Ausschnitt einer bachtiarischen Tschogha mit dem charakteristischen Muster
Die Tschogha oder Tschocha (persischچوقاTschuqa, DMGčūqā; auch Chogha) ist ein ärmelloses, knielanges Obergewand aus Wolle. Sie wird von den Männern der luri-sprachigen Völker im Zagros-Gebirge im Westen des Iran getragen, vor allem von den Bachtiaren. Frauen weben sie auf einem waagerechten Webstuhl aus naturweißer Wolle mit senkrechten dunklen Streifen. Sie gilt als das kennzeichnendste Stück der traditionellen Männertracht der Bachtiaren.
Bezeichnung
Das Wort ist im Persischen alt. Die Formen čūḵā, čūḵa, čūḡā und čūqā erscheinen in mittelalterlichen persischen Texten für einen kurzen Männerrock aus grobem Wollstoff. Weitere historische und regionale Bedeutungen des Wortes sind:
ein Wollrock, der in Masanderan und anderen ländlichen Gegenden noch getragen wird;
in Boschruya in Chorasan, ausgesprochen čoḡa, der Rock der Kameltreiber mit Ärmeln;
in früheren Jahrhunderten ein Wollüberwurf christlicher Mönche sowie eine Art Regenmantel.
Im Iran ist das bachtiarische Gewand örtlich auch als dehghani abba („Bauernumhang“) oder „Hirtenumhang“ bekannt.
Beschreibung
Die Tschogha ist ein gerade geschnittenes, knielanges Gewand ohne Ärmel. Sie hat weder Knöpfe noch Kragen und ist vorne durchgehend offen. Trotz fehlender Ärmel hat sie weite Armöffnungen. Die kurzen ärmelartigen Klappen sind überwiegend schmückend und können auch als Tasche dienen.
Das Chogha-Gewand, das zusammen mit einer Debit-Hose getragen wird, ist die traditionelle Kleidung der nomadischen Männer der Bachtiaren, die im Herzen des Iran leben.
Die Tschogha wird nur von Männern getragen. Im Sommer trägt man darunter ein Hemd, im Winter warme Kleidung. Auch Bachtiaren in den Städten tragen sie bei feierlichen Anlässen. Heute wird sie oft über einem westlichen Sakko (kot) getragen. Man trägt sie das ganze Jahr über. Bei Kälte oder Wind wird sie an der Taille mit einer Schärpe gebunden, und beim Bergsteigen wird der untere Teil hochgerollt.
Das dichte Wollgewebe hält Regen teilweise ab. Es wärmt im Winter und bleibt im Sommer kühl.
Muster
Die Tschogha hat einen weißen Grund mit senkrechten dunklen Streifen. Die Encyclopædia Iranica beschreibt die Streifen als indigoblau. Der Stoff wird als Bahn gewebt, die aus zwei gleich großen Hälften besteht:
Die eine Hälfte hat ein schlichtes Streifenmuster.
Die andere Hälfte trägt ein schwarzes Stufenmotiv.
Beim Zusammennähen bildet die schlichte Hälfte den unteren Teil und die Hälfte mit dem Stufenmotiv den oberen Teil des Gewandes.
In iranischen populären Quellen sind mehrere symbolische Deutungen verbreitet, die jedoch keine wissenschaftliche Grundlage haben:
Weiß und Schwarz stünden für Gut und Böse. Die weißen Linien stiegen von unten nach oben, die schwarzen verliefen von oben nach unten; dies versinnbildliche den Sieg des Guten über das Böse.
Bei den Bachtiaren weben ausschließlich die Frauen. Sie verwenden Wolle und Haar von den Schafen und Ziegen des eigenen Stammes.
Vorbereitung der Wolle
Am Ende des Frühjahrs scheren die Männer die Schafe und übergeben die Wolle den Frauen. Diese reinigen sie, legen sie in die Sonne, waschen und trocknen sie und spinnen sie dann zu einem Garn in der Stärke von feiner Strickwolle. Der Schuss aus Wolle wird von den Frauen des Stammes von Hand gesponnen, während die feine Kette aus Baumwolle auf dem Markt gekauft wird. Damit das Garn fein und gleichmäßig wird, führen die Spinnerinnen es beim Drehen der Spindel durch ein Loch in einem lang gewachsenen Daumennagel.
Weben
Die Tschogha wird auf einem waagerechten Bodenwebstuhl gewebt. Die Technik ähnelt der des Kelims, ist aber viel feiner, mit dünnen Kett- und Schussfäden. Der Webstuhl wird von einer einzelnen Weberin bedient. Einzelheiten des Verfahrens:
Maße: Die gewebte Bahn ist 2,5 bis 3,5 m lang und 50 bis 70 cm breit.
Material: Die Kette ist aus Baumwolle (manchmal aus Wolle), der Schuss aus Wolle. Für eine mittelgroße Tschogha braucht man etwa 1 kg Baumwollgarn und 1 kg Rohwolle.
Arbeitsweise: Die Weberin arbeitet aus dem Gedächtnis, ohne Vorlage oder Zeichnung. Nach dem Weben wird die Bahn zugeschnitten, und die Teile werden zusammengenäht.
Dauer: Das Weben einer Tschogha dauert etwa 20 Tage.
Der fertige Stoff sieht auf beiden Seiten gleich aus.
