Theodor Thon

Theodor Thon – Porträtzeichnung, etwa 1830

Theodor Thon (* 14. Mai 1792 in Eisenach; † 17. November 1838 in Jena) war ein deutscher Naturforscher, Schriftsteller und Erfinder eines Stenografie-Systems.

Leben

Theodor Thon war ein Sohn des Wirklichen Rats Heinrich Christoph Thon (1756–1835) sowie ein Neffe von Christian August Thon. Er studierte nach dem Abitur am Eisenacher Gymnasium ab 1809 an der Universität Jena Naturwissenschaften. Besonders widmete er sich der Mineralogie. 1810 wurde er Mitglied des Corps Saxonia Jena. Vorübergehend Gutsverwalter, wurde er am 10. Oktober 1811 in Jena zum Dr. phil. promoviert. Wenig später wurde ihm erlaubt, ohne Habilitation als Privatdozent der Naturgeschichte in Jena zu wirken. Er gab die Stelle im Herbst 1813 auf und kehrte nach Eisenach zurück. Er übernahm dort verschiedene private Verwaltungsämter. 1816 wurde er als Registrator bei der Großherzoglichen Landesdirektion in Eisenach angestellt. Von dieser Tätigkeit unbefriedigt, bat er Anfang 1821 um seine Entlassung und zog nach Weimar, um im Landes-Industrie-Comptoir naturwissenschaftliche Werke zu bearbeiten. Er vervollkommnete sich nebenbei im Zeichnen und erlernte auch die Kupferstechkunst.

Der alte Wunsch nach einem Lehrstuhl an der Landesuniversität trieb ihn 1824 wieder nach Jena. Durch seine naturwissenschaftlichen und technischen Bücher inzwischen bekannt geworden, erhielt er im Juni 1827 die fürstliche Erlaubnis, ohne weitere Förmlichkeiten wieder naturwissenschaftliche Privatvorlesungen an der Universität zu halten. Ihre Themen waren außerordentlich vielfältig: Naturgeschichte, Sammlung naturwissenschaftlicher Körper, Mineralogie, Zoologie, Entomologie, Architektur, Technologie, Kupferstechkunst und Stenografie. Die Ernennung zum a.o. Professor 1834 besserte Thons materielle Lage nur wenig. Nach wie vor war er auf schriftstellerische Arbeiten angewiesen. Bedeutsam wurde die um 1824 angeknüpfte Verbindung mit der Verlagsbuchhandlung von Bernhard Friedrich Voigt.

Thon war dreimal verheiratet: 1. 1817 mit Karoline geb. Röhn aus Mosbach bei Ruhla († 1878 in Eisenach), nach einem Jahr geschieden; 2. mit Charlotte Emilie geb. Seifert aus Spremberg († 1834 in Jena); 3. 1835 mit Emilie Mathilde Luitgard Haßkerl (Hahskerl). Sein Sohn Sixt Thon (1817–1901) wurde stellvertretender Zeichenschuldirektor in Weimar; Guido Thon (* 6. Februar 1837; † 7. Oktober 1891) wurde Arzt in Queensland.

Stenografisches Wirken

Thon beschäftigte sich ab 1809 mit Stenografie. Er hatte sich das geometrische Stenografie-System von Carl Gottlieb Horstig (1763–1835) angeeignet und weiterentwickelt. Zusätzlich nutzte er die Verbesserungen in Friedrich Mosengeils Systemversion von 1819. 1825 veröffentlichte Thon einen Abriss dieses von ihm entwickelten Systems in seinem Biometrie-Buch. Er war der Erste, der Stenografie an einer deutschen Universität unterrichtete; von 1827 bis 1833 hielt er Vorlesungen über seine eigene Stenografie an der Universität Jena. Die Einladungsschrift zu seinen Vorlesungen (1827) beschrieb sein Stenografie-System und enthielt etliche Abänderungen gegenüber seiner Systemveröffentlichung von 1825.

1834 würdigte er Franz Xaver Gabelsbergers Anleitung zur deutschen Redezeichenkunst ausführlich. Er entwickelte ein umfangreiches Manuskript, um zwischen der alten geometrischen und der neuen kursiven Richtung der Kurzschrift zu vermitteln; diese Ausarbeitung ist verschollen.

Bibliophiler Kupferstecher

Die meisten Kupfertafeln zu seinen Büchern stach Thon selbst. Er lieferte auch viele Zeichnungen und Kupferstiche zu fremden Werken, z. B. zu Dietrichs Deutschlands Giftpflanzen (1826).

Werke (Auswahl)

In der Belletristik versuchte sich Thon unter dem Pseudonym „Guido Romito“. Er schrieb die Novelle Bertha oder Liebe und die Stimme von Jenseits (Eisenberg 1825) und die Erzählungen Der Meisterschlag und ’s hat eins geschlagen (Leipzig 1836).

Literatur

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Wikisource: Theodor Thon – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ↑ Todesanzeige in Weimarische Zeitung Nr. 94 vom 24. November 1838, Beilage, 3. Seite, Familien-Nachrichten.
  2. ↑ Vgl. Staats-Handbuch des Großherzogthums Sachsen-Weimar-Eisenach für das Jahr 1827, S. 97.
  3. ↑ Eingeschrieben am 20. Oktober 1809 (Matrikel der Universität Jena 1801–1854, S. 43).
  4. ↑ Kösener Korpslisten 1910, 127/91
  5. ↑ Dissertation: Entwurf eines neuen Systems der Mineralien, nebst einer Abhandlung über das Anordnen der Mineralien überhaupt und das Studium der Mineralogie. (ungedruckt; Weigel/Marwinski 2011, S. 344f.)
  6. ↑ Großherzogliches Sachsen-Weimar-Eisenachisches Hof- und Staats-Handbuch, auf das Jahr 1816, S. 73, und auf das Jahr 1819, S. 80.
  7. ↑ Großherzogl. S. Weimar-Eisenachisches Regierungs-Blatt vom 17. August 1821, S. 690.
  8. 1 2 Vgl. Index scholarum Wintersemester 1827/1828, S. 15, und Sommer 1833, S. 16.
  9. ↑ Weimarische Zeitung vom 22. Oktober 1834, Titelseite.
  10. ↑ Weigel/Marwinski 2011, S. 345.
  11. ↑ Beigesetzt am 12. April, „alt 36 Jahr“ (Jenaische Wöchentliche Anzeigen vom 18. April 1834, S. 118).
  12. ↑ Jenaische Wöchentliche Anzeigen vom 20. März 1835, S. 90.
  13. ↑ Karl Faulmann: Geschichte und Litteratur der Stenographie. Wien 1895, S. 70.
  14. ↑ L[aurenz] Schneider, G[eorg] Blauert: Geschichte der deutschen Kurzschrift. Wolfenbüttel 1936, S. 86.
  15. ↑ Schneider/Blauert, S. 88 und S. 336f.; Faulmann, S. 70.
  16. ↑ Friedrich David Dietrich: Deutschlands Giftpflanzen, nach natürlichen Familien aufgestellt, mit Abbildungen. Jena 1826. Digitalisat.
Personendaten
NAME Thon, Theodor
ALTERNATIVNAMEN Guido Romito (Pseudonym)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Naturforscher
GEBURTSDATUM 14. Mai 1792
GEBURTSORT Eisenach
STERBEDATUM 17. November 1838
STERBEORT Jena