Pfarrkirche Tobelbad (2011)Stahlstich von Conrad Kreuzer
Haselsdorf-Tobelbad ist eine Gemeinde südwestlich von Graz im Bezirk Graz-Umgebung in der Steiermark mit 1.603 Einwohnern (Stand 1.Jänner 2026).
Geographie
Haselsdorf-Tobelbad liegt etwa zehn Kilometer südwestlich der Landeshauptstadt Graz in der Weststeiermark. Der Gemeindehauptort liegt im Tal des Doblbaches, im Südosten schließt der Kaiserwald an das Gemeindegebiet an.
Gemeindegliederung
Die Gemeinde besteht aus der einzigen Katastralgemeinde Haselsdorf und umfasst nachstehende Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1.Jänner 2026):
Bereits im Jahr 1491 wird ein Heilbad im Bereich des heutigen Ortes Tobelbad erwähnt. Die Ortsgemeinde Haselsdorf als autonome Körperschaft entstand 1850. Der Kurbetrieb in Tobelbad endete 1938.
Bei seiner Fußreise durch Österreich im Sommer 1825 beschreibt Joseph Kyselak die Ortschaft „Doppelbad“ wie folgt:
„… sattsam besehen, darf man sich schon getrost in den dunklen Wald wagen, durch welchen eine gute Fahrtstraße den Pilger in einer Stunde nach Doppelbad leitet. Dieses aus neun Häusern bestehende Dörfchen, dem eine Badquelle Ursprung und Namen erwarb, so unansehnlich und verborgen es in einem Waldkessel liegt, soll doch eine besondere Einwirkung auf Kranke besitzen; ich konnte aber nicht erfahren, ob diese in wunderbarer Hebung des Krankheitsstoffes oder baldigem Tode bestehe? Erstere möge wenigstens dem Gebrechlichen so lange Trost sein, bis Schwermut als natürliche Folge dieses quälenden Wohnortes, letzteren herbeizieht. Indessen soll den Frauen, welche sich der Unfruchtbarkeit beklagen, dieses Bad als Remedium dienen. Eine Strecke noch dauert der Wald, dann treten ergiebige Kornfelder hervor…“
Nach der Annexion Österreichs 1938 kam die Gemeinde zum Reichsgau Steiermark, 1945 bis 1955 war sie Teil der britischen Besatzungszone in Österreich. Seit 1983 nennt sich die Gemeinde „Haselsdorf-Tobelbad“.
Das Gebiet der Gemeinde mit Haselsdorf, Dobelbad und Dobelzipf in der Josephinischen Landesaufnahme, um 1790
Straße: Durch die Nähe zur Landeshauptstadt Graz ist die Gemeinde sehr verkehrsgünstig gelegen. Die Packer Straße B70 von Graz nach Klagenfurt verläuft direkt durch das Gemeindegebiet. Die Radlpass-Straße B76 ist nur etwa 2km entfernt. Die Süd-Autobahn A2 verläuft in unmittelbarer Nähe der Gemeinde. Die nächstgelegenen Anschlussstellen befinden sich in Premstätten (exit188) in ca. 4km Entfernung für die Fahrtrichtung Graz und in Lieboch (exit194) in ca. 3km Entfernung für die Fahrtrichtung Klagenfurt.
Bahn: Die Gemeinde hat keinen Bahnhof. Der nächstgelegene Bahnhof Lieboch befindet sich in rund 4km Entfernung und bietet Zugang zur Graz-Köflacher Eisenbahn für die Strecken nach Graz, Köflach und Deutschlandsberg. Der Bahnhof Premstätten-Tobelbad befindet sich in Premstätten in ebenfalls etwa 4km Entfernung.
Die Verleihung des Gemeindewappens erfolgte mit Wirkung vom 1. Juni 1980.
Wappenbeschreibung:
„Von Gold und Blau erhöht geteilt, oben ein grüner Eichenlaubzweig von drei Blättern, unten ein achteckiger goldener Kuppelbau mit einem hohen rundbogigen schwarzen Fenster in der mittleren der drei sichtbaren Wände, drei querovalen schwarzen Fenstern im Attikafries, einem hochrechteckigen schwarzen Fenster in der Laterne mit Knauf und aufgestecktem Kreuz-, links stößt an den Zentralbau ein ebenfalls wachsender, niedrigerer goldener Vorbau mit Giebelreiter, dieser mit einem hohen schwarzen Rundbogenfenster und geschweiftem Dach mit Knauf; vorne wird der Bau von einem wachsenden goldenen Turm mit einem viereckigen schwarzen Fenster unter dem Spitzdach mit je einer seitlichen Gaupe begleitet.“
Hans Pretterebner (* 1944 in Tobelbad; † 2024), österreichischer Journalist
Mit Haselsdorf-Tobelbad verbundene Persönlichkeiten
Gustav Robert Paalen (1873–1945), österreichischer Erfinder und Unternehmer, erwarb das heruntergewirtschaftete Bad 1909, restaurierte alle Gebäude und errichtete einen Speisesaal. Unter seiner Ägide wurde Tobelbad für kurze Zeit zum beliebtesten Kurhaus der deutschen und österreichischen Großbürger, Künstler und Aristokraten. Paalen stiftete ein Steindenkmal zum Andenken an die Präsenz Kaiser Franz JosephsI. während der feierlichen Wiedereröffnung im Jahre 1910, das noch heute zu besichtigen ist.
Franz Mitterbacher († 1878; Alter: 65): Das arme Käthchen, oder: Tobelbad im Jahre 1571. (Belletristische Darstellung). Leykam’s Erben, Graz 1858.– Volltext online.
Gustav von Kottowitz: Der landschaftliche Curort Tobelbad bei Graz in Steiermark und seine Heilquellen. Braumüller, Wien 1870.– Volltext online.
Führer in und um Tobelbad, Kurort in Steiermark. Leykam-Josefsthal, Graz 1872.– Volltext online.
Johann Harpf: Badecuren-Polka française, componirt für das Pianoforte und der Landschaftlichen Bade-Direction in Tobelbad ehrfurchtsvoll gewidmet. (Titelblatt: historische Ansicht von Tobelbad). A. Leykam’s Erben, Graz 1890.– Volltext online.
Erich Linhardt: Geschichte der ehemals steirisch-ständischen Kuranstalt Tobelbad und deren Einfluß auf die Entwicklung des Ortes gleichen Namens. Dissertation. Universität Graz, Graz 1982, OBV.
Erich Linhardt (Hrsg.), Gottfried Allmer (Beitr.) et al.: 500 Jahre Tobelbad. Eine Geschichte der ehemaligen Kuranstalt Tobelbad und des gleichnamigen Ortes sowie der damit in Verbindung stehenden Siedlungen und Einrichtungen. Gemeinde Haselsdorf-Tobelbad, Tobelbad 1991, OBV.