Thiomorpholin

Strukturformel
Strukturformel von Thiomorpholin
Allgemeines
Name Thiomorpholin
Andere Namen
  • Thiamorpholin
  • 1,4-Thiazinan
  • Tetrahydro-2H-1,4-thiazin
Summenformel C4H9NS
Kurzbeschreibung

farblose bis gelbliche Flüssigkeit

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 204-660-2
ECHA-InfoCard 100.004.238
PubChem 67164
ChemSpider 60509
Wikidata Q1082882
Eigenschaften
Molare Masse 103,18 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

1,09 g·cm−3

Siedepunkt

169 °C

Löslichkeit
Brechungsindex

1,54 (20 °C)

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 314
P: 501​‐​280​‐​303+361+353​‐​301+330+331​‐​304+340+310​‐​305+351+338+310
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Thiomorpholin ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der gesättigten Heterocyclen.

Gewinnung und Darstellung

Die erste Thiomorpholin-Synthese wurde bereits 1896 beschrieben, wobei die Verbindung durch Reaktion von 1,2-Dibromethan mit Cysteamin gewonnen wurde. Als Ausgangsstoff kann auch Bis(2-chlorethyl)sulfid oder sein Fluoranalogon eingesetzt werden, die mit einer alkoholischer Ammoniaklösung, Aminen oder Aminosäuren Thiomorpholin beziehungsweise N-substituierte Thiomorpholine ergeben. Auch andere Verbindungen, die anstelle der Halogene an der Ausgangsverbindung andere aktive Gruppen enthalten, sind in der Lage, mit Ammoniak oder Aminen zu Thiomorpholin beziehungsweise dessen Derivaten zu reagieren.

Ein weiteres Verfahren zur Herstellung von Thiomorpholin ist die Umsetzung von Bis(2-chlorethyl)sulfid mit Kaliumphthalimid zu 8,8'-Diphthalimidodiethylsulfid, das beim Erhitzen mit konzentrierter Salzsäure Thiomorpholin liefert.

Auch die Reduktion von 3-Oxo- und 3,5-Dioxo-1,4-thiazan mit Lithiumaluminiumhydrid liefert Thiomorpholin.

Ein weiteres Verfahren ist die Umsetzung von Bis(2-chlorethyl)amin-Hydrochlorid beziehungsweise dessen N-substituierten Derivaten mit Natriumsulfid in alkoholischer Lösung, das Thiomorpholin beziehungsweise N-substituierte Thiomorpholine ergibt.

Andere Verfahren zur Herstellung von Thiomorpholin nutzen die thermische Spaltung von N-alkylierten Thiomorpholinen. Dabei werden Salze von N-Alkyl-, N-Cycloalkyl- und N-Aralkylthiomorpholinen als Ausgangsstoffe verwendet, die in Gegenwart eines Lösungsmittels wie Diethylenglykol oder Diphenylether auf Temperaturen über 180 °C erhitzt werden. Bei dieser Reaktion scheiden sich Thiomorpholinsalze ab, aus denen sich die freie Base mit konzentriertem wässrigem Alkalihydroxid freisetzen lässt.

Daneben sind noch weitere Verfahren bekannt.

Eigenschaften

Thiomorpholin ist eine farblose bis gelbliche, klare Flüssigkeit, die mischbar mit Wasser ist.

Verwendung

Thiomorpholin sowie dessen N-Alkyl- und C-Alkyl-Derivate können als Ausgangsstoff für Arzneistoffe, Vulkanisationsbeschleuniger, antikorrosive Schmierstoffadditive, Insektizide, Detergentien, Farb- und Bleichstoffe verwendet werden.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Eintrag zu Thiomorpholin, >98.0% bei TCI Europe, abgerufen am 3. Mai 2026.
  2. ↑ Home Sunshine Pharma: Thiomorpholine CAS 123-90-0, abgerufen am 3. Mai 2026.
  3. 1 2 3 4 5 6 Friedrich Asinger, Alfons Saus: Oxathiine, Dithiine und Thiomorpholine auf Basis billiger Rohstoffe. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2013, ISBN 978-3-663-19740-9, S. 58 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. ↑ Alexander Steiner, Ryan C. Nelson, Doris Dallinger, C. Oliver Kappe: Synthesis of Thiomorpholine via a Telescoped Photochemical Thiol–Ene/Cyclization Sequence in Continuous Flow. In: Organic Process Research & Development. Band 26, Nr. 8, 2022, S. 2532–2539, doi:10.1021/acs.oprd.2c00214, PMID 36032361.
  5. ↑ N. A. Makhaeva, V. A. Potapov: New Aspects of Thiomorpholine Chemistry. In: Russian Journal of Organic Chemistry. Band 61, Nr. 12, 2025, S. 2247–2258, doi:10.1134/S1070428025605540.
  6. ↑ Vishnu Ji Ram, Arun Sethi, Mahendra Nath, Ramendra Pratap: The Chemistry of Heterocycles. Elsevier, 2019, ISBN 978-0-12-819211-5, S. 328 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. ↑ F. Asinger, H. Offermanns, D. Neuray, P. Müller: Synthese von Thiomorpholin und 2-monoalkylierten Thiomorpholinen via 5,6-Dihydro-1,4-thiazine. In: Monatshefte für Chemie / Chemical Monthly. Band 101, Nr. 5, 1970, S. 1295–1308, doi:10.1007/BF00911395.
  1. ↑ Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Thiomorpholinhydrochlorid: CAS-Nr.: 5967-90-8, EG-Nr.: 227-757-1, ECHA-InfoCard: 100.025.234, PubChem: 3014410, ChemSpider: 2282856, Wikidata: Q72508767.