Walter Lessing

Walter Amand Anton Lessing (* 21. Mai 1881 in Oberlahnstein; † 1. März 1967 ebenda) war ein deutscher Industrieller und Politiker.

Leben

Uliza Kasanskaja № 33, Sankt Petersburg

Walter Lessing wurde als eines von acht Kindern des deutsch-russischen Industriellen Anton Lessing und seiner Ehefrau Lydia de Cuyper (1848–1904), Tochter des belgischen Mathematikers Antoine de Cuyper, geboren. Sein Vater konvertierte vom jüdischen zum evangelischen Glauben. Walter hatte mindestens drei Brüder, darunter der Landwirt Friedrich Karl Anton „Fred“ Lessing (1876–1959) und der Hütteningenieur Gottfried Lessing (1877–1950), Vater des Diplomaten Gottfried Lessing und der Kulturpolitikerin Irene Gysi. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Koblenz studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig sowie fünf Semester an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (SS 1902 bis SS 1904) und promovierte zum Doktor beider Rechte. Er absolvierte 1900 ein kaufmännisches Praktikum in England und trat 1904 als einziger der Söhne von Anton Lessing in den väterlichen Betrieb in Russland ein und erlernte das Bankgeschäft. 1912 wohnte er als Direktor der Gesellschaft „Robotnik“ in Haus Nr. 33 der Kasaner Straße (Uliza Kasanskaja) in Sankt Petersburg.

Im Ersten Weltkrieg war Lessing Hauptmann der Reserve und als Verbindungsoffizier zu den bulgarischen Besatzungsbehörden in Mazedonien eingesetzt. Nach dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurde er im Sommer 1918 der „Deutschen Wirtschaftskommission“ unter Major Wilhelm Henning als Berater beigegeben. Anderen Angaben zufolge war er Artillerieoffizier an der Westfront.

Nach Kriegsende verfasste er Flugschriften der Antibolschewistischen Liga.

Er war Stadtratsmitglied, Begründer und Kreisvorsitzender der Europa-Union Lahnstein.

Grabmal der Familie Lessing in Oberlahnstein

Am 26. Mai 1961 ernannte die Stadt Oberlahnstein den Kommunalpolitiker und Förderer des kulturellen Lebens zum Ehrenbürger; am 12. November 1968 benannte sie die Dr.-Walter-Lessing-Straße nach ihm.

Walter Lessing starb 1967 im Alter von 85 Jahren und wurde in der Familiengruft auf dem Friedhof an der Sebastianusstraße in Lahnstein beigesetzt. Der Ministerialdirigent Clemens Lessing, langjähriger Bundesvorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung, war sein Sohn.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Clemens Lessing: Lessing, Anton. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 14. Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 349–350 (deutsche-biographie.de).
  2. ↑ Hermann Schäfer: Alfred Lessing. In: Die Rotary Clubs im Nationalsozialismus. Die ausgeschlossenen und diskriminierten Mitglieder; ein Gedenkbuch. Wallstein-Verlag, Göttingen 2024, ISBN 978-3-8353-5635-1, S. 484 f.
  3. ↑ Adressbuch der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Sommer-Halbjahr 1902. Universitäts-Buchhandlung von Karl Groos, Heidelberg 1902, S. 39, doi:10.11588/diglit.2685 (die mit * bezeichneten Studierenden sind zur Immatrikulation vorgemerkt). – Adressbuch der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Sommer-Halbjahr 1904. Universitäts-Buchhandlung von Karl Groos, Heidelberg 1904, S. 40, doi:10.11588/diglit.2685.
  4. ↑ Larissa Iljinitschna Broitman: Улица Казанская Uliza Kasanskaja. Zentrpoligraf/MiM-Delta, Moskau/Sankt Petersburg 2008, ISBN 978-5-9524-3776-0, S. 169.
  5. ↑ Dr. jur. Walter Amand Anton Lessing. In: Albert Köhler, Ernesto Pisoni (Hrsg.): Europäische Profile. Biographie führender Männer der Politik, Wirtschaft und Kultur. Band 2: Bundesrepublik Deutschland. Ed. Europa Unita, Mailand 1954 (deutsch, englisch, französisch, degruyterbrill.com – zitiert nach: Deutsches Biographisches Archiv. Teil III, Fiche 559, Feld 238–240).
  6. ↑ Karl Freiherr von Bothmer: Moskauer Tagebuch 1918. Bearb. von Winfried Baumgart. Hrsg.: Gernot Böhme. Schöningh, Paderborn [u. a.] 2010, ISBN 978-3-506-76519-2, S. 101, Fn. 302.
  7. 1 2 3 4 Walter Lessing in der Rheinland-Pfälzischen Personendatenbank, abgerufen am 12. September 2026.
  8. ↑ Othmar Plöckinger: Unter Soldaten und Agitatoren. Hitlers prägende Jahre im deutschen Militär 1918–1920. Schöningh, Paderborn [u. a.] 2013, ISBN 978-3-506-77570-2, S. 275.
  9. ↑ Bernhard Duhr: Übersicht. Der Bolschewismus. In: Stimmen der Zeit. Band 97, Nr. 2, 1919, S. 133–148 (digitheo.de).
Personendaten
NAME Lessing, Walter
ALTERNATIVNAMEN Lessing, Walter Amand Anton (vollständiger Name); Lessing, Walter Armand
KURZBESCHREIBUNG deutscher Industrieller und Politiker
GEBURTSDATUM 21. Mai 1881
GEBURTSORT Oberlahnstein
STERBEDATUM 1. März 1967
STERBEORT Oberlahnstein