Das Telekolleg ist ein Angebot der Erwachsenenbildung, das in mehreren deutschen Ländern seit 1967 den Erwerb der mittleren Reife oder der Fachhochschulreife ermöglicht. Träger und federführend für dieses Bildungsangebot sind der Bayerische Rundfunk (BR) und die Bildungs- und Kultusministerien von Bayern und Brandenburg. Es handelt sich dabei um ein berufsbegleitendes Bildungssystem, bestehend aus Fernsehsendungen, schriftlichem Studienmaterial und regelmäßigen Unterrichtsveranstaltungen, ausgerichtet auf junge Erwachsene, die sich durch die Kombination aus Selbststudium und Präsenzunterricht höher qualifizieren können.
Das Telekolleg I wurde am 2. Januar 1967 zunächst nur in Bayern im Rahmen des BR-„Studienprogramms“ gestartet und bot die Möglichkeit, die mittlere Reife zu erwerben. Es umfasste anfangs insgesamt 455 Fernsehsendungen; Grundfächer waren Deutsch, Englisch, Geschichte, Mathematik und Physik; Zusatzfächer: Biologie, Technisches Zeichnen, Wirtschaftsgeographie, Volks- und Betriebswirtschaft, Elektrotechnik, Sozialkunde, Chemie, Technische Chemie und Betriebliches Rechnungswesen. Ab 1969 beteiligten sich auch die Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland (mit S3), ab 1976 Nordrhein-Westfalen (mit WDF). Aufgrund nachlassender Nachfrage wurde das Telekolleg I 1984 eingestellt. Bis dahin hatten rund 22.000 Personen über das Telekolleg die mittlere Reife erworben.
1972 begann das Telekolleg II, das in den Ländern Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland in zwei Jahren zur Fachhochschulreife führte, anfangs ergänzt durch das Telekolleg für Erzieher mit dem Abschluss des staatlich anerkannten Erziehers in Bayern. Das Telekolleg II umfasste in der Anfangsphase 325 Fernsehsendungen, wovon 169 vom BR, 104 vom SWF und 52 vom WDR produziert wurden; der Schwerpunkt des Telekollegs für Erzieher lag im Hörfunk. Zunächst gab es nur zwei Lehrgänge (1972/74 und 1974/76); der erste Lehrgang hatte insgesamt über 2.000 Absolventen (ca. 1.500 im Telekolleg II Südwest, 443 im bayerischen Telekolleg II und 556 Erzieher). Ab der Neuaufnahme des Telekollegs II 1980 beteiligte sich auch Nordrhein-Westfalen (zuvor nur Ausstrahlung einzelner Teile im Schulfernsehen) und ab 1992 Brandenburg. Um die Jahrtausendwende verließen Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und das Saarland den Verbund, 2014 auch Rheinland-Pfalz.
Am 18. September 1981 beschloss die Kultusministerkonferenz, dass die Abschlüsse des Telekollegs bundesweit anerkannt werden. Anfangs verband die Politik mit dem Telekolleg das Ziel, mehr Bildung für die ländliche Bevölkerung zu bieten. Auch Hausfrauen waren eine Zielgruppe. Alternativ zu einer abgeschlossenen Berufsausbildung als Voraussetzung für die Teilnahme wird bis heute auch zum Telekolleg zugelassen, wer vier Jahre einen Familienhaushalt geführt hat.
2002 wurde das Telekolleg II abgelöst durch das Telekolleg MultiMedial, das nach dem Ausscheiden von Rheinland-Pfalz 2014 von den Kultusministerien von Bayern und Brandenburg zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk veranstaltet wird und in etwas mehr als 16 Monaten zur Fachhochschulreife bzw. in Bayern in 6 Monaten auch zur mittleren Reife ausbildet.
Bis zu seinem 40. Jubiläum Anfang 2007 hatte das Telekolleg insgesamt ca. 150.000 Teilnehmer, von denen ca. 60.000 die mittlere oder die Fachhochschulreife erworben haben; zehn Jahre später waren es mehr als 65.000 Absolventen.
Ein Lehrgang geht über vier Trimester und dauert einschließlich der Abschlussprüfungen 20 Monate und mit dem empfohlenen Vorkurs 24 Monate. Möglich ist auch das sogenannte Splitting, dabei wird die Fachhochschulreife nach zwei Lehrgängen erworben. Voraussetzung für die Teilnahme ist unter anderem eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mindestens vierjährige einschlägige Berufstätigkeit. Das selbstständige Führen eines Familienhaushaltes wird ebenfalls anerkannt.
Das Telekolleg wird abhängig von der ausgeübten beruflichen Tätigkeit in den Fachrichtungen Technik, Wirtschaft und Sozialwesen angeboten. Auch die Teilnahme an einzelnen Fächern zur Weiterbildung ist möglich. Die Vermittlung der Lerninhalte erfolgt über Lehrbücher (ursprünglich der TR-Verlagsunion), begleitende Fernsehsendungen, Webseiten und Kollegtage, die üblicherweise an 56 Samstagvormittagen in zwei Jahren (incl. Vorkurs) stattfinden.
Der Vorkurs beinhaltet die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch. Interessenten am Lehrgang „Mittlere Reife“ in Bayern müssen diesen Vorkurs absolvieren. Eine Einzelbelegung ausschließlich des Vorkurses ist nicht möglich. Den Vorkurs gibt es nur in Kombination mit der Fachhochschulreife und Mittleren Reife. Siehe auch den unteren Abschnitt Grundkurse.
Lagen die Kosten anfangs im Jahre 1967 noch bei 25 DM (entspricht heute ungefähr 59 EUR), liegen sie 2024 für die Lehrwerke zur mittleren Reife bei etwa 170 Euro, für die Lehrwerke zur Fachhochschulreife bei etwa 350 Euro (Anmelde- oder Lehrgangsgebühren werden nicht erhoben).
Die Telekollegsendungen werden in ARD alpha, dem Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks, ausgestrahlt. Im November 2024 startete der 23. Lehrgang des Telekollegs. Die Lehrgänge werden online begleitet.
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Zeitraum 2022–2024
Siehe auch Kategorie:Sprachkurs (Fernsehen)
Für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch gibt es einen jeweils 15-teiligen Grundkurs. Diese insgesamt 45 Sendungen entsprechen dem oben erwähnten Telekolleg-Vorkurs. Eine Sendung dauert jeweils etwa 30 Minuten.
Die einzelnen Folgen: