Varese

Varese
Varese (Italien)
Varese (Italien)
Staat Italien
Region Lombardei
Provinz Varese (VA)
Lokale Bezeichnung Varés
Koordinaten 45° 49′ N, 8° 50′ OKoordinaten: 45° 49′ 0″ N, 8° 50′ 0″ O
Höhe 382 m s.l.m.
Fläche 54,84 km²
Einwohner 79.100 (31. Dez. 2025)
Fraktionen Avigno, Bizzozero, Biumo Inferiore, Biumo Superiore, Bobbiate, Bregazzana, Bustecche, Calcinate del Pesce, Calcinate degli Orrigoni, Campo dei Fiori, Capolago, Cartabbia, Casbeno, Lissago, Masnago, Prima Cappella, Rasa di Varese, San Fermo, Sangallo, Santa Maria del Monte, Sant’Ambrogio Olona, Schiranna, Velate
Postleitzahl 21100
Vorwahl 0332
ISTAT-Nummer 012133
Bezeichnung der Bewohner Varesini
Schutzpatron San Vittore il Moro
Website comune.varese.it

Varese von Norden

Varese (lombardisch: Varés) ist eine italienische Gemeinde, Hauptstadt der Provinz Varese im Nordwesten der Lombardei mit 79.100 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2025) und seit 1998 Universitätsstadt (Università d’Insubria).

Gemeinde Varese in der Provinz Varese

Geografie

Die Stadt liegt östlich des Lago di Varese (lediglich die zu Varese gehörenden Orte Calcinate del Pesce und Schiranna liegen direkt am See auf 283 m ü. M.), nahe der Grenze zur Schweiz, zwischen Lago Maggiore und Comer See. Sie geht bis an den Fuß des Hausbergs Campo dei Fiori, der bis 1227 m ü. M. hinaufreicht. Die Stadt bedeckt eine Fläche von 54 km² auf einer Höhe von 382 m ü. M. Sie befindet sich etwa 55 km nördlich von Mailand.

Die Nachbargemeinden sind Arcisate, Azzate, Biandronno, Bodio Lomnago, Brinzio, Orino, Buguggiate, Cantello, Casciago, Castello Cabiaglio, Cazzago Brabbia, Galliate Lombardo, Gavirate, Gazzada Schianno, Induno Olona, Lozza, Luvinate, Malnate und Vedano Olona.

Geschichte

Die Region ist seit etwa 3000 v. Chr. besiedelt. Der Name der Stadt leitet sich vermutlich von dem keltischen Wort vara (Wasser) her. Nacheinander herrschten hier Etrusker, Kelten, Römer und Langobarden, deren Reich 774 von Karl dem Großen erobert wurde. Varese selbst wird erst im Frühmittelalter als bescheidene Siedlung erwähnt, die damals zum Bistum Como gehörte und innerhalb der Contado del Seprio lag. Im Spätmittelalter teilte die Stadt die Schicksale des Herzogtums Mailand. Während des von 1117 bis 1127 dauernden Krieges zwischen Mailand und Como stand Varese auf Seite der Mailänder und wurde zweimal von durch Como entsandte Truppen erobert und geplündert. Mitte des 13. Jahrhunderts erlangte die Stadt ihre Autonomie, blieb aber unter dem Schutz des Erzbistums Mailand. 1302 war sie der erste Zufluchtsort von Matteo I. Visconti. Kaiser Ludwig IV. befestigte das Gebiet der Stadt, das daraufhin Lodrisio Visconti und Ende des 14. Jahrhunderts der Condottiere Facino Cane de Casale zum Lehen erhielt. Während der Mailänderkriege okkupierten und plünderten Schweizer Verbände von 1510 bis 1512 mehrmals Varese und dessen Umland. Mit dem Abschluss des Ewigen Friedens von 1516 endeten die Feindseligkeiten.

1538 erhielt Varese von Karl V. das Privileg, dass es nicht mehr als Lehen vergeben wurde. Von 1604 bis 1698 wurde auf der Anhöhe Velate der Sacro Monte di Varese erbaut, der sich zu einer Pilgerstätte entwickelte. Kaiserin Maria Theresia übergab die Stadt 1765 dem Herzog von Modena und Reggio, Francesco III. d’Este. Im Jahr 1859 fand im Zuge des Risorgimento und des Krieges zwischen Frankreich, Piemont und Österreich in der Nähe Vareses (deutsch veraltet: Väris) eine Schlacht zwischen den Truppen von Giuseppe Garibaldi und österreichischen Kräften unter Feldmarschall Karl von Urban statt. Nachdem die österreichischen Verbände dort geschlagen worden waren, stießen Garibaldis Freiwillige bis zum Gardasee vor. Dort kam es zu den entscheidenden Schlachten von Solferino und San Martino.

