| Tuchfabrik Truns AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1912 |
| Auflösung | 2001 |
| Sitz | Trun, Graubünden, Schweiz |
| Leitung | Fidel Tuor (Gründer) |
| Mitarbeiterzahl | 400 (1970er Jahre) |
| Branche | Textilindustrie |
Die Tuchfabrik Truns AG (rätoromanisch Fabrica da ponn Trun) war ein Textilunternehmen mit Sitz in Trun im Kanton Graubünden. Sie entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten Industriebetriebe der Surselva und zeitweise zu einem der grössten Arbeitgeber der Region. Zu den bekanntesten Produkten zählten während Jahrzehnten Wolldecken für die Schweizer Armee.
Die Tuchfabrik wurde 1912 von Fidel Tuor gegründet. Der Fabrikbau entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Papierfabrik in Trun. Die kurz zuvor eröffnete Bahnlinie der Rhätische Bahn zwischen Ilanz und Disentis erleichterte den Transport von Rohstoffen und Fertigprodukten erheblich.
Bereits 1913 wurde ein Teil der Anlage durch einen Brand beschädigt, jedoch rasch wieder aufgebaut.
Während des Ersten und des Zweiten Weltkriegs profitierte das Unternehmen von der Produktion von Uniformstoffen und strapazierfähigen Wolltuchen für militärische Zwecke.
In den 1940er und 1950er Jahren erfolgten mehrere Erweiterungen: 1949 wurde eine neue Spinnerei errichtet, 1955 eine Betriebskantine und 1957 ein Lagerhaus. Ein umfassender Neubau der Fabrikanlagen 1960/61 markierte den Höhepunkt der Expansion.
In ihrer Blütezeit beschäftigte die Tuchfabrik über 400 Mitarbeitende und unterhielt Verkaufsfilialen in mehreren Schweizer Städten, darunter Chur, Zürich, St. Gallen, Bern, Winterthur, Biel und Solothurn.
Ab den 1960er Jahren geriet die Schweizer Textilindustrie zunehmend unter Druck durch internationale Konkurrenz und veränderte Marktbedingungen. Auch die Tuchfabrik Truns war von rückläufiger Nachfrage und steigenden Produktionskosten betroffen. In den 1990er Jahren verschärfte sich die wirtschaftliche Lage; zeitweise wurde Kurzarbeit eingeführt.
Im Jahr 2001 wurde der Betrieb endgültig eingestellt.
Die Fabrik stellte vor allem hochwertige Wollstoffe her, darunter das sogenannte «Trunser Tuch», ein dicht gewobenes, strapazierfähiges Gewebe, das unter anderem für Arbeitskleidung, Uniformen und traditionelle Bündner Bekleidung verwendet wurde.
Die Tuchfabrik war über Jahrzehnte ein zentraler Wirtschaftsfaktor in der Surselva. Sie trug wesentlich zur Industrialisierung des ansonsten landwirtschaftlich geprägten Tals bei. Der Aufschwung der Fabrik führte zu einem Bevölkerungswachstum im Dorf und beeinflusste dadurch die soziale Struktur der Gemeinde Trun nachhaltig.
Zum 100-jährigen Bestehen der Fabrik wurde 2012 im Museum Surselvan Cuort Ligia Grischa eine Ausstellung zur Geschichte des Unternehmens gezeigt.
Ein Teil des ehemaligen Fabrikareals wird heute kulturell genutzt, unter anderem als Ausstellungsraum Spazi d’Art in Verbindung mit dem Werk des Künstlers Matias Spescha.
Koordinaten: 46° 44′ 36″ N, 8° 59′ 11″ O; CH1903: 718272 / 178071