Tucher ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur Brauerei Tucher in Nürnberg und Fürth, siehe Tucher Bräu.
Wappen der Tucher von Simmelsdorf
Die Tucher, seit 1697 Tucher von Simmelsdorf (vereinfacht oft auch danach nur von Tucher bzw. seit 1815 Freiherren Tucher von Simmelsdorf genannt) sind ein ehemaliges fränkisches Adelsgeschlecht und entstammen dem Patriziat der Reichsstadt Nürnberg. Im frühen 15. Jahrhundert begründeten sie die Tuchersche Compagnia, ein weit verzweigtes Handelsunternehmen mit Niederlassungen und Handelsverbindungen in ganz Europa, vor allem nach Antwerpen, Lyon, Saragossa und Venedig. Die Handelsgesellschaft war bis 1646 tätig und trug maßgeblich zum Wohlstand und Ansehen der Familie bei. Im Jahr 1503 wurde mit der Dr. Lorenz Tucher’schen Stiftung der Grundstein für die bis heute bestehende Familienstiftung gelegt. Die Tucher zählen neben den Fuggern und Welsern zu den bekanntesten Kaufmannsfamilien oberdeutscher Reichsstädte.
Die Tucher waren, mit kurzen Unterbrechungen, seit 1340 bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit im Jahre 1806 im Inneren Rat der Reichsstadt Nürnberg vertreten und gehörten nach dem Tanzstatut zu den zwanzig alten ratsfähigen Geschlechtern. Namensgebender Familiensitz ist das 1598 durch die historische Dr. Lorenz Tucher’sche Stiftung erworbene Rittergut Simmelsdorf, das sich heute noch in Besitz der Stiftung befindet. Durch den Besitz des Gutes Simmelsdorf waren die Tucher im Ritterkanton Gebürg der Reichsritterschaft in Franken immatrikuliert.
Herkunft
Die Herkunft der Tucher ist nicht eindeutig geklärt. Erste Informationen stammen aus dem beginnenden 14. Jahrhundert und beziehen sich auf den Erwerb des Bürgerrechts eines Bertholdus Tucher im Jahr 1309. Zwar setzt die Aufzeichnung der eigenen Familiengeschichte der Tucher schon im ausgehenden 14. Jahrhundert ein, jedoch findet sich sowohl im Memorial des Endres I. Tucher (1390–1440) als auch seines Bruders Berthold III. (1386–1454) kein Hinweis auf die regionale oder soziale Herkunft der Familie.
Der Name „Tucher“ bezieht sich womöglich auf die Berufsbezeichnung für Tuchhändler, was eine Herkunft aus der Dienstmannenschaft der Grafen von Castell oder Hohenlohe unwahrscheinlich erscheinen lässt. Die erstmalige Nennung des Namens erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts verweist auf eine wahrscheinlich bürgerliche Herkunft, vermutlich aus Nürnberg selbst. Da schon die erste Generation der Familie im Fernhandel tätig war, scheint die Verbindung des Namens zum Beruf des Tuchhändlers wahrscheinlich.
Geschichte
Mit Berthold I. Tucher (1310–1379) lässt sich erstmalig ein Tucher im Rat der Stadt Nürnberg belegen. Berthold I. war sowohl seit 1332 Genannter im Größeren Rat der Stadt, ab 1340 Jüngerer Bürgermeister im Kleinen Rat und 1352 Kirchenpfleger der Rats- und Hauptpfarrkirche St. Sebald in Nürnberg. Mit ihm begann außerdem die Stiftungstätigkeit der Familie Tucher. Berthold I. Tucher sicherte sich 1361 das Recht auf das Anlegen einer Familiengrablege im Chor der Nürnberger Sebalduskirche, in der bis 1519 die Mitglieder der Familie bestattet wurden. In der Sebalduskirche befindet sich der traditionelle Stiftungskomplex der Tucher, der seit der Anlage des familiären Begräbnisses stetig durch zahlreiche Stiftungen erweitert wurde.
Ab 1416 war die Familie Tucher fast kontinuierlich im Nürnberger Rat vertreten und hatte somit Einfluss auf die Geschicke der Stadt. Bis zur Auflösung des reichsstädtischen Status Nürnbergs 1806 stellte die Familie Tucher viele bedeutende Vertreter, die bis in die höchsten Ämter des Stadtrates aufstiegen. So stand etwa Hans I. Tucher (1368–1425), Sohn des ersten Ratsmitgliedes Berthold I., ab 1422 bis zu seinem Tod als Vorderster Losunger an der Spitze des Rates der Stadt. Mit den Söhnen des Hans I. verzweigt sich die Familie Tucher in eine Ältere und eine Jüngere Linie. Hans II. (1389–1449) gilt als Stammvater der Älteren, sein jüngerer Bruder Endres I. († 1460) als Stammvater der Jüngeren Linie.
Apollonia Tucher (1460–1533) im Großen Tucherbuch
Ab dem 14. Jahrhundert betätigten sich Mitglieder der Familie Tucher nachweislich im Fernhandel, ein Tuchersches Handelsgeschäft ist für das Jahr 1350 belegt. Seit 1440 ist die Tuchersche Compagnia mit Verbindungen nach Mitteldeutschland, Posen, Ungarn, Österreich, Italien, dem Bodenseeraum und der Schweiz sowie den wichtigen Handelsstädten Antwerpen und Lyon bekannt. Gehandelt wurde mit Tuchen und Stoffen, Gewürzen, Metallen und anderen Gütern. Obwohl sie im Vergleich zu anderen Patrizierfamilien erst relativ spät eigene Handelsniederlassungen gründeten, wurden sie im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit durch ihre Handelsverbindungen in ganz Europa zu einer der reichsten Kaufmannsfamilien der Stadt. Sie gehörten zu den bedeutendsten Mäzenen des Goldenen Zeitalters der Nürnberger Kunst um 1500. Ihre Blütezeit erlebte die Handelsgesellschaft unter der Leitung Linhart II. Tucher (1487–1568). In jener Zeit konnte das Unternehmen vor allem durch den Handel mit Safran große Gewinne erzielen.
Porträt des Anton II. Tucher (1458–1524)
Begründet durch die Handelsbeziehungen nach Flandern, wo die Tucher eine Zweigstelle ihres Handelshauses installierten, entstand mit Lazarus I. Tucher (1491–1563), kaiserlicher Rat Karls V. und Philipps II. und Handelsherr in Antwerpen, die Antwerpener Linie. In Antwerpen stellten die Tucher zwei Bürgermeister. Die Antwerpener Linie war fünf Generationen in Antwerpen sowie auf Kasteel Tanghof bei Kontich ansässig.
