Waldfenster

Waldfenster
Koordinaten: 50° 16′ N, 9° 57′ OKoordinaten: 50° 15′ 40″ N, 9° 57′ 26″ O
Höhe: 435 m ü. NHN
Fläche: 2,76 km²
Einwohner: 807 (31. Dez. 2024)
Bevölkerungsdichte: 292 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 97705
Vorwahl: 09734

Waldfenster ist ein Gemeindeteil des Marktes Burkardroth im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen in Bayern. Die Gemarkung Waldfenster hat eine Fläche von 2,760 km². Sie ist in 1012 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2727,01 m² haben.

Geographische Lage

Das Pfarrdorf Waldfenster liegt westlich von Burkardroth. Die durch den Ort verlaufende Bundesstraße 286 führt in nordwestlicher Richtung nach Platz, einem Gemeindeteil von Geroda, und in südöstlicher Richtung, die Staatsstraße 2290 kreuzend, über den Bad Kissinger Gemeindeteil Poppenroth nach Bad Kissingen.

Geschichte

Die Namensbedeutung lässt sich nicht genau festsetzen, jedoch gibt es mehrere mögliche Erklärungen:

Der älteste Nachweis menschlicher Kulturarbeit ist eine Bootsaxt aus der Zeit um 1800 v. Chr., jedoch ist die genaue Gründungszeit unbekannt, doch wahrscheinlich zählt der Ort aufgrund diverser Quellen in der näheren Umgebung zu den ältesten Siedlungen im Salzforst. Der Besitz des Ortes änderte sich im Laufe der Zeit so oft wie auch sein Name. Die historischen Nachweise:

Mittelalter

Eine Aufzeichnung des Klosters Aura aus dem Jahre 1167 führt an:

„Abt Conradus tauschte im Jahre 1167 das Gut Waldemannesroth mit dem Walde und allen Zugehörigen von drei Brüdern ein. Und zwar einen Teil von Warmund von Fuchsstadt, welchem er dagegen 5 Talente und 2 Mausen gab. Die beiden anderen Teile des Gutes ertauschte er von dessen Brüdern, Dietherich von Heustreu und Hartung von Nüteligen, denen er die Güter, welche das Kloster zu Nütelingen besaß abtrat.“

Dass es sich bei diesem Tausch um Waldfenster handeln kann, geht aus späteren Aufzeichnungen des Klosters Aura hervor.

Waldfenster zu Beginn der Neuzeit

1564 fand sich im Kloster Aura folgende Aufzeichnung: „Das Dorf Waldfenster gehört mit Zinsen, Gülten, Frohndienst samt dem Wald und allen Gerechtigkeiten zu den Besitzungen des Klosters Aura“. Der halbe Teil dieses Besitztums gehörte, laut einer Aufzeichnung vom 15. Juli 1564, denen von Hutten und denen von Steinau genannt Steinrück und wurde etliche Jahre vorher an diese durch den Abt übergeben, mit der Verpflichtung, das Kloster im Besitz der anderen Hälfte zu schützen. Kunz von Steinau maßte sich die Herrschaft über das Dorf an und erlaubte dem Kloster, so viel Holz zu schlagen „wie es Notdürftig benötigt, als halben Teil der Zinsen, Gülten und Lehnschaft“.

Abt Leonard verkaufte dieses Recht für 120 Gulden unter der Bedingung, dass wenn der Betrag bis Petri cathedra 1565 nicht von Kunz von Steinau oder dessen Erben gezahlt sei, der Abt die Zinsen, Gülten, Lehnschaften und Wald nutzen darf, bis die gesamte Summe gezahlt ist.

Waldfenster nach 1945

Am 1. Januar 1972 wurde Waldfenster im Zuge der Gebietsreform in Bayern in den Markt Burkardroth eingegliedert. Ursprüngliche Pläne einer Eingemeindung Waldfensters nach Bad Kissingen scheiterten an der räumlichen Entfernung zwischen beiden Orten.

