurde. Das gleichnamige Trio „Geometrie der Seele“ mit Peter Herbert und Wolfgang Puschnig präsentierte das Werk seit seiner Uraufführung 2017 in zahlreichen Konzerten.
Das ursprünglich ausschließlich auf Tonträger veröffentlichte Werk wurde zwischen Dezember 2024 und Februar 2026 in einer dreiteiligen digitalen Edition erstmals vollständig digital zugänglich gemacht. Die Edition umfasst die Veröffentlichungen „Chlorophyllklang“, „Der Sprachkomponist“ und „Radio Jonke“. Die beiden letzten Teile erschienen jeweils am 8. Februar, dem Geburtstag von Gert Jonke.
Parallel zu ihren eigenen Projekten entstand eine Vielzahl von Auftragskompositionen für Theater, Hörspiel, Film, Ensembles und Festivals. Bereits 2002 produzierte Ridler für Universal Music Austria einen Remix von George Gershwins „Summertime“. Es folgten Kompositionen für Theaterproduktionen, Hörspiele des ORF sowie Auftragswerke für Festivals und Ensembles. Dazu zählen Arbeiten für das Outreach Festival, den Carinthischen Sommer, das ensemble XXI. jahrhundert, die Gert-Jonke-Gesellschaft, Ensemble Zykan+, MUSICA FEMINA, das Vlaams-Nederlands Huis deBuren und das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti.
2025 vertonte sie im Auftrag des Festivals Retz Helena Adlers Antiheimatroman „FRETTEN“. Das Projekt führte zur Gründung des Ensembles VoCe Plus und zur Entwicklung einer neuen Klangsprache. Im selben Jahr komponierte sie die Filmmusik zum Dokumentarfilm „sich langsam nähern“ der Regisseurin Maria Arlamovsky.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ridler, Susanna |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Vokalistin und Komponistin |
| GEBURTSDATUM | 20. Jahrhundert |