Die Mitglieder der Familie Tucher waren sowohl im Handel und Stadtregiment als auch in geistlichen Positionen vertreten. Barbara Tucher (1452–1518) stand als erste protestantische Priorin dem Katharinenkloster Engelthal vor. Apollonia Tucher (1460–1533) war Priorin des Klosters St. Klara in Nürnberg. Lorenz I. Tucher (1447–1503) war Domherr zu Regensburg und Propst der Lorenzkirche in Nürnberg und begründete 1503 die heute unter dem Namen Dr. Lorenz Tucher’sche Stiftung bekannte Familienstiftung. Sein Vetter Sixtus I. (1459–1507) war ebenfalls Propst zu St. Lorenz, Rechtswissenschaftler und Humanist.
Mit Einführung der Reformation in Nürnberg 1525 bekennen sich die Tucher, wie auch die anderen handeltreibenden Ratsgeschlechter Nürnbergs und der meisten Reichsstädte, seit der Reformation zum evangelischen Glauben. Die Antwerpener Linie der Familie Tucher blieb katholisch. Eine besondere Rolle bei der Einführung der Reformation in Nürnberg wird Anton II. Tucher (1458–1524) zu Teil. Dieser war in jener Zeit Vorderster Losunger und übte damit das höchste Amt der Stadt aus. Anton II. pflegte engen Kontakt mit Kurfürst Friedrich dem Weisen von Sachsen (1463–1525), durch den er mit der lutherischen Lehre in Kontakt kam. Anton II. war in seiner Funktion entscheidend an der Einführung der Reformation in Nürnberg beteiligt, die in der ehemaligen Reichsstadt verhältnismäßig unproblematisch stattfand.
Während bereits viele Patrizierfamilien im Lauf des 16. Jahrhunderts sich darauf beschränkten, von ihren Grundherrschaften zu leben, betrieben die Tucher und die mit ihnen im Safranhandel konkurrierenden Imhoff noch im 17. Jahrhundert die letzten in größerem Umfang aktiven Handelsgesellschaften des Nürnberger Patriziats. Als letzte Familie des Nürnberger Patriziates unternehmen die Tucher seit 1646 keine Handelsgeschäfte mehr.
Neben der Handelsgesellschaft tritt ab 1503 die von Lorenz I. begründete Familienstiftung als familiäre Institution auf. Durch zahlreiche Zustiftungen wuchs das Grundvermögen der heute als Dr. Lorenz Tucher’sche Stiftung bekannten Familienstiftung bis Ende des 16. Jahrhunderts stetig an. Als Administrator der Familienstiftung erwarb Tobias I. Tucher (1534–1589) 1574 die Herrschaft Großengsee. Dazu gehörte unter anderem die Kirche St. Helena in Simmelsdorf, worüber die Tucher bis Ende des Jahres 2000 das Kirchenpatronat innehatten.
Die Dr. Lorenz Tucher’sche Stiftung kaufte 1598 den namensgebenden Familiensitz in Simmelsdorf von der Familie Türriegel von Riegelstein. Mit dem Erwerb des Herrensitzes Simmelsdorf nannten sie sich Tucher von Simmelsdorf. Der Namenszusatz wurde 1697 von Kaiser Leopold als Adelstitel anerkannt. Die Familienstiftung erwarb zahlreiche Güter, wie das Gut Winterstein und finanzierte Anschaffungen, wie das sogenannte Große Tucherbuch.
Aus privater Finanzierung des Lorenz II. Tucher (1490–1554) und seiner Frau Katharina Straub wurde zwischen 1533 und 1544 das Tucherschloss in Nürnberg erbaut. Der Frührenaissancebau diente als Sommersitz sowie als Ort gesellschaftlicher Zusammenkünfte. Nach der weitgehenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss auf Initiative von Dr. Hans Christoph von Tucher zwischen 1963 und 1968 wiederaufgebaut und von dessen Nachfahren 1972 an die Stadt Nürnberg und den Freistaat Bayern übergeben. Das Tucherschloss dient heute als Museum.
Im ausgehenden 16. Jahrhundert traten Mitglieder der Familie Tucher vermehrt in Militärdienste ein. Mit der Aufgabe der Handelstätigkeit Mitte des 17. Jahrhunderts verschoben sich die beruflichen Laufbahnen stärker zugunsten von Hof- und Militärdiensten.
Unter Nachweis ihres Besitzes Simmelsdorf sowie einiger später hinzugewonnener Ritterlehen wie Winterstein und Rüssenbach wurden die Tucher 1705 in den fränkischen Reichsritterstand aufgenommen. 1815 wurden die Tucher, gemeinsam mit den übrigen alten Patrizierfamilien des Tanzstatuts von 1521, als Freiherren Tucher von Simmelsdorf. in die Freiherrenklasse des bayerischen Adels immatrikuliert. Im 19. Jahrhundert treten Mitglieder der Familie Tucher in Tätigkeitsfeldern der staatlichen Verwaltung, wie Bezirksamtmann und Kämmerer, aber auch in bayrischen und preußischen Militärdiensten auf.
Als letztes Mitglied des Nürnberger Magistrates schied Johann Sigmund Karl Tucher von Simmelsdorf (1794–1871) im Jahr 1851 aus dem Dienst der Stadt aus. Die Familienstiftung erwarb 1855 das königliche Bräuhaus in Nürnberg, wodurch mit Johann Sigmund Karl von Tucher als Geschäftsführer wieder eine Ausrichtung auf traditionellen Handel und Gewerbe vorgenommen wurde. Aus der Brauerei schieden die Tucher 1966 aus. Heute gehört die Tucher Privatbrauerei GmbH & Co. Kg zur Radeberger Gruppe. Die Familienstiftung erwarb 1875 den Herrensitz Schoppershof von der Erbengemeinschaft der Peller von Schoppershof. Dieser dient seither als Sitz der Dr. Lorenz Tucher’schen Stiftung und der 2012 gegründeten Tucher Kulturstiftung.
Genealogie
Die Stammliste beginnt bei Conrad Tucher (1260–1326), näher beschrieben wird aber erst sein Sohn Berthold I. Tucher (1310–1379). Er war seit 1340 bis zu seinem Lebensende Mitglied im kleinen Rat und ist durch einige Stiftungen hervorgetreten. Dazu gehören eine Legation von 100 Pfund Heller für das Heilig-Kreuz-Pilgerspital und ein Teil der Finanzierung der zwischen 1340 und 1350 entstandenen farbigen Apostelfiguren aus Sandstein in Mittelschiff von St. Sebald. Aufgrund letzterer Stiftung durfte er das Tuchersche Wappen an der Konsole der Figur des Apostel Bartholomäus anbringen – die älteste bekannte Darstellung des Tucherwappens an einem Nürnberger Kunstwerk. Berthold hatte mit Elisabeth († 1364), Tochter des Landrichters des Burggrafentums Nürnberg, Maienthal, zwei ihn überlebende Töchter. In zweiter Ehe heiratete er Anna, Tochter des Ratsherrn Berthold Pfinzing. Unter den vier Töchtern und vier Söhnen aus dieser Ehe waren Hans I. und Sebald I.
