Konverb

Mit dem Begriff Konverb (engl. converb) bezeichnet man in der Sprachwissenschaft spezialisierte adverbiale Verbformen, die jedoch im Unterschied zu den indogermanischen Gerundien und Adverbialpartizipien nicht aus Partizipien abgeleitet sind, sondern ein eigenes morphologisches System etabliert haben. Außerdem beschränken sie sich in ihrem Funktionsinventar nicht auf temporale Nebensätze, sondern drücken auch andere adverbiale Hypotaxen aus.

Beispiel aus dem Türkischen:

Sie sind nicht finit und fungieren außerdem weder als Ergänzung des finiten Hauptverbs (sind also keine Verbalnomen) noch als nähere Bestimmung eines Nomens (sind also keine Attribute).

Wie aus dem Beispiel ersichtlich, können Konverben in der deutschen Übersetzung häufig durch freie Partizipien („lachend“) wiedergegeben werden. (Anders als beim deutschen Partizip handelt es sich bei Konverben aber eben um ausschließlich adverbiale Verbformen, die nicht attributiv verwendet werden).

Herkunft des Begriffs

Der Begriff Konverb entstammt der Altaistik und wurde zuerst von Ramstedt (1903) verwendet (Haspelmath 1995). Der Terminus medial verb hingegen stammt aus der Beschreibung asiatischer Sprachen, in welchen wegen der typischen SOV-Stellung das Konverb immer in mittlerer Position steht.

Weitere Begriffe

Weitere Begriffe für Arten von Konverben sind Gerund(ium), medial verb, adverbial participle, absolute construction (für romanische Sprachen), gérondif (für das Französische), conjunctive/absolutive participle (für südasiatische Sprachen) und деепричастие/deepričastie (für das Russische und Sprachen des Kaukasus, Nord- und Zentralasiens).

Syntax der Konverben

Konverben sind in der Regel einem Hauptverb untergeordnet (ähnlich einem Nebensatz). Vor allem Gerundien, aber auch Partizipien kann man hierzu rechnen. Typischerweise werden sie durch Suffixe gekennzeichnet (wie z. B. -erek in dem obigen Beispiel). In bestimmten Sprachen können Konverben aber auch weder beigeordnet noch untergeordnet sein (s. Kosubordination). Konverben können insbesondere zum Zwecke der Satzverknüpfung (engl. clause chaining/clause linking) verwendet werden, wobei eine ganze Reihe solcher Verbformen hintereinander auftritt und durch ein finites Hauptverb abgeschlossen wird.

Eine weitere Eigenschaft der Konverben ist, dass sie häufig mit dem Hauptverb eine feste Verbindung (Hilfsverbverbindung) eingehen und so von dem untergeordneten Verb regelmäßig grammatikalisierte semantische Ableitungen, wie z. B. Aktionsarten bilden.

Beispiel aus dem Türkischen:

Sprachen mit Konverben

Außer im Türkeitürkischen finden sich weitere Beispiele für Konverben

In gewisser Weise sind Konverben bzw. periphrastische Strukturen dieser Art auch in romanischen (s. Gerundien), indoiranischen (z. B. Sanskrit und Hindi) und slawischen Sprachen (s. Adverbialpartizipien) sowie in vielen anderen Sprachen der Welt, hauptsächlich jedoch in Sprachen mit der Grundwortstellung Subjekt-Objekt-Verb (SOV) zu finden.

Türkisch

Im Türkeitürkischen werden folgende Verbaladverbien (ulaç) auch als Gerundien bezeichnet:

SuffixFormmögliche Übersetzung
-(y)arak, -(y)erekbağırarakschreiend
-(y)a, -(y)ediyesagenderweise
-(y)a ... -(y)a, -(y)e ... -(y)eağlaya ağlaya
diye diye
ständig weinend
sagend
-alı, -eligeleliseit gekommen ist
-incebitincesobald beendet ist
-ip, -ıp, -up, -üpgidipgegangen sein und…
ikenyemekte iken
(= yemekteyken)
beim Essen
-madan, -medenyemedenohne zu essen

Beispielsätze:

Mongolisch

Das Chalcha-Mongolische verfügt über folgende Konverben:

SuffixBeispielformBedeutung
-ж/-чхийжund (simultane Handlung)
-ннээнgleich darauf
-аад, -ээд, -оод, -өөд, -иад, -гаадбосоодund dann
-вал, -вэл, -вол, -вөл,
-бал, -бэл, -бол, -бөл
тасарвалwenn
-ваас, -баасwenn (altertüml.)
-вчявавчobwohl
-магц, -мэгц, -могц, -мөгцхашгирмагцsobald
-х(л)аар, -х(л)ээр, -х(л)оор, -х(л)өөргарахлаарgenau dann wenn
-хаар, -хээр, -хоор, -хөөравахаарum zu
-тал, -тэл, -тол, -төлдуусталbis
-саар, -сээр, -соор, -сөөрявсаар-erweise
-(нг)уут, -(нг)үүтхаангуутsobald
-нгаа, -нгээ, -нгоо, -нгөөявангааbei der Gelegenheit
-маажин, -мээжин, -моожин, -мөөжинсурмаажинnur wenn

Beispielsätze:

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Algimantas Urbanavičius: Gerbkime žodį! (online (Memento vom 22. Juli 2011 im Internet Archive)).
  2. ↑ Margarete I. Ersen-Rasch: Türkische Grammatik. Hueber Verlag, Ismaning 2001, ISBN 3-19-005185-2.
  3. ↑ Rita Kullmann/D. Tserenpil, Mongolian Grammar, Ulaanbaatar (Jensco), 1996, S. 156ff.