Waldkappel liegt zwischen Hessisch Lichtenau im Westen und Eschwege im Osten am südlichen Zufluss des Schemmerbaches in die Wehre. Es befindet sich im Osthessischen Bergland zwischen dem sich im Norden anschließenden Mittelgebirge Hoher Meißner (751,2m) und dem Stölzinger Gebirge (583m) im Süden an der Mündung des Schemmerbachs in die Wehre. Das Gebiet der Kernstadt besteht aus der Gemarkung Waldkappel im Nordosten des Gemeindegebiets mit einer Fläche von 1630 Hektar, davon sind 526 Hektar Wald. In der Gemarkung liegen die folgenden aktuellen bzw. historischen Siedlungsplätze:
Hof „Auf dem Katzbach“
Hof Eichholz
Wüstung Geilenthal
Jagdhaus Gelltal
Haus Gelltalsberg
Wüstung Gundramshain
Gehöftgruppe Hegenhausen
Wüstung Heigenhausen
Wüstung Huxdorf
Lohmühle
Wüstung Niederrechtebach
Wüstung Rondelshausen
Wüstung Rudolfshausen
Wüstung „Sankt Claus“
Wüstung Sonneborn
Wüstung Weckmanshausen
Wüstung Wolfsthal
Südsüdöstlich der Waldkappeler Kernstadt liegt der Mäuseberg (415,4m) mit dem Pionierturm. Ein weiterer Aussichtsturm steht auf dem wenige Kilometer südsüdwestlich befindlichen Ziegenküppel (445,4m); ein anderer Berg namens Ziegenküppel (405,8m) liegt nordwestlich.
Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Waldkappel erfolgte unter dem Namen Capelle im Jahr 1226. Als Grundherren sind in dieser Zeit die Herren von Bilstein und deren Vasallen überliefert. Im Jahr 1301 besaßen die von Kappel Güter und die Gerichtsbarkeit im Ort. 1414 wurden dem Ort die Stadtrechte verliehen. Die Stadt erlebte ihre wirtschaftliche Blüte während des späten Mittelalters durch ihre Lage an der alten Handelsstraße „durch die langen Hessen“, die von der Wetterau nach Thüringen und weiter nach Leipzig führte. Als Zeichen des ehemaligen Reichtums der Stadt erhebt sich im Ortsmittelpunkt die spätgotische St.-Georgs-Kirche. Auf der Reise zum Marburger Religionsgespräch mit Ulrich Zwingli übernachtete Martin Luther am 27./28. September und 6./7. Oktober 1529 in Waldkappel. Der Dreißigjährige Krieg setzte dem Wohlstand Waldkappels ein jähes Ende; die Stadt konnte nie mehr an ihre frühere Bedeutung anknüpfen.
Die Stadt Waldkappel gehörte keinem Amt an, sondern es gab besondere Schultheißen der Ganerben. Erst 1780 beauftragte man den Justizbeamten zu Bischhausen, die Justizpflege zu versehen. Während der französischen Besetzung gehörte der Ort zum Kanton Bischhausen im Königreich Westphalen (1807–1813). Waldkappel gehörte ab 1821 zum hessischen Landkreis Eschwege.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. Februar 1971 die bis dahin selbständige Gemeinde Mäckelsdorf auf freiwilliger Basis als Ortsteil nach Waldkappel eingegliedert. Am 1. Oktober 1971 kamen die Gemeinden Burghofen, Friemen, Rechtebach und Rodebach hinzu. Bischhausen, Gehau, Harmuthsachsen, Hasselbach (beide aus dem Landkreis Witzenhausen), Kirchhosbach, Schemmern sowie Stolzhausen aus dem Landkreis Melsungen folgten am 31. Dezember 1971. Mit der Eingliederung kraft Landesgesetz von Eltmannsee und Hetzerode wurde am 1. Januar 1974 die Reihe der Eingemeindungen abgeschlossen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Waldkappel sowie die Kerngemeinde wurde jeweils ein Ortsbezirk gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten, denen Waldkappel angehört(e):
ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis
Bevölkerung
Einwohnerstruktur 2011/2022
Nach den Erhebungen des Zensus 2011/Zensus 2011 lebten am Stichtag, 9. Mai 2011/15. Mai 2022, in Waldkappel 4701/4167 Einwohner. Darunter waren 48/177 (1,0/4,2) Ausländer, von denen 48/103 aus dem EU-Ausland, 17/45 aus anderen europäischen Ländern und 5/31 aus anderen Staaten kamen. Nach dem Lebensalter waren 769/582 Einwohner unter 18 Jahren, 1847/1350 waren zwischen 18 und 49, 981/1141 zwischen 50 und 64 und 1103/1095 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2003/1195 Haushalten. Davon waren 549/? Singlehaushalte, 544/547 Paare ohne Kinder und 699/492 Paare mit Kindern, sowie 173/157 Alleinerziehende und 36/? Wohngemeinschaften. In 456/211 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1231/732 Haushaltungen leben keine Senioren.
Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt,1968. Weitere Quellen: LAGIS; Hessisches Statistisches Informationssystem; Zensus 2011; Zensus 2022 Ab 1971 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.
Die Ullenfänger (Uhlenfänger, Eulenfänger), Sage zum Ortsnecknamen der Waldkappeler
Bürgermeister
Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Waldkappel neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und vier weitere Stadträte angehören. Bürgermeister ist seit dem 1. Juli 2026 Niklas Gries (CDU), der in der Kommunalpolitik bis zur letzten Kommunalwahl Stadtverordnetenvorsteher war. Er setzte sich am 29. März 2026 in einer Stichwahl gegen Amtsinhaber Frank Koch (SPD), der sich um eine zweite Amtszeit beworben hatte, bei 62,0 Prozent Wahlbeteiligung mit 54,9 Prozent der Stimmen durch.
Amtszeiten der Bürgermeister
2026–2032 Niklas Gries (CDU)
2020–2026 Frank Koch (SPD)
2008–2020 Reiner Adam (SPD)
1984–2008 Peter Hillebrandt
1957–1984 Heinz Huth
1954–1957 Emil Wilhelm
1952–1954 Karl Knieriem
1946–1952 Bernhard Herwig
1945–1946 Max Drescher
1945–1945 Johannes Böpel
1944–1945 Georg Beyer
1931–1944 Wilhelm Schier
1924–1931 Max-Florian Oeding
1915–1923 Reinhard Kratzenberg
1913–1915 Georg Wassmann
1910–1913 …
1908–1910 Wiegand Pitz
1888–1907 Heinrich Meister
Ortsbeiräte
Für alle im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten ehemaligen Gemeinden und die Kernstadt besteht je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung.
Die Ortsbezirke sind durch das Gebiet der ehemaligen Gemeinden, wie sie vor der Eingliederung bestanden, abgegrenzt und bestehen aus fünf bis neun Mitgliedern. Die Wahl der Ortsbeiräte erfolgt im Rahmen der Kommunalwahlen. Der Ortsbeirat wählt eines seiner Mitglieder zum Ortsvorsteher bzw. zur Ortsvorsteherin. Details befinden sich in den jeweiligen Ortsteilartikeln.
Ortsbeirat Kernstadt
Der Ortsbeirat für die Kernstadt besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 22,71%. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinschaftsliste Waldkappel“ an. Der Ortsbeirat wählte Peter Kniese zum Ortsvorsteher.
Wappen
Wappen von Waldkappel
Blasonierung: „In Rot über grünem Dreiberg eine silberne (weiße) Kapelle mit blauem Dach, blau gedecktem Spitzturm und drei goldene (gelbe) Dachknäufe besteckt mit goldenen (gelben) Kreuzen vor vier grünen Bäumen mit goldenen (gelben) Stämmen.“
Wappenbegründung: Das Wappen ist abgeleitet von Siegeln von 181 und dem 17. Jahrhundert, die zunächst aber nur eine Kapelle zeigten. Bereits 1605 fand in Siebmachers Wappenbüchern die hinzugefügten Bäume, die als weiteres redendes Element für Namensteil „Wald“ dienten. Das Wappen ist heraldisch nicht korrekt, da hier mehrfach gegen die heraldische Farbregel verstoßen wird.
Banner und Flagge
00Banner: „Das Banner ist rot-weiß längsgestreift mit dem aufgelegten Wappen in der Mitte.“
00Hissflagge: „Die Flagge ist rot-weiß quergestreift mit dem aufgelegtem Wappen in der Mitte.“
Paul Glass: Das vergessene Denkmal von Harmuthsachsen oder wie Waldkappel zu Beginn des 2. Weltkrieges von evakuierten Saarländern überschwemmt wurde. Eine Spurensuche. In: Zeitschrift [Jahrbuch] des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde. [ZHG], Band 117/118, 2012/13, Kassel 2013, S. 247–268, 6 Abb.
↑Gemeindegebietsreform: Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 20.Januar 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr.6, S.248, Punkt 328, Abs. 36 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags[PDF; 6,2MB]).
↑Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 25.Oktober 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr.43, S.1716, Punkt 1425; Abs. 6. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags[PDF; 3,6MB]).
↑Gemeindegebietsreform Hessen; Zusammenschlüsse und Eingliederung von Gemeinden vom 29.Dezember 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr.3, S.84ff., Punkt 94, Abs. 89 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags[PDF; 6,0MB]).
↑Hauptsatzung.(PDF;607kB)§6.In:Webauftritt.Stadt Waldkappel,abgerufen im März 2022.
↑Michael Rademacher:Land Hessen.Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006.In:eirenicon.com.Abgerufen am 1.Januar 1900
↑
Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S.7f. (online bei Google Books).
↑Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August, S. 72 f. (kurhess GS 1821)