Sebald I. Tucher (1370–1435) war möglicherweise kränklich, blieb jedenfalls unverheiratet und war ein eher passiver Teilhaber des Familienunternehmens. Dennoch trat er durch bedeutende Stiftungen in Nürnberger Kirchen hervor. Dazu gehörte die Hälfte des Ertrags seines Gutes Germersberg für die Ausrichtung eines Jahrestags in St. Sebald und die Unterhaltung eines über die Nacht brennenden Lichts über dem Tuchergrab. Im Jahr 1481 wurde diese Stiftung von der Familie Tucher erweitert, das „Tucher’sche Ewige Licht“ brannte seitdem bis ins 20. Jahrhundert ständig. Mit seinem Bruder Hans I. stiftete er noch viele Kirchenfenster in Nürnberger Kirchen.
Hans I. (1368–1425) war angesehen und einer der reichsten Nürnberger Bürger, betrieb umfangreiche Handelsgeschäfte. Er war zwischen 1542 und 1425 Losunger, sein Vermögen erstreckte sich über mehr als 20.000 Gulden. Er bereitete sein prunkvolles Begräbnis in St. Sebald an – mit einer 140 Gulden teuren Samtdecke, aus der später ein Ornat gefertigt werden sollte und auch wurde bzw. mindestens bis ins Jahr 1542 erhielt. Kurz nach diesem Begräbnis wurde in Nürnberg das Bedecken von zu Bestattenden mit ähnlich teuren Materialien auf Strafe verboten. Er wurde von Vater Berthold I. im Alter von 17 Jahren mit der damals 15-jährigen Anna Behaim verheiratet. Aus der Ehe entstammten Berthold III., Hans II. und Endres I.
Berthold III. Tucher († 1454) verbrachte eine Zeit in Venedig, um sich auf die Führung der Handelsgeschäfte vorzubereiten. In Nürnberg war er seit 1416 im kleineren Rat und seit 1445 bis an sein Lebensende einer der „Sieben Herren Älteren“. Sein Vermögen im Jahr 1450 betrug 25.300 Gulden, er war im Laufe seines Lebens dreimal verheiratet, hinterließ aber keine ihn überlebenden Söhne. Seine Stiftung zweier Fenster in des sich damals noch im Bau befindlichen Chors der Kirche St. Lorenz wurde im Jahr 1590 durch eine weitere Stiftung der Familie Tucher ersetzt.
Hans II. (* um 1387; † 1449) wurde von seinem Vater mit Hedwig Valzner, Tochter eines aus der Oberpfalz eingewanderten und durch Bergwerksbetriebe und Geldgeschäfte reich gewordenen Großgrundbesitzers, verheiratet. 1424 kam er in den kleinen Rat, ab 1434 war er und sein Bruder Berthold jährlich wechselnd Bürgermeister. Hans II. ist Stammvater der älteren Linie der Familie Tucher.
Endres I. († 1440) wurde wie sein ältester Bruder Berthold in jungen Jahren nach Venedig geschickt, um als Kaufmann ausgebildet zu werden. Im Jahr 1420 heiratete er Margarete, Tochter des reichen Patriziers und wichtigen späteren Handelspartners Konrad Paumgartner. Er wurde in den größeren Rat der Genannten aufgenommen. Endres ist Autor der Memorials genannten wichtigen chronikalischen Aufzeichnungen aus den Jahren 1421–1440, die ihm jedoch sein Bruder Berthold diktiert haben soll. Endres begründete die sogenannte Jüngere Linie der Familie Tucher.
Ältere Linie
Anton I. Tucher (* 1412; † 26. Dezember 1476) war der älteste Sohn des Hans II. Im Jahr 1424, bei der Überführung der Reichskleinodien nach Nürnberg, saß er als „Engel“ auf dem Wagen. Im Jahr 1436 heiratete er des Ratsherren Siegmund Stromers Tochter Barbara. Im Jahr 1450 wurde er Mitglied des kleinen Rats, 1462 Losunger, 1469 oberster Hauptmann und 1474 vorderster Losunger. Er stand in hoher Gunst des Kaisers Friedrich III. und stiftete in seinen letzten Lebensjahren zwei kostbare Wandteppiche, die sich inzwischen in der Tucher’schen Grabstätte in St. Sebald befinden. Die im Jahr 1891 in Paris restaurierten Wandteppiche stellen das Gleichnis vom verlorenen Sohn, und die Grablegung der heiligen Katharina dar.
Sixt Tucher (1459–1507) wurde nach Studium in Heidelberg, Pavia und Bologna im Jahr 1485 zum Doktor beider Rechte promoviert. Anschließend lehrte er, trotz Kanonikat in Aschaffenburg, als Professor in Ingolstadt, bis er im Jahr 1496 anstelle seines zurückgetretenen Vetters zum Probst von St. Lorenz berufen. Nach sieben Jahren trat auch er zurück und widmete sich dem Studium. Er stand in Diensten König Maximilians I. und in der Gunst des französischen Königs Ludwig XII. Er stand beispielsweise in Kontakt mit dem Humanisten Conrad Celtis, seinem Schwager Christoph Scheurl und der Äbtissin Caritas Pirckheimer und machte einige Stiftungen.
Anton II. Tucher (* 1458; † 27. April 1524) wurde im April 1477 zunächst zum Jungen Bürgermeister gewählt, nach dem Tod seines Vetters Hans VI. wurde er Alter Bürgermeister und im Jahr 1493 wurde er unter die Sieben Herren Älteren gewählt. Bis zum Jahr 1507 stieg er schrittweise zum Vordersten Losunger auf. Unter anderem ist ihm der Engelsgruß in der Lorenzkirche zu verdanken.
Linhart Tucher (* 10. Februar 1487) war ebenfalls lange Jahre im Rat vertreten und hatte bedeutende Verdienste für das familiäre Handelsunternehmen. Er heiratete am 7. Oktober 1522 in zweiter Ehe des Patriziers Kaspar Nützels Tochter Katharina.
Gabriel II. Tucher (* 1526; † 1588) blieb unverheiratet. Auch von ihm gibt es ein Bildnis und ein von ihm gestiftetes Epitaph war in einer Nürnberger Kirche bis zum 19. Jahrhundert ausgestellt.
