Terre humaine

Terre humaine (Menschliche Erde) ist eine französische Buchreihe im Verlag Plon, die 1954 von ihrem Herausgeber Jean Malaurie begründet wurde. Wie bereits aus ihrem Untertitel Collection d'études et de témoignages hervorgeht, ist sie eine Sammlung von Studien und Augenzeugenberichten aus verschiedenen Kulturen und Gesellschaften. In der Reihe sind bisher (Stand Ende 2022) ungefähr hundert Titel erschienen, darunter einige als Klassiker geltende Werke.

Jean Malaurie (1922–2024), Gründer und Herausgeber von Terre humaine (Aufnahme 2013)
Die letzten Könige von Thule von Jean Malaurie, der erste Band der Reihe (5. A.)
Titelseite der französischen Ausgabe von Traurige Tropen von Claude Lévi-Strauss von der Französischen Akademie
Der Fall des Himmels von Davi Kopenawa und Bruce Albert
Die Unvordenklichen von Victor Segalen

Die von Jean Malaurie vorgeschlagene Sammlung wurde 1955 mit seinem Buch Les derniers rois de Thulé (Die letzten Könige von Thule) über die Inuit eröffnet. Diesem sollten durchschnittlich etwa zwei Bücher pro Jahr folgen. Zum fünfzigsten Jahrestag der Veröffentlichung des ersten Bandes organisierte die Französische Nationalbibliothek (BNF) im Jahr 2005 eine Ausstellung: Terre humaine. Louons maintenant les grands hommes (Menschliche Erde. Laßt uns nun preisen die großen Männer) und eine Konferenz. Zu diesem Anlass wurden gleich mehrere Bücher veröffentlicht. Der französische Präsident Jacques Chirac beglückwünschte bei der Eröffnung dieser Veranstaltung den Gründer für dieses „hervorragende und aufregende editoriale Abenteuer“.

Jean Malaurie wollte den Minderheiten das Wort erteilen, den populations de culture orale, dont la parole est confisquée (den Bevölkerungsgruppen der mündlichen Kultur, denen das Wort genommen wurde), um der Erzählung in der ersten Person Platz zu machen und Texte sans souci de classe, de discipline et de clocher (ohne Rücksicht auf Schule, Disziplin und Lokalpatriotismus) willkommen zu heißen:

„J’ai voulu casser la barrière entre ceux qui savent et les autres, rendre le bonheur de comprendre accessible à tous. Et rétablir cette part de sensibilité première, cette vérité du « je » et de l’intime si méprisée de nos savants au nom de l’objectivité scientifique (…) Je ne veux pas que l’Histoire soit une addition de ghettos, mais de rencontres. / dt. Ich wollte die Barriere zwischen den Wissenden und den anderen durchbrechen, um das Glück des Verstehens für alle zugänglich zu machen. Und um diesen Teil der ersten Sensibilität wiederherzustellen, diese Wahrheit des "Ichs" und des Intimen, das unsere Wissenschaftler im Namen der wissenschaftlichen Objektivität verachtet haben (...), möchte ich nicht, dass die Geschichte eine Aneinanderreihung von Ghettos ist, sondern eine von Begegnungen.“

In diesem Sinne öffnete er seine Sammlung für Werke von Forschern und Ethnologen, für Zeugnisse von Bauern und Arbeitern, für Werke der mündlichen Überlieferung, für wenig bekannte Texte großer Autoren wie Zola, Ramuz oder Segalen, für Bücher des Kampfes oder der Empörung.

Die Reihe enthält viele Übersetzungen aus anderen Sprachen. Viele Bände der Reihe wurden in andere Sprachen übersetzt.

Bandübersicht

1955–1959

1960–1969

1970–1979

1980–1989

1990–1999

2000–2009

2010–2019

2020–

Siehe auch

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. ↑ Mit vollem Reihentitel: Terre humaine : civilisations et sociétés : collection d'études et de témoignages.
  2. ↑ Also solche können angesehen werden: Traurige Tropen von Claude Lévi-Strauss, Die letzten Könige von Thule von ihm selbst und Das Pferd des Stolzes von Pierre Jakez Hélias, außerdem L'été grec von Jacques Lacarrière und Toinou von Antoine Sylvère, ferner Les Poilus von Pierre Miquel und Les Naufragés von Patrick Declerck. Auch Der Fall des Himmels mit Texten eines Yanomami-Schamanen erschien in der Reihe.
  3. ↑ Les derniers Rois de Thulé, Librairie Plon, Paris 1955 (deutsche Ausgabe: Die letzten Könige von Thule, VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1957)
  4. ↑ Terre humaine, 50 ans d'une collection. Entretien avec Jean Malaurie, Éd. de la BnF, 2005, 135 p.; Terre humaine, 50 ans d'une collection. Hommages, Éd. de la BnF, 2005, 211 p.; Terre humaine, une anthologie, présentée par Pierre Chalmin, Éd. Pocket, 2005, 538 p.
  5. ↑ Biografie bei ARTE (16-11-05) aus dem Webarchiv abgerufen am 7. Dezember 2018 (dort nach: Jean Malaurie, Abenteurer einer menschlichen Erde, in Label France, das Magazin)
  6. ↑ franceinter.fr; vgl. jean-malaurie.com
  7. ↑ Die Zitate stammen aus Aussagen, die von Irène Berelowitch gesammelt wurden: BERELOWITCH, Irène, « Entretien avec Claude Lévi-Strauss », Télérama, n° 2275, 18 août 1993, p. 40-41. - zitiert nach: Olivier Sécardin, « Tristes tropiques ou l’adieu au voyage ? », Multilinguales [En ligne], 8 | 2017, mis en ligne le 01 juin 2017, consulté le 07 décembre 2018. URL : http://journals.openedition.org/multilinguales/452 ; DOI : 10.4000/multilinguales.452. - Vgl. Olivier Sécardin: Tristes tropiques ou l’adieu au voyage ? Tristes Tropiques, or a farewell to travelling
  8. ↑ Buchhandelslink

Literatur