Nach dem vorübergehenden Zusammenschluss der lombardischen Provinzen mit dem Königreich Sardinien wurde die Gemeinde Varese mit 10.911 Einwohnern, die von einem zwanzigköpfigen Gemeinderat und einem vierköpfigen Stadtrat verwaltet wurde, auf der Grundlage der durch das Gesetz vom 23. Oktober 1859 festgelegten Gebietsaufteilung in das Mandamento I di Varese, circondario II di Varese, Provinz Como aufgenommen. Bei der Gründung des Königreichs Italien im Jahr 1861 hatte die Gemeinde 11.954 Einwohner (Volkszählung 1861). Nach dem Gemeindegesetz von 1865 wurde die Gemeinde von einem Bürgermeister, einer Junta und einem Rat verwaltet. Im Jahr 1867 wurde die Gemeinde in denselben Bezirk, Kreis und dieselbe Provinz eingegliedert.

Im Jahr 1924 wurde die Gemeinde in den Bezirk Varese der Provinz Como eingegliedert. Nach der Gemeindereform von 1926 wurde die Gemeinde von einem Podestà und einer Consulta verwaltet. Im Jahr 1927 wurde die Gemeinde der Provinz Varese zugeschlagen. Im Jahr 1927 wurden die aufgelösten Gemeinden Bizzozero, Bobbiate, Capolago, Induno Olona, Lissago, Masnago, Santa Maria del Monte, Sant’Ambrogio Olona und Velate zur Gemeinde Varese zusammengefasst (R. D. 24. November 1927, Nr. 2247). Im Jahr 1929 wurde ein Teil der aufgelösten Gemeinde Morosolo der Gemeinde Varese zugeschlagen, und ein Gebiet wurde von der Gemeinde Varese abgetrennt und der Gemeinde Casciago zugeschlagen (Königlicher Erlass Nr. 813 vom 28. März 1929). Nach der Gemeindereform von 1946 wurde die Gemeinde Varese von einem Bürgermeister, einer Junta und einem Gemeinderat verwaltet. Im Jahr 1950 wurde die oben erwähnte Gemeinde Induno Olona neu gegründet (Präsidialerlass Nr. 954 vom 25. Oktober 1950). 1971 hatte die Gemeinde Varese eine Fläche von 5.493 Hektar.

Wirtschaft

Varese ist industriell geprägt; dazu gehörte früher vor allem Leder-, Textil- und Metallverarbeitung, heute insbesondere die Luftfahrt- und Elektroindustrie: die bedeutendsten Unternehmen sind Alenia Aermacchi (Flugzeugbau), AgustaWestland (Bau von Hubschraubern), Cagiva (Bau von Motorrädern) und die einstigen Ignis-Werke, gegenwärtig ein Tochterunternehmen von Whirlpool (elektrische Haushaltsgeräte).

Husqvarna, eine Tochter von KTM AG, baute bis 2013 sämtliche Motorräder am Standort in Varese ebenso wie der italienische Motorradhersteller MV Agusta.

Verkehr

Varese hat gute Bahnverbindungen nach Mailand und ist in das Mailänder S-Bahn-System (Linie S 5) mit dichtem Taktverkehr eingebunden. Seit Januar 2018 besteht eine zusätzliche Zugverbindung auf der Bahnstrecke Mendrisio–Varese in die Schweiz. Über die Autostrada A 8 besteht auch auf der Straße eine gute Anbindung an die lombardische Hauptstadt.

Von 1895 bis 1950 verfügte Varese über ein eigenes Straßenbahnnetz, das in seinem größten Ausbauzustand bis weit in das Umland reichte

Rund 10 Kilometer südöstlich befindet sich der Flugplatz Varese-Venegono, knapp 5 Kilometer westlich der kleine Flugplatz Varese-Calcinate del Pesce. Etwa 20 Kilometer (Luftlinie) südwestlich von Varese liegt der internationale Flughafen Mailand-Malpensa.