Herdegen IV. Tucher (* 27. August 1533) war der siebtjüngste Sohn. Auch er machte eine kaufmännische Ausbildung, im Alter von vierzehn Jahren wurde er nach Vienne geschickt. Später war er einige Jahre in Lyon, wobei aus den Jahren 1550 bis 1561 Briefe an seinen Vater existieren. Im Jahr 1564 kehrte er nach Nürnberg zurück und heiratete die Patrizierstochter Katharina Pfinzing. Außerdem erwarb er seinen Herrensitz in Feucht und baute ihn neu auf. Auch ließ er einige Tucher’sche Stiftungen restaurieren.
Paul IV. (* 16. August 1524; † 1693), Linharts ältester Sohn, verbrachte mit 14 Jahren eine Zeit in Lyon und studierte ab 1542 in Wittenberg, wo er auch mit Philipp Melanchthon und Martin Luther zu tun hatte. Im Jahr 1545 aber forderte ihn sein Vater für das Familienunternehmen an, weswegen er sein Studium ohne Abschluss abbrechen musste. 1547 bis 1549 war er wieder in Lyon und heiratete in Nürnberg Ursula Scheurl. Er verzichtete zugunsten des Familienunternehmens auch auf einen Ratsposten, er lebte in Reichtum: Allein sein Silbergeschirr hatte einen Wert von 1796 Gulden. Sein Schmuck, von dem ein kleiner Ring im Britischen Museum in London die Zeit überdauerte, war 1606 Gulden wert. Nicolas Neufchâtel malte im Jahr 1564 sein Portrait.
Anton IX. (* 1562; † 1636) heiratete im Jahr 1597 des Patriziers Paul Behaims Tochter Katharina. Er war Genannter im größeren Rat und der tüchtigste unter seinen Brüdern in der Handelsgesellschaft. Nach seinem und dem Tod zweier seiner Brüder, Thomas II. († 1646) und Karl III. († 1646), kam die Handelsgesellschaft zum Erliegen. Die Familie gehörte zum Stadtadel, war aber nicht mehr Teil des kleinen Rats mehr. Die überlieferte Stammreihe setzt sich bei den Söhnen eines weiteren Bruders, Berthold VI. (1568–1632), über den keine näheren Angaben gemacht wurden, fort
Moritz Tucher (* 1621) ging mit 16 Jahren nach Holland, später nach Westindien, wo er verschollen ist.
Stephan IV. Tucher heiratete im Jahr 1657 Georg Paulus Imhoffs Tochter Clara Helena.
Anton X. (* 1618) kaufte im Jahr 1667 von den Freiherren Lochner von Hüttenbach die Grundherrschaft Winterstein, wodurch die Familie Tucher in die fränkische Ritterschaft eingegliedert wurde. Anton heiratete die Tochter des Septemvirn Christoph Loeffelholz, Anna Maria.
Paul XII. (* 1656) entwickelte sich vom Pagen des Grafen von Sinzendorf zum Offizier und schließlich zum Feldmarschall-Leutnant der fränkischen Kreistruppen.
Herdegen I. Tucher († 1462) war von 1450 bis an sein Lebensende Mitglied des kleinen Rats und betrieb unter anderem eine Saigerhütte. In zweiter Ehe heiratete er Elisabeth Pfinzing, seine Tochter Helene aus dieser Ehe heiratete im Jahr 1480 Christoph Scheurl. In dieser Ehe wiederum wurde der Jurist Christoph II. Scheurl geboren.
Hedwig († 1479) heiratete im Jahr 1460 Hartmann Volckamer. Ihrer beider Epitaph befindet sich heute im Museum in Boston in Amerika.
Hans V. († 1464) war mit Barbara Hegner und seit 1451 in zweiter Ehe mit des Ratsherren Georg Haller Tochter Margarete verheiratet. Er zeichnete sich insbesondere im 1. Markgräflichen Krieg aus. Er hatte drei Söhne.
Lorenz I. Tucher (* 10. August 1447; † 1503) wurde im Benediktinerkloster St. Egidius unterrichtet und studierte dann Jura in Italien. Er hatte eine Domstelle in Regensburg. Ab 1462 studierte er in Leipzig wo er im Jahr 1470 auch promovierte. Noch im Jahr seines Abschlusses begann er in Basel Theologie und Kirchenrecht zu studieren und promovierte auch hier. In Zürich hat er auch eine Domstelle erhalten. Im Juni 1478 wurde er zum Propst und Pfarrer zu St. Lorenz in Nürnberg berufen. Im Jahr 1496 trat er von dieser Stelle zurück und zog nach Regensburg. Auf Lorenz gehen einige Stiftungen zurück, zum Beispiel ein Tucherfenster in St. Lorenz und zwei heute nicht mehr erhaltene Glasgemälde in der Fürther Kirche. Er ist Begründer und Namensgeber der heute noch existierenden Dr.-Lorenz-Stiftung. Er starb im Jahr 1503 in Nürnberg. Seine Brüder Hans IX. und Martin engagierten ein von Hans von Kulmbach geschaffenes Epitaph: ein Triptychon mit Maria mit dem Kind, umgeben von Engeln und den Heiligen Katharina, Barbara, Hieronymus, Johannes der Täufer, Petrus und Laurentius, zwischen letzteren beiden knieend der Propst Lorenz Tucher.
Hans IX. Tucher (* 1452; † 10. September 1521), genannt der Lange war seit 1466 in Venedig, Genf und Lyon, um Handel und die jeweilige Sprache zu lernen. Er stand der Niederlassung in Lyon vor und war lange Jahre ein erfolgreicher Geschäftsmann. 1480 heiratete er Cordula von Thil. Er blieb kinderlos, staatliche Ämter übte er keine aus. Auch er tätigte Stiftungen, es gibt einen ihn abbildenden Kupferstich. Er starb in Nürnberg.
Martin I. Tucher (* 12. November 1460; † 7. Juli 1528) hatte eine Ausbildung zum Handelsmann absolviert, wurde aber bald Alter Bürgermeister. Er machte eine den Armen des Heilig-Geist-Spitals eine Stiftung, die ihnen jährlich am St.-Martins-Tag Ertrag brachte. Seit 1481 war er mit Paul Imhoffs Tochter Margarete verheiratet. Im Sommer 1520 floh er mit ihr noch vor einer Seuche nach Regensburg, wo sie im folgenden Jahr dennoch daran starb. Es gibt von Martin eine Portraitmedaille aus dem Jahr 1519 und einen posthumen Kupferstich von J. F. Leonhard aus dem Jahr 1572.
