Thomas Gaevert machte nach der Schulentlassung von 1981 bis 1983 eine Ausbildung als Schriftsetzer mit anschließender Tätigkeit in diesem Beruf bei der Druckerei Volksstimme Magdeburg / Harzdruckerei Wernigerode. Von 1984 bis 1988 war er zudem Urlauberbetreuer beim FDGB-Feriendienst Wernigerode, gleichzeitig leistete er 1986 bis 1988 seinen Grundwehrdienst bei der NVA.
Von 1988 bis 1991 studierte Gaevert Kulturwissenschaften an der Fachhochschule für sozial-kulturelle Arbeit Meißen / Pädagogische Hochschule „Karl Friedrich Wilhelm Wander“ Dresden. Danach war er zwei Jahre als Sozialbetreuer für Aussiedler aus dem Gebiet der damaligen Sowjetunion im Landkreis Wernigerode tätig. 1993 begann er ein Studium an der Fachhochschule des Bundes in Berlin, Fachbereich Sozialrecht, das er 1996 ohne Abschluss beendete. 1997/1998 nahm er an einer Fortbildung Film- und Medienmanagement am mibeg – Institut für berufliche Weiterbildung, Köln teil, 1998 hatte er außerdem ein Praktikum beim KiKA von ARD und ZDF.
Seit September 1998 ist Gaevert als Autor und Journalist tätig, vorwiegend für Hörfunk- und TV-Produktionen bei SWR, WDR, RBB, MDR, ZDF und Deutschlandradio. Vor allem im Hörfunk bedient er sich sehr oft der Möglichkeiten des Dokudramas und der Dokufiktion. Angelehnt an entsprechende filmische Erzählformen verbindet er dabei dokumentarische Elemente mit Hörspielelementen.
Zu Gaeverts bevorzugten Themen gehört die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit. Ein weiterer thematischer Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit den Problemen und Lebenswelten geistig behinderter Menschen.
Werke
Film und Fernsehen
Gaeverts erste 2002 gedrehte längere Dokumentation Die Farce – Geschichte einer Verhaftung erzählt die Geschichte der Schriftstellerin Elisabeth Graul, die 1951 als Mitglied einer Widerstandsgruppe gegen das totalitäre SED-Regime in Ostberlin hinter Gitter geriet. Nach ihrer Verhaftung musste sie 7 Monate im berüchtigten Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen verbringen. 1952 wurde sie in einem Schauprozess vom Obersten Gericht der DDR zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Film entstand als freie Produktion und hatte am 13. Februar 2002 im Palais am Fürstenwall in Magdeburg seine Premiere.
Als Sprecher konnten die beiden Schauspieler Barbara Schnitzler und Peter Sodann gewonnen werden. Die in Magdeburg erscheinende Tageszeitung Volksstimme schrieb anlässlich der Premiere: … Thomas Gaeverts Film enthält sich jeglichen Voyeurismus'. Er lässt die Betroffenen reden über ihren Schmerz, über ihre Ideale und Hoffnungen. Er lässt die Gesichter sprechen. Wenn die charismatischen Stimmen von Barbara Schnitzler oder Peter Sodann in den Rollen der Vernehmer oder der Richterin Hilde Benjamin präsent sind, erfährt das Dokumentarische eine weitere sensible künstlerische Verdichtung. Viele Gäste fragten an diesem Abend, wann der Film im MDR-Fernsehen einem größeren Publikum zugänglich gemacht wird. Die Antwort blieb aus, weil sich kein Vertreter des MDR im Palais am Fürstenwall befand.
Die für die ARD im Jahre 2005 produzierte TV-Dokumentation Frauen als Beute behandelt die Geschichte der Wehrmachtsbordelle im Zweiten Weltkrieg. Gaevert recherchierte dafür etwa zwei Jahre in osteuropäischen Archiven. Der Film zeigt, wie vor allem Frauen im besetzten Osteuropa vom Sanitätsdienst der Deutschen Wehrmacht in die organisierte Zwangsprostitution getrieben wurden. Nach seiner Erstausstrahlung im Deutschen Fernsehen lief der Film auch mehrmals in Polen, Estland und Australien.
2007 folgte der Dokumentarfilm Ausgelöscht, der sich dem Untergang des jüdischen Lebens in der polnischen Stadt Białystok während des Zweiten Weltkriegs widmet.
2011 wirkte Gaevert auf der Basis seiner Recherchen für das SWR-Radiofeature „Eher regnet es Tinte...“ sowie des vom DRA Babelsberg bereitgestellten Kameranegativs an der Restaurierung der 1975 verbotenen Folge von Polizeiruf 110 mit dem Titel „Im Alter von...“ mit. Am 23. Juni 2011 erlebte „Im Alter von...“ im MDR-Fernsehen seine verspätete Sendepremiere. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Sendereihe Polizeiruf 110 zeigte der MDR den Film zusammen mit der Dokumentation„40 Jahre Polizeiruf - Eine Erfolgsstory“, bei der Gaevert wiederum als Autor mitwirkte. Mit einer Einschaltquote von 26,3 Prozent im MDR-Sendegebiet bzw. 6,3 Prozent bundesweit erzielte der MDR damit einen seiner größten Zuschauererfolge.
2014 bis 2015 wirkte Gaevert als Autor bei der ZDF-Dokumentation Tödliche Grenze – Der Schütze und sein Opfer mit. Erzählt wird die Geschichte zweier 15-jähriger Schüler aus Halle, die am 8. Dezember 1979 bei Sorge im Harz über die innerdeutsche Grenze flüchten wollten. Heiko Runge, einer der beiden Jungen, starb dabei durch einen Schuss in den Rücken. Der von Regisseur Volker Schmidt-Sondermann inszenierte Film verbindet Interviews mit Zeitzeugen, Dokumentar- und Spielfilmszenen, die an der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Sorge im Harz gedreht wurden.
Rundfunk
Die 2010 gesendete Hörfunkdokumentation Eher regnet es Tinte... erzählt die Geschichte eines verbotenen Filmprojektes aus der DDR-TV-Reihe „Polizeiruf 110“. Der 1974 von Heinz Seibert gedrehte Film Im Alter von... (vorgesehenes Sendedatum: 23. Februar 1975) basierte in seiner ursprünglichen Drehbuch-Version Am hellerlichten Tag von Dorothea Kleine auf dem Fall des Kindermörders Erwin Hagedorn, der 1969 und 1971 auf grausame Weise drei Jungen aus Eberswalde umgebracht hatte. Hagedorn wurde dafür zum Tode verurteilt und 1972 hingerichtet. Obwohl die verfremdete Filmstory keine Rückschlüsse auf die realen Geschehnisse zuließ, wurde der Film noch vor seiner geplanten Ausstrahlung verboten und sollte vernichtet werden.
Nachdem im Frühjahr 2009 im Deutschen Rundfunkarchiv (DRA) Potsdam-Babelsberg das stumme Kameranegativ des Films sichergestellt werden konnte, traf sich Gaevert mit der Drehbuchautorin Dorothea Kleine, die ihm ein Exemplar des lange verschollen geglaubten Drehbuches zugänglich machte. 2011 konnte der Film auf dieser Basis wiederhergestellt und komplett neu vertont werden. Von Beginn an wurde das Projekt, das anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Polizeiruf-Reihe vom MDR in Auftrag gegeben wurde, von Dr. Peter-Paul Schneider, dem damaligen Leiter des DRA-Standortes Babelsberg, unterstützt.
Das 2011 vom SWR produzierte Feature Irgendein Mike Oldfield neuerdings erzählt die Geschichte von Rammstein-Sänger Till Lindemann und seinem Vater, dem Schriftsteller Werner Lindemann.
Für die Dokumentationen Lizenz zur Spionage (2011) und Lange Schatten (2012) sowie Spitzelnde Freunde (2014) arbeitete Gaevert mit dem Wernigeröder Autor und Journalisten Söhnke Streckel zusammen.
Zum 50-jährigen Jubiläum von "Polizeiruf 110" widmete sich Gaevert noch einmal der Geschichte der TV-Reihe - diesmal mit den Hörfunkdokumentationen Krimi, Klassenkampf und neue Kommissare (SWR 2021) sowie Einsatzgruppe Fuchs ermittelt wieder – Die Lange Nacht zum Polizeiruf 110 (Deutschlandradio 2021).
2023 realisierte er zusammen mit dem Grimme-Preisträger Ole Schwarz für das Deutschlandradio 50 Jahre Tubular Bells- Eine Lange Nacht über Mike Oldfield. Darauf aufbauend veröffentlichte Gaevert 2025 seine Buchbiografie Mike Oldfield - Klangmagier der Seele.
