
Wanda Pranden, geborene Fischer (* 30. April 1923 in Bad Gandersheim; † nach 1990) war eine deutsche Sintizza und Überlebende des Völkermordes an den Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten. Sie war Insassin des sogenannten Zigeunerlagers im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Nach dessen Räumung war sie in den Konzentrationslagern Mauthausen, Ravensbrück und Bergen-Belsen.
1963 war sie Zeugin im ersten Frankfurter Auschwitzprozess. In den nachfolgenden Jahrzehnten setzte sie sich aktiv gegen das Vergessen des Völkermordes an den Sinti und Roma ein, indem sie ihre persönliche Geschichte als Zeitzeugin in wissenschaftlichen Interviews und Dokumentarfilmen erzählte.
Wanda Pranden wurde am 30. April 1923 als Tochter von Albert „Dänemann“ Fischer (* 1897) und Henny „Trauba“ Fischer (* 1900) geboren. In ihrer Kindheit besuchte sie in Hannover eine Volksschule. Nach ihrer Schulentlassung kümmerte sie sich um den elterlichen Haushalt, während ihre Eltern als Textilhändler auf Reisen waren. 1942 brachte Wanda Pranden ihren Sohn Werner zur Welt. Zusammen mit ihrem Sohn, ihren Eltern und ihren acht Geschwistern Albert „Schlimmi“ (* 1921), Rosa „Kesche“ (* 1925), Anna (* 1926), Johanna „Karla“ (* 1928), Frieda (* 1932), Antonia (* 1933), Malla (* 1935), Dina (* 1937) und Gisela (* 1939) lebte sie bis 1943 in der Röselerstraße 3 in Hannover.
Ab Mitte der 1930er Jahre begann das NS-Regime mit der organisierten Verfolgung von sogenannten „Zigeunern“. Dafür wurde im Jahr 1938 die Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens gegründet. Zusammen mit der Rassenhygienischen Forschungsstelle (RHF) organisierte sie erst die Erfassung und Katalogisierung und später die Deportationen. 1938 wurden auch Wanda Pranden und ihre Familie von Eva Justin und Robert Ritter, dem Leiter der RHF, erfasst. Die Kinder wurden untersucht und fotografiert, die Eltern mussten zusätzlich Fingerabdrücke abgeben.
Mit dem Auschwitz-Erlass Heinrich Himmlers wurde am 16. Dezember 1942 die Deportation aller im Deutschen Reich lebender Sinti und Roma angeordnet. Auf Grundlage dieses Erlasses fanden die Deportationen in das „Zigeunerlager“ im KZ Auschwitz-Birkenau statt.
Auch Familie Fischer wurde auf Basis des Erlasses am 2. März 1943 in ihrer Wohnung in der Röselerstraße verhaftet. Pranden berichtete, wie sie zunächst mit ihrem Sohn, ihren Geschwistern, Eltern und Tanten in eine Gaststätte gebracht wurden. Sie erinnerte sich an die Überzeugungsversuche der Gastwirtin, ihren fünf Monate alten Sohn bei ihr zurückzulassen.
Am nächsten Morgen wurde die Familie zum Bahnhof Linden-Fischerhof gebracht und von dort aus mit einem Zug über Braunschweig nach Auschwitz deportiert. Dort kam die Familie in das von der SS im Lagerabschnitt B II e eingerichtete „Zigeunerfamilienlager Auschwitz“. Pranden berichtet an verschiedenen Stellen über die schlechten Lebensumstände im Lager und die andauernde Präsenz des Todes sowie auch von wiederholter körperlicher Misshandlung gegenüber ihr und anderen Familienmitgliedern durch das Lagerpersonal. Ihr Sohn Werner starb wenige Monate nach ihrer Verhaftung. Dina und Gisela, die beiden jüngsten Mädchen der Familie Fischer, fielen den Menschenversuchen des Lagerarztes Josef Mengele zum Opfer. Wanda Prandens Mutter Henny und ihre Geschwister Anna, Frieda, Antonia und Walla wurden in den Gaskammern des Lagers Auschwitz ermordet.
In Auschwitz nahm sie sich der achtjährigen Else Schmidt an, die ohne Familie ankam. Sie beschützte Else und half ihr dabei, einen Brief an ihren Adoptivvater nach Hamburg zu schicken.
Vor der Auflösung des Zigeunerfamilienlagers am 1. August 1944 wurden viele Insassen in andere Lager transportiert. Auf diesem Weg kam Pranden in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Hier musste sie unter anderem Planierungsarbeiten für Siemens sowie auch Strafarbeiten verrichten. In Ravensbrück wurde Pranden durch den Arzt Carl Clauberg zwangssterilisiert. Dort wurde sie Zeugin der Sterilisationsexperimente, die Clauberg an Kindern durchführte.
Wenige Zeit später wurde sie mit anderen Sinti und Roma ins KZ Mauthausen gebracht. Während des Transportes beobachtete sie erstmals die Erschießung von Gefangenen. Sie blieb nur kurze Zeit in Mauthausen und wurde Ende Februar 1945 nach Bergen-Belsen verlegt. Wenige Tage nach der Befreiung des Lagers durch britische Soldaten am 15. April 1945 verließ Pranden das Lager und lief zu Fuß nach Hannover.
In den Jahrzehnten nach dem Krieg setzte Pranden sich durch das Erzählen ihrer Leidensgeschichte aktiv gegen das Vergessen des Völkermords an den Sinti und Roma ein. In den 1980ern wurde sie von der Drehbuchautorin Melanie Spitta, selbst Tochter einer Überlebenden, für die Filme Es ging Tag und Nacht, liebes Kind – Zigeuner (Sinti) in Auschwitz und Das falsche Wort – Wiedergutmachung an Zigeunern (Sinti) in Deutschland? interviewt. In den von Katrin Seybold produzierten Filmen spricht Pranden eindrücklich über das Leid und Unrecht, das sie und ihre Familie erfahren haben. Dabei thematisierte sie auch ihre gesundheitlichen Folgen der Lagerhaft und die unzureichende Anerkennungs- sowie Entschädigungspraxis durch den deutschen Staat. Auch mit Historikern, die zum Völkermord an den Sinti und Roma forschten, sprach Pranden über ihre Geschichte. 1960 gab sie mehrere Zeugenaussagen zum ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess zu Protokoll.

Am 4. Dezember 2012 wurden vor dem Wohnhaus der Familie Fischer in der Röselerstraße 5/7 Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig verlegt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pranden, Wanda |
| ALTERNATIVNAMEN | Fischer, Wanda (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Sintizza und Überlebende des Völkermordes an den Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten |
| GEBURTSDATUM | 30. April 1923 |
| GEBURTSORT | Bad Gandersheim |
| STERBEDATUM | nach 1990 |