Bildung

Die 1998 gegründete staatliche Università degli Studi dell’Insubria hat ihren Sitz in Varese und Como.

Seit 1983 besteht ein als Schule für Dolmetscher und Übersetzer gegründetes Institut, das 2002 als Universitätsinstitut anerkannt wurde. Seit 2003 firmiert es als Scuole Superiori per Mediatori Linguistici (SSML).

In Varese befindet sich auch eine Europäische Schule für die in Ispra gelegene Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung
Jahr175418051853186118711881190119211931195119711991200120112021
Einwohner5.7436.04910.67611.95412.60514.16117.66623.09741.88953.11583.23985.68780.64580.63480.039

Sehenswürdigkeiten

Bilder

Städtepartnerschaften

Varese unterhält Partnerschaften seit 2003 zur rumänischen Stadt Alba Iulia in Siebenbürgen und seit 1957 zur französischen Stadt Romans-sur-Isère in der Region Auvergne-Rhône-Alpes.

Sport

Sowohl 1951 wie auch 2008 fand in Varese die UCI-Straßen-Weltmeisterschaft der Radrennfahrer statt. Mit dem Eintagesrennen Tre Valli Varesine wird seit dem Jahr 1919 jährlich ein Straßenradrennen auf den Hügeln der Stadt ausgetragen. Mit der Lombardei-Rundfahrt startete in den Jahren 1995 bis 2001 und 2007 bis 2009 eines der fünf Monumente des Radsports in Varese. Der Giro d’Italia, das größte und wichtigste italienische Etappenrennen, gastierte acht Mal in Varese.

Pallacanestro Varese war in den 1970er-Jahren der dominierende Verein im europäischen Basketball und gewann fünfmal den Landesmeisterpokal. Seit 2009 spielt er wieder in der Serie A. Außerdem ist der Fußballverein Varese Calcio SSD hier ansässig. Die Ruder-Europameisterschaften 2012 fanden auf dem Lago di Varese statt.

Persönlichkeiten

Bekannte Persönlichkeiten der Stadt sind in der Liste von Persönlichkeiten der Stadt Varese aufgeführt.

Ehrenbürger

Am 6. Juni 2013 entschied der Gemeinderat von Varese mit der Mehrheit von Lega Nord und PdL, dem ehemaligen Diktator Benito Mussolini die 1924 verliehene Ehrenbürgerschaft zu belassen.

Literatur

Commons: Varese – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Varese – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. ↑ Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2025. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2025).
  2. 1 2 Giuseppe Caraci: Varese, in: Enciclopedia Italiana, Bd. 34 (1937).
  3. 1 2 Marino Viganò: Varese. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 28. April 2020, abgerufen am 30. Juli 2021.
  4. ↑ Basilika San Vittore (Bilder) (italienisch) auf lombardiabeniculturali.it/architetture/schede
  5. ↑ Castello di Masnago auf de.lagomaggiore.net
  6. ↑ Villa Mirabello (Bilder) (italienisch) auf lombardiabeniculturali.it/architetture/schede
  7. ↑ Palazzo Estense (Bilder) (italienisch) auf lombardiabeniculturali.it/architetture/schede
  8. ↑ Kirche Sant’Antonio Abate (Bilder) (italienisch) auf lombardiabeniculturali.it/architetture/schede
  9. ↑ Parco Regionale Campo dei Fiori. (italienisch, offizielle Website des Parks).
  10. ↑ Parco Regionale del Campo dei Fiori, Website lagomaggiore.net
  11. ↑ Der Regionalpark Campo dei Fiori, Website vareselandoftourism.com
  12. ↑ Villa Toeplitz (Bilder) (italienisch) auf lombardiabeniculturali.it/architetture/schede
  13. ↑ Villa Agosteo Cristina im Jugendstil (Bilder) (italienisch) auf lombardiabeniculturali.it/architetture/schede
  14. ↑ Romanische Kirche Santo Stefano am Friedhof von Bizzozero (Bilder) (italienisch) auf lombardiabeniculturali.it/architetture/schede
  15. ↑ Cycling statistics for Varese (Italy). Abgerufen am 7. Oktober 2022.
  16. ↑ Lucia Landoni: Mussolini resta cittadino onorario. La Repubblica, 7. Juni 2013, abgerufen am 7. Juni 2013.