Lorenz II. Tucher (* 1490; † 1554) führte, nachdem sein Vater und Onkel Anton II. verstorben war, mit seinem Vetter Linhart die Handelsgesellschaft. Weil Linhart im Nürnberger Rat beschäftigt war, lastete die Arbeit zum großen Teil auf Lorenz. 1533 bis 1544 entstand auf seinen Auftrag hin das Tucherschloss, worin sich auch ein Portrait von Hans Leonhard Schäuffelein aus dem Jahr 1534 befindet, das Lorenz und seine Frau zeigt. Sie hatten zwei Söhne.
Martin II. (* 1524; † 1555), war als Handelsmann tätig, starb aber recht bald in seiner ersten, im Jahr 1554 geschlossenen Ehe.
Adam (* 1536) wurde in Frankreich zum Handelsmann ausgebildet, er hatte mit der Patrizierstochter Anna Tetzel 11 Kinder, von denen vier ein längeres Leben hatten.
Klara heiratete im Jahr 1589 den Patrizier Christoph Behaim. Von beiden ist ein Ölbild auf Leinwand von Lorenz Strauch erhalten.
Jobst (1574–1629) war nacheinander mit zwei Patriziertöchtern verheiratet, zweitere vermachte ihm eine Wappenscheibe mit beider Wappen, die genauso wie zwei Fayenceteller aus Jobsts Besitz erhalten ist.
In den Gothaisch genealogischen Taschenbüchern bzw. Genealogischen Handbüchern setzt die sogenannte Ältere Linie, die demnach auf den im Jahr 1449 verstorbenen Hans II. zurückgeht, bei den Brüdern Friedrich Wilhelm Karl (* 31. März 1806; † 15. Juni 1838) und Gottlieb Friedrich Wilhelm Karl an, ohne dass ihr Vater genannt ist. Eine bei Gottlieb Stromer von Reichenbach veröffentlichte Stammtafel als Beilage zu seiner ausgeführten Genealogie über die Tucher von Simmelsdorf (1878) schließt diese Lücke der Stammreihe bis zu ihrem genannten Vorfahren Hans II.
Gottlieb Friedrich Wilhelm Karl (* 27. Januar 1810; † 9. Oktober 1861) heiratete am 4. Februar 1840 Caroline Faber (1817–1887).
Christoph August Wilhelm (2. Mai 1841) war Rechtsritter des Johanniterordens, königlich bayerischer Kämmerer sowie Geheimer Regierungsrat. Am 15. Mai 1866 heiratete er Pauline Ansbach.
Marietta (* 14. Februar 1867) heiratete am 24. Oktober 1889 in Nürnberg den königlich sächsischen Rittmeister und Eskadronschef im Ulanenregiment Nr. 17 Christian von Welck.
Christoph August Heinrich (* 24. Juni 1875) war königlich bayerischer Kammerjunker und Attaché bei der Gesandtschaft von Paris.
Hans Christoph (* 24. September 1904; † 11. August 1868) war Rechtsanwalt und Vorstandsmitglied bei der Bayerischen Vereinsbank.
Hans Anton (* 19. Juni 1935) war Vizepräsident der Bank of America.
Alison Margaret (* 18. September 1962), vorsitzende Richterin am kalifornischen Berufungsgericht.
Hans Heinrich Konstantin (* 15. November 1907) war Landwirt und Gutsbesitzer. Er heiratete in Birkeroed bei Kopenhagen Karen, eine Tochter des Korvettenkapitän Werner Magnus.
Anna Marie Leonore Pauline (* 28. Februar 1916) war Verlagsbuchhändlerin, Vizepräsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes und Mitglied im Bayerischen Senat.
Jüngere Linie
Endres II. Tucher (* 5. April 1423; † 14. April 1507) war der älteste Sohn des Endres I. Er heiratete im Jahr 1446 die Bambergerin Adelheid Gundelach († 4. Dezember 1482), die Ehe blieb jedoch kinderlos. 1454 kam er als Genannter in den Rat, 1461 wurde er Stadtbaumeister. Im Jahr 1476 resignierte er als solcher und trat mit Zustimmung seiner Frau, die zu ihren Verwandten nach Bamberg zurückkehrte, in den Kartäuserorden ein. Endres verfasste vor seinem Eintritt ins Kloster das sogenannte Baumeisterbuch der Stadt Nürnberg und bedeutende weitere lokalgeschichtliche Aufzeichnungen. Er stiftete seiner Frau des Weiteren ein bekanntes Epitaph.
Lazarus I. Tucher (1492–15) studierte in Leipzig und ging früh in die Niederlande. In Tournai heiratete er die Kaufmannstochter Jakobina Coquiel und zog dann im Jahr 1519 nach Antwerpen. Als Makler süddeutscher Häuser und dann als Großhändler, später als Bankier der Starthalterin der Niederlande und der englischen und portugiesischen Könige wurde er bald eine äußerst einflussreiche Person an der Antwerpener Finanzbörse. Er sei als Vater des neuzeitlichen Börsenwesens zu betrachten. Er ließ für sich und seine vor ihm verstorbenen Söhne eine Gedächtniskapelle in der Antwerpener Jakobuskirche errichten, in der auch die drei ihm nachfolgenden Generationen bestattet wurden.
Berthold IV. Tucher (* 30. Oktober 1424; † 12. Mai 1494), des Endres I. zweiter Sohn, studierte viele Jahre in Köln und in Wien, kam 1449 im Verlauf des 1. Markgräflichen Krieges in Gefangenschaft des Markgrafen Albrecht Achilles. Er heiratete im Jahr 1452 des Patriziers Marquard Mendels Tochter Anna. Unermüdlich arbeitete er für die Tuchersche Handelsgesellschaft, aber auch für die seines Großvaters mütterlicherseits, Konrad Paumgartner. Vom Ehepaar, das 15 Kinder hatte, gibt es Doppelbildnis aus dem 16. Jahrhundert, das sehr wahrscheinlich auf mindestens ein älteres Vorlagenbildnis zurückgeht.
Hans VI. Tucher (* 10. April 1428; † 24. Februar 1491) heiratete im Jahr 1455 die Patrizierstochter Barbara Ebner († 1476), sie hatten 9 Kinder. Im gleichen Jahr kam er anstelle seines Bruders Endres, der aus dem Rat zurückgetreten und ins Kloster gegangen war, als Alter Genannter in den kleinen Rat. 1479 unternahm er mit dem Ratsherrn Sebald Rieter und dem Breslauer Kaufmann Valentin Scheurl eine Pilgerreise nach Jerusalem, wo Tucher zum Ritter des Heiligen Grabes geschlagen wurde. Sein Reisebericht erschien im Druck. Im Jahr 1481 heiratete er Ursula Harsdörffer.