1998: Ein Tag mit Kevin, Krishan und Jelte – Besuch in einer Integrationsklasse (TV-Beitrag, KinderKanal, 6 Min.) – Details
2001: Die Farce – Geschichte einer Verhaftung (Dokumentarfilm, Produktion Schiwago-Film in Zusammenarbeit mit Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V., Hochschule Harz / Fachbereich Medieninformatik, Literaturbüro Sachsen-Anhalt, Landeszentrale für politische Bildung und Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt, 30 Min.) – Details
2005: Frauen als Beute – Wehrmacht und Prostitution (TV-Doku, ARD, 43 Min.) – Details
2007: Ausgelöscht – Bialystok und seine Juden (TV-Doku, Das Erste, 45 Min.) – Details
2008: Sabines neue Welt (TV-Magazinbeitrag, MDR Hier ab vier, 4 Min.) – Details
2010: Nah dran: Schocktherapie (TV-Doku, MDR Nah dran – das Magazin für Lebensfragen, 6 Min.) – Details
2011: 40 Jahre Polizeiruf – Eine Erfolgsstory (TV-Doku, MDR, 45 Min.) – Details
2011: Polizeiruf 110: Im Alter von… (TV-Film, Mitwirkung bei der Reproduktion) – Details
2015: Tödliche Grenze – Der Schütze und sein Opfer (TV-Doku, ZDFZeit, 45 Min.) – Details
2019: Unser Deutschland (dreiteilige TV-Doku zusammen mit Christian Heynen und Ingo Helm, Das Erste, insgesamt 130 Min.) – Details
Hörfunk
1998: Von Caven über Berlin nach Tir Ná Nóg. (Doku, SWR2 Dschungel, 25 Minuten) – Details
2000: Wolf Mittler – Ein Rundfunkreporter zwischen den Fronten. (Doku, SWR2 Dschungel, 30 Min.) – Details
2000: Von Digedags und Abrafaxen – Comic-Helden in der DDR. (Doku, SWR2 Dschungel, 30 Min.) – Details
2000: Zwischen zwei Kulturen – Junge Mennoniten aus der ehemaligen UdSSR in Deutschland. (Doku, WDR Redaktion Diesseits von Eden, 25 Min.) – Details
2001: Organ hoch zwei / ASLSP. (Autorenproduktion, SWR2 Dschungel, 5 Min.) – Details
2001: Zwischen Kirche und Sozialstation – Junge Mennoniten in Deutschland. (Doku, Bayern2Radio - Geschichte und Geschichten, 25 Min.) – Details
2001: Das kleine Mädchen und der große Held – Aus dem Briefwechsel von Marie Hannes und Karl May. (Doku, Bayern2Radio - Geschichte und Geschichten, 25 Min.) – Details
2001: Teurer prachtvoller Old Shatterhand – Marie Hannes und Karl May. (Doku, SWR2 Dschungel, 30 Min.) – Details
2015: Ich weiß nicht, woher es kommt – Leben mit dem PWS-Syndrom. (Reportage, SWR2 Tandem, 18. November 2015, 25 Min.) – Details
2015: Vom Brockenbenno und der verlorenen Zeit – Geschichte eines Extremwanderers. (Reportage, SWR2 Tandem, 2. Dezember 2015, 25 Min.) – Details
2016: Kleine weiße Friedenstaube – Ein DDR-Kinderlied und seine Schöpferin,. (Feature, SWR2 Tandem, 9. März 2016, 25 Min.) – Details
2016: Kasachstan, das war einmal – Wie die Familie Briandin in Deutschland eine zweite Heimat fand. (Feature, SWR 2 Tandem, 29. Juni 2016, 25 Min.) – Details
2017: Die Luftpiraten von Marienbad – Geschichte einer Flugzeugentführung. (Doku, SWR2 Feature, 1. Februar 2017, 55 Min.) – Details
2017: Auf großer Bühne – Wie Slow Joe aus Buxtehude nach Südkorea kam. (Feature, SWR2 Tandem, 13. März 2017, 25 Min.) – Details
2017: Mit dem eigenen Flugapparat in die Freiheit – Vierzig Jahre nach einem gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR. (Feature, SWR2 Tandem, 15. Mai 2017, 25 Min.) – Details
2017: Eine unbequeme Archivarin – Sabine Lange und die Stasi-Spitzel im Literaturzentrum Neubrandenburg. (Feature, SWR2 Tandem, 30. Oktober 2017, 25 Min.) – Details
2019: Das Generationenprojekt – Der Uranabbau in Ostdeutschland und seine Folgen. (Doku, SWR2 Feature, 27. Februar 2019, 55 Min.) – Details
2019: Deutschland ist ein weißgeblümtes Kleid – Warum die Vietnamesin Huong Trute vor über 40 Jahren in die DDR kam und blieb. (Feature, SWR2 Leben, 6. März 2019, 25 Min.) – Details
