Walter Lessing wurde als eines von acht Kindern des deutsch-russischen Industriellen Anton Lessing und seiner Ehefrau Lydia de Cuyper (1848–1904), Tochter des belgischen Mathematikers Antoine de Cuyper, geboren. Sein Vater konvertierte vom jüdischen zum evangelischen Glauben. Walter hatte mindestens drei Brüder, darunter der Landwirt Friedrich Karl Anton „Fred“ Lessing (1876–1959) und der Hütteningenieur Gottfried Lessing (1877–1950), Vater des Diplomaten Gottfried Lessing und der Kulturpolitikerin Irene Gysi. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Koblenz studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig sowie fünf Semester an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (SS 1902 bis SS 1904) und promovierte zum Doktor beider Rechte. Er absolvierte 1900 ein kaufmännisches Praktikum in England und trat 1904 als einziger der Söhne von Anton Lessing in den väterlichen Betrieb in Russland ein und erlernte das Bankgeschäft. 1912 wohnte er als Direktor der Gesellschaft „Robotnik“ in Haus Nr. 33 der Kasaner Straße (Uliza Kasanskaja) in Sankt Petersburg.
Er war Stadtratsmitglied, Begründer und Kreisvorsitzender der Europa-Union Lahnstein.
Grabmal der Familie Lessing in Oberlahnstein
Am 26. Mai 1961 ernannte die Stadt Oberlahnstein den Kommunalpolitiker und Förderer des kulturellen Lebens zum Ehrenbürger; am 12. November 1968 benannte sie die Dr.-Walter-Lessing-Straße nach ihm.
Walter Lessing starb 1967 im Alter von 85 Jahren und wurde in der Familiengruft auf dem Friedhof an der Sebastianusstraße in Lahnstein beigesetzt. Der Ministerialdirigent Clemens Lessing, langjähriger Bundesvorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung, war sein Sohn.
Schriften
Der Bolschewismus in Rußland und seine Wirtschaftspolitik (= Revolutions-Flugschriften des Generalsekretariats zum Studium des Bolschewismus. Heft 1). Alexander Grübel, Berlin 1919 (8S.; auch in: Bolschewismus (= Kriegshefte der Süddeutschen Monatshefte). Januar 1919, S. 265–269, Digitalisat).
Mikrofiche-Ausgabe: Belser Wissenschaftlicher Dienst, Wildberg 1992, ISBN 3-628-00982-0.
Revolution, Politik und Selbstvertrauen (= Revolutions-Flugschriften; Neue Folge. Heft 1). Generalsekretariat zum Studium und zur Bekämpfung des Bolschewismus, Berlin 1919 (11S.).
Zahlenwahnsinn und Bolschewismus. Geisteskrankheiten des Weltkrieges (= Revolutions-Flugschriften; Neue Folge. Heft 2). Generalsekretariat zum Studium und zur Bekämpfung des Bolschewismus, Berlin 1919 (4S.).
Deutschland und Ost-Europa. Vortrag, gehalten auf dem Ligakursus am 13. Januar 1921. Liga zum Schutze der deutschen Kultur, Berlin 1921 (24S.).
Vater und Sohn im Zarenreich 1859–1914, vom Sohne. Selbstverlag, Oberlahnstein [um 1955] (50Bl., Typoskript).
Literatur
Dr. jur. Walter Amand Anton Lessing. In: Albert Köhler, Ernesto Pisoni (Hrsg.): Europäische Profile. Biographie führender Männer der Politik, Wirtschaft und Kultur. Band2: Bundesrepublik Deutschland. Ed. Europa Unita, Mailand 1954 (deutsch, englisch, französisch, degruyterbrill.com– zitiert nach: Deutsches Biographisches Archiv. Teil III, Fiche 559, Feld 238–240).
↑Hermann Schäfer:Alfred Lessing. In: Die Rotary Clubs im Nationalsozialismus. Die ausgeschlossenen und diskriminierten Mitglieder; ein Gedenkbuch. Wallstein-Verlag, Göttingen 2024, ISBN 978-3-8353-5635-1, S.484f.
↑Adressbuch der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Sommer-Halbjahr 1902. Universitäts-Buchhandlung von Karl Groos, Heidelberg 1902, S.39, doi:10.11588/diglit.2685 (die mit * bezeichneten Studierenden sind zur Immatrikulation vorgemerkt). – Adressbuch der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Sommer-Halbjahr 1904. Universitäts-Buchhandlung von Karl Groos, Heidelberg 1904, S.40, doi:10.11588/diglit.2685.
↑Dr. jur. Walter Amand Anton Lessing. In: Albert Köhler, Ernesto Pisoni (Hrsg.): Europäische Profile. Biographie führender Männer der Politik, Wirtschaft und Kultur. Band2: Bundesrepublik Deutschland. Ed. Europa Unita, Mailand 1954 (deutsch, englisch, französisch, degruyterbrill.com– zitiert nach: Deutsches Biographisches Archiv. Teil III, Fiche 559, Feld 238–240).
↑Othmar Plöckinger:Unter Soldaten und Agitatoren. Hitlers prägende Jahre im deutschen Militär 1918–1920. Schöningh, Paderborn [u.a.] 2013, ISBN 978-3-506-77570-2, S.275.