Nikolaus Tucher (1464–1521) heiratete im Jahr 1491 Elisabeth Pusch, hatte aber keine Kinder mit ihr. Sein Bildnis ging im Gegensatz zu dem seiner Frau verloren.
Sebald III. Tucher (* 29. Juni 1434; † 1462) war seit 1460 mit Barbara Hirsvogel verheiratet, wobei ihr Sohn Sebald VII. aus dieser Ehe Vorfahre aller heute noch lebenden Tucher aus der jüngeren Linie ist. Er floh vor einer Seuche nach Bamberg, starb letztlich aber doch daran.
Sebald VII. Tucher (* 1462) heiratete im Jahr 1487 die Patrizierstochter Barbara Waldstromer († 1507). Sie hatten 13 Kinder.
Hans (1490–1548) starb kinderlos, nachdem er im Heer Kaiser Karls V. in Italien gedient hatte. Er erwarb die Grundherrschaft Behringersdorf, die sein Bruder Sebald zu einer Tucherschen Vorschickung machte.
Wolfgang III. Tucher (* 1494; † 1551) lernte in Spanien, Frankreich und der Niederlande Handelsgeschäfte und Sprachen, leitete viele Jahre bis zu seinem Tod die Niederlassung in Genf.
Tobias I. Tucher (* 1534; † 1590) wuchs in Nürnberg auf, wo er in den Inneren Rat kam und auch Ratsbaumeister wurde. Nach seinem Tod wurde eine Medaille mit seinem Brustbild und 6cm Durchmesser geprägt.
Paul IX. Tucher (* 1584) heiratete 1612 Magdalena Gebhard, wobei ein prächtiger Hochzeitsteller vorhanden geblieben ist.
Katharina (* 1629) heiratete im Jahr 1651 den Patrizier Wolf Jakob Pömer, wobei es von diesem paar zwei Ölbildnisse aus dem Jahr 1662 gibt.
Hans Sebastian I. Tucher (* 1624; † 1683) war Pfleger im Amt Betzenstein, von ihm gibt es einen zeitgenössischen Kupferstich.
Gottlieb Tucher (* 1662; 1742) war seit 1727 Oberst der Truppen des Fränkischen Kreises, erhielt zuvor im Jahr 1694 das Pflegamt Reicheneck, im Jahr 1710 das des Klosteramtes Engelthal. Er machte ansehnliche Stiftungen in Kirchen und Schulen.
Karl Benedikt Tucher (* 1701; † 1750) war Pfleger im Amt Hohenstein.
Maria (* 1544) heiratete im Jahr 1562 Christoph Balthasar Gugel, Schöffe und Stadtgerichtsassessor in Nürnberg. Ein Siegener Steinzeugkrug aus dem Hochzeitsjahr in Gedenken an ihre Hochzeit ist erhalten geblieben.
Endres VI. Tucher (auch Andreas VI. Tucher; * 1551; † 1630) studierte seit 1567 an der damals neuen Universität Straßburg, in Wittenberg, Bourges und Padua. Nachdem seiner Rückkehr nach Nürnberg heiratete er Barbara, Tochter des Kaufmanns Hieronymus Schnitter. Es erinnern einige Bildnisse (Gemälde, Kupferstiche etc.) an ihn bzw. seine Frau.
Hieronymus III. Tucher (1504–1540) zog als Handelsmann nach Antwerpen. Er heiratete im Jahr 1539 eine Anna Maria Oheim, starb aber im Jahr darauf. Im Jahr 1524 wurde eine sein Brustbild abbildende Portraitmedaille geprägt. Er hinterließ einen Sohn.
Christoph V. (1540–1610) sollte vom Jahr 1555 an in Vienne Sprachen lernen, reiste dann aber zeitweise durch Ungarn. Zurück in Frankreich wurde er Kammerherr König Karls IX. 1598 wurde er, seit 1575 im Inneren Rat, Alter Bürgermeister und 1607 Mitglied im Septemvir. Sein ehemals in der Kirche zu Rückersdorf befindliche Epitaph gelangte in den Kunsthandel, es gibt aber einen Kupferstich von Johann Andreas Böner.
Hieronymus VI. (1581–1652) war vorderster Assessor am Stadt- und Ehegericht. Er heiratete im Jahr 1605 Katharina Imhoff, wobei etwa aus dem Jahr 1650 ein Hausmalerkrug mit ihrer beider Wappen erhalten ist.
Christoph IX. (1610–1661) kam in den Inneren Rat, starb aber vergleichsweise früh. Johann Carl von Thill fertigte einen Kupferstich von ihm an.
Karl Christoph (1642–1693) heiratete im Jahr 1480 Maria Magdalena Praun. Er erbte wie schon einige seiner direkten Vorfahren Behringersdorf.
Christoph Wilhelm (1683–1752) heiratete im Jahr 1719 Maria Felizitas Imhoff und war dann seit 1733 Mitglied im Inneren Rat. Er ließ sowohl das Schloss als auch die Kirche Behringersdorf erbauen. Beides wurde seit der Entstehung nicht verändert. Sein Sohn Karl Christoph (1725–1758) wurde in dieser Kirche bestattet.
Jobst Christoph (1650–1712) ist nur mit seinen Lebensdaten überliefert.
Maria Ursula (1683–1735) heiratete im Jahr 1710 den Nürnberger Patrizier Georg Stephan Pömer und ist durch ein Ölgemälde verewigt.
Karl Christoph (1681–1742) wurde im Jahr 1709 Rittmeister im Kürassieregiment des Fränkischen Kreises und einige Jahre später, im Jahr 1731 Mitglied im Inneren Rat. Er war in erster Ehe (1713) mit Maria Magdalena Fürer von Haimendorf und in zweiter Ehe (1735) mit Eleonore Charlotte von der Ölsniz verheiratet. Von letzterem Ehepaar gibt es von L. Hirschmann zwei Ölgemälde.
Jobst Wilhelm Karl (1762–1813) war Ratsherr in Nürnberg und Diplomat. 1802 bzw. 1803 war er Komitialgesandter auf dem Reichstag in Regensburg, im Jahr 1806 Älterer Bürgermeister. Er verhandelte im Jahr 1811 in München mit dem bayerischen Finanzministerium über die reichsstädtischen Schulden. Die die Tucher von Simmelsdorf behandelnden Bände des Gothaisch Genealogischen Taschenbuch der freiherrlichen Häuser (1855 und 1940), des Genealogischen Handbuchs des Adels (1963 und 1982) und des Genealogischen Handbuchs des in Bayern immatrikulierten Adels (1986) beschränken ihren Inhalt bezüglich der jüngeren Linie der Tucher von Simmelsdorf auf Jobsts drei Söhne Siegmund, Gottlieb und Wilhelm und deren Nachkommen bis ins 20. Jahrhundert.