Bauwerke und Denkmäler

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt / St. Pius-Kirche

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt entstand im Jahr 1804 und ersetzte einen steinernen Vorgängerbau am gleichen Standort. In den 1960er Jahren entstand die St.-Pius-Kirche als Anbau der alten Kirche. Diese wurde nach den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils gestaltet, musste aber im Jahr 2018 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Sie wurde dann durch einen Erweiterungsneubau der alten Kirche Mariä Himmelfahrt ersetzt. Die barocke Kirche wurde dabei in ihrer ursprünglichen Gestalt saniert. Im Vordergrund stand der sorgsame Umgang mit der Bausubstanz des historischen Bestandsgebäudes. Das Hauptschiff aus Altar- und Chorraum und das Querschiff bilden nun ein harmonisches Ganzes aus alt und neu, das sowohl dem Ort und seiner Bestimmung als auch den heutigen Ansprüchen an eine zeitgemäße Kirche gerecht wird. Die historischen Einbauten wie der Hochaltar, die Seitenaltäre oder auch die Kanzel wurden fachgerecht saniert und in den neuen Kirchenraum integriert. Am 12. September 2021 wurde gemeinsam mit Bischof Franz Jung Altarweihe gefeiert.

Wendelinuskapelle

Die Wendelinuskapelle wurde im Jahr 1965 am Standort der alten Kreuzwegkapelle errichtet. Sie enthält unter anderem auch Teile der Ausstattung der Vorgängerkapelle. Um die Wendelinuskapelle herum befinden sich ein Kreuzweg und eine Darstellung der fünf Wunden Christi.

Baudenkmäler

Bürgermeister

Die Bürgermeister von Waldfenster
NameAmtsbezeichnungAmtszeit
Hans FellSchultheiß1736–1762
Michael Schlereth1762–1782
Michael Wehner1782–1793
Lorenz Schlereth1793–1801
Jörg Herold1804–1818
Bastian WehnerOrtsvorstand1818–1819
Kaspar Pfülb1819–1827
Johann SchlerethVorsteher1827–1831
Michael Schlereth1831–1839
Michael Straub1839–1856
L. Albert1856–1872
Johannes PfülbBürgermeister1872–1875
Müller1875–1881
Amrhein1882–1893
Burkard Schlereth1894–1916
KleinhenzBeigeordneter1916–1917
Theodor Kleinhenz1. Bürgermeister1918–1924
Siegfried Schlereth1925–1944
Markus Wehner1945–1950
Siegfried Schlereth1950–1956
Eugen Voll1956–1966
Ehrenfried Schlereth1966–1971
Ludwig Moritz1. Bürgermeister
(nach der Gebietsreform)
1972–1978
Rudolf Rost1978–1990
Emil Müller1990–2008
Waldemar Bug2008–2020
Daniel Wehnerseit 2020

Persönlichkeiten

Literatur

(chronologisch geordnet)

Commons: Waldfenster – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 Gemarkung Waldfenster (090200). In: geoindex.io. Geoindex Aktiengesellschaft, abgerufen am 9. Februar 2026.
  2. ↑ Einwohnerzahlen in Burkardroth. In: Burkardroth.de. 31. Dezember 2024, abgerufen am 19. Januar 2025.
  3. ↑ Markt Burkardroth, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 1. Januar 2025.
  4. ↑ Webkarte. ALKIS®-Verwaltungsgrenzen - Gemarkungen. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 9. Februar 2026.
  5. ↑ Version von Bezirksschulrat Nicolai, Bad Kissingen
  6. ↑ Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 426.
  7. ↑ „Nicht jeder Kissinger wollte seit jeher einer sein – 40 Jahre Große Kreisstadt: Gebietsreform von 1972 feiert Jubiläum“. In: Main-Post vom 27. Januar 2012.
  8. ↑ Annemarie Göbel: Kirchenneubau und Altareinweihung in Waldfenster. In: Burkardroth.de. Abgerufen am 19. Januar 2025.
  9. ↑ Gerhard Zeller: Markt Burkardroth | Aktuelles. Abgerufen am 11. Mai 2020.
  10. ↑ Ergänzende Materialien zur Publikation Historische Kulturlandschaft der Südrhön mit den Schwarzen Bergen stehen auf der Website des Michael Imhof Verlags zum Download zur Verfügung (Online).