Walter Eder

Walter Eder, Juli 2006

Walter Eder (* 2. April 1941 in Winterberg, Böhmerwald; † 16. Juli 2009 in Berlin) war ein deutscher Althistoriker.

Leben

Walter Eder, Sohn von Emanuel Eder und seiner Ehefrau Anna Eder, geborene Sykora, musste im Juli 1946 zusammen mit seinen Eltern, dem älteren Bruder und der gerade drei Monate alten Schwester die Heimat Winterberg in Böhmen verlassen. Die Familie wurde nach Bayern ausgesiedelt und kam zunächst nach Anzenkirchen. Im Sommer 1951 verzog sie nach Passau, wo der Vater zuerst bei der Passavia und dann bei der Passauer Neuen Presse als Korrektor tätig war.

Walter Eder besuchte von 1947 bis 1951 die Volksschule in Anzenkirchen und von 1951 bis 1960 das Humanistische Gymnasium Leopoldinum in Passau. Nach dem Abitur studierte er vom Wintersemester 1960 bis zum Sommersemester 1965 an der Universität München Klassische Philologie und Geschichte. Vom Sommersemester 1964 bis zum Sommersemester 1965 kam das Studium der Germanistik und von Wintersemester 1965 bis 1966 das der Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft hinzu. Im Sommer 1965 schloss er sein Studium für das Höhere Lehramt mit der 1. wissenschaftlichen Staatsprüfung in den Fächern Griechisch, Latein und Geschichte ab und erwarb noch im gleichen Jahr den Grad Magister artium in den Fächern Alte Geschichte, Griechisch und Latein. Seit dem 1. März 1966 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent am Seminar für Alte Geschichte der Freien Universität Berlin. Vom Wintersemester 1966/67 bis 1969 setzte er das Studium der Rechtswissenschaft an der FU fort. 1968 heiratete er Gabriele Dunst. Aus der Ehe gingen zwei Söhne sowie eine Tochter hervor.

Im Jahr 1969 wurde er mit der Dissertation Das vorsullanische Repetundenverfahren in München bei Robert Werner zum Doktor der Philosophie promoviert, Zweitgutachter war Wolfgang Kunkel. 1970 wurde Eder an der FU Berlin zum Akademischen Rat ernannt und 1971 zum Professor für Alte Geschichte. 1978 habilitierte er sich mit dem Thema Servitus publica. Untersuchungen zur Entstehung, Entwicklung und Funktion der öffentlichen Sklaverei in Rom an der FU. 1980/81 und noch einmal 1984/85 forschte er am Deutschen Archäologischen Institut in Rom. 1981 war er Junior Fellow am Center for Hellenic Studies in Washington, D.C., 1988/89 Research Fellow am Institute for Advanced Study in Princeton. 1992 wurde Walter Eder zum C-4-Professor für Alte Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum berufen, an der er bis zu seiner Emeritierung 2006 lehrte und forschte.

Seit 1994 war er im Auftrag der archäologischen Grabungsleitung unter Volkmar von Graeve verantwortlicher Leiter der denkmalpflegerischen und touristischen Aufbereitung der antiken Stadtruine Milet in der Türkei. Von 1972 bis 1997 übernahm er zahlreiche Reiseleitungen im gesamten Mittelmeerraum, Europa und Nordamerika.

Eder war Mitbegründer des Willy Scharnow-Institut, des Instituts für Tourismus der Freien Universität Berlin. Er fungierte dort als wissenschaftlicher Leiter des Ausbildungsbereichs Wissenschaftliche Reiseleitung und -planung und war verantwortlich für den Aufbau eines Tourismusarchivs (heute Historisches Archiv zum Tourismus). Nach seiner Berufung nach Bochum 1992 blieb er Lehrbeauftragter am Willy-Scharnow-Institut, das 2009 den Lehrbetrieb einstellte.

Hartmut Leppin widmete sein Buch Das Erbe der Antike (2010) „dem Andenken an Walter Eder“ und schrieb über ihn im Vorwort: „Er war ein großer, lange verkannter Anreger des Faches, denn er wusste originell zu denken, doch starb er zu früh, um all das niederzuschreiben, was er an Neuem gedacht und so vielen in großzügiger Weise mündlich weitergegeben hat.“

Schwerpunkte von Forschung und Lehre

Eder beschäftigte sich mit der Geschichte des Mittelmeerraumes und der angrenzenden Gebiete von der Einwanderung der Indoeuropäer im 2. Jahrtausend v. Chr. bis zum Ende des Weströmischen Reiches im 5./6. Jahrhundert, also der ganzen Antike bzw. klassischen Altertum in ihren/seinen weitesten zeitlichen und räumlichen Ausdehnungen. Schwerpunkte seiner Arbeit waren Analysen zum Werden und Vergehen staatlicher Strukturen, deren religiöse, soziale und wirtschaftliche Voraussetzungen und Folgen sowie die damit im Zusammenhang stehenden gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen antiker politischer Systeme und Lebensformen sowie deren wissenschaftliche Darstellung in der Moderne. Das Studium der römischen Rechtsgeschichte kam seinen Publikationen zur vergleichenden Rechts- und Verfassungsgeschichte der Antike zugute.

Eder war für den Neuen Pauly einer der Fachbereichsherausgeber im Teilbereich Alte Geschichte und verfasste selbst zahlreiche Artikel. Zusammen mit dem Altorientalisten Johannes Renger war er ferner Herausgeber des ersten Supplementbandes des Neuen Pauly mit dem Titel Herrscherchronologien der antiken Welt. Namen, Daten, Dynastien.

Die gleiche Breite seiner wissenschaftlichen althistorischen Forschungen deckte Eder mit den Themen seiner Lehrveranstaltungen ab. Ungewöhnlich für die wissenschaftliche Laufbahn eines Althistorikers war Eders Engagement für wissenschaftliche Fragen des Tourismusbetriebes, das ihn zum Mitbegründer des Instituts für Tourismus der Freien Universität werden ließ. Ihm blieb er auch nach seiner Berufung an die Ruhr-Universität als Lehrbeauftragter verbunden. Daraus sind zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze und Vorträge zur Praxis der Reiseleitung sowie zu Denkmalpflege und Tourismus entstanden.

Veröffentlichungen zur Alten Geschichte (Auswahl)

Schriftensammlung

Veröffentlichungen

Publikationen zu Tourismus, Denkmalpflege und Reiseleitung (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Hartmut Leppin: Das Erbe der Antike. München 2010. S. 8.
Personendaten
NAME Eder, Walter
KURZBESCHREIBUNG deutscher Althistoriker
GEBURTSDATUM 2. April 1941
GEBURTSORT Winterberg, Böhmerwald
STERBEDATUM 16. Juli 2009
STERBEORT Berlin