Christoph Karl Gottlieb Tucher (* 19. Mai 1798; † 17. Februar 1877), Jurist, Oberappellationsgerichtsrat und Musikforscher.
Karl Friedrich Wilhelm Tucher (* 4. Juni 1805; † 22. Mai 1875) war königlich bayerischer Kämmerer. Am 10. August 1835 heiratete er in Regensburg Friederike Gräfin von Montperny. Von ihm stammte nach einigen Generationen Cécile (* 17. Juli 1928 in Breslau) ab, die im Jahr 1957 in BayrischzellHenning von Lewinski (* 1902) heiratete.
Marie Susanne Helene Freifrau Tucher von Simmelsdorf (* 17. März 1791; † 1855) heiratete im Jahr 1811 Georg Wilhelm Friedrich Hegel
Großes Tucherbuch
Das GroßeTucherbuch ist ein als illustrierter Pergamentband vorliegendes Geschlechterbuch. Es wurde 1590 vom Administrator der Dr. Lorenz Tucher’schen Stiftung in Auftrag gegeben. Die Einträge im Großen Tucherbuch enden 1606. Es umfasst, nach Registern und Vorrede, dem Stammbaum folgend, Kurzbiographien für jedes Mitglied der verschiedenen Generationen und Linien mit Geburt, Hochzeit, Tod, Ausbildung, Vermögensverhältnissen, Stellung im Nürnberger Rat sowie persönlichen Charakteristika. Zu einer Vielzahl der Kurzbiographien gehört eine ganzseitige Miniatur mit dem jeweiligen Familienmitglied als Ganzkörperfigur, mit der Ehefrau oder den Ehefrauen. Das Buch befindet sich heute im Stadtarchiv Nürnberg.
Wappen
Das Wappen derer von TucherAlbrecht Dürer: Stammwappen der Scheurl und Tucher, um 1512
Das Stammwappen der Familie Tucher ist geteilt, oben von Schwarz und Silber fünfmal schräggeteilt, unten in Gold ein Mohrenkopf. Das Oberwappen zeigt zwischen zwei Büffelhörnern (in Silber, Schwarz und Gold) ebenfalls die heraldische Figur des Mohren als Helmzier. Die Figur wird im Großen Tucherbuch als Heiliger Mauritius benannt. Die Helmdecken sind schwarz-golden.
Die älteste erhaltene Darstellung des Tucher-Wappens befindet sich auf der Konsole der Figur des Apostels Bartholomäus von 1347 in der Nürnberger Sebalduskirche.
Die Darstellungen Schwarzer Menschen in Wappen, besonders im Hinblick auf das Tucher-Wappen, wird in einem Forschungsprojekt an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn untersucht.
Die Tucher Kulturstiftung wurde 2012 als gemeinnützige Stiftung auf Initiative der Gesamtfamilie Tucher gegründet. Die Tucher Kulturstiftung verfolgt das Ziel, Kunstobjekte und Archivalien der Familie Tucher zu bewahren, ihre über 700-jährige Geschichte wissenschaftlich zu erforschen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Sammlung umfasst Kunst- und Archivbestände vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Bekannte Objekte der Sammlung stammen von namhaften Künstlern wie Albrecht Dürer und Wenzel Jamnitzer. Ein Großteil der Kunstsammlung befindet sich als Leihgabe im Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal, aber auch im Germanischen Nationalmuseum. Die Archivalien befinden sich als Leihgabe im Stadtarchiv Nürnberg. Die Tucher Kulturstiftung verfolgt eigene Projekte und fördert Vorhaben in den Bereichen Kunst und Kultur. Seit 2017 vergibt die Tucher Kulturstiftung in Kooperation mit dem Germanischen Nationalmuseum das Tucher-Fellowship mit einem Forschungsaufenthalt in Nürnberg.
Persönlichkeiten
Endres II. Tucher (1423–1507), Stadtbaumeister, Verfasser des Baumeisterbuch der Stadt Nürnberg (1464–1475) (online)
Hans VI. Tucher (1428–1491), Verfasser des im Mittelalter weit verbreiteten Pilgerreisebericht
Lorenz I. Tucher (1447–1503), Propst bei St. Lorenz, Domherr zu Regensburg, Gründer der Dr.-Lorenz-Tucher’schen Stiftung (Familienstiftung)
Anton II. Tucher (1458–1524), Rats- und Handelsherr, Kunstmäzen, Vorderster Nürnberger Losunger (Verwalter der städtischen Steuern) (einer von drei Ratsherren, die die Schlüssel zu den Reichskleinodien verwahrten)
Sixtus I. Tucher (1459–1507), Propst bei St. Lorenz, Kirchenrechtsprofessor
Ludwig Grote: Die Tucher (= Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. Band 15/16). München 1961.
Wilhelm Schwemmer: Dr. Lorenz Tucher († 1503) und seine Familienstiftung. In: Mitteilungen für Geschichte der Stadt Nürnberg, vol. 63, 1976, S. 131–144. (online)
Michael Diefenbacher: Die Tucherisch Compagnia. Ein Nürnberger Handelshaus um 1500. In: Festschrift für Bernhard Kirchgässner, 1998, S. 79–93.
Volker Alberti, Jobst von Tucher: Jus Patronatus. Das Patronat der Nürnberger Patrizierfamilie von Tucher in Sankt Helena. In: Altnürnberger Landschaften e.V. Mitteilungen, Sonderheft, 2000.
Das Große Tucherbuch, Augsburg 2004 (= Handschriften aus bayerischen Bibliotheken und Archiven auf CD-ROM 5).
Gerhard Weilandt: Die Sebalduskirche in Nürnberg. Bild und Gesellschaft im Zeitalter der Gotik und Renaissance, Petersberg, 2007.
Peter Fleischmann: Rat und Patriziat in Nürnberg. Die Herrschaft der Ratsgeschlechter vom 13. bis zum 18. Jahrhundert, 3 Bde., Nürnberg, 2008.
Antonia Dietz, Sixtus Tucher (1459–1507). Humanist, Jurist und Geistlicher, in: Fränkische Lebensbilder. Bd. 22 (Fränkische Lebensbilder, Reihe VII A, Bd. 22), hg. v. Erich Schneider, Würzburg 2009, S. 15–40.
Christian Kuhn, Generation als Grundbegriff einer historischen Geschichtskultur. Die Nürnberger Tucher im langen 16. Jahrhundert, Göttingen 2010 (=Formen der Erinnerung 45).