2019: Agent aus Abenteuerlust – Ein junger Student und der militärische Nachrichtendienst der DDR. (Feature, SWR2 Leben, 5. Juli 2019, 25 Min.) – Details
2019: Das Haus hat gelbe Fenster – Eine Gruselfiktion. (Hörspiel zusammen mit Maidon Bader, Autorenproduktion, Veröffentlichung: 1. August 2019; als CD am 1. Juni 2020 erschienen bei Nowa MD, 55 Min.) – Details
2019: Kalter Krieg im Radio – Propagandaschlachten im Nachkriegsdeutschland. (Doku, SWR2 Feature, 30. Oktober 2019, 56 Min.) – Details
2020: Einsamer Tod – Persönliche Spurensuche nach einem verlorenen Freund. (Feature, SWR2 Leben, 24. Juni 2020, 25 Min.) – Details
2020: Die DDR nie erlebt, aber immer im Kopf. (Feature, SWR2 Leben, 9. November 2020, 25 Min.) – Details
2020: Sendeschluss oder Neustart? – Vom Ende der DDR und der Neuordnung des Rundfunks. (SWR2 Feature, 11. November 2020, 55 Min.) – Details
2021: Ole Anders – Ein Leben für den Luchs. (Reportage, SWR2 Leben, 16. März 2021, 18 Min.) – Details
2021: Krimi, Klassenkampf und neue Kommissare - 50 Jahre Polizeiruf. (SWR2 Feature, 2. Juni 2021, 55 Min.) – Details
2021: Einsatzgruppe Fuchs ermittelt wieder – Die Lange Nacht zum Polizeiruf 110. (Deutschlandfunk Kultur, 19. Juni 2021, 158 Min.) – Details
2021: Deckname „Donner“ – Das geheime Leben des Hans Hubert Wax. (SWR2 Feature, 19. November 2021, 53 Min.) – Details
2022: Vom Stummfilm bis zu den letzten analogen Kopien – Frank Becker und sein privates Filmarchiv. (SWR2 Leben, 15. März 2022, 23 Min.) – Details
2022: Hingabe ja, Preisgabe nein - Eine Lange Nacht über den Schauspieler Dieter Mann. (Deutschlandfunk Kultur / Deutschlandfunk, 18. Juni 2022, 160 Min.) – Details
2022: Ein Leben in Sorge, im Harz - Inge Winkel betreut ein Grenzmuseum in der früheren DDR. (SWR2 Leben, 18. Oktober 2022, 21 Min.) – Details
2023: Die Wälder der Zukunft – Förster Gutbier und sein einzigartiges Experiment. (SWR2 Leben, 16. März 2023, 23 Min.) – Details
2023: 50 Jahre Tubular Bells - Eine Lange Nacht über Mike Oldfield; Online-Alternativtitel: Mike Oldfield - Als Multinstrumentalist zum Welterfolg (Deutschlandfunk Kultur / Deutschlandfunk, 29./30. Juli 2023, 157 Min.) – Details
2023: Schwarze Kanäle - Piratenradios in der DDR (SWR2 Feature, 30. Oktober 2023, 53 Min.) – Details
2023: Maria und die Welt der Düfte (SWR2 Leben, 14. November 2023, 23 Min.) - Details
Printmedien
Mich haben sie immer Puppe genannt – Eine Collage in Text und Bild aus dem Leben einer Autistin und ihrer Geschwister (Menschen – Das Magazin, Ausgabe 2/2006)
40 Jahre Polizeiruf 110 – eine interessante Zeitreise (Beitrag für das ARD-Presseheft 40 Jahre Polizeiruf 110, Ausgabe 5/2011)
DT64 – Das Jugendradio aus dem Osten 1964–1991. Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Erfurt 2018, ISBN 978-3-946939-29-0.
Mike Oldfield - Klangmagier der Seele. GRIN Verlag, München 2025, ISBN 978-3-389-16200-2
Auszeichnungen
Das im Jahr 2003 vom SWR produzierte Hörfunkstück Deine Lügen sterben nicht (Regie: Hans-Peter Bögel) wurde als ARD-Beitrag für den Prix Europa 2004 nominiert. Im Wettbewerb wurde es auf Platz 6 der 10 besten europäischen Produktionen in der Kategorie Hörfunk-Feature gewählt.
↑Süddeutsche Zeitung, 12. Januar 2005: Verschleppte Leben – „Frauen als Beute“ – eine Dokumentation über die Bordelle der Wehrmacht
↑Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Januar 2005: Sie hatten nie eine Chance – Das Schicksal der Zwangsprostituierten in den Wehrmachtsbordellen: „Frauen als Beute“ (ARD)
↑MDR: Traumquote für verbotenen „Polizeiruf 110“ von 1974