Zentren und Qualitätsstufen
Die Qualität hängt vom verwendeten Material ab, und die Tschogha eines Mannes zeigt auch seinen Rang im Stamm an. Bekannt sind vor allem folgende Arten und Herstellungsorte:
Liwasi: Die feinsten Tschoghas heißen čuqā-līvāsī, nach einem für ihre Herstellung berühmten Dorf in Lurestan.
Kiarsi: Bei den Bachtiaren gilt die Kiarsi-Tschogha als die wertvollste; sie wird im Clan der Behdarvand gewebt. Hergestellt wird sie von den Frauen des Dorfes Schokal Hadschiwand im Kreis Andika in der Provinz Chuzestan. Das Dorf ist seit Langem das wichtigste Herstellungszentrum der bachtiarischen Tschogha.
Movri: Den nächsten Rang nimmt die Movri-Tschogha des Movri-Clans ein.
Aligudarz: In Aligudarz in der Provinz Lorestan sind mehrere hundert Tschogha-Weberinnen tätig.
Geschichte
Die zeitliche Einordnung der bachtiarischen Tschogha ist umstritten.
Wissenschaftliche Darstellung
Der Ethnologe Jean-Pierre Digard vertritt in der Encyclopædia Iranica die Auffassung, dass die Tschogha ursprünglich wohl nur in Luristan verbreitet war. Seiner Ansicht nach setzte sie sich bei den Bachtiaren erst in den 1940er Jahren durch und ersetzte dort den Qaba (Mantel). Die bachtiarischen Männer hätten den Qaba vermutlich bereitwillig aufgegeben, weil er in ganz Persien getragen wurde und kein unterscheidendes Merkmal ihrer Tracht war. Diese Veränderung folgte auf die Kleidungsreformen unter Reza Schah (1925–1941).
Populäre Darstellungen
Iranische Tourismus- und Nachrichtenquellen bezeichnen die Tschogha als eines der ältesten Stammesgewänder Irans. Die amtliche Mitteilung zu ihrer nationalen Registrierung im Jahr 2015 sprach von einer etwa 150-jährigen Geschichte. Historische Belege für diese Angaben liegen nicht vor.
Regionale Verbreitung
Auch darüber, wer das Gewand trägt, gehen die Angaben auseinander. Digard sieht es als kennzeichnend für luri-sprachige Männer im Allgemeinen an. Die Kulturerbe-Behörde der Provinz Chuzestan gibt dagegen an, dass die Luren der Provinz Lorestan es seltener tragen und es vor allem bei den Bachtiaren verbreitet ist. Nach der Tehran Times unterscheidet es die bachtiarischen Männer von Luren und Kurden.
Kulturelle Bedeutung
Die Tschogha gehört zur vollständigen Männertracht der Bachtiaren, zusammen mit folgenden Stücken:
der hohen schwarzen Filzkappe (kolāh-e ḵosrowī);
sehr weiten schwarzen Hosen (tombūn), sogenannte Debit-Hosen, die von einem Ledergürtel oder einer breiten, gerollten weißen Schärpe (šāl) gehalten werden;
den Giveh-Sandalen mit nach oben gebogenen spitzen Kappen.
Das Gewand hat einen festen Platz im Brauchtum und in der mündlichen Überlieferung der Bachtiaren:
Bei einem Todesfall legen die Männer des Stammes zum Zeichen der Trauer ihre Tschogha ab.
Bei Hochzeiten tragen die Männer die Tschogha zum traditionellen Tanz mit dem Taschentuch.
Ein Sprichwort lautet: „Nach dem Regen brauche ich keine Tschogha“ – Hilfe, die zu spät kommt, ist nutzlos.
Anerkennung
Am 5. Januar 2015 (15. Dey 1393) nahm der iranische Rat für die Registrierung des Kulturerbes die Tschogha in die nationale Kulturerbeliste auf. Sie war das elfte immaterielle Kulturerbe der Provinz Tschahār Mahāl und Bachtiyāri.
Im Dezember 2025 wurde Aligudarz als „Nationale Stadt der Tschogha-Weberei“ registriert, als zweite nationale Handwerksstadt Lorestans nach Borudscherd. Die Stadt wurde außerdem als Kandidatin für den Titel einer Weltstadt der Tschogha-Weberei vorgeschlagen.
Im Februar 2026 wurde das Dorf Schokal Hadschiwand als nationales Dorf der Tschogha-Weberei registriert. Bis August 2026 wurde Bazoft als „Nationale Region der Tschogha-Weberei“ in der Provinz Tschahār Mahāl und Bachtiyāri registriert.
Jean-Pierre Digard:Note sur quelques vêtements Baxtyâri. In: Cahiers de la Délégation archéologique française en Iran. Band6, 1976, S.117–128 (französisch).
Jean-Pierre Digard:Techniques des nomades Baxtyâri d'Iran. Cambridge University Press; Éditions de la Maison des sciences de l'homme, Cambridge/Paris 1981 (französisch).
Jean-Pierre Digard:La parure chez les Baxtyâri. In: Objets et mondes. Band11, Nr.1, 1971, S.117–132 (französisch).
123456789Choqa-bafi (Chogha-bafi).Tschogha-Weberei.Generaldirektion für Kulturerbe, Tourismus und Handwerk der Provinz Chuzestan,abgerufen am 21.September 2026(persisch).
↑CLOTHING xxvii. Historical lexicon of Persian clothing. In: Encyclopædia Iranica. (englisch, iranicaonline.org).