Michael Diefenbacher, Ulrike Berninger u.a.: Patrizier in Nürnberg. Das Geschlecht der Tucher, Nürnberg, 2012.
Hans Becker; Matthias Kirchhoff: Das Memorial Endres I. Tuchers – Neuedition, Kommentierung und Übersetzung des ältesten Tucherschen Gedenkbuchs (1421–1440), in: Mitteilungen für Geschichte der Stadt Nürnberg, Nr. 101, 2014, S. 1–37. (online)
Antonia Landois: Gelehrtentum und Patrizierstand. Wirkungskreise des Nürnberger Humanisten Sixtus Tucher (1459–1507), Tübingen, 2014.
Freiherren Tucher von Simmelsdorf. In: Christoph Friedrich Wilhelm von Volckamer: Johann Gottfried Biedermann’s Geschlechtsregister des Patriciats der vormaligen Reichsstadt Nürnberg. Nürnberg 1854. S. 114–119. (Online)
Tucher von Simmelsdorff. In: 5. Jahrgang. 1855. S. 637–640. (Online)
Tucher von Simmelsdorf. In: 7. Jahrgang. 1857. S. 780 (Vorschau)
Tucher von Simmelsdorf. In: 46. Jahrgang. 1896. S. 1029–1032. (Online)
Tucher von Simmelsdorf. In: 50. Jahrgang. 1900. S. 787–789. (Online)
Tucher von Simmelsdorf. In: 58. Jahrgang. 1908. S. 800–802. (Online)
Tucher von Simmelsdorf in: Jahrgang 1940. S. 641–644.
Freiherren Tucher von Simmelsdorf. In: Gottlieb Stromer von Reichenbach:Genealogisches Handbuch der zur Zeit lebenden raths- und gerichtsfähigen Familien der vormaligen Reichsstadt Nürnberg, Band 7. Nürnberg 1878. S. 142–151. (Online)
Tucher v. Simmelsdorf in: Band 30 (Freiherrliche Häuser A, Band 5), Limburg an der Lahn 1963. S. 419–426.
Tucher v. Simmelsdorf in: Band 80 (Freiherrliche Häuser A, Band 13), Limburg an der Lahn 1982. S. 356–366.
Tucher v. Simmelsdorf in: Walter von Hueck: Band 134 (Adelslexikon, Band 15: Tre–Wee), Limburg an der Lahn 2004. S. 69–70. (Vorschau)
Wilhelm Schwemmer: Das Mäzenatentum der Nürnberger Patrizierfamilie Tucher vom 14. bis 18. Jahrhundert. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg Nr. 51, 1962, S. 18–59. (online)
Tucher v. Simmelsdorf in: Genealogisches Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels, Band 16. Neustadt an der Aisch 1986. S. 453–464. (Vorschau)
↑Ludwig Grote:Die Tucher. Bildnis einer Patrizierfamilie. Prestel, München 1961, S.29f.
12Wilhelm Schwemmer:Dr. Lorenz Tucher († 1503) und seine Familienstiftung. In: Mitteilungen für Geschichte der Stadt Nürnberg. Nr.63, 1976, S.131.
↑Peter Fleischmann:Rat und Patriziat in Nürnberg: die Herrschaft der Ratsgeschlechter vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Band1. Nürnberg 2008, ISBN 978-3-87191-333-4, S.222.
↑Volker Alberti, Jobst von Tucher:Jus Patronatus. Das Patronat der Nürnberger Patrizierfamilie von Tucher in Sankt Helena. In: Altnürnberger Landschaft e.V. Mitteilungen. Nr.49. fahner, 2000, ISSN0569-1451, S.7–9.
↑Peter Fleischmann:Rat und Patriziat in Nürnberg.Band2. Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg, Nürnberg 2008, ISBN 978-3-87191-333-4, S.1003.
↑Gerhard Weilandt:Die Sebalduskirche in Nürnberg. Bild und Gesellschaft im Zeitalter der Gotik und Renaissance. Michael Imhof, Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-125-6, S.124–126.
↑Peter Fleischmann:Rat und Patriziat in Nürnberg.Band2. Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg, Nürnberg 2008, ISBN 978-3-87191-333-4, S.1007.
↑Michael Diefenbacher, Ulrike Berninger, u.a.:Patrizier in Nürnberg - Das Geschlecht der Tucher. Verlag Hans Müller, Nürnberg 2012, ISBN 978-3-924773-01-4, S.43.
↑Antonia Landois:Gelehrtentum und Patrizierstand. Wirkungskreise des Nürnberger Humanisten Sixtus Tucher (1459-1507). In: Spätmittelalter, Humanismus, Reformation / Studies in the Late Middle Ages, Humanism, and the Reformation. Band77. Mohr Siebeck, Tübingen 2014, ISBN 978-3-16-152654-1, S.20f.
↑Gothaisch genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 50. Jahrgang. 1900. S. 787 (Online)
↑Gottlieb Stromer von Reichenbach: Genealogisches Handbuch der zur Zeit lebenden raths- und gerichtsfähigen Familien der vormaligen Reichsstadt Nürnberg, Band 7. Nürnberg 1878. (Online)
↑Gothaisch genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 50. Jahrgang. 1900. S. 787 ()
↑Gothaisch genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 50. Jahrgang. 1900. S. 787 ()
↑Gothaisch genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 46. Jahrgang. 1896. S. 1029–1030. (Online)
↑Gothaisch genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 50. Jahrgang. 1900. S. 788 ()
↑Genealogisches Handbuch des Adels, Band 80 (Freiherrliche Häuser A, Band 13), Limburg an der Lahn 1982. S. 357
↑Genealogisches Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels, Band 16. Neustadt an der Aisch 1986. S. 455.
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↑Wolfgang Schmid: Dürer als Unternehmer: Kunst, Humanismus und Ökonomie in Nürnberg um 1500. Porta Alba, 2003, ISBN 978-3-933701-05-3, S.107 (google.de[abgerufen am 22.Oktober 2026]).
↑Genealogisches Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels, Band 16. Neustadt an der Aisch 1986. S. 460, 463–464
↑Dietmar Grypa: Leopold von Ranke – Briefwechsel – Historisch kritische Ausgabe. Band1: 1810–1825. de Gruyter, Oldenburg 2016, ISBN 978-3-11-041212-3, S.383, Anmerkung 45 (google.de[abgerufen am 23.Oktober 2026]).
↑Inge Meidinger-Geise: Frauengestalten in Franken: eine Sammlung von Lebensbildern. Weidlich, 1985, ISBN 978-3-8035-1242-0, Jürgen Walter: Maria Hegel, geborene von Tucher (1791–1855), S.141 (google.de[abgerufen am 23.Oktober 2026]).