Tanbur

Tembûr zur Liedbegleitung in der kurdischen Volksmusik und heiliges Instrument bei den Ahl-e Haqq

Tanbur oder Tambur (arabisch und persisch طنبور, DMG ṭanbūr, seit einiger Zeit auch persisch تنبور, DMG tanbūr, auch tambūr) sind im Orient weit verbreitete gezupfte Langhalslauten mit Bünden und zwei bis fünf Saiten, wobei die höchste Saite verdoppelt sein kann.

Wortumfeld

Der arabischsprachige Gelehrte al-Fārābī (um 872–950) beschreibt in seiner musikwissenschaftlichen Abhandlung Kitāb al-Mūsīqā al-kabīr („Das große Buch der Musik“) ausführlich die ṭunbūr al baghdādī („Laute aus Baghdad“, auch ṭunbūr al mizānī), die er offenbar für ein vorislamisches Musikinstrument hielt. Vom Wort tanbūr sind die Namen vieler Langhalslauten abgeleitet: vom Balkan (tambura) über die Türkei (türkisch tanbur, tambur, kurdisch tembûr), Iran bis Zentralasien (dombra), Afghanistan (dambura) und zu der von der Form deutlich verschiedenen indischen tanpura und der tandura.

Im Osmanischen Reich wurden im 18. und 19. Jahrhundert in den Städten eine Reihe von Langhalslauten unterschieden. Der französische Musikwissenschaftler Guillaume André Villoteau (1759–1839) erfuhr in Kairo die Namen ṭanbūr sharqī („östliche tanbur“), ṭanbūr kabīr turkī („große türkische tanbur“), ṭanbūr buzurk (persisch, „große tanbur“), ṭanbūr bulghārī („bulgarische tanbur“) und ṭanbūr baghlama (türkisch, saz).

Der Resonanzkörper der heutigen Instrumente ist aus Holzspänen verleimt. Sie sind mit den persischen Langhalslauten setar und dotar verwandt. Eine Leier am Roten Meer heißt tanbura.

Tanbur ist durch Lautveränderung aus dem alten Wort pandur entstanden, von dem wiederum die europäische Laute Pandora, die georgische panduri und die tschetschenische pondur ihren Namen haben. Die tamur in Dagestan ist auch als pandur bekannt.

Verbreitung und Spielweise

Die tanbūr wird häufig in Verbindung mit der Rahmentrommel daf gespielt, in der tadschikischen Musik mit der Rahmentrommel daira.

In der türkischen Kunstmusik ist die tanbur eines der vier Hauptinstrumente. Die türkische tanbur wird solistisch oder nach osmanischer Tradition in einem Ensemble mit höfischen fasıl-Kompositionen eingesetzt. Der Musikwissenschaftler Dimitrie Cantemir (1673–1723), Verfasser des Kitâb-ı İlmü'l-Mûsikî Alâ Vechi'l-Hurûfat (um 1700) beschrieb die Kunstmusik seiner Zeit und war selbst ein tanbur-Spieler. Wie Cantemir und Evliya Çelebi (1611 – nach 1683) berichten, gab es im 17. Jahrhundert in Konstantinopel auch einige nichtmuslimische tanbur-Spieler. Abgegrenzt wurde die in der osmanischen Zeit in der höfischen Musik von Konstantinopel gespielte tanbur von der überwiegend zur Volksmusik gehörenden Langhalslaute lavta. Der Name des griechischen Musikers Tanburi Isak († 1814) ist bis heute bekannt, weil er das Repertoire des Instruments beträchtlich erweiterte. Der führende türkische tanbur-Spieler in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Necdet Yaşar (1930–2017).

Sufis im Westen Irans und anderen kurdischen Siedlungsgebieten verwenden das Instrument in der religiösen Anrufung (Dhikr). Im Irak kommen Langhalslauten nicht in den arabischen Siedlungsgebieten, sondern nur im Norden vor, wo sie von Turkmenen (als saz bezeichnet) und Kurden (tanbūr) gespielt werden. In Syrien und Libanon wird die Langhalslaute buzuq genannt.

Um 1874 führte ein usbekischer Komponist eine Notenschrift für die tanbūr ein, mit der die in seiner Region Choresmien gespielten Maqam-Melodien und Rhythmen erstmals schriftlich festgehalten werden konnten.

Literatur

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. ↑ Deren Namen leiten sich von persisch طنبور سه تاره, DMG ṭanbūr-e seh-tāre, „dreisaitige tanbur“, bzw. persisch طنبور دوتاره, DMG ṭanbūr-e do-tāre, „zweisaitige tanbur“, ab.
  2. ↑ Walter Feldman: Music of the Ottoman Court: Makam, Composition and the Early Ottoman Instrumental Repertoire. (Handbook of Oriental Studies, Abt. 1: The Near and Middle East, Band 177) Brill, Leiden/Boston 2024, S. 40, 45
  3. ↑ Scheherazade Qassim Hassan: The Long Necked Lute in Iraq. In: Asian Music, Bd. 13, Nr. 2, 1982, S. 1–18, hier S. 1f
  4. ↑ Alexander Djumaev: Zentralasien. 1. Die tadschikisch-usbekische Kunstmusik. a. Musiktheoretische Wurzeln. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. (MGG) Band 9, Bärenreiter, Kassel 1998, Sp. 2366f